Subtil anstößig

Zu Jane Austens 200. Todestag packt Denis Scheck die Wut und erscheinen zwei neue Übersetzungen ihrer Romane

Von Regina RoßbachRSS-Newsfeed neuer Artikel von Regina Roßbach

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Bei besonderen Anlässen, wie dem 200. Todestag einer großen Autorin wie Jane Austen, dürfen Wissenschaftler und Kritiker schon einmal emotional werden. Eher überraschend ist allerdings die Gefühlslage von Denis Scheck: „Jane Austen macht mich wütend. Ach was, diese Frau reizt mich bis aufs Blut, treibt mich auf die Palme, bringt mich zur Weißglut.“ Die Worte stammen aus dem Nachwort zu Andrea Otts Neuübertragung von Austens Vernunft und Gefühl, die im März erschienen ist. Damit hat nun Denis Scheck es geschafft: Denn eigentlich ist er es doch, der aggressiv macht und zur Weißglut treibt. Nicht nur, dass er Austens Romane für ganz und gar unpolitisch erklärt – dem ist nicht so! –; er degradiert Vernunft und Gefühl auch noch zum „Heilmittel gegen Liebeskummer“ und findet an Austens Biographie am allerüberraschendsten die Spekulation, Austen habe sich eigenhändig als Jägerin betätigt. So trägt er kräftig zu jener Trivialisierung Jane Austens bei, unter der die Wahrnehmung ihrer Texte seit Langem leidet. Romantisierende Verfilmungen mit Starbesetzung, eine parodistische Zombie-Version von Pride and Prejudice sowie kitschige blumenverzierte Werkausgaben und allerlei Merchandise haben nicht gerade dazu beigetragen, den literarischen Wert von Austens Romanen angemessen und ernsthaft zu würdigen.

„Literarische Portalsfigur“

Schecks Ausbruch ist scheinbar nicht mehr als ein provokativer Scherz. Jedenfalls revidiert er später tüchtig alles Gesagte und spricht völlig entgegengesetzt von Jane Austen neben Franz Kafka als „anderer großer literarischer Portalsfigur an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert“. Sie sei eben doch ausgesprochen politisch: „in dem Sinne, dass ihre Sätze uns in unserem Wesen und unserer Wahrnehmung zu verändern im Stande sind.“ Das klingt nun zwar etwas esoterisch – ebenfalls ein typischer Zug der Austen-Rezeption –, immerhin aber werden nun die Einzigartigkeit von Austens Texten und ihre literarhistorische Position zum Thema gemacht. Beidem geht man in der Literaturwissenschaft seit geraumer Zeit nach und es wäre schön, wenn die – prinzipiell natürlich erfreuliche – Popularität der Austen-Romane auf lange Sicht auch solchen komplexeren Fragestellungen mehr Gehör verschaffen würde.

Einen Schritt in diese Richtung hat Christian Grawe mit seinem Bändchen Jane Austens Romane. Ein literarischen Führer unternommen. Grawe, emeritierter Germanistikprofessor der University of Melbourne, hat gemeinsam mit seiner Frau Ursula Austens Gesamtwerk übersetzt; er kennt ihre Texte wie nur wenige andere. Sein Austen-Führer versammelt in alphabetischer Sortierung 52 Artikel zu den verschiedensten Gesichtspunkten, nach denen Austens Werk aufgeschlüsselt werden kann – von „Ärzte“ über „London“ bis hin zu „Unvollendete Romane“. So wird einerseits das Basiswissen vermittelt, das ein heutiger Leser braucht, um die historisch bedingten Verstehenshürden zu überwinden. Andererseits geben die Artikel in gut verständlicher Form Einblicke in verschiedene Ansätze aus der Forschung, und tragen dazu bei, einer allzu naiven Austen-Lektüre entgegenzuwirken. So wird man etwa durch den Artikel „Landschaft“ darüber aufgeklärt, dass Beschreibungen von Landschaften bei Austen kein Selbstzweck sind oder wie in den Romanen Ann Radcliffes der Entspannung dienen, sondern sich stets auf die Figuren beziehen, die sich in ihnen bewegen.

