I.8.3 Autorenpräsentation und -förderung

Leseprobe

Von Lutz HagestedtRSS-Newsfeed neuer Artikel von Lutz Hagestedt

8.3 Autorenpräsentation und -förderung: Lesungen, Ausstellungen, Preise

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Institutionen der Autorenpräsentation und -förderung

Trotz des Warencharakters von Literatur ist es (noch) eher unüblich, dass ein freiberuflich tätiger Schriftsteller als Unternehmer wirtschaftet und mit Firmenlogo und entsprechender Geschäftsausstattung für sich wirbt und damit Öffentlichkeit herstellt. Offenbar ist es der Kunstaspekt seiner Arbeit, der diese Form der Selbstpräsentation ungewöhnlich erscheinen lässt.

Gleichwohl gehören zum Kernbereich der Autorenpräsentation (wie zum Teil auch der Förderung) neben der Publikation und Bewerbung seines Werkes auch der persönliche Auftritt, beispielsweise die Lesung und der Vortrag in Verbindung mit der Ausstellung, der Werkschau oder der Preisverleihung. Dafür wird ein öffentlicher Raum geschaffen oder ein privater medial vermittelt. Städte und Gemeinden, Dichtervereine und literarische Gesellschaften haben sich seit den Anfängen des 18. Jh.s vielfältige Gelegenheiten erschlossen, Autoren und ihr(e) Werk(e) einem Lesepublikum zu erschließen. Die zunehmende Autorenbewusstheit ging dabei mit der Pflege des ›klassischen‹ Erbes und seiner Repräsentanten einher und geriet im 19. Jh. in den Fokus einer vehement geforderten, ›nationalen‹ Identitätsstiftung (vgl. Selbmann 1996). Die Geschichte der literarischen Gedenkstätten in Deutschland belegt, dass Dichterdenkmäler ebenso wie Literaturmuseen mit breiter finanzieller Unterstützung aus privater wie öffentlicher Hand rechnen konnten (vgl. Lange-Greve 1995).

Verlagsbuchhandel und periodische Meinungsforen

Autorenpräsentation und Autorenförderung sind zunächst einmal Aufgaben der Verlage und des Buchhandels. Verlage entdecken angehende oder präsentieren etablierte Schriftsteller, indem sie deren Bücher mittels Vorschauen und anderer Verkaufs- und Marketinginstrumente einer Öffentlichkeit vermitteln, sie vertreiben und bewerben. Dabei verfolgen sie nicht selten eine ›Hauslinie‹ oder Spezialisierung und setzen auf bestimmte Namen, Genres oder Richtungen, die sie gezielt edieren und bewerben. Institutionelle Partner in der Vermarktung sind der Buchhandel und die Medien, vor allem die periodischen Meinungsforen als Multiplikatoren einer umfassenden und systematischen Förderung: In der Presse ebenso wie in Hörfunk und Fernsehen, zunehmend auch im Internet, werden Autoren empfohlen und der Kritik unterworfen. Der Förderungsaspekt tritt hinzu, wenn die Multiplikation in den Medien unter Einbeziehung und Mitwirkung des Autors erfolgt und ihm dadurch Publizität und somit ein kaufkräftiges Publikum zuteil wird. In der Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland gilt etwa Alfred Andersch als ein früher und einflussreicher Repräsentant des Literaturbetriebs, der sich als Rundfunkredakteur, als Kritiker und als Herausgeber der Zeitschrift Texte und Zeichen Talente heranzog und Autoren mit Aufträgen versorgte (vgl. Wilke 1999).

Es geht also einerseits darum, für Literatur eine Öffentlichkeit herzustellen, und andererseits darum, dem Schriftsteller die Möglichkeit zu geben, sich (auch) jenseits der Öffentlichkeit seinem Werk widmen zu können und dadurch sein Auskommen zu finden. Wo dies nicht oder nicht hinreichend gelingt, treten gelegentlich staatliche Institutionen für die Kultur- und Literaturförderung ein (vgl. Böde/ Janetzki 2000). [...]

Leseprobe aus  dem Handbuch Literaturwissenschaft. Sie können den Handbuch-Artikel nach Anklicken der Zeile „Leserbrief schreiben“ rechts unten auf dieser Seite kommentieren.





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