Aufforderung zur Arbeit

Ronald Webers Bibliografie zu Peter Hacks

Von Kai KöhlerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Kai Köhler

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Peter Hacks hat vorgesorgt: Rechtzeitig vor seinem Tod 2003 stellte er noch eine Ausgabe letzter Hand zusammen. In diesen fünfzehn Bänden ist nun enthalten, was er selbst als sein Werk betrachtete. Auch alles andere von seiner Hand sollte, so Hacks, ediert, gelesen, gespielt, besprochen werden können - nur eben in dem Bewusstsein, dass es aus Sicht des Autors nicht zum Kernbestand gehöre.

Für ein vollständiges Bild freilich darf es nicht fehlen. So greift man vor allem deshalb neugierig zu Ronald Webers rechtzeitig zum fünften Todestag erschienener Bibliografie, weil hier auch frühe Drucke nie wieder publizierter Gedichte und Essays verzeichnet sind. Vorweg: Die Bibliografie ist für jede künftige Beschäftigung mit Hacks und seinem Werk von unschätzbarem Wert. Weber hat über zweitausend Titel - Primär- und Forschungsliteratur -zusammengetragen, insgesamt übersichtlich gegliedert, durch Personen- und Werkregister gut erschlossen und durch Verzeichnisse von Hacks-Uraufführungen und der Pseudonyme des Autors ergänzt. Das ist eine außerordentliche Leistung, zudem ohne jegliche universitär-institutionelle Unterstützung erbracht. Frühere politische Querelen wirken sich immer noch so aus, dass die seit einigen Jahren wieder rege und produktive Hacks-Forschung sich am Rande der etablierten Germanistik bewegt. Ambitionierte Literaturwissenschaftler haben jedenfalls jetzt eine Ausrede weniger: Webers Bibliografie gibt ihnen ein Hilfsmittel zur Hand, wie es für fast alle anderen Nachkriegsautoren fehlt.

Dies einmal festgestellt, lässt sich auch Kritik im Detail formulieren. Weber verzeichnet Publikationen bis zum Jahre 2007. Sicher muss man einen Schlusspunkt setzen, wenn eine Bibliografie jemals erscheinen soll. Doch fehlen so die wichtigen Reaktionen zu Hacks' achtzigstem Geburtstag im März 2008, die möglicherweise einen rezeptionsgeschichtlichen Einschnitt markieren und unbekümmert um eine Systematik wenigstens teilweise hätten erfasst werden können. Besonders unvollständig ist wohl noch die Liste der Übersetzungen in andere Sprachen - zumal in manchen Ländern gar nicht und woanders kaum für einzelne Gedichte Rechte eingeholt werden und noch so manche Entdeckungen zu machen sind. Möglicherweise war dieser Aspekt Weber auch weniger wichtig: Wenn im Vorwort eine Übersetzung des "Gesprächs im Hause Stein" ins Katalanische, einer immerhin etablierten Literatursprache, unter die "Kuriosa" gerechnet wird, ist das selbst ein Kuriosum.

Auf der anderen Seite finden sich Nennungen, die kaum überzeugen. Literaturgeschichten und Überblicksdarstellungen, in denen auf Hacks kurz eingegangen wird, können in einer Personalbibliografie fehlen - man würde sonst aus systematischen Gründen zu einer Vollständigkeit gezwungen, die jeden vertretbaren Rahmen sprengen und damit die Orientierungsfunktion verfehlen würde. So ist zum Beispiel nicht einsichtig, weshalb von Wolfgang Emmerichs "Kleiner Literaturgeschichte der DDR", deren Autor sich den Zeitläufen durchaus anzupassen wusste, die Fassung von 1996 genannt ist und keine der früheren, die rezeptionsgeschichtlich ebenso interessant sind. Andere Literaturgeschichten fehlen ganz. Hier - und nur hier - erweckt die Zusammenstellung den Eindruck der Willkür.

Doch berührt all dies nicht den Wert des Ganzen. Insgesamt liegt eine wertvolle Arbeit vor, die für jede weitere Beschäftigung mit Hacks' Werk eine unverzichtbare Grundlage ist.


Titelbild

Ronald Weber: Peter-Hacks-Bibliographie. Verzeichnis aller Schriften von und zu Peter Hacks 1948 bis 2007.
Verlag André Thiele, Mainz 2008.
267 Seiten, 24,90 EUR.
ISBN-13: 9783940884015

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