Soziale Topographie in Mansfield Park

Nimmt der Leser diesen Aspekt in den Fokus, so bereichert er sich um die Möglichkeit ganz neuer Erkenntnisse – etwa über Mansfield Park, welches nun in neuer Übersetzung von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié erschienen ist. Dazu trägt auch das hervorragende Nachwort der Frankfurter Anglistin Julika Griem bei, die im Roman eine regelrechte „Raumkunst“ identifiziert: „Jane Austen erschafft in diesem Werk eine symbolische soziale Topographie, in der sich das Herrenhaus, die Nation und das Empire als Garten- und Seelenlandschaften so vielschichtig überlagen, dass sie Fanny Price gleichzeitig einschließen und befreien.“

Mansfield Park ist der dritte Roman Austens und wird meist als der ernsteste von allen bezeichnet. Um seine kinderreiche, ärmlich lebende Schwägerin zu entlasten, erklärt sich Sir Thomas Bertram bereit, eine ihrer Töchter in seinem prachtvollen Herrenhaus Mansfield Park aufzunehmen. In Erwartung der Ankunft von Fanny Price tauschen sich die Familienmitglieder über die bevorstehende Herausforderung aus, das ihnen selbst so deutlich unterlegene Mädchen in ihren Kreis zu integrieren: „In Stand, Vermögen, Rechten und Ansichten wird es immer einen Unterschied geben. Das will mit Geschick behandelt sein, und Sie müssen uns in unseren Bemühungen unterstützen, damit wir genau den richtigen Umgang mit ihr finden.“ Austen führt in diesen Gesprächsszenen ein Machtgefüge vor, das im Kleinen die Hierarchien der britischen Gesellschaft spiegelt. Die für ihren Stil typische, witzige Überzeichnung der Figuren enthält ein deutlich kritisches Moment: Der Leser wird dazu aufgerufen, die Rede von Fannys Bildungsmangel als Überheblichkeit und das Lob der eigenen Großzügigkeit als Selbstherrlichkeit zu entlarven.

Fanny Price hat nicht die Energie und das Selbstbewusstsein der beliebten Austen-Figuren Elisabeth Bennet oder Emma; sie scheint für eine wirklich interessante Hauptfigur eigentlich zu farblos und schüchtern. Der Umzug nach Mansfield Park bedeutet für sie wider Erwarten keine Befreiung; die Großzügigkeit und Pracht der Räume schüchtern sie ein und lassen sie nur umso deutlicher ihre eigene Bedeutungslosigkeit im Familiengefüge spüren. Mit völliger Selbstverständlichkeit wird sie in einer Dachkammer untergebracht, darf nicht wie die Töchter des Hauses an gesellschaftlichen Anlässen teilnehmen und wird für Botengänge und Handarbeiten ausgenutzt. Doch der Roman folgt keinem einfachen Aschenputtel-Schema – viel zu subtil und beiläufig sind die Hinweise auf die gesellschaftlich völlig akzeptierten Ungerechtigkeiten gegenüber Fanny. Und ihre eigene Genügsamkeit, Bescheidenheit und Zurückhaltung tragen weiter dazu bei, ihr Leid während der Lektüre einfach hinzunehmen. Sie ist Ausgeschlossene, über die mehr gesprochen wird als dass sie selbst ihre Stimme erhebt. Jeglicher Protest gegen ökonomische Unterdrückung muss schließlich schon deshalb verhindert werden, weil der Reichtum des Hauses auf ihr beruht.

Dass Sir Thomas‘ Geschäfte in „Westindien“ mit Sklavenhandel zu tun haben, wird spätestens deutlich, als Fanny ihn selbst danach fragt. Gerne hätte sie mehr erfahren, aber – so heißt es wörtlich – „es herrschte eine solche Totenstille!“ Exklusion und Gefangenschaft – innerhalb wie außerhalb Englands – sind in Austens Romanen nicht sagbar, aber stellen dennoch „ambivalente Formen passiven Widerstands“ dar und regen dazu an, „vorschnelle Vorwürfe unpolitischen Erzählens zu überdenken“, wie Julika Griem es treffend formuliert.

