Stagnation der Großstadtliteratur

Lena Elfraths „Die Liebe ist ein Schmetterling“ ist nur ein weiteres Beispiel für die derzeit zahlreich scheiternden Versuche literarischer Gesellschaftskritik

Von Daphne TokasRSS-Newsfeed neuer Artikel von Daphne Tokas

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Lena Elfraths klatscht uns in ihrem Romandebüt Die Liebe ist ein Schmetterling vier Figuren vor die Nase, mit denen wir dann über hunderte von Seiten zurechtkommen müssen: Fiona ist ein zerstörtes, recht egozentrisches und konsumgeschädigtes Model, das am liebsten zu harten Beats tanzt und sich im Rausch die Sinne betäubt. Maik dagegen ist ein Aussteiger, er wird freiwillig obdachlos, weil er das ihn umgebende System als Gefängnis erlebt und ihn sein Gram in die völlige Entfremdung treibt. Achim, ein narzisstischer, misogyner Karrierist, lebt mehr in seinem Büro als irgendwo anders und zeichnet sich durch besonders einfältige Gedanken aus. Aline ist eine naive, langweilige Hausfrau, die ihr bürgerliches Leben in ihrem ordentlichen Eigenheim mit einem Mann zubringt, mit dem sie sich zwar nicht versteht, von dem sie sich aber ein Baby wünscht. Diese menschlichen Zerrbilder aus unterschiedlichen Milieus leben in einer anonym bleibenden Stadt nebeneinander her und sind nicht miteinander bekannt.

Auf ihrer eigenen Internetseite behauptet die 38-jährige Autorin Lena Elfrath, mehrere Jahre an ihrem Debütroman geschrieben zu haben, wovon zwei Jahre allein die Recherchen gedauert hätten. Diese bestanden unter anderem darin, sich in Tarnkleidung in das urbane Leben zu begeben, zu beobachten, zu interviewen und die Realität auf sich wirken zu lassen. Das ist nahezu unglaublich, wenn man die über 400 Seiten von Die Liebe ist ein Schmetterling gelesen hat – denn schreiben können hätte man das Ganze eigentlich auch ohne diese exzessiven Vorbereitungen. Der Roman folgt, wie so viele seiner Art, einem ganz einfachen Rezept: Man nehme einige Transit-Orte, am besten Bahnhöfe oder Bars, mehrere Hauptfiguren, die in einem Spannungsfeld von Lethargie und Aggression leben, ein paar Metaphern, die auf die Sterilität und Oberflächlichkeit des Arbeits- und Soziallebens hinweisen, und gebe die Hauptthemen dieser Literatur hinzu – Arbeit, Party, Sex, „Liebe und so“, Fremdheit, Musik, Geld, Zeit, das verlorene Selbst und die vergebliche Suche nach Sinn und Freiheit. Diese Themen hat die Autorin sogar in ihre Kapitelüberschriften gepackt. Das alles zusammen sollte dann in einer Sprache gehalten sein, die auf eine geistige Verrohung der Figuren hinweist, beispielsweise durch ordinäre Schimpfworte und lässige Anglizismen, was dann normalerweise vom Verlust eines erkennbaren, transzendenten, auch kommunikativen Prinzips, das der Welt zugrunde liegt, zeugt. Schon hat man, so könnte man meinen, die perfekte Gesellschaftskritik in literarischer Form.

