„Alle Grenzen sind Konventionen, die überschritten werden wollen.“ – Ein Sammelband zum Filmemacher Tom Tykwer von Corinna Schlicht und Thomas Stachelhaus

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Der vielfach ausgezeichnete Filmregisseur, Drehbuchautor, Komponist und Produzent Tom Tykwer gehört derzeit wohl zu den erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Filmemachern. Seit Tykwers Debüt „Die tödliche Maria“ (1993) sind bislang – neben verschiedenen Kurzfilmen – neun abendfüllende Kinofilme entstanden, zuletzt „Cloud Atlas“ (2012), eine Co-Arbeit mit den „Matrix“-Machern Lana und Andy Wachowski.

Die Forschung hat sich bislang nur punktuell mit den Filmen Tykwers beschäftigt, sodass es lohnend erschien, einen resümierenden Überblick zu unternehmen. Die Beiträge des Sammelbandes sind im Kontext der germanistischen Filmstudien an der Universität Duisburg-Essen sowohl in Seminaren als auch in Forschungsprojekten entstanden. Sie zeigen, dass die Figuren aus den höchst unterschiedlichen Filmen der stetige Kampf um Autonomie und Freiheit sowie der Drang nach Überwindung gesellschaftlicher Normierungen verbindet. Der Wunsch nach Transgression hat nicht selten auch illegale Handlungen zur Folge, sodass zahlreiche Protagonisten zur Selbstopferung bereit sind. Dass Tykwer seinen Figuren oft einen glücklichen, wunscherfüllenden Ausgang schenkt, gehört, so kann der Forschungsband zeigen, zum Konzept seines Filmschaffens. Tykwers komplexes Diskurskino wird aber auch auf die spezifischen Darstellungsweisen hin untersucht. Hierzu zählen u.a. seine mannigfaltigen intertextuellen Bezüge sowie die spezifische musikalische Inszenierung.  

Aus dem Inhalt: Corinna Schlicht, Thomas Stachelhaus: „Alle Grenzen sind Konventionen, die überschritten werden wollen.“ – Einleitung; Corinna Schlicht: Cross the border – Der Tykwer-Kosmos; Sonja Assen: Endstation Sehnsucht!? Intertextuelle Bezüge in Tom Tykwers „Winterschläfer“; Julia Schemme: Die musikalische Inszenierung von Liebe in Tom Tykwers „Winterschläfer“; Leif Marvin Jost: „Lola rennt“: Film als Spiel; Viktoria Görlich: Im Reich der Gerüche: Das olfaktorische Welterleben in Das Parfum von Patrick Süskind und Tykwers Literaturadaption; Sebastian Focks: Wie viel Tykwer lässt das Genre zu? Überlegungen zu Motiven einer äußeren und inneren Suche in „The International“; Thomas Stachelhaus: „Wir müssen renovieren“: Über die Subversion von tradierten Liebesbeziehungen in Tom Tykwers Film „Drei“. Nina Kaiser: Von Polyamorösität, deterministischem Biologieverständnis und In-Vitro-Fertilisation: Geschlechter- und Familiendiskurse in Tom Tykwers Film „Drei“; Filme und Preise (in Auswahl)

Anmerkung der Redaktion: literaturkritik.de rezensiert grundsätzlich nicht die Bücher von regelmäßigen Mitarbeitern der Zeitschrift sowie Angehörigen der eigenen Universität. Deren Publikationen können hier jedoch gesondert vorgestellt werden.

Ein Beitrag aus der Redaktion Gegenwartskulturen der Universität Duisburg-Essen

Titelbild

Corinna Schlicht / Thomas Stachelhaus (Hg.): Grenzgänge. Die Filme Tom Tykwers.
Laufen Verlag, Oberhausen 2013.
187 S., 18,00 EUR.
ISBN-13: 9783874683012

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