|
|
|
Leserbriefe
Leserbrief-Archiv
Leserbriefe seit 2003
Wenn Sie einen Leserbrief zu einem unserer Artikel schreiben wollen, klicken Sie bitte unter diesem Artikel "Leserbrief schreiben" an. Leserbrief und Artikel werden dann miteinander verlinkt. Um einen Leserbrief zu schreiben, der sich nicht auf einen bestimmten Artikel bezieht, verwenden Sie bitte dieses Formular.
|
gittakohl schrieb uns am 03.03.2010
Thema: Eckart Löhr: Authentizität ist keine Kategorie Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und die überforderte Literaturkritik
Ganz offenbar hatte Herr Löhr ja auch nicht die Absicht, eine Rezension zu dem Werk von Helene Hegemann zu schreiben, sondern uns die Grundlagen der Literaturkritik zu erklären. Und das ist – zugegeben ein bisschen sehr akademisch und mit zu viel Seminargeruch – auch angekommen. Die romantisch geprägte Literaturkritik haben die Strukturalisten für tot erklärt, wir sind im Poststrukturalismus angekommen und begreifen uns endlich als das, was wir sind: gesellschaftliche Produkte, immer schon im „Verweisungszusammenhang“, in einem wie auch immer gearteten Kontext. Man kann sich mit Goethe fragen, was an diesem Wicht Mensch/Autor denn schon original zu nennen sei. Bis hierhin bin ich einverstanden.
„…und man kann immer noch der Meinung sein, dass jeder Text – wenn es ein guter Text ist – immer auch zumindest einen Hauch von persönlicher Inspiration und Originalität enthält.“
Danke, Herr Löhr, dass sie uns das noch zugestehen! Und vielleicht darf es ja auch ein kleines bisschen mehr als „ein Hauch“ sein? Das beißt sich dann keineswegs damit, dass der Autor nach wie vor in irgendwelchen „Kontexten“ steht und aus dieser Position heraus natürlich schreibt. Ich halte den Tatbestand übrigens für trivial und eigentlich bedarf er keiner längeren Erörterung. Das war´s schon; doch da offenbar von einigen Lesern eine präzise Wertung zu Hegemanns Werk von Ihnen, Herr Löhr, erwartet wurde, Sie sich jedoch nicht so recht aufs „Glatteis“ wagten: („Ob es der Autorin Hegemann gelungen ist, die Welt verständlicher zu machen, darüber lässt sich streiten. Ihr Verfahren, andere fiktionale Texte zu übernehmen und fortzuschreiben, ist jedoch legitim.“) und wir ja nun weiter darüber streiten dürfen, gebe ich also meinen Senf dazu: Helene Hegemann ist es auf jeden Fall gelungen, mir die Welt ein wenig verwirrender zu machen. Und das halte ich für „origineller“, als sie mir – wie schon so viele andere Autoren es ja vermocht haben – verständlicher zu machen.
|
|
Johannes Molitor schrieb uns am 02.03.2010
Thema: Eckart Löhr: Authentizität ist keine Kategorie Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und die überforderte Literaturkritik
Eine arg verwunderliche Rezension. Oder eben keine Rezension. Auch wenn Herr Löhr glaubt, einen 'Skandal der Literaturkritik' konstatieren zu müssen, hätte ich doch gern auch ein bisschen was übers eigentlich zu rezensierenden Buch erfahren. Etwa, ob Herr Löhr es für lesenswert hält oder nicht. Leider Fehlanzeige.
Auch verwunderlich, mit welcher Gewissheit der Rezensent post- oder sonstwie strukturalistische Theorien als quasi wissenschaftlich festgeschriebene Erkenntnisse versteht. Statt 'Autor-Gott' Roland Barthes als Gott? Jeder Literaturkritiker hat demnach so zu schreiben, als komme er gerade aus einem Mittelseminar über Barthes?
"Tatsache ist aber die Erkenntnis, dass kein Autor ein Werk vollständig aus sich heraus schöpfen kann, da er schon immer in einem sprachlichen, sozialen und kulturellen Verweisungszusammenhang steht." Aber natürlich, das hat man schon immer gewusst? Aber ist deshalb z.B. Barthes kein Autor mehr? Sicher hat er auch Geld für seine Bücher nicht verschmäht?
Schon gar nicht kann man von daher - so modern man sich auch gerieren mag - ein Plagiat als Teil des 'Verweisungszusammenhangs erklären.
Ja, schon eine verwunderliche Rezension.
|
|
Alban Nikolai Herbst schrieb uns am 01.03.2010
Thema: Eckart Löhr: Authentizität ist keine Kategorie Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und die überforderte Literaturkritik
Mit Ihrer Analyse des verfehlten Ansatzes "der" Literaturkritik bin ich einverstanden; damit kommen wir aber nicht weiter. Was Sie zuletzt streiften, ist die eigentliche Frage, um die es geht: Ist aus dem Verfahren ein Kunstwerk entstanden, das den - mehr und sicherlich mehr minder definierbaren - Kriterien eines solchen entspricht oder sie weiterbringt. Darüber gibt es in Ihrem Text keine Auskunft, nur ein vages sich-Herumdrücken. Schade. Hier wäre eine ästhetische Positionierung jenseits "biografischer Interpretationsansätze" nötig, hier müßte jemand sagen: Das ist gute Literatur, vielleicht sogar Dichtung. Oder eben: Das ist es nicht. Und dann begründen. So bleibt Ihr Text in dem ungefähren Raum, der zwar zurecht auf das Recht der Collage pocht (eines wichtigen Verfahrens der jungen Moderne, das aber der Verreinnahmung von Kunst als einem Eigentum, entgegensteht), aber eben im Spezialfall keine Meinung hat.
Ganz nebenbei ist der "Skandal" ein ganz anderer; ich habe in Der Dschungel darauf hingewiesen: Diejenigen, die das Hegemann-Buch mit den überkommenen Kriterien einer ältlichen Literaturkritik so hochgelobt haben, sind zu großen Teilen dieselben, die den Heidelberger Appell zum Urheberrecht unterstützten. D a liegt die kleine Bombe, um die es im Hintergrund geht.
ANH
www.albannikolaiherbst.de
|
|
Ilka Hoffmann schrieb uns am 01.03.2010
Thema: Eckart Löhr: Authentizität ist keine Kategorie Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“ und die überforderte Literaturkritik
Wir, ein winzigkleiner Literaturverlag (Literaturplanet), kämpfen bewusst für die "Rückkehr des Textes" und gegen einen Literaturbetrieb, der zum Showbusiness verkommen ist.
Insofern gefällt mir der Artikel sehr gut. Authentizität ist tatsächlich keine Kategorie für gute Literatur, aber Originalität schon. Die fehlt bei der vom Feuilleton hochgelobten Literatur auch sehr oft.
|
|
gittakohl schrieb uns am 26.02.2010
Thema: Re: Philip Krause: Literatur im Geiste des Copy & Paste Die 17-jährige Helene Hegemann löst mit ihrem neuen Roman „Axolotl Roadkill“ eine intensive Debatte aus. Darin haben sich bisher aber fast nur ältere Kritiker zu Wort gemeldet
@Herbert Huber
Ja, diese HH-Sätze erfordern eben ein weites Feld der Phantasie, und "Explosion der Wahrnehmung"? ist für den einen halt "verbales Gekotze", für den anderen ein interessantes Synonym für : hab gerade den absoluten Durchblick..
|
|
Michael Hesemann schrieb uns am 24.02.2010
Thema: Re: Benno Kirsch: Widersacher Hitlers oder wankelmütiger Versager? Zwei sehr unterschiedliche Bücher über Papst Pius XII.
Sehr geehrter Herr Kühlwein,
es tut mir ja von Herzen leid, dass Ihr Werk keine bessere Rezension bekommen hat, aber statt sich zu fragen, ob es eine solche denn verdient hat, gehen Sie bloß auf den Rezensenten los. Das zeugt zumindest von einem Mangel an Selbstreflektion.
Sie bezeichnen also die doppelte Interventionsstrategie Pius XII. angesichts der von den Nazis angeordneten Deportation der Juden Roms als „diplomatisch untaugliche Versuche ... eine Katastrophe zu verhindern, die ein anderes Eingreifen erfordert.“
Tatsächlich waren diese Versuche jedoch sehr erfolgreich, denn sie haben dazu geführt, dass die befohlene Deportation der 8000 römischen Juden unverzüglich gestoppt wurde und immerhin 7000 Juden gerettet werden konnten.
Stattdessen kommen Sie ja in Ihrem Buch mit einem Alternativvorschlag, der eher an Don Camillo und Peppone als an die Realität der Nazi-Zeit erinnert: Der Papst hätte die Glocken Roms läuten können, dann wären die Juden schon von alleine freigelassen worden.
Die Frage ist allerdings, ob eine solche Eskalation tatsächlich zieldienlich gewesen wäre; sie hätte auch zu einer Gegenreaktion führen können, denn wenn die Nazis einmal Schwäche gezeigt hätten, hätten sie eine Signalwirkung für ganz Europa befürchten können. Die Folge: Es wären „jetzt gerade“ alle 8000 römischen Juden in den Tod geschickt worden.
Tragisch war das Schicksal der Juden nur deshalb, weil Eichmann, wohl als Vergeltung für die päpstliche Intervention, den Zug mit den 1007 römischen Juden nicht, wie geplant, nach Mauthausen fahren ließ, sondern ihn nach Auschwitz umleitete. Das zeigt, dass jede Intervention sich als zweischneidiges Schwert erweisen konnte. Das war der, zugebeben viel zu hohe, Preis, den Pius XII. letztendlich für die Rettung von 7000 Juden zahlen musste – was erklärt, weshalb er so sehr unter dem Eingeständnis der eigenen Machtlosigkeit im Angesicht des Bösen litt.
Der Tod der 1005 (es gab zwei Überlebende) römischen Juden in Auschwitz zeigt, ebenso wie die Reaktion der Nazis auf den Protest Bischof de Jongs in den Niederlanden, die Risiken und Folgen einer jeden Intervention auf. Daher musste auch Pius XII. begreifen, dass jedes offene Wort von höchster Gefährlichkeit war. Natürlich wäre ein offener Protest, eine Brandrede gegen die Nazis, eine große Geste gewesen; aber Pius XII. war nicht bereit, sie mit dem Leben Hunderttausender zu bezahlen. DAS war sein wahrer Gewissenskonflikt: Die Sorge, etwas falsch zu machen, was so vielen Unschuldigen Leib und Leben gekostet hätte. Deshalb entschied er sich schon 1942 für den Dreifachweg:
- Diplomatische Interventionen nur dort, wo sie erfolgversprechend sind, nämlich bei Hitlers Vasallenstaaten (Ungarn, Vichy-Frankreich, Slowakei, Rumänien).