Um zu verstehen, weshalb es empören sollte, dass schon wieder ein 430-seitiger Großstadtroman veröffentlicht wurde, der bekannte Motive mehr wiederkäut als neu hervorbringt, sollte man einen kurzen Blick auf die Großstadt in der Literaturgeschichte werfen. Die Großstadt definiert sich nicht nur über ihre räumlich-architektonische Darstellung, sondern ebenso über das Sozialverhalten der sich darin aufhaltenden Menschen, über deren Erscheinen, ihre Körper und ihr Auftreten. Sie überfordert den Großstädter mit einem kaleidoskopisch schillernden Überangebot an vermeintlichen Möglichkeiten und Handlungsspielräumen, was schon Georg Simmel vor mehr als 100 Jahren konstatierte. Doch sobald dieses Individuum, einmal abgekapselt von hypertrophen Sinnesreizen, Arbeitswelt und Menschenmassen, auf sich selbst zurückgeworfen ist, erscheint es dem Rezipienten wieder als der typische Großstadt-Single: einsam, abgestumpft und isoliert. Und genau von diesen Menschen handelt Elfraths Roman. Das ist an sich nichts Neues, denn auch in anderen Romanen geht es um ebensolche. In der zeitgenössischen Großstadtliteratur werden, möglicherweise als Reaktion auf eine damit korrespondierende Stadterfahrung, hauptsächlich solche Problematiken behandelt, die vermehrt in den sich ständig vergrößernden Industriegesellschaften der globalisierten Welt angesiedelt sind.

Bereits im ausklingenden 19. Jahrhundert werden Technik und Großstadtleben in der deutschsprachigen Literatur neben ihrer literarischen Verherrlichung vielfach als ursächliches Grundübel für die geistig-seelische Aushöhlung der Gesellschaft und des Individuums angesehen. Bei Großstadtbewohnern und Schriftstellern, die sich im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert mit einer solchen Gesellschaft konfrontiert sahen, löste dies nicht selten misanthropische Gesinnungen aus, die sich im Extremfall auf die gesamte menschliche Gattung bezogen. Die kapitalistische Fortschrittslogik wird umgedeutet in negative Symbole, es dominiert in der Wahrnehmung das Gegeneinander von lethargischem Ich und rastloser Masse, Technik wird gedeutet als der verlängerte Arm einer dystopisch ausgerichteten Arbeitsmaschinerie, der alle Menschen im Zuge der Industrialisierung auf lange Sicht unterworfen sind oder sein werden. Diese Reaktion auf eine weltliche Enttäuschungserfahrung in der menschlichen Zivilisation kristallisiert sich in den atmosphärischen Stadtbeschreibungen einer langen Literaturgeschichte bereits seit mindestens 100 Jahren heraus – ein Ende ist nicht in Sicht, sondern wird im Gegenteil immer stärker. In den belletristischen Neuerscheinungen der letzten zehn bis fünfzehn Jahre wimmelt es nur so von typischen Phänomenen, die nun auch in Elfraths Debütroman auftauchen. Und es nervt.

Es ist bei jenen Romanen aufgrund unterschiedlicher Anspielungen und der Erwähnung bestimmter technischer Geräte, politischer Ereignisse und der Verwendung eines ausgesprochen aktuellen, in der Alltagswelt vielfach vertretenen Vokabulars davon auszugehen, dass das Romangeschehen frühestens in den 2000er-Jahren angesiedelt sein muss und die Konstruktion des Stadtlebens in den Romanen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aus gegenwärtigen Großstadterfahrungen und Eindrücken aus urbanen Lebenswelten speist. Die Protagonisten sehen sich einem Gefüge von Arbeits- und privaten Beziehungen ausgesetzt, das sie als unehrlich und hinfällig betrachten und ausschließlich mit Spott kommentieren; gleichzeitig sehnen sie sich nach einer intimen Bezugsperson, die ihre verkümmerte Gefühlswelt restabilisieren soll. Ihr ausgiebig kultivierter Selbsthass lässt sie zunächst nicht nur um sich selbst kreisen, sondern führt diese Figuren in einen Nihilismus, der häufig zugleich die gesamte menschliche Existenz und das menschliche Handeln infrage stellt sowie, nicht selten, die weitere Fortpflanzung der Menschen als sinnlos erachtet, weil durch das ständige Streben und egoistische Verlangen der Menschen, das die Protagonisten jeweils konstatieren, nur immer wieder Leid ausgelöst würde und eine vollkommene Bedürfnisbefriedigung aller irdischen Lebewesen nicht erreichbar sei. Diese Feststellung vermag jedoch nichts zu bewirken, denn die Wut der desillusionierten Hauptfiguren verharrt weiterhin in einem hermetisch geschlossenen Lebensraum.