Wenigen Autoren ist es wie Jane Austen gelungen, dem Leiden des Individuums unter dem Druck gesellschaftlicher Strukturen Ausdruck zu verleihen – obgleich aus ebendiesen Strukturen selbst das erzählerische Unterhaltungs- und Spannungspotential gezogen wird. Der emeritierte Hannoveraner Anglist Gerd Birkner zeigt diese Besonderheit Austens auch durch literaturgeschichtlich angelegte Vergleiche mit früheren aufklärerischen Romanen wie Henry Fieldings Tom Jones (1749) und Frances Burneys Evelina (1779). Seine Studie A Woman of Importance. Die Romane Jane Austens. Kontext und Wirkungsstruktur stammt aus dem Jahr 1980, ist aber 2015 erstmals veröffentlicht worden. Birkner macht darin anschaulich, dass den Romanen der Aufklärung noch die Auffassung eines prinzipiellen Aufgehobenseins des Individuums in der Gesellschaft zugrunde lag; einer harmonischen sozialen Ordnung, die zum natürlichen Wesen des Menschen passt. Selbstfindung geht deshalb in diesen Romanen mit sozialer Integration einher. Doch bei Austen, so Birkner, „werden die Natur des Individuums und sein Verhältnis zur Gesellschaft undeutlich“.

Natürliche und gesellschaftliche Ordnungen in „Vernunft und Gefühl“

Das zeigt sich zum Beispiel an der in Vernunft und Gefühl im Zentrum stehenden Problematik, wie Birkner sie pointiert: „Die enthusiastische Zuneigung führt nicht zur Ehe.“ Marianne Dashwood, die im Roman das ‚Gefühl‘ repräsentiert und ihrer vernunftgeleiteten Schwester Elinor kontrastiv gegenübergestellt wird, findet in Mr. Willoughby genau jenes heldenhafte männliche Geschöpf, das sie sich in ihren romantischen Träumereien herbeigesehnt hat:

Ihrer beider Geschmack ähnelte sich verblüffend. Beide vergötterten dieselben Bücher und dieselben Passagen, und falls sie wirklich einmal anderer Meinung waren oder einer der beiden einen Einwand erhob, hielt dies nur so lange an, bis Marianne die Macht ihrer Argumente und das Strahlen ihrer Augen ins Spiel brachte. Er gab ihr in allem recht und verstand ihre Begeisterung, und sein Besuch war noch lange nicht beendet, da unterhielten sie sich schon vertraulich wie alte Bekannte.

Das Paar, das sich „durch ähnliche Wesensart zueinander hingezogen fühlte“, korrespondiert erstaunlich gut mit den anderen berühmten Seelenverwandten der Literaturgeschichte: Eduard und Ottilie aus Johann Wolfgang von Goethes Roman Die Wahlverwandtschaften, der erstmals 1809 und damit drei Jahre vor Sense and Sensibility erschienen ist. Auch darüber hinaus sind die Parallelen verblüffend: Wie bei Goethe treffen Figuren aufeinander, deren Weltbilder entweder aus der Romantik stammen oder die sich am gesellschaftlich geprägten Sittenkodex zu orientieren versuchen; in keinem der beiden Romane wird eine der beiden Perspektiven eindeutig erkennbar bevorzugt. Der Konflikt zwischen natürlichen und gesellschaftlichen Ordnungen wird in beiden Texten in ähnlichen Handlungsmotiven umgesetzt, so etwa waghalsige Ausflüge in die Natur, ‚Verschönerungsarbeiten‘ von Gebäuden und Parks durch Umbauten und Landschaftsarchitektur oder anstößiges Verhalten der Figuren in den Augen der Öffentlichkeit. Beeindruckend sind in beiden Romanen die Darstellungen seelischer Krankheiten, die aus der Unfähigkeit der Figuren entstehen, die Diskrepanz zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichem Druck auszuhalten. Ottilie hungert sich bekanntlich in einem Akt der Selbstbestrafung zu Tode; in Sense and Sensibility erkrankt Marianne nach der Trennung von Willoughby an einer schweren Depression; die Beschreibung ihres Zustands zeugt von Austens genauer Beobachtungsgabe. Neben körperlichen Symptomen wie Kopfschmerzen, Unruhe und Anspannung werden Mariannes Niedergeschlagenheit und Teilnahmslosigkeit geschildert, die sie auch in der Öffentlichkeit, bei Einkäufen und Abendgesellschaften, nicht ablegen kann: „Sie vermochte sich ebenso auf ihr Innenleben zu konzentrieren und alles zu ignorieren, was rings um sie geschah, als läge sie in ihrem Schlafzimmer.“ Marianne kehrt nicht wieder in den alten Zustand der Fröhlichkeit und Unbeschwertheit zurück, sie ist von da an seelisch gebrochen. Treffend analysiert Birkner, dass die von nun an „melancholisch getönte Stimmung“ Mariannes „das Mal der versagten Selbstverwirklichung in sich trägt“. Trotz des positiven Romanausgangs – der Heirat mit dem treuen und ehrlichen Colonel Brandon – wird Mariannes wiederholt bekräftigte Überzeugung, man könne nur einmal im Leben wirklich lieben, durch die Romanhandlung letztlich nicht widerlegt. Das Thema der verpassten Liebe – später von Henry James perfektioniert – wird in dem historischen Moment für Literarisierungen interessant, in dem das Individuum über innere und äußere Erwartungen in Verwirrung gerät.