- Jede Unterstützung von Bestrebungen zur Entmachtung Hitlers.
- Die größte Rettungsaktion der Geschichte, der über 850.000 Juden ihr Leben verdanken.
Sie werten das Verhalten Bischof de Jongs als „ethisch korrekt“. Natürlich ist es das. Hut ab vor seinem Mut. Und doch unterschrieb der damit für Zigtausende das Todesurteil. Was uns zur Kernfrage des Problems bringt: Was war wichtiger in dieser Situation? Zweckmäßigkeit oder Prinzipientreue? Reden oder Handeln? Hatte der Papst die Pflicht, offen anzuklagen, auch wenn er damit den Tod Hunderttausender in Kauf nahm, ohne jede Aussicht auf Erfolg? Oder war praktizierte Nächstenliebe, das Retten menschlichen Lebens, der bessere Weg?
Ich persönlich denke, Pius XII. hat sich richtig verhalten, weil ihm Menschenleben wichtiger waren als der Nachruhm der Geschichte!
Natürlich steht im Zentrum Ihres Buches die Deportation von Rom. Sie halten diese ja sogar für den einschneidenden Moment im Handeln und Denken Pius XII., fabulierten ja auch später etwas von einem „Damaskuserlebnis“ und einer „Jakobsnacht“ und machen Ihrem Publikum vor, Pius XII. habe vor diesen Tagen anders gehandelt als danach, was einfach nicht der Fall war, einmal abgesehen von der besonderen Lage in Rom. Wie Sie den Memoiren Rabbi Zollis entnehmen, sahen aber auch die römischen Juden vor dem 16. Oktober 1943 keine Notwendigkeit, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen; sie fühlten sich sicher. Dass sie es nicht waren, das war die furchtbare Erkenntnis des „Blutsabbats“ von Rom. Pius XII. reagierte sofort, indem er in Rom das anordnete, was er einen Monat zuvor schon für ganz Italien angeordnet hatte: dass die Klöster geöffnet würden um Juden zu verstecken!
Sie fordern schon für 1942 „eigentliche Sprechen“ und donnernde Anklagen, doch die Juden Europas können dankbar sein, dass Sie dies aus der sicheren Perspektive des 21. Jahrhunderts tun; im Jahre 1942 hätte Ihre Naivität unzählige Menschenleben gekostet.
Sie bestreiten den Wert von Pressemeldungen, ignorieren aber (oder wollen ignorieren), dass diese durch die über 5800 Dokumente aus dem Vatikanischen Geheimarchiv, die Pater Blet et al. zwischen 1964 und 1981 in den elfbändigen „Actes et Documents du Saint Siege relatifs a la Seconde Guerre Mondial“ veröffentlichten, bestätigt werden. Ist Ihnen diese Dokumentensammlung etwa nicht bekannt? Dann, mit Verlaub gesagt, sind Sie nicht qualifiziert, eine Pius-Biografie zu verfassen!
Dort könnten Sie etwa in Bd. 8, S. 613 den Bericht des Nuntius in Frankreich, Erzbischof Valeri, an Kardinalstaatssekretär Maglione über die Deportationen in Vichy-Frankreich und auf S. 624 seinen Bericht über seine Intervention im Auftrag des Papstes lesen, was der von mir in meinem Buch zitierte Schweizer Pressebericht nur zusammenfasst (bzgl. belegt, was von dieser diplomatischen Intervention an die Öffentlichkeit drang).
Als Beleg gegen meine Darstellung führen Sie ausgerechnet das Testament des Papstes an. Offenbar ist menschliche Demut, die sich in diesem widerspiegelt, eine Ihnen fremde Charaktereigenschaft. Dass ein Mensch mit so hohen ethischen und moralischen Kriterien wie Pius XII. im Angesicht des Todes auch mit sich selbst streng ins Gericht ging, ist wohl nachvollziehbar – und gewiss kein Beweis für Ihr realitätsfremdes Konstrukt.
Nicht kindlich-naiv, wie Sie meine Pius XII.-Biografie „Der Papst, der Hitler trotzte“ abzukanzeln versuchen, sondern geradezu peinlich und lächerlich (oder soll ich, angesichts des ernsten Hintergrundes, sagen: tragi-komisch) ist wohl eher das kitschige Ende Ihres Buches, gipfelnd in Ihrem Szenario, der Papst hätte den Holocaust beenden können, wenn er, wie Don Camillo, die Kirchenglocken hätte läuten lassen. Ja, klar, so einfach wäre das gewesen, hätte Pius XII. doch einen so genialen Berater wie Herrn Kühlwein gehabt!
Zum Glück ist Ihr „Damaskuserlebnis“ genauso fiktiv wie die Karikatur des Papstes, die Sie anbieten, als „ratlos und unsicher ... heillos diplomatisch und moralisch verheddert“, „wankelmütig ... klammernd, mit vager Hoffnung an den Strohhalm seines Schweigens.“
Dass sich der selbe Pius XII. schon im Oktober 1939 (!) zu einem geheimen Pakt mit der deutschen Militäropposition bereiterklärte und sich damit an einer Verschwörung zur Beseitigung Hitlers beteiligte, das verschweigen Sie natürlich, weil es nicht in Ihr Zerrbild passt. Echte Historiker, wie Erich Kosthorst, sprechen dagegen von einer „staatsmännischen Tat hohen Ranges“. Und das völlig ohne Zaudern; Pius XII. verlangte gerade einmal eine Nacht des Gebets und der Reflektion, dann sagte er ohne jedes wenn und aber zu...
|
|
Norbert Kuge schrieb uns am 24.02.2010
Thema: Helene Hegemanns "Axolotl Roadkill" und die überforderte Literaturkritik
In der Sache ist in der Erwiderung von Thomas Anz alles gesagt. Nur ein Hinweis zu der Behauptung, dass in der Literaturkritik die Frage nach dem Autor nichts zu suchen habe. Dann hätte man Benjamin Wilkomirskis "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939 - 1948" nicht kritisieren dürfen. Das wäre in der Tat absurd.
Anmerkung der Redaktion: Der Leserbrief bezieht sich auf Beiträge im Kulturjournal.
Zum Fall Wilkomirski siehe den ausführlichen Beitrag von Barbara Mahlmann-Bauer und Waltraud Strickhausen in der März-Ausgabe 1999 von literaturkritik.de.
|
|
Reinard Schmitz schrieb uns am 23.02.2010
Thema: Eckart Löhr: Der eindimensionale Blick auf die Welt Über John Grays Buch „Von Menschen und anderen Tieren“
Werter Herr Löhr,
Ihre starke Ablehnung dessen, was sie an Vernünftigem und Nachvollziehbarem aus dem Buch schildern, hat mich neugierig gemacht. Das lese ich...
|
|
Herbert Huber schrieb uns am 23.02.2010
Thema: Re: Philip Krause: Literatur im Geiste des Copy & Paste Die 17-jährige Helene Hegemann löst mit ihrem neuen Roman „Axolotl Roadkill“ eine intensive Debatte aus. Darin haben sich bisher aber fast nur ältere Kritiker zu Wort gemeldet
Sie zitieren: " Es geht um meine Achtungswürdigkeit, um Stahl und Beton, um eine riesige Fensterfront, die mit beweglichen Rollläden verschlossen werden kann, um meine Angst vor dem Tod, es geht um die Explosion der Wahrnehmung und vielleicht auch ein bisschen um eine organisierte Form von Schallereignissen. (daselbst, S. 23) Das soll eine Genie-Kostprobe sein? Es ist ein Schmarrnsatz mit sinnlosem Inhalt (Was soll z.B. "die Explosion der Wahrnehmung" sein?) oder – damit es die Hegemann-Verehrer besser verstehen – verbales Gekotze.
|
|
Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 23.02.2010
Thema: Monika Grosche: Lesen lernen Mortimer J. Adlers und Charles van Dorens Beantwortung der Frage: „Wie man ein Buch liest“
Tja, bei allem Respekt vor diesem Buch - ich kannte bereits die amerikanische Originalausgabe - gibt es eine nicht zu vernachlässigende Komplikation:
Selbst der eifrigste, bemühteste und fleißigste (erwachsene) Leser schafft maximal jährlich etwa 300 Bücher!
1.) Wie lange muss mal also wohl das Empfehlenswerte gelesen haben, bis man sich neueren Büchern widmen kann?
2.) Sehr oft fangen "die Lesenden" erst relativ spät mit dem Lesen überhaupt an; es fehlt ihnen die nicht zu vernachlässigende Lesetechnik, zu der man es erst einmal bringen muss.
3.) Als das Buch 1940 in den USA erschien, gab es noch kein Fernsehen, das heute nicht wenig der für das Lesen benötigten Zeit verbraucht.
Aber für den - und das ist in meinen Augen das Hauptproblem eines solchen Buches - also für den bereits mit den Büchermengen Kämpfenden kann vieles aus dem Buch nützlich sein. Aber fast jeder in diesem Personenkreis hat längst eine individuelle Lese-Strategie entwickelt. Ich vermute mal, dass hier auch der Hauptleserkreis des Buches zu finden ist: Diese werden es (quer)lesen - und zufrieden sein: Ihre Überlegungen finden sie bestätigt.
Das aber viel größere Problem, das uns heute bewegen müsste, ist ein ganz anderes: Es betrifft die Nicht- und Wenigleser. Ich rede dabei nicht einmal von der erschreckend großen Zahl der Analphabeten. Selbst an einem diesbezüglichen Buch arbeitend weiß ich, dass man tatsächlich einen viel größeren Personenkreis hinzurechnen muss zu denen, die nicht lesen und schreiben können. Hinzukommt, dass wir jetzt die 5. oder 6. Genenration von Kindern haben, deren Eltern nicht oder nur wenig lesen; Haushalte nahezu oder tatsächlich ohne Bücher. Und als Hauptproblem wird sich - über kurz oder lang - herausstellen, ob und wie sich die Hirnentwicklung kommender Generationen wohl auf dieses Phänomen einrichten wird.
Es gäbe natürlich ganz praktikable Wege, das zu untersuchen - aber ich fürchte mal, es wird noch unendlich lange dauern, bis 'man' die Notwendigkeit dafür einsieht; vorher wird es aber schwierig sein, dass das Geld dafür bereitgestellt wird. In einer Zeit, in der selbst Abiturienten mit einer grauenvoll minimalen Literaturkenntnis ins Leben entlassen werden; wie viele davon haben 'Literatur' in den zurückliegenden Schuljahren nur als fotokopierte Textstellen kennengelernt! Dass das schon lange 'so' geht, weiß ich aus der Schulzeit meiner eigenen Kinder - und die liegt fast fünfzig Jahre zurück.
