Die Gruppe 47 und Er

Man wird daran erinnert, welchem Boden Kollektiv-Vorurteile und diffamierende Legenden entspringen (1962)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

Den literarischen Erfolg begleiten Mißverständnisse, den Ruhm Legenden. Das gilt nicht nur für einzelne Schriftsteller, sondern auch für das Echo, das Gruppen, Richtungen und Schulen zuteil wird. Die Erfahrungen unserer Generation lehren jedoch, daß Vorurteile und Legenden, die ein ganzes Kollektiv betreffen, besonders hartnäckig sind und zu gefährlichen Folgen führen können. Sie entspringen meist dunklen Emotionen, unkontrollierten Wallungen und fragwürdigen Affekten. Wo sie am Werk sind, muß man sich mit strenger Konsequenz an die Fakten halten. Nur sie ermöglichen es, das Verhältnis von Legende zu Realität zu erkennen. Und nichts leistet im Kampf mit den Vorurteilen so gute Dienste wie schlichte Logik.

Günter Blöcker bestreitet [in seinem Beitrag „Die Gruppe 47 und ich“, der in derselben Ausgabe erschien; T.A.] einleitend, Gegner des Schriftsteller-Freundeskreises „Gruppe 47“ zu sein, kommt aber nach einer Reihe von gewichtigen Vorwürfen zu dem Ergebnis, daß die literarische Öffentlichkeit in Deutschland „eben drauf und dran (ist), abgeschafft zu werden, um der einen literarischen Öffentlichkeit Platz zu machen, die allein von der Gruppe 47 hergestellt, repräsentiert und kontrolliert wird“.

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Aus: Marcel Reich-Ranicki: Die Gruppe 47, nur für Online-Abonnenten oder erweitert als Buch





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