Die Vergangenheit der Literaturwissenschaft zeigt, worin überhaupt die Motivation vieler Autoren und Autorinnen liegen mag, sich dem Stadtleben als Thema zu widmen. Noch für Horaz war es unmöglich, die Großstadt als Gegenstand poetischen Schreibens zu begreifen; er sah das großstädtische Leben als grundsätzlich falsche Umgebung für Schreibende an. In der Moderne beginnt die Literatur jedoch, sich von dem Dogma der bloßen Erbauung zu emanzipieren – gesellschaftskritische Stimmen werden lauter, philosophische und zivilisationskritische Diskurse finden Einzug in Dichtung und Prosa, das gesellschaftliche Leben in der Großstadt wird Inspirationsquelle und nicht etwa Gegner zahlreicher Autoren. Die Stadt wurde bereits von Alfred Döblin im Jahr 1929 in Berlin Alexanderplatz neben wachsender Modernitätsbegeisterung auch als ein Ungetüm voller Menschengewirr, Häuserfülle und damit einhergehenden sozialen Problemen wie Kriminalität, Chaos und Prostitution dargestellt. Ähnliches in Bezug auf die Stadt ist bei Robert Musil und anderen berühmten Autoren und Autorinnen zu finden.

Dass die Literatur diese Phänomene aufgreift, ist erst einmal eine positive Entwicklung, sofern das Aufkommen des Maschinenzeitalters im 19. Jahrhundert und das industrielle Wachstum nicht nur für Fortschrittsbegeisterung sorgten, sondern auch für Verunsicherung in der westlichen, zunehmend vernetzten Welt, deren Sozialgefüge sich nun veränderte, da sich die industrielle Gesellschaft mit neuen Berufszweigen herausbildete und gewohnte Lebens- und Arbeitsstrukturen radikal umgewälzt wurden. Bis heute hat sich die Literatur allerdings nicht von ihrem alles absorbierenden Kulturpessimismus, der die Stadt als mitleidlos erkaltete Umgebung betrachtet, erholt. Im Gegenteil, in der Gegenwartsliteratur wird diese überkomplexe Welt zunehmend verflacht. Kritisiert man heute derartige Zustände, muss man originell sein, um noch zu verblüffen.

Insofern die (Groß-)Stadt als ein Kulminationspunkt menschlichen Zusammenlebens zu bezeichnen ist, steht sie notwendig in Verbindung mit zahlreichen in Literatur und Philosophie ausgehandelten Grundsatzfragen zu moralisch vertretbaren Lebensweisen, zum Verhältnis von Individuum und Masse und zu fragwürdigen Ausformungen menschlicher Zivilisationen und individueller Lebensstile. Die Stadt ist untergliederbar in unterschiedliche Ausprägungen ihrer Funktion, Größe, Wahrnehmung und Struktur. Das wirtschaftliche Kalkül großer Betriebe degradierte den Arbeiter mit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem bloßen Faktor im Produktionsprozess, ideologisierte ihn zuweilen sogar als Untermenschen, dessen gesellschaftlicher ‚Wert‘ sich an seiner Rentabilität für den Betrieb und die dazugehörigen Produkte orientierte – ein Zustand, der sich in seinen Grundzügen mit der fortschreitenden Ausbreitung der Großstädte weiter ausgeweitet hat. Der Arbeiterbegriff betrifft heutzutage jedoch nicht mehr nur den am Fließband stehenden Arbeiter, vielmehr verkommen die Arbeiter nun zu Produktionsagenten, deren Entdifferenzierung von der Arbeit vollkommen ist und sich in abstrakten Begriffen wie „Projekt“ und „Management“ manifestiert. Die Stadt ist also einerseits aus kulturwissenschaftlichem Blickwinkel das ideale Modell einer Kulturraumverdichtung, wird literarisch jedoch seit jeher als ein Ort der Ausschweifung und des Elends interpretiert. Bis heute hat sich das nicht geändert. Und das wird zunehmend langweilig.