Man darf gar nicht genauer darüber nachdenken - aber gerade deswegen sollte man es tun.
Ingeborg Gollwitzer
|
|
Hans Peter Roentgen schrieb uns am 20.02.2010
Thema: Re: Philip Krause: Literatur im Geiste des Copy & Paste Die 17-jährige Helene Hegemann löst mit ihrem neuen Roman „Axolotl Roadkill“ eine intensive Debatte aus. Darin haben sich bisher aber fast nur ältere Kritiker zu Wort gemeldet
Nicht nur im Internet wird sehr einheitlich diskutiert. Die Feuilletons waren ja - vor der Entdeckung des Plagiats - auch alle einheitlich begeistert. Und schrieben, als wollten sie sich als neue PR Manager bei Ullstein bewerben.
Dass das Internet mit Häme reagiert, hat einen ganz einfachen Grund. Immer wurde von dem "Qualitätsjournalismus" dem Internet vorgeworfen, es schreibe nur ab, recherchiere nicht, hätte keine eigenen Ideen und höhle das Copyright aus.
Dass jetzt ausgerechnet ein Blogger recherchiert hat und die Printmedien nicht, dass der Liebling der Quatitätsjournalismus abgeschrieben hat, ruft natürlich Häme hervor.
Richtige Empörung gab es dann, als die gleichen Journalisten, die mit einem "Leistungsschutzrecht" das Copyright verschärfen wollten, nun plötzlich erklärten, dass Copyright völlig unnötig sei, Plagiate legitim und Originalität gebe es sowieso nicht und der Autor spiele erst recht keine Rolle.
Vor dem Aufdecken spielte die Autorin allerdings in den Artikeln eine riesige Rolle und besonders ihre Originalität wurde hervorgehoben.
Der Hauptgrund für die Häme dürfte genau in diesem alten Gegensatz zwischen Printmedien und Internet liegen. Wobei natürlich das Witzige ist, dass plötzlich die Printmedien das Abschreiben für legal erklären und die Internet-Leute es heftig attackieren.
|
|
gitta kohl schrieb uns am 19.02.2010
Thema: Re: Philip Krause: Literatur im Geiste des Copy & Paste Die 17-jährige Helene Hegemann löst mit ihrem neuen Roman „Axolotl Roadkill“ eine intensive Debatte aus. Darin haben sich bisher aber fast nur ältere Kritiker zu Wort gemeldet
In der Tat, in Foren und Blogs wird über HH´s Opus zwar heiß, aber kaum widersprüchlich "diskutiert", weswegen ich den Eindruck habe, dass es sich eher um so was wie eine Neiddebatte handelt. HH hat Urheberrechte verletzt, ganz klar. Aber die nicht von Airen"geklauten" Stellen? Und davon gibt es großartige! Wenn die von ihr sind... tja, dann kann man schließlich auch vor Neid erblassen.
|
|
gitta kohl schrieb uns am 19.02.2010
Thema: Philip Krause: Literatur im Geiste des Copy & Paste Die 17-jährige Helene Hegemann löst mit ihrem neuen Roman „Axolotl Roadkill“ eine intensive Debatte aus. Darin haben sich bisher aber fast nur ältere Kritiker zu Wort gemeldet
"Ich finde meine dissoziative Identitätsstörung interessanter als alles, was diese Stadt mir ununterbrochen ins Gesicht kotzt." (Quelle Helene Hegemann, Axolotl Roadkill 2010 by Ullstein, S. 24, wir wollen ja in der Beziehung korrekt sein!)
"Schulabschluss? Wozu denn? Ich hab doch ein Fahrrad und kann mich genauso gut mit französischen Studiofilmen bei Laune halten, in denen sämtliche Protagonisten gleichzeitig irgendeinen Scheiß aus handgetöpferten Lehmbehältern in sich reinstopfen und ihre Frauen betrügen." (daselbst, S. 22)
Noch eine Genie-Kostprobe? Bitte sehr:
" Es geht um meine Achtungswürdigkeit, um Stahl und Beton, um eine riesige Fensterfront, die mit beweglichen Rollläden verschlossen werden kann, um meine Angst vor dem Tod, es geht um die Explosion der Wahrnehmung und vielleicht auch ein bisschen um eine organisierte Form von Schallereignissen. (daselbst, S. 23)
usw. bis S 203.
Wer spricht hier? Helene Hegemann, sechzehn Lenze jung, geniemäßig durchgeknallt?
Wenn ja, dann haben wir ein Wunderkind. Und dann sollten wir das endlich akzeptieren: A star is born!
Allerdings: Wenn`s doch der Papa war? Tja, dann weiß ich auch nicht, wen ich mehr bewundern soll. Ihn? Sein Töchterchen? Beide ganz maßlos? Und natürlich auch die weiteren Mitwirkenden.
|
|
Hans Peter Roentgen schrieb uns am 18.02.2010
Thema: Philip Krause: Literatur im Geiste des Copy & Paste Die 17-jährige Helene Hegemann löst mit ihrem neuen Roman „Axolotl Roadkill“ eine intensive Debatte aus. Darin haben sich bisher aber fast nur ältere Kritiker zu Wort gemeldet
Einer Behauptung aus dem Artikel muss ich denn doch heftig widersprechen:
Im Internet, in den Blogs und Foren finden sich durchaus jede Menge an Diskussionen über den Fall Hegemann und die Frage des Copyrights statt.
Und anders als in den Feuilletons, die, zum Teil wenigstens, das Kopieren ohne Namensnennung billigt, ist hier die Meinung ziemlich einhellig: Die allermeisten sind empört.
Egal, ob auf Montsegur, Literaturcafe oder anderen Seiten.
|
|
Mike Teforp schrieb uns am 13.02.2010
Thema: Dirk Kaesler: Der Systemgedanke ist keine billige Ausflucht Bürokratische Maschinen entmündigen uns
Danke für die erhellende und äußerst kurzweilige Darbietung!
Unsere "Entmündigung" ist also auf die Überforderung vor den von Menschen erschaffenen "bürokratischen" Systemen zurückzuführen. Den Dämpfer und die Desillusionierung, dass die normative Forderung nach "Eigenverantwortung" nützlich wäre und gewissermaßen auch zu einer veränderten Gewissenssensibilisierung mit der Förderung von nachhaltigen Handlungsoptionen beitragen könnte, habe ich wohl verstanden. Befriedigt mich aber nicht wirklich. Was also muss sich ändern? Unser Nachdenken? Unsere Kommunikation? Oder auch unsere Sehnsucht nach Selbsttranszendenz, quasi als Befreiungsschlag gegen die gegenwärtige kollektive "Geiselhaft"? Welche historischen Beispiele gibt es denn für solche "Ausbrüche"?
Bei mir bleibt eben die Frage offen nach dem für uns alle realistischen und gangbaren "Ausweg" aus dem "Dschungeldickicht" komplexer Systeme. Durch "Nachdenken" allein ändert sich noch nichts, es sei denn sie ist zielführend, weil über den Status Quo hinausgehend. Dann aber sind wir ganz schnell wieder bei "normativen Forderungen".
Wenn uns die "Mündigkeit" in Anspruch genommener Wahlfreiheit nicht wirksam weiterbringen, Ziele anzusteuern, die über jeden "Status Quo" hinausreichen - wie können denn Systeme, die zur Entmündigung führen jemals entlarvt und auch überwunden werden - ohne "normative Forderungen"?
Bleibt es nur bei kommunikativer Aufklärung über gegenwärtige Entmündigungsmechanismen - was ist dabei für die Zukunft gewonnen? Die Erkenntnis, einer vor uns liegenden "Polarnacht von eisiger Finsternis und Härte"?
Sei es drum. Auch wenn "normative Forderungen" allein zu schwach sein mögen. Ohne dass sich soziale Systeme an solchen reiben und Menschen sie immer wieder postulieren, ändert sich womöglich auch nichts...
|
|
lars distelhorst schrieb uns am 11.02.2010
Thema: Rolf Löchel: Gefolgschaftsverweigerung Lars Distelhorst möchte seinen LeserInnen den Weg zu Judith Butler weisen
Wer Bücher schreibt muss damit leben, dass sie nicht bei allen Menschen den gleichen Anklang finden und im Zweifelsfall auch schlechte Kritiken einstreichen. Das kann sogar nützlich sein, da eine gut geschriebene, kritische Rezension schreibenden Menschen ein gutes Feedback für ihre Arbeit und Anknüpfungspunkte für die Zukunft bieten kann. Um dies zu erreichen sollten Rezensionen jedoch ein paar Punkte beachten. Sachlichkeit, Kenntnis des rezensierten Werkes und Fairness gehören dazu.
Sachlichkeit ist jedoch kaum gegeben, wenn ich als Autor in direkter Weise als Person angegriffen werde. Formulierungen wie “halbseiden“, “sinnloses Gestammel“, “grotesk“, von einer “Ahnung angeweht“ werden u.ä. zielen sämtlich darauf, mich als Autor zu diskreditieren und den Eindruck zu erwecken, ich hätte mich beim Schreiben in einem Zustand geistiger Umnachtung befunden. Da ich Herrn Löchel nicht kenne, frage ich mich, womit ich mir den hinter diesen Äußerungen verborgenen Zorn zugezogen haben könnte.
Ich kann nicht sagen, ob Herr Löchel mein Buch ganz gelesen hat oder nicht. Das er meinen Sprachstil kritisiert ist in Ordnung. Die betreffenden Zitate stammen jedoch sämtlich aus der Einleitung, abgesehen von zwei Ausnahmen – einer Formulierung aus dem ersten Kapitel und einer nebenbei erwähnten Zwischenüberschrift. Der Rest der Rezension erweckt einen ähnlichen Eindruck. Abgesehen von den polemischen Abschnitten und der Aufklärung über die Veröffentlichungsdaten der deutschen Übersetzungen Butlers geht die Rezension fachlich nur auf die Frage der Geschlechteridentität ein, die zu Anfang des besprochenen Buches behandelt wird. Anders als Rolf Löchel am Schluss seiner Rezension suggeriert, bildet dieses Thema jedoch keinesfalls den Schwerpunkt meines Buches. Von den acht Kapitel befassen sich mit diesem Thema gerade mal zwei. Die anderen sechs (!) widmen sich den vom Rezensenten beiläufig erwähnten Themen Krieg und Widerstand. Die Kapitel über das Subjekt, die Frage der Anerkennung, die Ethik sowie das Interview mit Judith Butler fallen in der Rezension komplett unter den Tisch. Im eigentlichen rezensiert wird also nur ein gutes Drittel des Buches.
