"Es sieht, denn es hat Augen…"

Literarische Spurensicherung binneneuropäischer Kolonialisierung

Von Iulia-Karin PatrutRSS-Newsfeed neuer Artikel von Iulia-Karin Patrut

Zum Zusammenhang von Deutscher Ostsiedlung, Draculas Schloss und 'Kakanien'

'Die deutschen Kolonien liegen im Osten' - dieser Satz wurde vor und während des Nationalsozialismus zur Legitimation der Inbesitznahme östlicher Territorien gebraucht. Der Gedanke ist allerdings wesentlich älter als die NS-Ideologie: Noch viel früher hatte sich ein deutschsprachiges, auf Osteuropa gerichtetes Wissensproduktions- und Repräsentationsregime herausgebildet, das deutliche Analogien zu jenem der Kolonialstaaten aufweist. Dabei handelte es sich nicht, wie bei den Schwärmereien der noch vor Entstehung der deutschen Überseekolonien gegründeten Kolonialverbände, um ungedeckte Kolonialphantasien. Vielmehr waren bereits im Hochmittelalter, dreieinhalb Jahrhunderte vor 1492 in Siebenbürgen zahlreiche 'Kolonien' entstanden, die mit 'Kolonisten' aus dem Mosel-, Pfalz- und luxemburgischen Gebiet besiedelt wurden, was nicht ohne die Herausbildung einer fortan stabilen Machtasymmetrie und eines kolonialen Blicks auf diese östlichen Gebiete vonstatten ging. Ebenfalls in die Zeit der vormodernen Kolonisation fällt die Diffamierungskampagne gegen den Fürsten Vlad Dracul, im Zuge derer das östliche Europa zum Häretisch-Anderen stilisiert wurde - ein Bild, das sich im kollektiven Imaginären festsetzte.

Die deutschsprachigen Bevölkerungsgruppen besaßen derweil in Osteuropa eine institutionell abgesicherte, auch wirtschaftlich und kulturelle Vormachtstellung, die oft über die Anbindung an die deutschen 'Kerngebiete' und durch die Exklusion der sonstigen einheimischen Bevölkerung aufrechterhalten wurde. Dies geschah trotz, oder gerade aufgrund der eigenen (deutschen) zahlenmäßigen Minderheit. Um ein Beispiel für die Institutionalisierung dieser Machtasymmetrie zu nennen, die - anders als bei den Kolonialstaaten - unterschiedliche Formen annahm: Das Stadtrecht der großen, wohlhabenden siebenbürgischen Städte wie Hermannstadt (heute Sibiu in Rumänien) sah bereits im Mittelalter vor, dass dort nur Deutsche wohnen durften - keine Rumänen, Ungarn, Juden oder Roma -, was für jene Zeit als ein seltenes Beispiel für die Gründung von Rechtsnormen auf 'ethnische Herkunft' gelten kann; das Umland war und blieb stets wesentlich ärmer als deutschen Städte wie Hermannstadt, Klausenburg oder Kronstadt, die nicht nur durch Handelsprivilegien und die Verbindung zu den deutschen Handelsstädten wie Leipzig, sondern auch durch Monopole auf Handwerkszünfte und die damit verbundene Sicherung technischer Innovationen (so auch der Buchdruckkunst) ihre wirtschaftliche, und darüber hinaus auch ihre kulturelle Vormachtstellung festigten.

Ferner ist die rege Präsenz des Deutschen Ordens zu erwähnen, der ab dem 13. Jahrhundert zahlreiche Privilegien in Osteuropa genoss und unter anderem jenes Schloss in Transsilvanien erbaute, das heute als 'Schloss Draculas' ausgegeben wird - ein selten greifbares Beispiel dafür, wie inverse Kolonialängste mit eigenem kolonialen Handeln zusammenhängen. Schließlich verbreitete vor allem die österreichische Monarchie das Deutsche als Verwaltungs- und Kultursprache in Osteuropa - man denke nur an Gebiete wie Galizien oder die Bukowina.

