III.3.3 Literaturvermittelnde Institutionen

Leseprobe

Von Stephan Porombka

3.3 Literaturvermittelnde Institutionen

Kulturvermittlung als Profession

›Literaturvermittlung‹ ist keine eigenständige Profession, sondern wird als spezielle Form der ›Kulturvermittlung‹ verstanden. Die Karriere der Kulturvermittlung beginnt mit dem in den 1970er Jahren formulierten kulturpolitischen Anspruch, Literatur, Theater und bildende Kunst flächendeckend und schichtenübergreifend zugänglich und verständlich zu machen. Der Leitformel ›Kultur für alle‹ entsprechend sollten (und sollen) Programme entwickelt werden, die nicht nur die Komplexität der modernen Kunst allgemein verständlich ›übersetzen‹ und damit die Deutungskompetenz beim Publikum steigern; sie sollen auch die künstlerischgestalterische Kompetenz verbessern und Kunst selbst als Katalysator für soziale Problemlösungsprozesse nutzbar machen (vgl. Mandel 2005).

Noch in den 1970er Jahren hat sich dafür die Kulturpädagogik etabliert. Zur Zielgruppe ihrer Projekte zählen vornehmlich Kinder, aber auch ältere Menschen, Ausländer, Behinderte oder ganze Stadtteile, in denen es die soziale Gemengelage schwer macht, sich mit Kultur zu beschäftigen oder sich kulturell zu betätigen. Dementsprechend sind Kulturpädagogen im öffentlichen Auftrag entweder dort aktiv, wo die Künste bereits etabliert sind, aber vermittelt werden müssen (in Museen, in Theatern, in Bibliotheken, in Konzerthäusern), oder sie gründen freie Projekte, in denen interaktiv und kontextbezogen künstlerisch gearbeitet wird (Stadtteilprojekte, Kunst im Krankenhaus, freie Gruppen für das Theaterspiel mit Kindern). Eine besonders große Rolle spielt die Kulturpädagogik in schulischen Zusammenhängen: Ob in den Fächern Kunst oder Deutsch, im Fremdsprachen- oder Projektunterricht – wo immer es um die Frage geht, wie man die Schüler mit Kultur in Berührung bringen und ihre eigene Kreativität fördern kann, werden Lehrer seither immer auch kulturpädagogisch geschult.

Dass die Kulturpädagogen seit Mitte der 1980er Jahre zunehmend von sogenannten ›Kulturmanagern‹ abgelöst werden, hat mit einem Paradigmenwechsel in der Kulturpolitik, aber auch mit umfassenderen kulturellen Veränderungen zu tun. [...]

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