Die Antiklerikalen treiben mal wieder eine Sau durchs Dorf

Das umstrittene "Ferkel-Buch" von Michael Schmidt-Saloman und Helge Nyncke und seine Konkurrenz

Von Fabian KettnerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Fabian Kettner

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ein kleines Buch sorgte in den letzten Monate für Furore. In ihm sind ein Ferkel und ein Igel auf der Suche nach Gott: Eigentlich wollten sie sich nach ihrem alltäglichen Badespaß nur ein paar Äpfel besorgen, aber dann stutzten sie ob des Plakats, das ein Unbekannter an ihrer Hauswand befestigt hatte. Auf dem steht: "Wer GOTT nicht kennt, dem fehlt etwas!"

Weder kennen Ferkel und Igel Gott, noch meinen sie, dass ihnen etwas fehle. Aber nun sind sie verunsichert und wollen den Weg zu Gott finden. Andere Tiere wissen auch nicht mehr, können ihnen aber den Weg zum "Tempelberg" weisen, auf dem die Menschen große prächtige Gotteshäuser gebaut haben: eine Synagoge, eine Kirche und eine Moschee. In allen drei Gotteshäusern verursachen ihre Fragen großen Ärger, so dass sie flüchten müssen. Wieder Zuhause angekommen stellen sie fest, dass nicht ihnen, die sie Gott nicht kennen, etwas fehlt, sondern dass es ganz im Gegenteil denen, die Gott kennen, an Intelligenz mangelt. Die Gläubigen haben ihnen mit ihrem Gott nur eines voraus, worauf sie gerne verzichten: nämlich Angst.

Kurz nach der Veröffentlichung des Buchs stellte das Bundesfamilienministerium an die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Antrag, zu überprüfen, ob das Buch auf den Index zu setzen sei. Die Begründung war, dass die drei großen Weltreligionen verächtlich gemacht würden und dass das Judentum besonders negativ dargestellt worden sei, so dass das Buch vielleicht antisemitisch sei. Damit war das Stichwort gefallen, mit dem die Mehrheitsgesellschaft sich selbst mal so und mal anders in Aufruhr versetzt. Ihren eigenen weit verbreiteten Antisemitismus, den braucht sie nichtmals zu verleugnen, weil der nicht thematisiert wird. Sie wirft ihn aber gerne ihr missliebigen Gruppen vor, wie der radikalen Linken, wenn diese ausspricht und peu à peu salonfähig macht, was jene sich noch nicht traut. Der Vorwurf des Antisemitismus hat darüber hinaus den Vorteil, dass die Mehrheitsgesellschaft dann darüber klagen kann, unter der "Antisemitismus-Keule" zu stehen. Die zwei Ichs eines multipel Schizophrenen fallen übereinander her und werden zu einem perpetuum mobile. Mit der selektiven Verfolgung des Antisemitismus kann sie ihre eigenen antisemitischen Ressentiments schüren und legitimieren.

Die Diözese Stuttgart-Rottenburg verstand die Richtung, die das Bundesfamilienministerium vorgab, und erstattete wenig später Anzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung. Schnell hatte die Diözese Parallelen zum Nazi-Hetzblatt "Stürmer" ausgemacht, die Staatsanwaltschaft hingegen konnte keine strafbaren Inhalte erkennen. Und auch die Bundesprüfstelle gab Anfang März dem Antrag des Bundesfamilienministeriums auf Indizierung nicht statt.

