Lehrbuch und Lernbuch

Walter Fähnders bringt Avantgarde und Moderne nahe

Von Constanze FiebachRSS-Newsfeed neuer Artikel von Constanze Fiebach

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Der als Lehrbuch deklarierte Band „Avantgarde und Moderne 1890-1933“ liegt nun – zwölf Jahre nach seinem Erscheinen – in der zweiten, aktualisierten und erweiterten Auflage vor. Die Erweiterung, die sich in Form eines Berichtes über den aktuellen Forschungsstand zum Ende des Buches findet, ist besonders hervorzuheben. Auf 21 Seiten werden nach literaturgeschichtlichen Perioden unterteilt einschlägige Veröffentlichungen von 1999-2010 dargelegt. Die kurze Kommentierung dessen, was die einzelnen Werke tun und womit genau sie sich befassen, ist ebenso hilfreich wie die jeweiligen Hinweise, ob es sich um literarische Gesamtdarstellungen, Lexikonartikel oder Monografien handelt.

Um gezielt nach einem Verfasser oder Werk zu suchen, greift man gerne auf die ausführliche Bibliografie und das Namensregister zurück. Ein Sachregister ist nicht vorhanden, erübrigt sich aber aufgrund des sehr detaillierten Inhaltsverzeichnisses.

Auch wenn das Buch mit 350 Seiten nicht gerade schmal daherkommt, so ist es durch die Einteilung in kurze Kapitel beziehungsweise Unterkapitel und einen sehr angenehmen Sprachduktus sehr leserfreundlich. Der Lesegenuss wird lediglich dadurch etwas gebremst, dass nicht mit Fußnoten sondern mit der Oxford-Zitation gearbeitet wird. So muss der Leser immer dann, wenn er wissen möchte, um welches Werk des zitierten Autors es sich genau handelt, in der Bibliografie nachschlagen.

Bereits in der Einleitung wird sehr genau beschrieben, was das Buch zu leisten vermag und was nicht. Die Problematik des Forschungsgegenstandes wird einleuchtend erklärt und die schwierige Definition des Begriffs Moderne und von allem damit Zusammenhängenden gelingt gut. Die Erwartungen, die der Leser stellt, werden vollstens erfüllt. Die exemplarische Auswahl der Autoren und ihrer literarischen Werke und Werkgruppen, anhand derer die systematisierende Analyse der einzelnen Literaturströmungen durchgeführt und dargestellt wird, kann als repräsentativ gelten.

Das Buch bindet seinen Gegenstand stets in den Gesamtkontext ein und erläutert historische Gegebenheiten als entwicklungsbildend mit. Es werden Schwierigkeiten beim Modernebegriff als Epochenbegriff aufgezeigt und Hinweise zum Umgang damit gegeben. Der Begriff der Avantgarde wird von seiner Geschichte her erschlossen und in den Zusammenhang mit dem Modernebegriff gebracht. Auch die Verbindungen von Avantgarde und Moderne zu anderen Künsten wie der bildenden Kunst, der Architektur und dem Jugendstil werden aufgezeigt. Immer anhand von Beispielen belegt wird auch die Entwicklung und die Veränderung des Dichterbildes sowie des Autorenstatus’ in den jeweiligen Literaturströmungen dargestellt. Und auch die Veränderungen der inner- und außerästhetischen Rahmenbedingungen für die Produktion, Distribution und Rezeption von Literatur findet Berücksichtigung.

Das Buch ist nicht nur als Lehr- sondern auch als Lernbuch für Studierende der Germanistik gut geeignet. Man findet in übersichtlich strukturierter und verständlicher Form alles, was man zu Avantgarde und Moderne wissen sollte und kann das Buch auch als Nachschlagewerk für einzelne Aspekte des Themas nutzen. Auch die Einladung zur Quellenlektüre, die das Buch – wie im Vorwort angemerkt – ebenso sein soll, mag durch die Strategie, leicht zugängliche Werke zu zitieren, auch von einigen Studierenden gerne angenommen werden. Haben sie doch sonst allzu oft ihre Schwierigkeiten bei der Literatursuche und -auswahl.

Titelbild

Walter Fähnders: Avantgarde und Moderne 1890-1933.
J. B. Metzler Verlag, Stuttgart 2000.
319 Seiten, 20,30 EUR.
ISBN-10: 3476014517

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