Im 19. Jahrhundert setzte eine bewusste, breit angelegte Vernetzung ein, die von Landsmannschaften und völkischen Vereinen wie dem "Alldeutschen Verband" sowie zahlreichen Publikationen und Publikationsorganen getragen wurde, die schließlich mit wenigen Ausnahmen in die nationalsozialistische Ideologie einflossen und mit begeisterter Indienststellung enden sollte. (Deswegen meldeten sich viele der osteuropäischen 'Volksdeutschen' freiwillig und bildeten Sonderbataillons der SS.)

Wenn hier also von einem deutschsprachigen 'kolonialen Repräsentationsregime' Osteuropas gesprochen wird, so ist dies keine bloße Metapher: Es gab in Osteuropa keine Kolonialstaaten, aber der 'deutsche Blick' auf diese Gebiete entstand keineswegs nur aus der Ferne, sondern beruhte auf einer kontinuierlichen deutschsprachigen Präsenz, einer institutionell abgesicherten politischen und wirtschaftlichen Vorrangstellung und nicht zuletzt auf einem Bewusstsein, überlegener 'Kultivierer' und 'Kulturbringer' zu sein. Einen Beitrag dazu leistete auch die religiöse Missionierung, die in vielen Kolonien den Kirchen überlassen wurde, auf dem Gebiet der k.u.k.-Monarchie jedoch unter staatlicher Koordination verlief, indem man die Orthodoxie, die seit 1054 in Osteuropa vorherrschenden Religion, nicht anerkannte und deren Gläubige in eine neu geschaffene 'katholisch-unierte' Kirche überführte, was mit einer österreichischen Monopolisierung von Bildungsressourcen einherging und die Herausbildung einer Schriftkultur in den Landessprachen wesentlich verzögerte.

Auf diesem Hintergrund ergeben sich zahlreiche Fragen - wenn nicht gar besondere 'Aufarbeitungs-Pflichten' für die germanistische Literaturwissenschaft: Welche Spuren hat das beschriebene koloniale Repräsentationsregime etwa in Reiseberichten, Tagebuchaufzeichnungen oder literarischen Texten hinterlassen? Wo und wie wird die Machtasymmetrie zwischen deutscher und nicht-deutscher Sprache, Kultur und Ökonomie in Osteuropa thematisiert? Von welchen Leitdiskursen wird sie getragen, und wann setzen die ersten Kritiken an dieser Machtsymmetrie ein?

Die 'deutschen Dichter' vom "Dnjeste"

Sucht man nach Darstellungen osteuropäischer Territorien als exotische 'terra incognita', so wird man rasch fündig. Von der wilden, unbewohnten 'Wüstenei' bis zur üppig-grün wuchernden Vegetation, durch die bedrohliche Tiere streifen - in Reiseberichten oder Monografien wie Karl-Emil Franzos' "Halb Asien" (1876) findet man das ganze Bildrepertoire kolonialer Beschreibung. Die Natur-Semantiken, zu denen 'Wildheit', 'Unberührtheit' und die 'Schönheit' der Landschaft gehören, werden dabei unübersehbar mit stereotypen Bildern des 'Weiblichen' verknüpft und entfalten vor dem Auge des Lesers exotisch-faszinierende osteuropäische Kolonial-Landschaften, wie in einem Reisebericht des 'Weltkundlers' Friedrich Heinzelmann über das Transsilvanische Banat: "Die Abendsonne spielte in den Goldfäden der fein durchwebten Vortücher walachischer Mädchen; frischwangige, breitgebaute Ungartöchter, den Thaler am Halsbande, gingen neben roth und weiß geschmückten Serbinnen von feinerem Bau mit dunklen, träumerischen Augen."

