SEINE RÜCKKEHR ZU SICH SELBST

(1978)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

Es ist bald zwanzig Jahre her. Martin Walser hatte seine Teilnahme an einer Tagung der »Gruppe 47« zwar zugesagt, war aber dann doch nicht gekommen: Er stecke, wurde bedeutsam gemunkelt, in einer ernsten Krise. Damals war er noch ein junger, hoffnungsvoller Schriftsteller, die Ehen in Philippsburg hatten ihn zu Recht bekannt gemacht, die Halbzeit gab es noch nicht – und schon sprach man besorgt und bekümmert von seiner Krise.

Seitdem will kaum jemand, der sich mit Walsers Büchern oder Stücken beschäftigt, auf diese düstere Vokabel verzichten: Was immer er geschrieben hat und wie immer es beurteilt wurde, letztlich sei es, hieß es mit schöner Regelmäßigkeit, als Zeichen einer Krise zu verstehen – vor allem natürlich des Martin Walser oder seiner Generation, dann aber auch des Erzählens, des Romans, des Dramas oder ganz einfach der Literatur hier und heute. Und auch nach seinen schwächsten Arbeiten hat man ihn als bedauernswertes Opfer eben der Krise beklagt, auch seine »Resignation« wollten manche Rezensenten als Zeitsymptom deuten, auch für seine »Kapitulation« sollte unbedingt die Epoche verantwortlich sein.

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