Dies ist in meinen Augen ebenso wie der teilweise beleidigende Sprachstil der Rezension eine Verletzung des Gebots der Fairness, da mein Buch dadurch als etwas erscheint, was es in keiner Weise ist. Das die Zitate den Zusammenhang teilweise entstellen oder z.B. beim Verweis auf die Überschrift “Wie natürlich ist die Natur“ die präzisierende Unterüberschrift “ist sex nicht eigentlich gender?“ unterschlagen wird, um anschließend den Vorwurf mangelnder Deutlichkeit auszuspielen, weist in dieselbe Richtung.
Abschließend bleibt mit nur zu sagen, dass ich es schätze, wenn Rolf Löchel sich mit meinem Buch auseinandersetzt und es kritisiert, ich mir jedoch wünschen würde, dies geschähe in einer Weise, die es mir erlauben würde, mit eigenen Gedanken anzuschließen.
|
|
ich schrieb uns am 08.02.2010
Thema: Peter Mohr: Begnadeter Geschichtenerzähler Zum 80. Geburtstag von Siegfried Lenz am 17. März
In Kürze: Las Ihren Text! Ein begnadeter Geschichtenerzähler ist Lenz, meiner Meinung nach, nicht. Heutzutage interessiert das keinen Menschen, was in jener "Deutschstunde", passierte. Seien wir doch ehrlich: Die Schüler von heute kennen weder Lenz noch Böll! Sie kennen Saw 1-6 oder diverse Zombie-Filme! Apropos Zombie: Dass man Lenz wieder ausgräbt und seine "Deutschstunde" auf DVD bringt, finde ich krass.
|
|
Hans schrieb uns am 04.02.2010
Thema: Luitgard Koch: Lebensansichten eines Unbequemen Georg Kreislers Autobiografie „Letzte Lieder“ entspricht nicht unbedingt den Erwartungen an gängige Memoiren
Total falsch, den Sänger Tim Fischer mit Kreisler´s zweiten Oper, "Das Aquarium oder die Stimme der Vernunft" in Verbindung zu bringen. Diese Oper wurde in Rostock uraufgeführt, ohne das Tim Fischer die Bühne betreten hat und er wird dies auch niemals tun. Vermutlich hat Tim Fischer die Oper nicht mal gesehen.
|
|
Dietmar Aßenmacher schrieb uns am 02.02.2010
Thema: Jan Süselbeck: Fotoalbum für Wehrsport-Fans Nils Fabiansson hat Schauplätze von Ernst Jüngers Kriegstagebuch "In Stahlgewittern" aufgesucht
Nein, so einfach, Herr Süselbeck, kann man es sich dann doch nicht machen, gerade wenn man unter "literaturkritik.de" veröffentlicht. Ich werde mir das Buch von Fabiansson kaufen, da mich der Autor Jünger interessiert. Ob es gut ist, werde ich zu beurteilen wissen. Ihre mit dieser Buchrezension verknüpfte Einschätzung Ernst Jüngers ist allerdings heutzutage mehr als fragwürdig, unwissenschaftlich und ignoriert v.a. die neuere Forschung. Wenn man sich ein differenziertes - d.h. für mich wissenschaftliches - Bild von Ernst Jünger und seinen Werken machen will, dann lese man z.B. die Biographie von Helmuth Kiesel (Parthenon). Dort wird auch auf weitere Literatur zu diesem nicht immer zu Unrecht umstrittenen (und vielleicht auch deshalb so interessanten) Autor hingewiesen. Es wäre sinnvoll, Herr Süselbeck, wenn Sie Ihre Aussagen mit dieser oder einer anderen Veröffentlichung von Niveau abglichen. Auch eine kritische und genaue Lektüre z.B. der "Stahlgewitter", die der Autor, wie Sie sicher wissen, mehrmals veränderte und letztendlich "entnationalisiert" hat, wäre wahrscheinlich nicht schädlich. Kiesel: "Insgesamt ist festzustellen, daß Jünger die Stahlgewitter mit der dritten Bearbeitung von 1932/33 politisch entschärft und dem nationalistischen Mißbrauch ein Stück weit entzogen hat." (S. 227) Herr Süselbeck, die inhaltlichen Einschränkungen Ihres Artikel macht Lust auf das Lesen von Fabianssons Begleitbuch! Ich glaube, dies war nicht Ihre Absicht. Und nein! Ich bin kein Wehrsportfan!
Mit durchaus UNMILITÄRISCHEN, ja geradezu pazifistischen Grüßen
|
|
Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 02.02.2010
Thema: literaturkritik.de Redaktion: Am Anfang war die Öffentlichkeit – Reinhard Brandts „Beitrag zur Tierphilosophie“ beantwortet die Frage, ob Tiere denken können
Eigentlich sollte man hier nichts anmerken, ohne das Buch selbst gelesen zu haben. Allein nach der Rezension möchte ich dennoch etwas 'denken'.
Zunächst dieses: Denken-Können wird erst bewiesen durch dessen Anwendung. Stellt er sich auch der Frage, ob das Säugetier Mensch denken kann?
Dann: Erst die entsprechende Gestaltung der Hirnrinde ermöglicht die 'Multiplikation' der darunter liegenden Hirnteile = das Denken (im menschlichen Sinne).
Wenn ich den obigen Text richtig verstehe, wird in dem Buch auch über tierische Fähigkeiten nachgedacht, die durch (Selbst)Dressur entstehen und uns Denkfähigkeiten der Tiere vorgaukeln - gemeint ist aber damit, dass Tiere so wie wir denken können.
Ich wehre mich immer wieder dagegen, wenn man tierisches Denken mit dem unseren vergleicht.
Niemand käme auf die Idee zu fragen: Können Elefanten fliegen oder von Laubfröschen zu erwarten, dass sie die Zahl der von ihnen gefressenen Insekten addieren ...
Allein diese Fragestellung erinnert mich daran, dass Hagenbeck einst ein afrikanisches Dorf und dessen Bewohner in seinem Zoo ausstellte. Oder an die Frage, ob Eingeborene (Sklaven) überhaupt Menschen seien.
Tiere 'denken' - genauso wie wir - gemäß ihrer körperlichen Gegebenheiten. Vieles davon verstehen wir bis heute nicht. Nach meinem Gefühl steckt hinter dieser Fragestellung irgendwas von Hochmut gegenüber einer einfach anderen Spezies.
Es ist dieser Hochmut,dem wir so vieles, was heute darauf hinweist, die Menschheit könne sich einmal selbst vernichten, zu verdanken haben. Allein die so oft zitierte Abrodung der Regenwälder und deren Folgen ... (Können Menschen denken?)
Und hier höre ich lieber auf ...
Ingeborg Gollwitzer
|
|
Michael Maar schrieb uns am 21.01.2010
Thema: Norbert Kuge: Standardwerke für heutige und zukünftige Proustleser Die „Marcel Proust Enzyklopädie“ und Michael Maars „Proust Pharao“ zählen zum Besten, was derzeit zu haben ist
Sehr geehrte Redaktion -
als betroffener Autor das Lob einzustreichen und den Tadel abzuwehren ist dankbar unelegant. Dennoch verwundert mich der vom Rezensenten gemachte Vorwurf, bis auf zwei der Essays meines Proust-Bändchens seien alle schon publiziert gewesen, und letztlich sei auch von diesen beiden einer nur neu aufgelegt. Das trifft auf meine früheren Essaysammlungen wie "Leoparden im Tempel" zu und ist auch durchaus nicht anrüchig, auf "Proust Pharao" aber gerade nicht. Drei Stücke sind völlig neu (der Titelessay, der über Thomas Mann und der über Céleste), einer war davor im weltweit populären "Merkur" veröffentlicht, und die drei, die auf Früheres zurückgreifen, sind komplett überarbeitet und erweitert. Also: Danke für die Lorbeeren, aber die darin versteckten Disteln muß ich Ihnen herauspflücken.
Mit besten Grüßen
Ihr
Michael Maar
|
|
Ingeborg Gollwitzer schrieb uns am 20.01.2010
Thema: Willem Warnecke: Bits of philosophic history repeated Michael Tomasello erläutert „Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation“
Schon an den vielen 'Reklamationen' in dieser Rezension kann man sehen, dass es gefählich sein kann, wenn ein Autor sich aus einem riesigen Komplex ein schmales Stück herausschneidet, um es genauer zu betrachten.
Auch nach meiner Kenntnis haben sich vor allem Linguisten über dieses Buch beschwert. Nach meiner Lektüre dieses Buches (ich habe nur die dt. Fassung gelesen, bei der ich gelegentlich Bedenken hinsichtlich der Übersetzung hatte) habe ich Tomasello so verstanden, dass es ihm in erster Linie auf rein praktische Versuche ankam, um daran verstehen zu lernen, wie Kommunikation grundsätzlich entsteht, wobei er, meiner Überlegung nach, der Deutung von Sprache bzw. dem menschlichen Sprechen, geschickt aus dem Wege geht.
Hier sehe ich auch die Schwierigkeit, von der Tomasello stand (bzw. auch tatsächlich steht): Wenn er aufgrund einfacher Versuche zu verstehen versucht, auf welche Weise Kommuniaktion überhaupt einmal entstanden sein kann und vermutlich auch ist, nimmt die menschliche Kommunikation = menschliche Sprache eine Sonderstellung ein, die schon aufgrund körperlicher Eigenschaften anders als die, um beim einfachen Beispiel zu bleiben, der Primaten entstanden ist. Die Schwierigkeit entsteht für Tomaselli dann, wenn er, vom einen, praktisch erprobbaren Unterschied Affe/Mensch hin zum Menschen kommt, sich einem gewaltigen Gebirge von Sprachtheorien gegenübersieht: ein Kontinent für sich.
Im übrigen wird - weil sie bislang noch nie befriedigend untersucht worden ist - die Kommunikation Mensch/Hund nur gestreift. Sie liegt, mit der Kommunikation Affe/Mensch verglichen, auf einer ganz anderen Ebene. Ein mehr als reizvoller, weißer Fleck, übrigens.
Vielleicht wäre die Kritik mit Tomaselli nicht derart streng umgegangen, wenn er sich nicht mit einem nur kleinen Schritt auf den anderen Kontinent begeben hätte.
Trotzdem ist sein Buch eine reizvolle Lektüre, eben, weil es sich überwiegend mit sehr einfachen Grundüberlegungen beschäftigt.
