Wolfgang Koeppen in „Mein Leben“ (1999)

Sollte mich jemand fragen, wer in diesen fünfzehn Jahren der wichtigste und originellste Mitarbeiter des Literaturteils der Frankfurter Allgemeinen war, jener, dessen kritische Prosa sich mir am schärfsten eingeprägt hat, ich würde nicht lange nachdenken müssen und Wolfgang Koeppen nennen. Er habe mir, würde ich gleich hinzufügen, in dieser Zeit die größte Freude bereitet und die größte Genugtuung – und freilich auch den größten Kummer.

Erst spät gelangte ein Buch von Koeppen nach Polen. Es war der Roman Der Tod in Rom. Ich konnte ihn bekommen, weil er 1956, zwei Jahre nach der westdeutschen Ausgabe, auch in der DDR erschienen war. Ich tat, was ich konnte, damit er ins Polnische übersetzt wurde – und schrieb, als die polnische Ausgabe Ende 1957 erhältlich war, eine sehr ausführliche, eine begeisterte Kritik. Was mich geradezu hingerissen hat, das war der unerhört suggestive Rhythmus dieser Prosa, ihr neuer Ton. Wenn es einen solchen Schriftsteller wie Koeppen gibt, dann – meinte ich – brauche man sich um die Zukunft der deutschen Nachkriegsliteratur keine Sorgen zu machen.

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