Religionen und Gläubige werden im "Ferkel-Buch" in der Tat verächtlich gemacht, aber das darf man zu Recht. Die Darstellung des Rabbi hingegen ist typisch, nicht antisemitisch. Nichts an ihm ist "typisch jüdisch", alles an ihm hingegen "typisch Rabbi". Nichts an den Zeichnungen Nynckes verhöhnt ihn. Er steht nicht für all die Menschen, die von Antisemiten zu "Juden" erklärt werden, nicht für alle tatsächlichen oder potentiellen Bürger des Staates Israels und auch nicht für alle gläubigen Juden, sondern für den Glauben an sich. Er ist strafbegierig wie der Gott, den er verehrt, wird von Jähzorn und Rachedurst vom Mufti und dessen Glaubensbrüdern aber noch übertroffen. In den zornigen Schrei gegen die Ungläubigen, die lästerliche Fragen stellen, stimmt auch das Christentum mit ein, das ansonsten als relativ friedlich dargestellt wird.

Aber weswegen geraten sie so in Wallung? Gegen das Judentum fragt Schmidt-Salomon, als einer der beiden Autoren des Buches à la "was ist das für ein Gott, der...", in diesem Fall: es nötig hat, alle Menschen bis auf wenige in einer Sintflut zu ertränken. Judentum und Islam enragiert er, indem er das sichere Wissen der Glaubensdinge anzweifelt. Auf das Christentum wendet er den ethnologischen Blick an, versucht also, das Vertraute mit unvertrautem Blick zu betrachten, um so die Bizarrerien sichtbar werden zu lassen. Wie kann man die Leiche eines grauenhaft Gemarterten anbeten? Wie kann man sich mit Blut waschen? Wenn die Hostien realiter der Leib Christi sind, ist man dann nicht ein Menschenfresser?

Seine Kritik unterläuft mühelos das theologische Niveau aller drei Religionen. So wörtlich wie er nehmen selbst die katholische Kirche und der Islam ihre sakralen oder rituellen Handlungen nicht. Der Reformation hinkt er noch hinterher. Dass er die evangelische Kirche, die den katholischen Substantialismus in den Begriff erhoben hat, nicht ankratzt, das scheint ihm zu entgehen. Wieso überhaupt kommt sie nicht vor? Und was ist mit Hinduismus und Buddhismus?

Religion ist für ihn Hokuspokus und Geisterseherei, ein Verfehlen des Realen, dessen Konstituiertheit ihn nicht kümmert. Das ist sein Dogmatismus der Positivität. In der Tat: hier lässt man sich nichts vormachen. Andere braucht man dafür nicht mehr, weil man sich lieber in Eigenverantwortung selber etwas vormacht.

Schwein und Igel wurden von Anfang an als der Ausbund des einfachen Lebens und des plebejischen "gesunden Menschenverstandes" gezeichnet. Unten, da sind sie unter ihresgleichen, den Tieren. Oben aber, abgehoben auf dem Tempelberg, da sind die Menschen, die meinen, sich über die Tiere zu erheben. Auf dem doppelseitigen Schlussbild, einem Tableau von etwa zwei Dutzend nackten Menschen unterschiedllichen Aussehens, Herkunft, Alters et cetera stößt Schmidt-Salomon ihnen Bescheid: alle Menschen, auch der Rabbi, der Bischof und der Mufti, seien nichts als "nackte Affen". Unverkrampftheit und Gleichheit kann man in dieser Form der Aufklärung immer nur über die Reduktion auf die krude Kreatürlichkeit herstellen; offene, selbstbewusste Sexualität bedeutet hier deren Austreibung.

