Vom armen H. B.

Aus Anlaß des Buches „Drei Tage im März“ und der Erzählung „Berichte zur Gesinnungslage der Nation“ (1975)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

Ist dies also der Gipfel des Ruhms? Jedenfalls war Heinrich Böll nie erfolgreicher. Seiner Beliebtheit kann offenbar nichts mehr anhaben. Das mag erfreulich sein, es ist aber zugleich beängstigend. Denn seine Popularitätskurve steigt fast automatisch, also unabhängig vom Wert seiner neuen literarischen Arbeiten und vom Charakter seiner öffentlichen Auftritte. Auch kennt sie – ganz anders als bei Grass – keine deutlich wahrnehmbaren oder gar dramatischen Schwankungen.

Und anders als Frisch, der sein Publikum vor allem in der Intelligenz hat, findet Böll ein unmittelbares Echo bei nahezu allen Schichten. Er ist ein Volksschriftsteller. Nichts aber zeugt so sehr vom gebrochenen Verhältnis der Deutschen zu ihrer Literatur als die Tatsache, daß hierzulande die Bezeichnung „Volksschriftsteller“ als wenig schmeichelhaft empfunden wird. Böll ist nicht der erste, der das erfährt.

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Der Beitrag gehört zu Marcel Reich-Ranicki: Mehr als ein Dichter. Über Heinrich Böll. Erweiterte Neuauflage.





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