Neue Lösungen und Interpretationen

Die beiden neuen Übersetzungen halten manche neue Perspektive auf Austen bereit, wie sich am besten durch Vergleiche mit früheren Übersetzungen erschließt. Wenn Edmund es in Mansfield Park für eine gute Idee hält, dass Fanny ins Pfarrhaus zu ihrer launischen Tante Norris umziehen soll, heißt es im Original: „Here, there are too many, whom you can hide behind; but with her you will be forced to speak for yourself.“, so übersetzt Grawe die Stelle nah am Original mit „Hier gibt es zu viele, hinter denen du dich verstecken kannst, aber bei ihr wirst du gezwungen, für dich selbst einzustehen.“ In der neuen Übertragung von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié lautet das Ende des Satzes anders: „bei ihr dagegen wirst du gezwungen sein, für dich zu stehen.“ Es geht hier nicht mehr nur um verbale Selbstverteidigung, sondern auch um einen Prozess der persönlichen Entwicklung zur Eigenständigkeit.

Kurz darauf heißt es im Original, Mrs. Norris sei „much better fitted than my mother for having the charge of you now.” Bei Grawe ist die Tante besser geeignet, „die Verantwortung für dich zu übernehmen als meine Mutter”; in der neuen Version ist sie eher dazu fähig, „dich von nun an zu fördern.“ So wird Fanny in der neuen Übersetzung stärker als zuvor ein Reifungsprozess zu Individualität und selbstständiger Entscheidungsfähigkeit zugestanden, der mit ihrem mutigen Handeln im Lauf des Romans in Einklang steht. Auch Andrea Ott, die für ihre „exzellenten interpretatorischen Lösungen“ bei der Übersetzertätigkeit 2010 mit einem Arbeitsstipendium des Freistaats Bayern ausgezeichnet worden ist, verfährt bei der Übersetzung von Vernunft und Gefühl zuweilen unkonventionell, aber in angemessenem Rahmen. So hat sie sich darum bemüht, nervigen Plaudereien, Floskeln und Geschwätzigkeiten, die den Dashwood-Schwestern häufig zu schaffen machen, auch im Deutschen zu entsprechen, wenn sie „obstacle“ mit „Hemmschuh“; „frightened away“ mit „ins Bockshorn jagen“ oder „a good-for-nothing-fellow“ mit „Windhund“ überträgt. Statt der Verwendung umständlicher Schachtelsätze imitiert sie Austens schlichten und klaren Stil, indem sie einzelne englische Sätze zuweilen in mehreren deutschen wiedergibt.