Warum Schmidt-Salomon die Schriften des Euthanasie-Befürworters Peter Singer verteidigt, kann man sich nun denken. "Freigeist" und "Freidenker" sind eigentlich schöne Wörter, doch leider muss man bei denen, die sich naiv als solche bezeichnen, meist das Schlimmste befürchten. Der Skeptizismus von der Antike bis zu Montagine war als Praxis die Begründung und die Begleitmusik, an der Welt nichts zu ändern. Als Philosophie war er wenigstens nur blind gegen sich selbst, aber immerhin, so Georg Wilhelm Friedrich Hegel, "die erste Stuffe zur Philosophie". In der Moderne hingegen ist der Skeptiker der Empörer, der in Pose angeblich alles anzweifelt, der die Negation des Endlichen gegen einen Naturalismus eingetauscht hat und den es - die Beispiele von Max Stirner an zeigen es - immer wieder zum Faschismus drängt. Und so tummeln sich auch Schmidt-Salomon und seine Giordano Bruno-Stiftung in einem Umfeld von allerlei obskuren Gestalten, die ihr anti-westliches Ressentiment pflegen, über den "PC-Terror der Linken" stöhnen, den von Feminismus verweichlichten, eingeschüchterten und identitätslos gewordenen Männern wieder zu mehr "Selbstbewusstsein" verhelfen wollen und den Holocaust relativieren. Freidenker sind halt gegen Denkverbote, auch wenn man sich die erst selber einreden muss. Wer sich von anderen nichts vormachen lässt, der macht sich selber was vor.

Auch als Kinderbuch vermag es nicht zu überzeugen. Es ist Agit-Prop, das heißt das Medium ist der Message untergeordnet. Die Illustrationen haben das Aussehen und den Charme der Produkte, die man an der Kasse eines Drogeriemarktes als Geschenk aufgedrängt bekommt, nur weil man ein Paket Windeln und Feuchttücher eingekauft hat.

Was aber sagt die Konkurrenz? Auch sie bemüht sich um die Kinderseelen. Denn man weiß, dass man nur dann eine Chance hat, wenn man seine Weltanschauung möglichst früh schon in die Menschen hineinversenkt, so dass sie sich auf eine solche Weise festsetzen kann, dass sie der Reflexion für gewöhnlich immer entzogen bleibt. Der Absolutheit von Glauben und Gott vertraut man also nicht. Lieber bricht man frühzeitig die Beine, um später die Krücken reichen zu können.

Von katholischer Seite sind kleinformatige Geschenkbüchlein erschienen. Eines widmet sich - trotz des wenigen Platzes - in wünschenswerter Ausführlichkeit dem Vaterunser. Man erfährt den biblisch-historischen Hintergrund des Gebets, seinen systematischen Ort im Neuen Testament, sowie seinen historischen Ort und seine historische Bedeutung in der langen Tradition von Gebeten. Jede einzelne Zeile des Gebets wird erläutert. Die Autoren versuchen, schwierige oder nebulöse Sätze anschaulich zu machen, erklären sie auch über andere Bibelstellen, stellen aber auch Zusammenhänge zu Kirchenvätern wie Thomas von Aquin, Augustinus und sogar - praktizierte Ökumene - zu Martin Luther her.

Ein anderes erklärt, was Sakramente sind, nämlich "Zeichen des Glaubens", in denen der Glaube gefeiert und vergegenwärtigt wird. Zwischen hübschen, bunten Bildchen, häufig in Kirchenfenster-Optik, erfährt man die Unterschiede zu den anderen Konfessionen und bekommt symbolische Handlungen ebenso leicht verständlich wie erschöpfend gut erklärt.

Mit dem Heiligen Tarsitius machen sich zwei weitere Autoren auf den Weg, der Ministranten Sinn für ihr Amt zu schärfen. Markus Grimm und Peter Hahnen betonen den Kontext des Ministranten-Amtes, sowohl die Tradition, das heißt die lange geschichtliche Reihe, in die man als Ministrant eintritt, als auch das Kontinuum einer großen, weltweiten Gemeinschaft. Natürlich wird auch die historische Gestalt des Tarsitius vorgestellt, ein früher Christ aus der Zeit der Christenverfolgung, der mit seinem Leben bezahlte, dass er sich für die Praxis der Kommunion einsetzte. Heutigen Ministranten soll er Vorbild sein: dass man sich traut, für seinen Glauben einzutreten. Als besonderes Gimmick ist in das sehr dicke Vordercover eine kleine massive Metallstatuette des Heiligen Tarsitius eingelassen.

