Böll wird diffamiert

Die Kampagne gegen angebliche „Sympathisanten“ der RAF lenkt von dem notwendigen Kampf gegen den Terrorismus ab (1977)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

Wie immer die Schleyer-Entführung ausgehen wird, sicher ist, daß die Terroristen schon jetzt einen bemerkenswerten Erfolg buchen können. Eine Kampagne ist im Gange, die sich leider nicht gegen die Helfer und Helfershelfer der Terroristen richtet, wohl aber gegen jene, denen sich zwar nichts Konkretes vorwerfen läßt, die man jedoch zumindest als „Sympathisanten“ abstempeln und womöglich aburteilen möchte. Es handelt sich um eine Diffamierungskampagne, um Verdächtigungen und auch handfeste Denunziationen, die vor allem von einigen auflagenstarken Tageszeitungen und Illustrierten verbreitet werden. Attackiert werden wieder einmal vor allem Schriftsteller, was übrigens nicht unbedingt gegen die zeitgenössische deutsche Literatur spricht.

In Gerlingen bei Stuttgart wurde Luise Rinser, die auf einer Veranstaltung der Volkshochschule aus ihren Büchern lesen sollte, wieder ausgeladen, weil die Illustrierte „Quick“ gegen sie unter der Schlagzeile „Sympathisanten“ eine Art Steckbrief veröffentlicht hat.

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Der Beitrag gehört zu Marcel Reich-Ranicki: Mehr als ein Dichter. Über Heinrich Böll. Erweiterte Neuauflage.





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