Nun ja, Evolution steht derzeit wieder hoch im Kurs. Sie lässt sich als bis heute fortwirkender Prozess auch von niemenden verleugnen oder gar überspringen. das gilt auch für das Individuum Tomasello, der mit ziemlicher Sicherheit auch nicht auf dem derzeitigen Stand seiner Lebensskala verharren wird.
Ingeborg Gollwitzer
|
|
Klaus Kühlwein schrieb uns am 17.01.2010
Thema: Benno Kirsch: Widersacher Hitlers oder wankelmütiger Versager? Zwei sehr unterschiedliche Bücher über Papst Pius XII.
Sehr geehrter Herr Dr. Kirsch,
ein Autor sollte keine öffentliche Auseinandersetzung mit einem Rezensenten beginnen, wenn ihm die Besprechung seines Buches sauer aufstößt. Es ist schlicht das Recht jedes Rezensen-ten, jede nur denkbar negative Wertung vorzutragen. Der Autor sollte das unwidersprochen hinnehmen.
Anders liegt der Fall, wenn der Rezensent einzelne Wertungsurteile auf falsche Tatsachenbehauptungen baut. Der Verriss eines Buches sollte „korrekt“ sein – darauf hat der Autor ein Recht. Dieses Recht bitte ich mir bei Ihnen aus.
Ich nenne vier falsche Tatsachenbehauptungen, die Sie zum Anlass nehmen, schwere Vorwürfe gegen mich zu erheben.
1.
Bei dem zentralen Problem der Reaktion Pius XII. auf die SS-Judenrazzia in Rom am 16. Okt. 1943 und deren Deportation nach Auschwitz zwei Tage später schreiben Sie:
[b:]„Für Kühlwein steht das Urteil fest: In den beiden Tagen, die der Deportation der Juden vorausgingen, hat Pius XII. nichts getan, um sie vor ihrem Schicksal zu bewahren.“ [:b]
Tatsächlich beschreibe ich im Buch korrekt jene drei Interventionen Pius XII. zum Stopp der angelaufenen Razzia, auf die die offizielle Pius-Verteidigung stolz verweist (Botschafter v. Weizsäcker, Stadtkommandant Stahel und Mgr. Hudal). Die letztgenannte Intervention stelle ich gemäß der Forschungslage als noch nicht vollständig geklärt dar.
Ich beschreibe die Interventionen keinesfalls widerwillig, sondern anerkennend und in voller Übereinstimmung mit dem historischen Forschungsstand.
Entweder haben Sie die betreffenden Seiten (36ff) gar nicht gelesen oder Sie weigern sich zu akzeptieren, dass ein pius-kritischer Autor auch pius-verteidigende Argumente vortragen kann. Vielleicht nehmen Sie mir aber nur übel, dass ich die beschriebenen Interventionen als diplomatisch untaugliche Versuche werte, eine Katastrophe zu verhindern, die ein anderes Eingreifen erforderte.
Anstatt sich mit meiner historischen und ethischen Wertung zu beschäftigen, zaubern Sie im Nu ein Totschlag-Argument aus dem Hut, das angesichts der Faktenlage nur Kopfschütteln über den Autor erzeugen kann.
2.
Bei einer anderen zentralen Frage haben Sie sich ebenfalls gezwungen gesehen ein Argument vorzuschieben, das man in meinem Buch vergeblich sucht. Konkret beziehen Sie sich auf den Punkt „ » Jüdische « Revolutionäre und ein Auto“ (S. 75ff), wo ich Nuntius Pacelli ausdrücklich gegen den Vorwurf des Antisemitismus in Schutz nehme. Mir unverständlicherweise schreiben Sie aber:
[b:]„… um Pius XII. beispielsweise als Antisemiten denunzieren zu können.“ [:b]
An keiner Stelle spreche ich davon, dass sich Pius XII. (genauer: Nuntius Pacelli) antisemitisch geäußert oder betätigt habe. Auch jenseits dieser Passage deute ich im Buch niemals auch nur ansatzweise eine solche Einstellung bei Pacelli/Pius XII. an. Im Gegenteil, ich verteidige Pius über das gesamte Buch hinweg gegen den plumpen Vorwurf antisemitisch gewesen zu sein.
Sie zitieren schließlich einen Satz vor mir: „Allerdings war solch fatale Denkungsart überall anzutreffen – gerade auch in theologischen und kirchlichen Kreisen. Pacelli kannte entspre-chende Auffassungen und Thesen sehr genau. In die Kontroverse mischte er sich aber nicht ein.“ Ihr Kommentar dazu: „Was bezweckt Kühlwein damit? Will er damit andeuten, dass Pacelli lediglich keine Beweise für seinen Antisemitismus hinterlassen hat? Und warum zitiert er auf derselben Seite völlig zusammenhanglos aus Hitlers »Mein Kampf«?“
Erlaubt es Ihr Schwarz-Weiß-Blick wieder nicht zu akzeptieren, dass ein piuskritischer Autor gegen ein klassisches Argument der Pius-Kritiker anredet?
Vielleicht haben Sie aber erneut nicht genau hingeschaut, denn sonst hätten Sie das Hitler-Zitat nicht mit „Mein Kampf“ in Zusammenhang gebracht. Ich zitiere nicht aus „Mein Kampf“, sondern aus einem kleinen „Gutachten“ des völlig unbekannten demobilisierten Soldaten Adolph Hitler, das dieser im Spätsommer 1919 geschrieben hatte. Die antisemitischen Passagen darin sollte als Beispiel dafür dienen, welche unheilvolle „Stimmungslage“ im ersten Nachkriegsjahr weit verbreitet war und welche Saat gerade bei dem jungen Adolph Hitler aufging.
3.
Wie konsequent Sie Ihren Tunnelblick beibehalten nach dem Motto „Was nicht sein darf, kann auch nicht sein“, zeigt sich beim zentralen Argument der Pius-Verteidigung: Die Folgen des offenen Protestes der holländischen Bischöfe Ende Juli 1942.
Damals sahen sich die Bischöfe – angeführt vom Utrechter Erzbischof de Jong – in ihrem Gewissen genötigt, auf allen Kanzeln den Gläubigen ein Protestschreiben gegen die angelaufenen Judendeportationen kund zu tun. Dabei ließen Sie die Erpressung des Reichsstatthalters Seyß-Inquart außer Acht, der ihnen den perfiden Handel anbot: Wenn ihr schweigt, verschone ich eure kath. getauften Juden, andernfalls werden sie mit allen deportiert. Nachdem die Bi-schöfe dennoch protestierten machte Seyß-Inquart seine Drohung wahr.
Sie schreiben dazu über mich:
[b:][k:]„Allerdings versäumt er [Kühlwein] darauf hinzuweisen, dass dieser [de Jong]mit seinem öffentlichen Protest in Kauf nahm, dass nicht nur die Juden, sondern auch die „katholischen Nichtarier“ verschleppt wurden, was dann auch geschah, während die „evangelischen Nichtarier“ durch das Stillhalten ihrer Bischöfe gerettet wurden. Diese Information zu verschweigen ist unredlich.“ [:k][:b]
Sie müssen bei der Lektüre der entsprechenden Passage im Buch sehr abgelenkt gewesen sein. Wie sonst konnten Sie meine ausdrückliche und mehrfache Erwähnung der SS-Vergeltung an den getauften Juden überlesen oder gar nicht erst wahrnehmen (S. 202ff und 212). Auch wenn Sie es nicht glauben können, ich habe gar kein Interesse daran, vor diesem Ereignis die Augen zu verschließen. Es ist wichtig für meine Argumentation gegen Pius XII.
Ich werte nämlich die bischöfliche Inkaufnahme der Vergeltung als ethisch korrektes Verhalten.
Mir ist klar, dass das ein moraltheologischer Frontalangriff auf das zentrale Argument der Pius-Verteidigung ist: Nur durch stille und verdeckte Diplomatie unter Vermeidung einer offenen Konfrontation mit Hitler sei Pius in der Lage gewesen, unzählig Juden zu retten.
Ich behaupte: Dem ist nicht so!
4.
Ich komme zu einer grundsätzlichen Bemerkung, die Sie gleich zu Beginn Ihrer Rezension vortragen:
[b:][k:]„Das zweite Manko ist, dass Kühlwein [scheint] keine genaue Vorstellung von dem zu haben scheint, was er »Holocaust« nennt.“ [:k][:b]
Ich kann es nicht glauben. Sie werfen mir tatsächlich vor, dass ich durch die Buchkonzeption dem Leser eine ungenaue Vorstellung vom Holocaust vermittle, indem ich die Vernichtung des europäischen Judentums ausblende und die Deportation der römischen Juden ins Zentrum rücke. Das konkretisieren Sie im nachfolgenden Satz: „Denn anders als im Untertitel angekündigt, geht es ihm keinesfalls um Pius XII. und die Vernichtung des europäischen Judentums, sondern lediglich um einen Ausschnitt dieses monströsen Vorgangs: der Deportation von rund eintausend Juden aus Rom am 18. Oktober 1943, …“
Ich verwahre mich in aller Form gegen die Beschuldigung, in einer öffentlichen Schrift seinen Lesern den Holocaust verharmlost darzustellen. Sind Sie sich darüber im klaren, dass Sie mir dem Anschein nach nichts weniger als den Straftatbestand der „Volksverhetzung“ nach § 130 Abs. 3 unterstellen?
In Buch beschreibe und bewerte ich hinlänglich an verschiedenen zentralen Stellen die Verfolgung und millionenfache Vernichtung des europäischen Judentums. Das gilt insbesondere für das alles entscheidende Kapitel 6.
Zu Ihren Gunsten nehme ich an, dass Sie sowohl die Holocaust-Bemerkung als auch die anderen falschen Tatsachenbehauptungen im Eifer aus Unachtsamkeit und aufgrund einer so getrübten wie oberflächlichen Lektüre meines Buches formuliert haben.
Es wundert daher nicht, dass Ihnen die Gesamtaussage des Pius-Buches verschlossen blieb und Sie auch keinen Zugang zum metaphorischen Ausklang fanden. Leider!
Zur Hesemann-Rezension
Ich habe mich bislang jeder Kritik am Buch „Der Papst, der Hitler trotzte“ von Herrn Hesemann enthalten. Da Sie jetzt eine Sammelrezension verfasst haben und die lobenden Bemerkungen zu Hesemann als Munition gegen mein Buch verwenden, erlaube ich mir hier auch ein paar Anmerkungen zu Ihrer Hesemann-Besprechung.