Im Gegensatz zum "Ferkel-Buch" findet man in diesen Büchern kein glucksendes Auftrumpfen der Immerschonklügeren, das heißt derjenigen, die klug sind, indem sie sich erstmal ganz dumm stellen. Natürlich stellen sie den Gottesglauben an sich nicht zur Disposition, aber innerhalb ihres weltanschaulichen Systems bewegen sie sich reflektierter als Schmidt-Salomon in seinem Buch. Sie erklären sich und das, was sie sagen wollen und fächern die Sicht auf ihren Gegenstand auf.

Brad Jersak hingegen hat nur eine Botschaft: Jesus ist immer dabei. Auf dem Titelbild kommt er an, im Laufen reißt er sich, superheldenartig, das antike Gewand vom Körper, und darunter kommt die Kleidung der Gegenwart zum Vorschein. Zur Hälfte besteht dieses Buch aus solchen Bildern, die nerven können, aber auch eine unfreiwillige Komik in sich tragen. Jersaks manga-äugiger Jesus sieht aus wie ein Mann, dem man wünscht, dass er endlich sein Coming Out hat, damit er seine Sexualität nicht mehr mit exzessiver Religiosität zwangssublimieren muss. Er begleitet einen kleinen dicken Jungen mit Brille und Bürstenhaarschnitt und ein junges Mädchen mit Zahnspange, die nach trailer park white trash aussieht. Er steht den Unbeliebten und den Außenseitern bei, hilft ihnen nicht nur bei den Hausaufgaben und beim Schwimmenlernen, sondern lässt sich auch mit faulem Obst bewerfen, wenn seine Schützlinge davon betroffen sind. Er ist immer dabei, man muss ihn nur erkennen. Aber wieso sollte es einem besser gehen, wenn man noch jemanden sieht, dem es schlecht geht und der nicht mehr vermag, als genau dies zum Ausdruck zu bringen? Aber Jesus kann auch anders. Wie Keanu Reeves als Neo in "Matrix" kickt er grüne Dämonen zur Haustür raus oder sperrt sie im Kinderzimmer-Kleiderschrank hinter dicke Gitter. Aber wo lebt Jesus? Anscheinend unter seinem Kreuz auf einer Müllkippe, wo er, mit einem Blick, als hätte er eben noch Klebstoff geschnüffelt, die Lasten der Menschen metaphorisch-unmetaphorisch in Empfang nimmt, die sich hinter ihm bis zum Horizont stapeln, darüber die Fliegen schwirren. Wenn Jesus auch nichts ändern kann, so kann er doch insoweit "helfen", als er seinen beiden Schützlingen einen falschen Spiegel vorhält, in welchem sie sich so sehen können, wie sie sich sehen wollen, nämlich groß, stark und schön. Und zum Schluss fährt er mit ihnen in einem blinkenden, schnittigen Fifties-Cabrio in einen goldenen Sonnenaufgang.

Einen Blick über das eigene Glaubensbekenntnis wagen Karlo Meyer und Barbara Janocha im ökumenisch ausgerichteten Gabriel Verlag. In ihrem Buch "Wie ist das mit ... den Religionen" leben fünf Kinder mit ihren Familien in einem Haus in einer Stadt. Jedes Kind gehört einer anderen Religion an: Parvati ist Hindu, Bing ist Buddhist, Jakob ist Jude, Marie ist Christin und Selma ist Muslima. Eines Tages finden sie einen Schlüssel zu einer Tür in ihrem Haus, die sie bislang übersehen hatten. Wie an Platons Höhlen- und Sonnengleichnis angelehnt, steigen sie aufs Dach und werden vom Tageslicht überflutet. Hier oben, wahrlich über den Dingen, können sie zusammen sein und in aller Ruhe alles von oben betrachten. Es gibt eine Ebene, wo sie über den Religionen stehen. Sie fangen an, sich über ihren Glauben auszutauschen, besuchen sich gegenseitig Zuhause und in ihren Gotteshäusern. Nach einem als pädagogisch und didaktisch erfolgreich geltenden Prinzip lässt man hier Kinder fragen und Kinder antworten. Meist im lebendigen Dialog erzählen sie, was sie an ihrer Religion mögen, welche Feiertage und Feste es gibt, welcher Gott und welche Göttergestalten in ihren Mythen vorkommen, wo diese herkommen, was die historischen Hintergründe, was die Grundsätze ihrer Religion sind und welche Pflichten sie vorgibt. Jedes Kapitel behandelt relativ umfassend je eine Religion, zwischendurch gibt es zusammenfassende Info-Boxen, aber auch interreligiös vergleichende Gespräche der Kinder zu bestimmten Themen wie beispielsweise dem Tod. Die Autoren vermeiden jede Stellungnahme und Wertung. Ausdrücklich weisen sie darauf hin, dass die jeweilige Kindergestalt nicht für die Religion an sich steht, weil es "die Religion an sich" nicht gebe, sondern nur einen von ihnen ausgewählten bestimmten Typ dieser Religion repräsentiere.