Zwänge der Konvention

Häufig scheint es, als fühlten sich Austens Figuren in einem unsichtbaren Käfig gefangen. Die Konvention verlangt von ihnen, ihr Wesen oder ihre Gedanken durch Geheimniskrämereien, Verstellungen und Oberflächlichkeiten zu verbergen. Fanny Price versteckt ihre Gefühle der Demütigung und des Neids vor der Umwelt: „Dort auf dem Sofa, wohin sie sich vor den anderen zurückgezogen hatte, um ungesehen zu bleiben, war der Schmerz in ihrem Gemüt weit schlimmer gewesen als der in ihrem Kopf.“ Die alleinstehenden Schwestern Marianne und Elinor, die wegen ihres geringen Vermögens wenig Hoffnung haben, sich gut zu verheiraten, sind zu großen Anpassungsleistungen verdonnert, um sich nicht zu kompromittieren und sozialen Anschluss zu finden. Im Haus der neuen Nachbarin Lady Middleton, von der „ihr Wohlergehen in Barton in hohem Maße abhing“, müssen sie sich dem Zwang zu nichtssagenden Gesprächen beugen:

Lady Middleton hatte in weiser Voraussicht ihr ältestes Kind mitgebracht, einen hübschen kleinen Jungen von etwa sechs Jahren, wodurch sich ein Thema ergab, auf das man im Notfall immer wieder zurückgreifen konnte, schließlich mussten sich die Damen nach seinem Namen und Alter erkundigen, seine Schönheit bewundern und ihm Fragen stellen, die seine Mutter für ihn beantwortete, während er mit gesenktem Kopf neben ihr stand, natürlich zum großen Erstaunen der Lady, die sich über seine Schüchternheit in Gesellschaft wunderte, da er zu Hause ordentlich lärmen konnte. Überhaupt sollte bei jedem Höflichkeitsbesuch ein Kind mit von der Partie sein, denn es versorgt die Anwesenden mit Gesprächsstoff.

Auch untereinander zeigen sich die Schwestern nicht offen. Den heutigen Leser erstaunt es, wie Marianne ihr verzweifeltes Hoffen auf einen Antrag von Willoughby und Elinor die Tatsache, dass ihr Verehrer Edward schon seit Langem heimlich verlobt ist, vor der jeweils anderen geheim halten. Es überträgt sich jedoch auch der Ernst ihrer jeweiligen Lage: Ihre ökonomisch bedingten Ängste vor Grenzüberschreitungen tragen zugleich dazu bei, die Spannung aufrechtzuerhalten. Der Käfig der Gesellschaftsstruktur bildet immer wieder auch das erzählerische Gerüst der Texte. So sind es gerade hoch formelle gesellschaftliche Anlässe wie Tanzbälle oder geführte Hausbesichtigungen, an denen es in Austen-Romanen zu Gipfel- und Wendepunkten kommt und die vorgegebene Reserviertheit gewissermaßen die interessanten Missverständnisse und Fehlinterpretationen zwischen den Figuren bedingt.

Trotzdem bleiben Austens Romane der Gesellschaftsordnung eben nicht naiv verhaftet, sondern brechen sie immer wieder subtil auf: häufig durch ironische Kommentare der Erzählerstimme oder plötzliche Geständnisse und Offenbarungen der Figuren. Gesellschaftlich vermittelte Realität stellt sich immer wieder als unzuverlässig heraus. Mindestens aus diesem Grund wird man Jane Austens Romane anlässlich ihres Todestags ja wohl als politisch bezeichnen dürfen, Teufel nochmal!

Ein Beitrag aus der Komparatistik-Redaktion der Universität Mainz

Titelbild

Gerd Birkner: A Woman of Importance. Die Romane Jane Austens. Kontext und Wirkungsstruktur.
Mit einem Vorwort von Thomas Hübener.
Wehrhahn Verlag, Hannover 2015.
184 Seiten, 19,80 EUR.
ISBN-13: 9783865254610

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Christian Grawe: Jane Austens Romane. Ein literarischer Führer.
Reclam Verlag, Stuttgart 2017.
231 Seiten, 12,95 EUR.
ISBN-13: 9783150204788

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Jane Austen: Mansfield Park. Roman.
Neuübersetzung. Mit einem Nachwort von Julika Griem.
Übersetzt aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié.
S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2017.
571 Seiten, 22,00 EUR.
ISBN-13: 9783103972719

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Jane Austen: Vernunft & Gefühl.
Mit einem Nachwort von Denis Scheck.
Übersetzt aus dem Englischen von Andrea Ott.
Manesse Verlag, München 2017.
416 Seiten, 26,95 EUR.
ISBN-13: 9783717523543

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