Ich kann in Ihrer Hymne auf das Buch von Herrn Hesemann keine stichhaltigen Argumente erkennen, die meine besondere Kritik an Pius XII. widerlegen würde. Sie bestätigen ohne den Funken kritischer Nachfrage Hesemann Fleißarbeit bei der Zusammenstellung vatikanischer Hilfen und Interventionen zugunsten der verfolgten Juden. Selbst das in Ihren Ohren als „eigenartig verklausuliert“ klingende päpstliche Weihnachtswort (1942) verteidigen Sie im Sinne Hesemanns als „uneigentliches Sprechen“, das gleichwohl jeder auf diesem Erdball klar verstanden hätte. 1942 war nicht die Zeit uneigentlichen Sprechens, sondern schon längst die Zeit des eigentlichen Sprechens überfällig.
Auch den mehrfach zitierten Pressemeldungen in Hesemanns Buch über päpstliche Proteste gegen Judendeportationen und Aktionen zugunsten von Juden vertrauen Sie ungefragt. Dabei sollte sich ein aufmerksamer Rezensent fragen, was Pressemeldungen unklarer Herkunft, evtl. aus zweiter oder dritter Hand, in Kriegszeiten und von parteiischen Alliierten eigentlich wert sind.
Sie bestätigen Hesemanns Apologie Pius XII. Dieser Papst sei „der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ gewesen. „Nach der Lektüre des Buches fragt man sich sogar, wer besser als Pius XII. geeignet gewesen sein könnte, Hitler entgegenzutreten.“ Darf ein kritischer Rezensent so platt ein geradezu peinlich wirkendes Generalurteil abgeben ohne sich durch die eigenen und zutiefst ehrlichen Worte Pius XII. in seinem Testament irritieren zu lassen? Und dieses sehr selbstkritische, beinah verzweifelte Testamentswort, ist bei weitem nicht die einzige Wehklage Pius XII. über sich selbst.
Auch mitten im Sturm des Weltkrieges bekannte er oft sein Unvermögen eine klare Linie zu finden, sein Zaudern bestimmte Schritte zu tun und seine Gewissensqual, aus der er keinen Ausweg sah. Nein, Eugenio Pacelli war nicht der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Das wusste er selbst am besten!
Ich will Papst Pius XII. wahrhaft Gerechtigkeit widerfahren lassen. Man leistet ihm einen Bärendienst, wenn er in geradezu kindlich-naiver Verehrung zum heroischen Helden gegen Hitler stilisiert wird. Er war lange ratlos und unsicher, er hatte sich heillos diplomatisch und moralisch verheddert und er klammerte sich lange wankelmütig, mit wager Hoffnung an den Strohhalm seines Schweigens. Erst unter dem Eindruck des ethischen Supergaus der Judendeportation in Rom brach seine fragile Selbstrechtfertigung zusammen.
Vergeblich hatte Pius XII. versucht mit den alten Mitteln stiller Diplomatie die Katastrophe aufzuhalten. Nachdem vor seinen Augen die Menschen nach Auschwitz deportiert worden waren, wandelte er sich dramatisch in einem Damaskuserlebnis.
Diese Grundthese von mir sehe ich durch Ihre Ausführungen in der Doppelrezension nicht einmal ansatzweise in Frage gestellt.
Wie gesagt, Sie können mein Buch so heftig kritisieren wie Sie Lust haben. Das ist Ihr Recht als Rezensent. Mein Recht ist es jedoch, dass Sie dies in korrekter Weise tun.
Mit besten Wünschen
Ihr Klaus Kühlwein
|
|
Quibono schrieb uns am 14.01.2010
Thema: Peter Mohr: Wörter als Schutzschild Ulla Hahns vorzüglicher Roman "Das verborgene Wort"
Vielen Dank für diese wohlwollende und in weiten Teilen auch zutreffende Rezension. Nur eines sollte bitte niemand glauben: Auch wenn sich der Lebenshintergrund der heutigen Leser sehr vom Arbeitermilieu der Adenauerzeit unterscheidet und viele zeitgebundene Elemente des Romans tatsächlich der Vergangenheit angehören: Es kommt auch in den heutigen Milieus allem Anschein nach mehr dennn je darauf an, seine Kinder so dusselig wie möglich zu halten. Die dumpfe, barbarische und ablehnende Haltung der meisten Protagonisten - und gerade der Eltern - gegenüber dem geistigen Erwachen der Hauptperson, das giftige Klima aus Neid und Häme, der ekelhafte Hohn des Pöbels, der kübelweise über jede nicht-alltägliche oder gar intellektuelle Regung ausgeschüttet wird, man könnte all das auch ebensogut vor dem Hintergrund der heutigen Zeit schildern.
|
|
Adianis schrieb uns am 09.01.2010
Thema: Rolf Löchel: Wo der Wurm drin ist Frank Schätzings nur an Umfang gewichtiger Wissenschaftsroman "Der Schwarm"
Diese Kritik trifft genau ins Schwarze und enthüllt so einige Schwächen. Ich muss dazu sagen, dass ich dieses Buch unvoreingenommen gelesen habe. Rezessionen und Kritiken habe ich erst nach Beendigung des Buches gelesen und muss feststellen, dass dies die erste Kritik ist, die nicht ins theatralische Schwärmen abdriftet.
Die Ideologie des Buches ist ziemlich einfach gestrickt und weiß es sich gekonnt in einem Schleier aus vermeintlich anspruchvollen, wissenschaftlichem Know - How zu vehüllen. So interessant diese fundierten Beiträge auch erscheinen mögen, oberflächlich bleiben sie dennoch. Wenn ich Beiträge zur Meeresbiologie lesen wollte, würde ich mir eine sachliche Lektüre zur Hand nehmen und keinen vermeintlichen Thriller. Genau diese ständigen Ausflüge in die Wissenschaft machen das Buch ungenießbar und sind sein größtes Handicap. Andererseits ist die Handlung ohne diese ganzen Beiträge, bei näherer Betrachtung, ziemlich fad und platt. Das Buch enthält absolut nichts Neues. Nichts, was nicht schon in jegweiligen anderen Büchern oder Filmen durchgekaut wurde. Sämtliche Klischees werden aufgegriffen: die USA - die unersättliche Weltmacht; Szenen der Katastrophen, Tsunamis; Wale, die plötzlich durchdrehen und gezielt Menschen vernichten, gesteuert von einer aus der "Abyss" kommenden Bedrohung in Form von Eizellern (was wohl die einzige etwas neuere Idee sein dürfte ); eine karrieregeile Superfrau, die bei einem Funken Verlust von Kontrolle, völlig frei dreht etc.
Ideologisch hochwertig ist es absolut nicht. Dazu kommt noch die Vorhersehbarkeit einiger Szenen, besonders gegen Ende des Buches.
Die Handlung und die wissenschaftlichen Ausschmückungen stehen zwar im Kontext, doch stoplern beide Parteien kontinuierlich über den anderen. Folglich geht die Spannung dadurch leider verloren.
Die Figuren werden sehr stark vernachlässigt und das Hauptaugenmerk beschränkt sich lediglich auf die umbedingte umweltpolitische Kritik des Autors.
Viel zu viel Zeit wird auch in die einleitende Handlung investiert und viel zu wenig Gedanken in die Schlussinszenierung. Und der Schluss ist meiner Meinung nach der größte Makel.
Der Autor hat vielleicht bei einigen Lesern den Nerv getroffen, da er ein sehr aktuelles Thema aufgegreift.
Doch muss man leider feststellen, dass das Buch weder ein spannender Thriller ist, noch sich als fähig erweist, ein Resume oder einen Appell zu postulieren, bei der doch ziemlich um Anerkennung schreienden Kritik in Bezug auf die verschwenderische Lebensweise der Menschen.
|
|
tom appleton schrieb uns am 08.01.2010
Thema: Walter Delabar: Wider die weltweiten Hermann-Hesse-Epigonen Andrew Brown kann sich in „Schlaf ein, mein Kind“ nicht zwischen Moralin und Selbstsucht entscheiden
"schlaf ein, mein kind" -- ("GÄHN:::!") ist natürlich kein wirklich vielversprechender krimi-titel. da träumt wohl jemand im lektorat.
|
|
Luise F. Pusch schrieb uns am 14.12.2009
Thema: Rolf Löchel: Ich, Marlen(e) Marlene Krispers Essay über „Das ordentliche Leben der Marlen Haushofer“ ist allzu ichbezogen
Wunderbar, wie Sie die große Marlen Haushofer gegen ihre zudringliche Verehrerin verteidigen. Der letzte Satz ist so schön wie viele Sätze von Haushofer.
|
|
Hein schrieb uns am 13.12.2009
Thema: Anette Müller: Charlie Bone und der Windschatten Harry Potters Jenny Nimmo bedient sich in "Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder" reichlich bei der berühmten Vorlage
Die Feststellung von Frau Müller hat zwar eine gewisse Berechtigung, aber die Geschichte von Charlie Bone weicht dann doch erheblich von der in den Harry-Potter-Geschichten ab. Hier wird eine eigene Welt entwickelt, in die der Leser eintaucht und die ganz anders ist als Hogwart. Gemeinsam ist beiden Serien - wie auch vielen anderen Geschichten - der Kampf des Guten gegen das Böse. Die Autorin versteht es, durch eine sehr flüssige, gut lesbare Sprache eine Spannung zu erzeugen, der man sich, einmal mit dem Buch angefangen, schlecht entziehen kann. Dass die Ausgangslagen ähnlich sind, liegt sicherlich auch an der Herkunft beider Autorinnen: Sie stammen beide aus dem angelsächsischen Raum, in dem Geschichten über Zauberwelten mit Phantasiegeschöpfen viel stärker verankert ist als bei uns. Beide Geschichten - Harry Potter und Charlie Bone - leben aus der Überlieferung angelsächsischer und irischer Erzähltraditionen. Und beide sind auf ihre Weise sehr gelungen.
|
|
Dr. Eckhard Ullrich schrieb uns am 11.12.2009
Thema: Re: Heide Lutosch: Stinkefinger der Liebe Über Helmut Kraussers neuen Roman „Einsamkeit und Sex und Mitleid“
Natürlich hat eine Rezensentin alles Recht der Welt, gleich in den ersten Absatz ihrer Buch-Belöffelung alles zu legen, was sie im Oberseminar über hochwertige Literatur im Unterschied zu minderwertiger gelernt hat. Im Land, das E von U scheidet, in dem historische Hebammen-Romane sieben Minuten und zwölf Sekunden nach der Veröffentlichung schon sechsstellige Verkaufszahlen vorweisen, während selbst der neue Hardcover-Walser nach Jahresfrist im Ramschkatalog landet, muss die alte Keule immer mal wieder geschwungen werden. Ob filmisch tatsächlich die Steigerung von episodisch ist, wage ich tapfer zu bezweifeln, ob Kraussers Buch so oder so ist, weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass allein die krude Wortmeldung eines Stern-Deuters reicht, es interessanter zu machen, als es vielleicht vorher war oder gar sein sollte.
