Anzeichen einer tiefen Unsicherheit

Zwei neue Bücher von Martin Walser und Heinrich Böll (1964)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

Erbärmlich der Künstler, der nie gescheitert ist. Denn nur dem kann es gelingen, nie die Latte abzureißen, der nie einen hohen Sprung wagt. Aber der Umstand allein, daß die Latte abgerissen wurde, beweist noch nichts – am wenigsten, daß jemand einen tatsächlich hohen Sprung versucht hat. So spricht auch die Niederlage eines Künstlers zunächst einmal weder gegen noch für ihn: Erst muß geklärt werden, worauf sie zurückzuführen ist.

Worauf also ist es zurückzuführen, daß sich die neuen Bücher von zwei hervorragenden deutschen Schriftstellern der mittleren Generation – Heinrich Böll und Martin Walser – als Fehlschläge erweisen? Die Frage scheint mir höchst wichtig. Nicht nur, weil es um Böll und Walser geht, obwohl dies Anlaß genug wäre, sich mit den beiden nicht umfangreichen Veröffentlichungen genauer zu befassen. Aber es handelt sich zugleich um exemplarische Fälle, die uns die Misere der deutschen Prosa von heute mit einer Deutlichkeit vergegenwärtigen, auf die wir gern verzichtet hätten.

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Der Beitrag gehört zu Marcel Reich-Ranicki: Mehr als ein Dichter. Über Heinrich Böll. Erweiterte Neuauflage.





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