Selbsthaß als Bestseller

Der Roman „Portnoys Beschwerden“ von Philip Roth nun in deutscher Übersetzung (1970)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

Philip Roth wird bei uns meist zusammen mit Saul Bellow und Bernard Malamud, Jerome D. Salinger und Norman Mailer genannt. Denn auch er ist ein amerikanischer Jude, dessen Eltern einst aus Osteuropa eingewandert sind, auch seine Prosa zielt auf eine direkte und möglichst scharfe Gesellschaftskritik ab, auch in seinen Romanen und Erzählungen spielen jüdische Figuren und Motive eine sehr große Rolle.

Alle diese Autoren haben erkannt, daß die jüdische Minorität in den USA als literarisches Thema besonders ergiebig ist, weil sie sich zur Zeit in einer Übergangsperiode befindet: In ihrer Mehrheit sind die Juden Amerikas zwar längst emanzipiert, aber noch nicht integriert. Noch haben sie die vielen Eigentümlichkeiten, die sie von der Umwelt abheben, nicht eingebüßt, und schon geraten sie in Situationen, die typisch sind für die Epoche schlechthin. Noch stehen ihre Leiden und Konflikte in unmittelbarem und unverkennbarem Zusammenhang mit ihrer Herkunft, und schon haben sie eine allgemeine und geradezu exemplarische Bedeutung gewonnen.

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Aus Marcel Reich-Ranicki: Über Philip Roth. Hg. von Thomas Anz. Sonderausgabe von literaturkritik.de. Verlag Literaturwissenschaft.de Marburg





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