Dr. Eckhard Ullrich
Ilmenau
|
|
Peter Engel schrieb uns am 01.12.2009
Thema: Heide Lutosch: Stinkefinger der Liebe Über Helmut Kraussers neuen Roman „Einsamkeit und Sex und Mitleid“
Wer als Autor nicht weiß, daß der Name Sarah Stern stark jüdisch konnotiert ist, der sollte lieber die Finger vom Verfassen solcher Romane lassen, zu deren Personal eine Frau dieses Namens gehört. Das kann nur daneben gehen. Sollte er sein Nichtwissen lediglich vortäuschen, dann wäre der Vorwurf der Ignoranz durch den einer unsauberen Spekulation zu ersetzen.
|
|
Helmut Krausser schrieb uns am 24.11.2009
Thema: Heide Lutosch: Stinkefinger der Liebe Über Helmut Kraussers neuen Roman „Einsamkeit und Sex und Mitleid“
Die Rezension von Heide Lutosch über meinen jüngsten Roman ist voller Behauptungen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte.
Der Titel "Einsamkeit und Sex und Mitleid" könnte als Parodie auf den Text der deutschen Nationalhymne gelesen werden. Muß aber nicht. Vielen Lesern fiele das gar nicht auf. Könnte auch metrischer Zufall sein. Wie kann man also behaupten, ich würde hier die LAGE DER NATION erörtern?
Ein großes Wort für eine Sammlung komischer (warum wird das so selten erwähnt?) trauriger und grotesker Geschichten. Ich wolle GEMEINSCHAFT UND SCHICKSAL? Wie klingt das denn? Hätte ich je irgendwo einen moralischen Zeigefinger erhoben? Es ist weiterhin von esoterisch verbrämtem Nationalismus die Rede. Als dezidiert antinationalistischer Autor, der aber auch überhaupt nichts mit Esoterik zu tun hat, muß ich diese Äußerung zurückweisen. Je eher die deutsche Nation in Europa aufgeht, desto lieber ist mir das. Der angeblich pathetische Schlußsatz ist in seiner Überzogenheit nicht mehr pathetisch, sondern schwer ironisch, anders ergäbe er keinen Sinn, gemeint ist natürlich
die Liebe des Autors zu seinen Figuren. Angeblich viermal wird in
diesem Buch einer Frau sexuell etwas angetan, (oder sie wünscht sich das wenigstens) was daraufhin verharmlost wird. Mir fällt auf Anhieb nur eine Stelle ein, wo sich die Beteiligten trotz einer vollzogenenen Vergewaltigung im Schlafsack später ineinander verlieben. Soll vorkommen. Das Buch enthält haufenweise Figuren starker und durchsetzungsfähiger Frauen (die auch den Männern einiges antun) und man muß schon mit einer sonderbaren Brille lesen, um da etwaige misogyne Tendenzen zu entdecken.
Weiterhin wird moniert, daß hier einmal ein deutscher Doktor einem
sprachunbegabten Türken aufs Maul hauen darf. Einige Sätze später wird gefragt, worin in diesem Buch die Satire bestehen soll. Praktisch wird mir hier auch noch Ausländerfeindlichkeit nachgesagt. Als wäre das alles nicht lustig, vielmehr lächerlich genug, wird gefragt, ob der Umstand, daß sich eine Sarah Stern per masochistischer Praktik einen Lustgewinn verschafft, ein schlecht versteckter Antisemitismus oder ein kalkulierter Skandal ist. Seltsamer Skandal, der weder mir noch meinem
Lektor noch sonstwem bisher aufgefallen ist. Ich habe einen Thomas entworfen, dann ihm eine Frau namens Sarah (der heute ungefähr viertbeliebteste Name) an die Seite gesetzt und keinen Moment daran gedacht, daß damit für manche Ohren ein klingender Name entstehen
könnte. Thomas Stern hieß nämlich bis kurz vor Drucklegung noch Thomas Stein, bis man mich darauf hinwies, daß es derzeit einen Prominenten diesen Namens gibt. Weshalb genau dabei aber irgendetwas antisemitisch gemeint sein könnte, kann ich nicht ahnen. Sarah Stern ist eine sympathische und selbstbestimmte Figur, die sich im wahrsten Sinne des Wortes aus der Banalität ihrer Existenz einen Weg zum Orgasmus freischießt.
Warum ich mich mit dem ungeheuerlichen Vorwurf des Antisemitismus auseinandersetzen muß, in einer Zeit, da ich mit meinem nächsten Buch den (sicher nicht kommerziell erfolgversprechenden) Versuch unternehme, der Musik des jüdischen, von den italienischen Faschisten verbotenen Komponisten Alberto Franchetti, wieder Gehör zu verschaffen, ist mir ein Rätsel. Wie leichtfertig geht die Rezensentin hier mit meinem Ruf um? Da hört jeder Spaß auf.
Frau Heide Lutosch scheint mehr zu interpretieren als zu lesen. Sie redet von einem pädophilen Lateinlehrer. Der Lateinlehrer ist aber, wie ganz deutlich klar wird, eben nicht pädophil, tut mir leid. Auf die vielen kleineren sachlichen Fehler will ich nicht eingehen. Das Einzige, was mich an dieser Kritik gefreut hat: daß von jemandem bemerkt wurde, wie sich hier ebensoviele Paare finden wie trennen. Dieses Buch ist in der Tat nicht rabenschwarz, sondern von einem durchaus versöhnlichen Ton getragen.
Mit schönen Grüßen
Helmut Krausser
|
|
Dietrich Schlüter schrieb uns am 09.11.2009
Thema: Daniel Weidner: Glauben und Lesen Neue Literatur aus dem Spannungsfeld von Literaturwissenschaft und Theologie
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich zitiere aus der Rezension von Daniel Weidner: "...Dass ein entsprechender Versuch seitens der Literaturwissenschaft fehlt, zeigt noch einmal die erwähnte Schieflage der Diskussion."
Es gibt diesen Versuch:
Vor acht Jahren (2001) habe ich in meiner Online-Dissertation das Verhältnis von Theologie und Literaturwissenschaft zu bestimmen versucht, sowohl systematisch als auch praktisch. Es ist bis heute der einzige vollständige Auseinandersetzung mit der deutschsprachigen Literaturtheologie von 1945 bis 2000. Das, was Langenhorst in seinem 'Handbuch' wiedergegeben hat, sind leider nur schmale Ausschnitte aus diesem Diskurs.
Meine Dissertation ist eigentlich nicht schwer zu finden. Eine Seite dazu habe ich unter www.dietrich-schlueter.de ins Netz gestellt.
Mit freundlichen Grüßen
Dietrich Schlüter
|
|
Prof. Dr. Hans Otto Horch schrieb uns am 03.11.2009
Thema: Norbert Mecklenburg: Die Zeit der Apologetik ist vorbei Zu Michael Fleischer Neuauflage von Theodor Fontanes die „Judenfrage“
Norbert Mecklenburgs Darstellung der forschungsgeschichtlichen Problematik ist voll zuzustimmen: Es war (und ist leider gelegentlich immer noch) ein Skandal, mit welchen Pseudo-Argumenten der bestürzendste Aspekt in Leben und Werk eines zu Recht berühmten und in vieler Hinsicht auf die Moderne vorausweisenden Autors wie Fontane verharmlost wird. Als Fleischer 1998 sein Buch im Selbstverlag herausgab, bedeutete dies einen Durchbruch, insofern hier zum ersten Mal vollständig das einschlägige Material zusammengestellt wurde. Freilich gab es im Einzelnen viele kleinere und größere Unstimmigkeiten, auf die ich in meiner ausführlichen Rezension in den Fontane Blättern (67, 1999, S.135-141) hingewiesen habe. Der hauptsächliche Kritikpunkt an Fleischer - bei aller Anerkennung seiner dokumentarischen Leistung - betraf seinen naiven Umgang mit dem Erzählwerk, dessen Komplexität auch nicht annähernd erkannt wurde. Vielleicht hätte Mecklenburg auf dieses Problem von Fleischers Dokumentation in seiner zu Recht anerkennenden Rezension deutlicher hinweisen können.
|
|
Ed Berend schrieb uns am 02.11.2009
Thema: Walter Delabar: Ende einer Recherche David Peace kündigt den rechtsstaatlichen Konsens auf
Sehr geehrter Herr Delabar, vielleicht ist alles schon zu spät, aber ich habe gestern zum 1. Mal in my life von dem AUTOR David Peace gehört, bei Druckfrisch, Thema: Tokio im Jahre Null. Bin dann im Netz auf die Suche gegangen, und so auf Ihre "alte" Rezension gestoßen. Auch wenn ich nicht in allen Punkten mit Ihnen übereinstimme, und mir manchmal die Bindung von Text und Litaratur fehlt, die allgemeinen Thesen, die Sie in diesem Zusammenhang entwicklen, wie z.B. das Aufkündigen des "rechtsstaatlichen Konsens" durch David Peace's Figuren, erscheint mir sinnvoll. Die innere Verrohung der Gesellschaft im 20. Jahrhundert, die sich in zwei Weltkriegen "Luft" machte, kann man nur durch Monstren oder groteske Figuren (Baal) anschaulich machen. Was Sie vielleicht vergessen haben: der rechtsstaatliche Konsens hilft stets in der Konsequenz nur dem Stärkeren. Die "Zerrüttung der Gesellschaft" ist täglich erfahrbar: der Umgang mit Geschwächten nimmt in seiner äußeren Brutalität immer deutlichere Formen an: Der Autor David Peace wehrte sich im Interview (mit Dennis Scheck), wenn ichs richtig verstanden habe, gegen den off-Text-Vorwurf, er sei ein Düsterer, ein Pessimist. Es ist auch kein Pessimist; er ist Realist. Der Mensch besitzt eine grauenhafte Eigenschaft, die noch schlimmer ist als sein Hang zum Töten: er will immer der/die Gute sein, die reine Unschuld, egal welches Verbrechen er/sie tatsächlich begangen hat.Ich teile die Auffassung von David Peace, daß der Mensch von Natur aus Gutes und Böses in sich trägt; die Frage ist, warum sich manchmal das eine, manchmal das andere mehr durchsetzt. Dieser Menschentypus hat in der Weltgeschichte versagt, es bedarf - über Jahrhunderte gesprochen - eines neuen Menschen.