Auch wenn "Wo wohnt Gott?" in einem katholischen Verlag erschienen ist und man deswegen anderes vermuten würde, so findet man hier die gleiche Haltung. Charles Delhez und Erwin Roosen haben Fragen von Acht- bis Vierzehnjährigen gesammelt und 99 davon zu beantworten versucht. Dass ihnen das nicht leicht fiel und mitunter auch nicht gelang, das geben sie selbst zu. Die Antworten sollen religiöse Inhalte aus der Schule oder der Gemeinde vertiefen oder nochmal auf eine andere Weise erklären, wenn man etwas bislang noch nicht verstanden hat. Wichtig ist den Autoren, dass man in die Lage versetzt wird, einen eigenen Zugang zum christlichen Glauben zu finden. Natürlich werden Glaube, Gott und so fort vorausgesetzt, aber nicht vorgegeben als etwas, das man wiederkäuen kann. Selbstverständlich verweisen auch sie auf die Bibel, verfallen aber nicht in den Zirkel, Gott mit etwas zu begründen, was seinerseits erst begründet werden müsste, sondern nutzen die Bibel nur als immanente Bebilderung. Wichtig ist, sich den Glauben anzueignen, zu seiner eigenen Sache zu machen, die in einem und durch einen lebt, die die Praxis des eigenen Lebens begründet und die durch sie lebt.

In zehn thematischen Kapiteln erfährt man die biblischen und die historischen Hintergründe (und weiß zwischen beiden zu differenzieren) der Glaubensinhalte, bekommt man Riten, Feste, Bräuche und Begriffe erklärt. Vor allem aber wird man mit einem nicht dogmatischen Glauben bekannt gemacht. Die Bibel soll nicht wörtlich genommen werden, das Verhältnis zu anderen Religionen wie zu Sekten ist äußerst differenziert und tolerant, Rassismus und Christentum sind unvereinbar und selbst Gott ist nicht mehr zwingend männlich. Der Unterschied zwischen Glaube und Wissenschaft wird eingestanden. Glaube gehe einfach "weiter als das, was man beweisen kann". Evolutionismus und Kreationismus werden als zwei unterschiedliche Sichtweisen gelten gelassen. Die Schöpfungslehre sei keine wissenschaftliche Erklärung der biologisch-historischen Herkunft des Menschen, sondern eine "Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens". Auch in der Unterscheidung von Glaube einerseits und Aberglaube andererseits wird das Verständnis von christlichem Glauben sichtbar. Es ist Aberglaube, wenn man etwas tut, um Gott gütig zu stimmen; es ist aber Glaube, wenn man seine Freundschaft zu Gott ausdrückt. Gott ist hier also kein abgetrenntes Absolutes, das man anerkennen muss. Jeder ist frei zu glauben, glauben ist keine Pflicht. Wäre dem nicht so, dann wäre der Mensch kein Mensch. Man sieht hier deutlich, dass die Theologie das Niveau einer Transzendentalphilosophie immerhin unbewusst erreicht hat, wohingegen Schmidt-Salomon et al. sich immer noch im Vorphilosophischen herumtreiben. Man muss sich Gott öffnen - nicht weil man nicht umhin könne, die Objektivität Gottes anzuerkennen - sondern damit Gott da sein kann. Denn Gott ist, wenn und "wo Menschen versuchen, zueinander gut zu sein." Gott ist weder an noch für sich, sondern durch die Menschen, durch ihre Praxis, mit der sie ihn ermöglichen. Jesus "wohnt im Herzen der Menschen, die an ihn glauben und versuchen, ihn zu lieben". Darin liegt auch die Freiheit des Menschen. Wir sind "freie Menschen, von Gott geschaffen, um ihm ähnlich zu sein". Wir sind nach seinem Abbild geschaffen, und "was wir dann damit machen, liegt in unserer Hand. Gott gibt uns volllständige Freiheit". Deswegen kann es auch das Böse geben, denn Gott ist "kein Zauberer, der gegen den Willen der Menschen Dinge tut oder möglich macht".

