Verwicklungen, Verwandlungen und Verwerfungen – Ein Sammelband des Zentrum für Gender Studies und Feministische Zukunftsforschung an der Philipps-Universität Marburg beleuchtet die Aktualität des Emanzipations-Konzepts

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ende April 2011 beging das Zentrum für Gender Studies und Feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg mit einer Jubiläumstagung sein zehnjähriges Bestehen. Nun ist ein Sammelbandband mit den Tagungs-Vorträge erschienen. Die fünf „Gegenstandsbereiche“ des Bandes – „Kritik der feministischen Kritik“, „die gewandelte Bedeutung feministischer Utopien“, „kulturelle Repräsentationen“ sowie schließlich „Subjekt- und Körperkonzeptionen“ – spiegeln die derzeitigen Arbeitsschwerpunkte des Zentrums wider.

Der überwiegende Teil der Texte wurde von weiblichen Angehörigen des Zentrums verfasst, die in Disziplinen wie der Politologie, der Theologie, der Pädagogik und Sozialpädagogik, der Germanistik, der Anglistik, der Psychologie und der Motologie tätig sind. Hinzu treten einige Arbeiten auswärtiger Wissenschaftlerinnen, unter ihnen etwa die an der Berliner Humboldt-Universität tätige Sozialwissenschaftlerin Ina Kerner, die mit einem Text über „Varianten feministischer Kritik“ vertreten ist.

Entsprechend weit gefächert ist das Themenspektrum der insgesamt zwanzig Texte. Es reicht von „Feministischen Theorien als umkämpften Praxen“ (Gundula Ludwig), „Emanzipation und Transformation“ (Tina Jung und Ingrid Kurz-Scherf) und dem „Politikfeld Kinderbetreuung“ (Anette Henninger) über „Gedankenexperiment und (unbestimmte) Grenzüberschreitung als feministische Politik“ (Susanne Maurer), „islamischen Feminismus und Emanzipation“ (Claudia Derichs), den „Pfarrberuf im Wandel“ (Ulrike Wagner-Rau), „Geschlechterverhältnissen in der Bibel“ (Christl Maier), „Gender und Genre im postdramatischen Theater“ (Urte Helduser), „Geschlechter(rollen)wechsel im japanischen Jugendcomic“ (Ramona Kahl), „Frauenrollen in US-amerikanischen TV-Serien (Carmen Birkle) bis hin zur „Emanzipation in biographischer und mehrgenerationaler Perspektive am Beispiel von Migrantinnen aus der Türkei und ihren Töchtern in Deutschland“ (Susanne Gerner) und „Ambivalenzen in den Körperpraxen von Mädchen und Frauen“ (Anke Abraham).

Ziel des Bandes ist nicht nur, „die Breite der Sichtweisen von Emanzipation und feministischen Politiken“ hervortreten zu lassen, sondern mehr noch, die „Aktualität des Konzeptes der Emanzipation“ vor dem Hintergrund der mit dem Wandel der Geschlechterverhältnisse einhergehenden „Verwicklungen, Verwandlungen und Verwerfungen“ von Emanzipationsvorstellungen „auszuloten“. Emanzipation wird dabei als „paradoxer Prozess“ verstanden, der sowohl eine „normative Orientierung für individuelle Lebensentwürfe mit dem Ziel der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung“ wie auch einen „entsprechenden Gesellschafts- und Politikentwurf“ anstrebt.

R.L.

Anmerkung der Redaktion: literaturkritik.de rezensiert grundsätzlich nicht die Bücher von regelmäßigen Mitarbeiter / innen der Zeitschrift sowie Angehörigen der Universität Marburg. Deren Publikationen können hier jedoch gesondert vorgestellt werden.

Titelbild

Susanne Maurer (Hg.): Emanzipation und feministische Politiken. Verwicklungen. Verwerfungen, Verwandlungen.
Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach 2012.
304 Seiten, 24,95 EUR.
ISBN-13: 9783897413429

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