Eine symbolische Landnahme erfolgt hier über einen männlichen Betrachterblick in einer Art großer, panoptischer Völker- und Weiblichkeitsschau. Variationen dieses Zur-Schau-Stellens osteuropäischer 'ethnischer Vielfalt', die sich dem westlichen Reisenden als verfügbare bunte Kulisse präsentiert, gibt es in zahlreichen Reiseberichten und Kultur-Skizzen, so etwa auch bei Emil Reinbeck, Karl Braun-Wiesbaden oder Karl Emil Franzos.

Es wäre sicherlich gewinnbringend, koloniale Darstellungen "des Osteuropäers" mit solchen "des Afrikaners" oder "Lateinamerikaners" zu vergleichen. Eine These könnte lauten, dass das Repräsentationsregime gegenüber Osteuropäern durchlässiger war - sie konnten eher aufgewertet und in die Welt des 'Westlichen' inkludiert werden. Überspitzt formuliert: ein Slawe konnte es schon eher zu einem deutschen Dichter bringen, ein Herero weitaus schwerer.

So hoffte der österreichische Publizist Ferdinand Kürnberger im Jahre 1875 sehnlich, "daß die deutsche Literatur ganz neue östliche Längengrade sich erobert, daß sie ganz neue frische Naturvölker sich annektirt, welche bisher nicht deutsch geschrieben, welche aber im Laufe der Geschichte mehr und mehr es zu thun anfingen. [...] Wir sähen von den Prairien der Weichsel und von den Waldgebirgen des Dnjester deutsche Dichter auferstehen [...]." - Den osteuropäischen 'fremden Dichter' zieht Kürnberger sogar den deutschen Schriftstellerinnen vor, die allesamt als "hysterische Blaustrümpfe" in einem Atemzug mit den "poetasternden Menagerien" des österreichischen Hofes verworfen werden.

Wir finden hier Beispiele für die diskursive Inbesitznahme des 'Ostens' - sei es zum Zwecke der 'Zivilisierung', sei es, um dort umgekehrt einen exotischen, meist weiblich codierten Rückzugsplatz aus der ermüdenden Zivilisation zu finden, oder um ihn, wie im Falle Kürnbergers, als Natur- und/oder Kulturressource zu nutzen: möglich ist, wie in den meisten kolonialen Diskursen, fast alles, und paradoxe Semantisierungen werden, solange sie Wünsche und Sehnsüchte befriedigen, durchaus zugelassen.

Kritik am deutschen Kolonialblick: Hermann - ein deutscher Golem?

Neben solchen Texten, die koloniale Diskurse festigen und reproduzieren, gibt es durchaus auch andere, fast immer literarische Schriften, die eine hohe Sensibilität gegenüber dem binneneuropäischen Kolonialismus aufweisen und dessen Repräsentationsregime, einschließlich der darin enthaltenen Gewaltmomente, offen legen. Beispielhaft sei hier Wilhelm Raabes Novelle "Holunderblüte" (1863) genannt. Der erschöpfte deutsche Student Hermann zieht durch die Gassen Prags und fühlt sich besonders vom ehemaligen jüdischen Ghetto angezogen, dass er als schmutzige Kloake beschreibt. Der Text führt vor, wie erst dieses abwertende Blickregime auf das 'Östlich-Fremde' in Hermann das Interesse an einer bürgerlichen Existenz weckt.

Die strukturelle Gewalt der bürgerlichen Ordnung, so könnte man deuten, wird vorgeführt, indem gezeigt wird, dass der Protagonist Hermann es nur deshalb zu einer anerkannten Position als 'deutscher Bürger', Medizinalrat und preußischer Ordensträger schafft, weil er sich dem 'östlichen', im Prag der k.u.k.-Monarchie lebenden jüdischen Mädchen Jemima und dessen kulturellem Erbe (symbolisiert durch die Inschriften auf dem Prager Friedhof) verweigert.