Die oft mangelnde sprachliche Sinnlichkeit der deutschen Gegenwartsprosa scheint ein wichtiger Kulminationspunkt des Diskurses um Großstadt und der Kritik an derselben zu sein. Das Ich als Sprachkörper ist stets mit rigiden Ausdrucksgrenzen konfrontiert und kommt über Aussagen, die tiefer greifen als ein gesamtgesellschaftliches, allgemein bekanntes Ressentiment, nicht hinaus; jeder Sprechakt ist ein Aufbegehren ohne tatsächlich intendierte Bedeutung, eine ins Leere laufende Positionierung innerhalb eines komplexen Machtgefüges. Dies würde bedeuten, dass Elfrath bewusst auf ästhetische Qualität zugunsten der Darstellung eines sich in Spracharmut und fehlender Sprachreflexion äußernden Ressentiments ihrer Figuren verzichtet hätte. Oder sie kann einfach nicht gut schreiben. Elfrath schafft es nämlich leider nicht, die Leere ihrer Figuren und die Oberflächlichkeit der Erzählung als Autorin zu füllen. Die ausgehöhlten Hauptfiguren bleiben leer, die Handlung weist nicht über sich selbst hinaus. Jeder mögliche existenzielle Ernst weicht erzähltechnischen Plattitüden und einem unvorsichtigen, ja radikal unbedachten Umgang mit Worten und Nicht-Worten, Orten und Nicht-Orten. So ist an manchen Stellen der einzige Gedanke des Models, „ob das Mädchen auf dem Foto nicht pinkeln, sondern kacken wollte“. Wie spannend.

Hier wird man mit dem pseudorebellischen Duktus einer Autorengeneration konfrontiert, die nicht mehr weiß, wie man mit Literatur noch etwas sagen kann, das über plumpe Verbitterung und die Ausläufer eines ehemals philosophisch produktiven Nihilismus hinausgeht. Es ist ohnehin zweifelhaft, ob die Autorin jemals Zugang zu einer breiteren Masse an philosophisch-literarischen Texten hatte. Wenigstens dann wäre ihr das eigene literarische Vorhaben sicherlich redundant vorgekommen. Jeder Tagebucheintrag eines unglücklichen 12-jährigen Mädchens hat mehr Tiefe und besteht nebenbei bemerkt sicherlich nicht nur aus Parataxen und pathetischen Schlusssätzen wie „Fade out“.

Elfraths Stadtdarstellung bildet ein forciertes motivisches Wirkungsfeld aus aufeinandertreffenden Körpern, sozialen Machtverhältnissen, immer wieder veränderten Raum- und Zeitvorstellungen und  den daraus resultierenden sprachlichen und weltanschauungsphilosophischen Spannungen. Hierbei sind es vor allem die individuellen Bezüge, die die jeweiligen Protagonisten zu sich selbst und zu ihrer Umgebung entwickeln oder nicht entwickeln, da ihre in Eindrücke zerfließende Umgebung verhindert, über die Differenz von Ich und Umwelt einen Begriff von sich selbst zu bilden. Das ist nichts Neues. Ernüchterung, Entfremdung und kulturpessimistische Hoffnungslosigkeit bestehen schon seit jeher als immer wieder neu verhandelter Teil des menschlichen Welt- und Geschichtsverständnisses. Zu fragen wäre, ob Elfrath überhaupt davon ausgeht, mit ihrem Roman irgendetwas zu sagen, was andere Autoren nicht schon weitaus feinfühliger und differenzierter darzustellen vermochten. Nicht etwa die filigranen Nuancen einer individuellen Persönlichkeitsentwicklung werden in Die Liebe ist ein Schmetterling nachvollzogen, sondern die karikierten Modalitäten einer an ihrem Umfeld scheiternden Identitätsbildung in modellhaften Konstellationen lächerlich gemacht, geradezu sinnentleerend vorgeführt. Jede Zufälligkeit und Möglichkeit der Begegnung der Figuren untereinander wird allzu deutlich markiert. Keine Kontingenz bleibt subtil. Weil alles erklärt wird, wird nichts gesagt. Alles dreht sich um die lebenseigene Performance und den Schein; das Thema wird ohne Variation bis zur Erschöpfung wiederholt, begleitet von einer nicht nur latenten Feindlichkeit gegen das Leben, gegen das Menschsein, gegen Sinnstiftung, Männer, Mütter und Erfolgreiche. Es stellt sich beim Lesen permanent die Frage, ob die Distanz der Figuren zu sich selbst, ihre Abziehleben und ihre betont platte Psychologie absichtlich so konzipiert sind. Wenn dem so ist, wird an keiner Stelle deutlich, wohin diese Verflachung führen soll. Vielmehr ist Die Liebe ist ein Schmetterling ein gefühlsleerer, ausgehöhlter Roman, der sich wie so viele seiner Art als Gesellschaftskritik verkauft und dabei komplexe menschliche Gefühle marginalisiert. So scheitert der Versuch, das Denken des Karrieristen tiefer zu durchdringen und zu vermitteln, kläglich. Zwar zeigen sich an vielen Stellen seine Selbstzweifel, aus denen Kompensationsversuche und die Zurschaustellung der eigenen Arroganz führen, aber das sind Dinge, die jede Psychologiestudentin schon vor ihrem ersten Semester intuitiv wissen müsste. Erklärt wird damit keinesfalls die Feinheit menschlicher Handlungsmotivationen.