Lässt man Jersaks Buch mal außen vor, so fällt an allen besprochenen religiösen Büchern die Betonung von Liebe und Vernunft auf. Jeder ist in den Himmel eingeladen; offen und liebevoll soll man zu Sündern sein. Verstellt sich das Christentum hier nur? Oder wie soll man die Differenz zu Schmidt-Salomons Bild erklären? Verstellt es sich, um die Menschen für sich zu gewinnen, dann aber ganz andere Dinge zu praktizieren? Fraglich, ob eine Religion das könnte. Aber selbst wenn: in ihrem Bekenntnis hat sie Aussagen niedergelegt, die dem entgegenstünden, an denen sie gemessen werden könnte und die gegebenfalls gegen sie arbeiten würden. Bei Schmidt-Salomon gibt es diese Differenz nicht.


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Ursula Harper: Das Vaterunser-Kinderbuch. Das Gebet Jesu.
St. Benno-Verlag, Leipzig 2007.
32 Seiten, 6,50 EUR.
ISBN-13: 9783746221229

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Brad Jersak: Kinder, könnt ihr mich hören? Gott hören und sehen.
Mit Illustrationen von Ken Sve.
Übersetzt aus dem Englischen von Dorothea Appel.
ASAPH Buch- und Musikvertrieb, Lüdenscheid 2007.
64 Seiten, 12,95 EUR.
ISBN-13: 9783935703956

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Markus Grimm / Peter Hahnen: Miteinander für Gott. Mit dem heiligen Tarsitius den Ministrantendienst entdecken.
Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2007.
42 Seiten, 14,90 EUR.
ISBN-13: 9783766608550

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Pia Biehl: Was sind Sakramente? Antworten für Kinder.
Mit Illustrationen von Tizia Hula.
kbw Verlag, Stuttgart 2007.
44 Seiten, 8,90 EUR.
ISBN-13: 9783460280588

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Karlo Meyer / Barbara Janocha: Wie ist das mit... den Religionen.
Mit Illustrationen von Sandra Reckers.
Gabriel Verlag, Stuttgart 2007.
144 Seiten, 11,90 EUR.
ISBN-13: 9783522301176

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Michael Schmidt-Salomon: Wo bitte geht's zu Gott, fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen.
Alibri Verlag, Aschaffenburg 2007.
44 Seiten, 12,00 EUR.
ISBN-13: 9783865690302

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Charles Delhez / Erwin Roosen: Wo wohnt Gott? ... und 99 weitere Fragen zum Glauben.
Mit Illustrationen von Klaas Verplancke und Florenze Vandermarlière.
Übersetzt aus dem Niederländischen von Karl Georg Cadenbach.
Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2007.
160 Seiten, 14,90 EUR.
ISBN-13: 9783766608390

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