Diese Aussage potenziert sich dadurch, dass Hermann erst durch den symbolisch aufgeladenen Herz-Tod Jemimas zum anerkannten Herzspezialisten wird. Das Prager Mädchen Jemima vereint fast alle stereotyp-abwertenden Semantisierungen des binneneuropäischen kolonialen Blicks: 'Östliches', Jüdisches, Weibliches, und aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe und ihrer Affinität zum Tanz sogar 'Zigeunerisches'. Dennoch kommt ihr im Text deutlich mehr Würde zu als Hermann, der trotz der Regung seines Gewissens den hegemonialen Blick nicht ablegen kann, sondern das Erlebte zum Anlass nimmt, den Lebensweg zum angesehenen 'deutschen Bürger' einzuschlagen.

Am Ende wird er aber, so könnte man interpretieren, von der Textlogik her selber als genau der innerlich hohle Golem vorgeführt, mit dem anfangs Jemima in Verbindung gebracht worden war - durch ihr unbeständiges Erscheinen und Verschwinden, ihr Leben in der Nähe des Friedhofs und vor allem durch ihre Abkunft aus dem Geschlecht des Rabbi Löw, des legendären Erfinders des Golems. Damit kritisiert diese Novelle den vereinnahmenden und instrumentalisierenden Umgang mit dem 'Osten' und dem 'Östlich-Jüdischen' als Spielwiese der eigenen Persönlichkeitsbildung.

Paul Celan - Postkolonial

Gemeint ist mit dieser Überschrift nicht etwa eine bloße 'postkoloniale Lektüre' Paul Celans, sondern vielmehr, dass Paul Celans Gedichte zahlreiche Kritikpunkte, die im Zuge der postkolonialen Theoriebildung formuliert wurden, vorwegnahmen. Spuren der kollektiven Erfahrungen deutschsprachiger Juden in Osteuropa, also der doppelten Setzung als 'Anderes', zugleich als 'östlich' und 'jüdisch', und der Katastrophe des Holocausts finden sich in den Gedichten Paul Celans häufig, insbesondere Akte des Sprechens und Sehens aus der Position des Anderen heraus. So verhält es sich im "Gesang der fremden Brüder", einem Gedicht, dessen Thematik sich teilweise mit Gayati Chakravarty Spivaks bekannt gewordener Frage nach der Geltungsreichweite des Sprechens aus der Position des 'Anderen' deckt. Auch bei Celan geht es um das unmögliche Sprechen, ja um die unmögliche Kunst aus der Position des 'Anderen': "Wir Finstern. Für uns / stammeln die Schluchten ihr schwarzes / Geläut".

Ein dissoziierter Klage-Gesang der Naturelemente tritt hier an die Stelle einer Äußerung des 'Wir'. Deren Subjekt-Position ist hier unmöglich geworden, als Ort bleibt für sie lediglich ein nichts sagendes Dunkel. Der Gesang ist dem 'Wir' offensichtlich nicht zu eigen, und dennoch - so legt es auch der Titel nah - gehört er zum 'Wir', als "Gesang der fremden Brüder". Am Ende des Gedichts findet eine Wende statt: Der ent-fremdete Gesang legt die ihm eingeschriebene Gewaltspur offen, indem er zum entlarvenden Zerrbild des hegemonialen 'Eigenen' wird: "siedend zischt es aus unsern Fäusten: / eurer kleinen Träume schwüler / Tumult". Die Position des Eigenen wird ebenfalls als phantasmatischer Subjektentwurf offen gelegt, der hauptsächlich von 'schwülen' Fantasien über das Fremde und von Projektionen der eigenen Gewalt auf das 'Andere' zusammengehalten wird.

Ein weiteres Gedicht liest sich wie eine Belehrung über die Notwendigkeit, das Gegenüber - deutbar als die östliche, vielleicht auch östlich-jüdische Welt - anzuerkennen: "Es ist ein Land Verloren, / da wächst ein Mond im Ried / und das mit uns erfroren, /es glüht umher und sieht. // Es sieht, denn es hat Augen, /die helle Erden sind. Die Nacht, die Nacht, die Laugen. Es sieht, das Augenkind. // Es sieht, es sieht, wir sehen/ich sehe dich, du siehst.[...] //".