Elfrath hat eine erstaunliche Freude daran, ihre Leser mit einer wiederholten erzählerischen Brutalität auf bereits deutliche Motive und Intentionen zu stoßen. Der vermeintliche Kunstgriff einer durch Kursivierung hervorgehobenen Stimme, die ‚von außen‘ auf die Figuren einredet und ihr Handeln beeinflusst, zeugt ebenfalls von dem Misstrauen, das die Autorin ihren Lesern entgegenbringt. Denn diese Instanz trägt nichts Wesentliches zum Verständnis der Figuren bei.

Unerträglich ist dieser unterkomplexe Blick auf das Leben, der tiefe philosophische Erkenntnisse auf banale Sinnfragen und Floskeln reduziert und zu einer dünnen Linie der Wehleidigkeit zusammenschrumpft. Menschen, deren Lebensfreude sich längst in die zerschmetternden Gefüge des Alltagslebens entleert hat, sind nichts Neues, nichts Erstaunliches, und sie bieten, wenn man sie einfach nur so präsentiert, dem Leser keinerlei Erkenntniswert. Es ist wieder nur ein weiterer Roman über die verfehlte, verkaterte, sich ständig im Anderen spiegelnde Existenz junger verzweifelter Menschen, die dem Leben seinen Sinn absprechen, weil die Buchseiten ja irgendwie gefüllt werden müssen und Melancholiker und Zyniker schon immer tolle Vorlagen für ansonsten sehr charakterschwache Romanfiguren waren. Dirk Bernemann, Antonia Baum und viele andere VertreterInnen der Pop-, Anti-Pop- und sonstiger Literatur haben das in den letzten Jahren schon vorgemacht. Authentische Gesellschaftskritik sollte nicht nur Kritik enthalten, sondern auch eine Gesellschaft. Die fehlt hier leider.

Diese 400 Seiten hätte weissbooks also besser weiß lassen sollen. Man kann nur hoffen, dass es bei dem Romandebüt bleibt und die weiteren angekündigten „Projekte“ der Autorin sich auf anderes beschränken als den Versuch, etwas über ihre urbanen Erfahrungen zu schreiben. Immerhin ist der tote Vogel auf dem Buchcover einen Blick wert. Trotz aller Härte gegen den Roman sei noch einmal betont, dass es sich bei Die Liebe ist ein Schmetterling nur um einen von vielen Fällen handelt, in denen man sagen kann, dass der Literaturmarkt seit einigen Jahren mit Neuerscheinungen beladen wird, die vor allem Druckereien bereichern, nicht aber den Leser. Fade out.

Titelbild

Lena Elfrath: Die Liebe ist ein Schmetterling. Roman.
Weissbooks, Frankfurt am Main 2016.
437 Seiten, 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783863371067

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