Danke für Ihre wirklich lesenswerte Kritik.
E.Berend
|
|
G. schrieb uns am 19.10.2009
Thema: Sanja Zec: Wie Romeo und Julia Die Welt ist eine Hölle in Lolita Pilles "Pradasüchtig"
Vielleicht geht es ja gar nicht in erster Linie um den Inhalt dieses Romans, sondern darum, wie Pille die brutale Realiät eines armen, reichen Mädchens schildert und immer wieder unterbricht, in dem sie Momente reiner Poesie und vollkommener Emotionen dazwischenwirft.
|
|
Mirjam Siecora schrieb uns am 18.10.2009
Thema: Anette Müller: Piratinnen In Celia Rees' "Piraten!" sind die Frauen die wahren Abenteurer
Ich habe das buch "Piraten!" als Buch für ein Referat bekommen, deshalb habe ich mir mal angeschaut, was andere über das Buch sagen. Inzwischen habe ich es selbst gelesen und ich bin wirklich beeindruckt (:
|
|
Christa Bröker schrieb uns am 16.10.2009
Thema: Re: Peter Mohr: Wörter als Schutzschild Ulla Hahns vorzüglicher Roman "Das verborgene Wort"
Sehr geehrte Frau Leonhardt,
im Gegensatz zu Ihnen habe ich "Das verborgene Wort" mit großer Anteilnahme gelesen.
Ich denke nicht, dass U. Hahn es GENAU wiedergeben wollte,das Geschehen in den 50-ger Jahren. Dennoch habe ich viel Wahres in dem Buch gefunden. Es ist ein ROMAN und keine Dokumentation.
Mit freundlichen Grüßen
C. Bröker
|
|
Jürgen Neumann schrieb uns am 16.10.2009
Thema: Eckart Löhr: Auf überwachsenen Pfaden zu einem großen Autor Zum 150. Geburtstag von Knut Hamsun
Mein Gott, Herr Löhr!
Sie glauben gar nicht wie oft ich all das, was Sie da über Knut Hamsun schreiben fast wörtlich oder ähnlich schon hundertemal gelesen habe. Wenn Sie und Ihresgleichen den wohl genialsten Literaten Skandinaviens nicht fair, sachlich oder - ich wage es von Ihnen garnicht zu verlangen - sachkundig! beurteilen können, dann schreiben Sie doch besser einfach nichts! Haben Sie jemals unvoreingenommen auch nur eines seiner Bücher gelesen?
Ich kann es mir nicht vorstellen. Und haben Sie sich, unabhängig von vorgegebener Systemmeinung, jemals mit der Geschichte Norwegens im Weltkrieg Nr. 2 befasst? ... ...
Nun - meine Verärgerung hier nur kurz als Mail ...
Wenn es Ihnen mal wieder so ist als müssen Sie über Knut Hamsun schreiben sollten Sie vorher vier Bücher als Mindestfundus
zur Erkenntnissbildung lesen:
1. KNUT HAMSUN Segen der Erde
2. KNUT HAMSUN Die Weiber am Brunnen
3. TORE HAMSUN Mein Vater Knut Hamsun (Ausgabe 1987)
4. RALPH HEWINS Quisling - Verräter oder Patriot ?
und versuchen Sie "Auf überwachsenen Pfaden" so zu verstehen wie es Hamsun unmissverständlich! gemeint hat.
Verstehen Sie meine Worte nur als Ausdruck meiner Verärgerung,
sie sind nicht Ausdruck bösen Zorns.
Beste Grüße
Jürgen Neumann
|
|
Heinz Peschak schrieb uns am 11.10.2009
Thema: Anne Kramer: Die unverdienten Leichtigkeit des Seins Wolfgang Engler wünscht uns in „Lüge als Prinzip“ ein besseres Leben im falschen
Sehr geehrte Frau Kramer, bevor ich Ihre Rezension gelesen habe, hörte ich das Gespräch über dieses Buch mit Wolfgang Engler im WDR-Podcast.
Gerade in einer Zeit, in der scheinbar alles drunter und drüber geht, und man sich schier hilflos den "bösen Mächten" des Kapitalismus, den Banken und ihren Versprechungen, den Politikern und ihren "Versprecherern" ausgeliefert sieht, ist es wie eine Offenbarung, daß Wolfgang Englers Buch: "Die Lüge als Prinzip: Aufrichtigkeit im Kapitalismus" erscheint.
Möge es den Verantwortlichen in unserer Gesellschaft Denkanstöße geben, die sie von ihrem verwerflichem Wege auf den geraden, den richtigen zurückführen!
Das gäbe vielen von uns wieder Hoffnung auf eine lebenswertere Gesellschaft.
Ich drücke dem Autor und Ihnen als Rezensentin im Geiste die Hand und wünsche Ihnen beiden eine gute, ausdauernde Gesundheit.
Ihr Heinz Peschak
|
|
Laura [Schülerin] schrieb uns am 29.09.2009
Thema: Sabine teHeesen: Freude am fremden Volk Erich Scheurmann in der Maske des Papalagi
Hallo :)
Also ich finde die Kritik überhaupt nicht gerechtfertigt!
Wir lesen das Buch gerade im Deutsch Unterricht (9.Klasse jedoch leider G8), und mir persönlich gefällt dieses Buch sehr. Diese Gegenüberstellung der vielleicht doch nicht ganz realen Welt in Samoa, aber doch die kleinen Fehler in unsrer Alltäglichen Welt. Ich denke, dass dieses Buch einfach daraufhin weißen soll, dass es auch Menschen gibt, die mit dem kleinsten Dingen auf der Welt zufrieden sind, auch ohne rundes Metal & schweres Papier, auch ohne die Zeit, der wir so nachhechten. Ich finde dieses Buch genial, und würde es jedem weiteremfehlen. Ich denke dass jeder sein eigenes kleines "Ich" wiederfindet, und man erst hinterher merkt, was man eigentlich zu schätzen hat!
Außerdem schreiben wir morgen die Arbeit. :)
Drückt mir die Daumen ;)
|
|
A. Steinhorst schrieb uns am 28.09.2009
Thema: Jan Süselbeck: Der verlorene Sohn Joachim C. Fests Erinnerungen handeln vom zerrissenen Charakter seines Vaters. Seinem eigenen revisionistischen Geschichtsbild bleibt der Autor trotzdem treu
Danke, Jan Süselbeck, für diese, mich von heftigen Wahrnehmungszweifeln, die mich nicht nur beim Lesen der Fest'schen Erinnerungen befallen hat, sondern vor allem auch danach beim Suchen nach kritischer Logik in den Rezensionen, befreienden Worte.
Nachdem ich bereits den Titel, den Sie sehr genau und richtig recherchierten und widerlegen, als unlogisch und unangemessen (Bibelverweis) empfand, las ich - trotz der großen Kritiker-Lobeshymnen - Ich nicht sehr wachsam weiter.
Ich stimme in allen Ihren erörterten Kritikpunkten überein, und möchte noch Folgendes hinzufügen:
Ermüdende Redundanzen, ja, unbedingt! Ins Unangemessene - angesichtis der auf ein lästiges Übel reduzierten Greuel der Zeit. Überzogene Details seiner literarischen Begegnungen, sowie mein heftigster und nachhaltigster Eindruck:
Fehlende Emotionen, große Distanz zum Erlebten (wo ist das Gefühlte?), trotz des Ich-Erzählers eher einem distant narrators gleichend verfasste Schilderungen von traumatischen Lebenssituationen, wie der Kampf im Schützengraben, Flucht, Verschwinden von Freunden, Tod des Bruders, Vergewaltigung der Cousine etc.
Es entsteht der Eindruck eines deutschen Holden Caulfield, das awakening eines Literaten, der, wie ein Simplizissimus durch die Wirren des dritten Reiches, (anstatt des 30 jährigen Krieges), ein augenzwinkernder Spielball des Schiksals, das selbige bravourös meistert.
In Übereinstimmung mit Bartleby, würde ich diese Memoiren gerade und insbesondere rather not als literarischen Glücksfall bezeichnen.
Andrea Steinhorst
|
|
Heinz-J. Schönhals schrieb uns am 17.09.2009
Thema: Ursula Homann: Richard Wagner als Vorläufer der Nazis? Jens Malte Fischer über Wagners Antisemitismus
Eine Verteidigung des Menschen Richard Wagner!
Wagners Antisemitismus muss etwas anderes gewesen sein als der Rassismus Hitlers und der Nazis. Ein echter Antisemit will mit Juden nichts zu tun haben. Wagner hingegen hatte Umgang mit Juden: In Paris verkehrte er mit Heine, Halévi und Meyerbeer, in Deutschland zählten zu seinen Freunden musikliebende und musikausübende Juden. Zwar hat er sich Meyerbeer gegenüber später ungerecht verhalten; erst recht ungerecht waren dann seine aggressiven Pauschalurteile in "Das Judentum in der Musik", und man mag hieraus mit Recht den Schluss ziehen, dass Richard Wagner als Mensch keinen besonders guten Charakter hatte. Ich würde das unter die Rubrik "menschliche Schwächen" einordnen. Heute begeht man aber den Fehler, den Komponisten wegen dieser menschliche Schwäche zu verteufeln, weil man unsinniger Weise eine Verbindung von ihm zu Hitler zieht. Mit Hitlers Judenhass hatte Wagners Antisemitismus nichts zu tun. Ein Judenhasser hat doch keine jüdischen Freunde! Wagner aber hatte sie: In seinem Hause verkehrten der jüdisch-russische Pianist Rubinstein und der jüdische Dirigent Lévi! Letzterer wohnte sogar bei den Wagners, und Richard bekniete ihn, ja die Uraufführung seines Parsifals zu dirigieren. Handelt so ein Antisemit? Gegenüber Lévi äußerte er einmal massive Kritik an den Hamburger "Bankjuden". Lévi antwortete, er, Wagner, "nubbele“ an seiner Seele (s. Cosima Wagners Tagebücher). Gerade hier wird die spezifische Art des wagnerschen Antisemitismus deutlich: Es ist ein Hass auf den Materialismus, die Reduzierung des menschlichen Strebens auf Geldverdienen und Geldvermehrung, Im Judentum sah er dieses Streben verkörpert, aber im Judentum als einer abstrakte Größe. Gegen jüdische Menschen, soweit sie Jünger und Diener der Kunst waren, hatte er nichts. Im Gegenteil: er mochte sie (siehe Rubinstein, Lévi). Meyerbeer war ihm offenbar kein solcher Jünger und Diener der Kunst!
|
| |
|
LESERBRIEF SCHREIBEN
|
|
|
|