"Mond" und "Ried" evozieren hier die Semantisierung des 'Ostens' als naturhaft-wilde 'Wüstenei' - mit genau diesem Vokabular wurde ausgerechnet die Bukowina beim erstmaligen Einmarschieren österreichischer Truppen beschrieben. Dieses nicht nur für das lyrische Ich, sondern vor allem für die gültige Episteme ferne und 'verlorene' Land wird im Verlauf des Textes zunehmend aufgewertet, bis es, nachdem es ein Kindheitsstadium durchlaufen hat, gleichsam 'auf Augenhöhe' mit weiteren, mittels Personalpronomina adressierten Subjekten steht. Die Anaphern klingen wie eine Anerkennungs-Feier für die erstmalige (oder erneute?) Erlangung eines Subjekt-Status, auf den die Metapher des Sehens anspielt. Angedeutet ist auch die Erfahrung des Holocausts (durch das Erfrieren und die tödlichen nächtlichen Laugen). Gerade deshalb liegt es nahe, an die Bukowina als 'verlorenes Land' zu denken, das in dieser, wie Celan oft sagte, 'trotz allem' versöhnlichen Vision aus einem amorphen Status als Natur-Objekt in einen (personifizierenden) Subjekt-Status wechselt. Bemerkenswert ist an diesem Gedicht, dass eine Symmetrie der Subjekt-Objekt-Positionen im Medium des Sehens angestrebt wird; das verlorene Natur-Land ist nicht mehr allein Gegenstand der Betrachtung, vielmehr richten alle ihre Blicke aufeinander. Man könnte sagen: hier wird ein utopisches Ende des machtasymmetrischen, kolonialen Blickregimes auf 'Östliches', insbesondere auf 'Östlich-Jüdisches' anvisiert.

Desiderate

Insgesamt kann man sagen, dass mit Blick auf eine angemessene diskurshistorische Beschreibung der binneneuropäischen kolonialen oder quasi-kolonialen Verhältnisse weiterer Theoriebildungs- und Differenzierungsbedarf besteht. Vergleiche zwischen den Semantisierungen 'innergesellschaftlicher Fremder', osteuropäischer kultureller Räume sowie der klassischen Kolonialgebiete bieten sich in diesem Zusammenhang geradezu an. Gerade der Blick auf die Repräsentation der beiden größten und wichtigsten Gruppen 'innergesellschaftlicher Fremder', in erster Linie also der Juden und zweitens all jener, die als 'Zigeuner' stigmatisiert wurden, kann zeigen, wie sich Machtasymmetrien in Europa potenzierten: Die 'östlichen' Juden und 'Zigeuner' wurden weitaus stärker stigmatisiert als jene, die im Raum Deutschlands oder Frankreichs lebten.

Neuere Texte der Migrationsliteratur (insbesondere jene von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus Osteuropa, wie Herta Müller oder Richard Wagner) sind für die Diskussion des binneneuropäischen Kolonialismus hoch relevant; daneben weisen auch zahlreiche ältere kanonisierte Texte aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert hohe kolonialismuskritische Potentiale auf, die sich aus der jeweiligen Art, wie sich die Texte zu Prozessen des Kolonialismus ästhetisch verhalten, ergeben. Auch hier wäre eine weitere literaturtheoretische Verständigung hilfreich.

Für die Untersuchung der literarischen und expositiorischen Repräsentationen, die binneneuropäischen Kolonialismus abbilden, stützen, infrage stellen oder kritisieren, müssen teilweise noch diskurshistorisches Wissen sowie ein passendes Analyseinstrumentarium erarbeitet werden - denn weder decken sich die Gegebenheiten mit jenen der Kolonialstaaten in Übersee, noch können (gerade in der speziellen Frage des Umgangs mit dem europäischen Osten) Schlüsse aus der Anglistik oder Romanistik auf die deutsche Literaturtradition übertragen werden. Schließlich ist selbst das infrage kommende Textkorpus noch bei Weitem nicht abschließend eruiert.