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Hugo LUEDERS schrieb uns am 16.01.2017
Thema: Hubert Roland: Patriotismus und Wirklichkeitsverlust?
Gottfried Benns Geschichtsschreibung über die Okkupation in Belgien (1914-1918)

Gestatten Sie mir bitte kurz einen Hinweis zu dem interessanten Artikel von Prof. Hubert Roland, insbesondere zu den gemachten Anmerkungen zum 'Fall Edith Cavell'. So lesenswert der Artikel zur Biographie von Gottfried Benn selber ist, so sehr fehlt es m.E. an einer kritischen Auseinandersetzung mit dem, insbesondere in Deutschland, weiterhin wenig bekannten 'Fall Cavell'. Der Leser hätte z.B. gern erfahren, wie es überhaupt bei all den schrecklichen Geschehnissen des Krieges nach Meinung des Verfassers zur genannten 'internationalen Resonanz' dieser Tragödie kommen konnte. Immerhin wurde, um nur ein Beispiel zu nennen, das entsprechende Kriegsgerichtsurteil durch einen damals geheimen britischen Regierungsbericht vom 26. Februar 1920 als 'gerechtfertigt' angesehen (siehe: HMG “Committee of Enquiry into Breaches of the Laws of War”, 26th February, 1920. pp. 419-428: ‘Execution of Edith Cavell’, p. 424, ‘ … the Feldgericht was justified … to condemn her to death’, Quelle: http://discovery.nationalarchives.gov.uk/details/r/D7736306#imageViewerLink). Warum dann aber die 'weltweite Empörung'? Zur Beantwortung dieser Frage wie zur Lüftung der üblichen Cavell 'fable convenue' ruft die Literaturkritik förmlich nach Geschichtskritik um Hilfe. Diese Doppelung kann helfen. Hoffentlich.

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Volker Heigenmooser schrieb uns am 02.12.2016
Thema: Herbert Hoven: Zu Recht neidisch
Reden wir übers Geld: Ein Vortrag über den Beruf des freien Hörfunkautors

Lieber Kollege, Sie haben in allen Punkten den Nagel auf den Kopf getroffen. Aber ich setze noch einen drauf als einer, der für Hörfunkt und Print arbeitet (gearbeitet hat): 1. Seit Jahren wird auch der Tarifvertrag im Hörfunk so differenziert, dass nicht einmal ein volles Honorar für eine Rezension sicher ist. Das führt zusätzlich zu Einkommensverlusten. 2. In den Zeitungen ist es noch schlimmer; selbst die sog. Qualitätszeitungen haben ihre Honorare z. T. drastisch reduziert, wogegen dann oft nur die Mehrfachverwertung hilft. Dann wundert man sich, dass der Zirkus der Literaturkritikerinnen und -kritiker immer und überall das Gleiche abliefert. ("Früher" hieß es einmal, wenn Du für mich schreibst, kannst Du nicht für die X-Zeitung auch noch schreiben... das ist lange vorbei, weil die Redakteure dann doch wissen, dass man sonst gar nicht mehr über die Runden kommt) Und dann gibt es die kleineren Zeitungen, die allerdings oft auch großen Konzernen gehören, einen ganz geräuschlos rauskegeln, wenn man die tariflich vereinbarten Honorare verlangt. Ich könnte ein garstig Lied davon singen.
Was ist die Konsequenz? Wer als Literatur-/Kunst-/Theaterkritikerin bzw. -kritiker leben will, begibt sich in denn doch müffelnde Beziehungen zu Verlagen, Literaturhäusern etc. als Moderatorin/Moderator, Jurymitglied, Laudatorin/Laudator etc. Doch das scheint mir eher auch keine Lösung zu sein, wenngleich subjektiv gut nachzuvollziehen.

Mit Verlaub meine Konsequenz: Das Geld wird mit PR/Marketing verdient, um dann gelegentlich z. B. bei literaturkritik.de eine vielleicht auch mal fundiertere unabhängige Rezension für Herzensangelegenheiten zu verfassen.

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Bernd Nitzschke schrieb uns am 02.12.2016
Thema: Dietmar Jacobsen: Der Wolf und die acht Jahrzehnte deutscher Geschichte
Wolf Biermann erzählt den Roman seines Lebens auf die Art, die man von ihm kennt – unterhaltsam, ironisch und nicht ganz ohne Eitelkeit

In der Rezension von Dietmar Jacobsen heißt es über den damals 16jährigen Biermann: „Als von Eleven der Gadebuscher Internatsschule, die er von 1953 an besucht, verlangt wird, der evangelischen Jungen Gemeinde, der sie als Christen angehören, den Rücken zu kehren, weigert sich ein einziges Mädchen und wird daraufhin vor der versammelten Schülerschaft bloßgestellt. Allein Biermann wagt den Widerspruch: „Ich bin Kommunist … Ich bin gegen die Kirche … Ich weiß, Religion ist Opium fürs Volk! … Aber das, was hier gemacht wird, das ist … kein Kommunismus… Dafür ist mein Vater nicht in Auschwitz gestorben“, begehrt der Sechzehnjährige auf. Es ist der erste Schritt auf einem Weg, der bis zu seiner Ausbürgerung …“
Hoppla, das ist ja wohl ein schlechter Witz? Biermann verklärt sich in seiner „Autobiographie“ als frühreifer Held – und der Rezensent glaubt ihm jedes Wort!

Auf seinem weiteren Lebensweg kam der tapfere Held dann allerdings noch einige Male ins Straucheln. Ich führe nur einige wenige Beispiele an:
1. Der 29jährige Biermann pries zwölf Jahre nach dem Tod des Massenmörders Stalin dessen „harten Besen“ (diese Metapher psychoanalytisch zu deuten, das wäre wohl zu platt). Und so sang Biermann 1965: „Die DDR, mein Vaterland / Ist sauber immerhin / Die Wiederkehr der Nazizeit / Ist absolut nicht drin / So gründlich haben wir geschrubbt / Mit Stalins hartem Besen.“ Das sang Biermann nicht, wie der Rezensent schreibt, „im Osten ... hinter verschlossenen Türen im kleinen Kreis“, nein, das posaunter er, so wie er das stets tat, in alle Welt hinaus. Biermann stand schließlich stets auf der „richtigen“ Seite. Jedenfalls war die Seite solange richtig, solange Biermann sie nicht wechselte.
2. 1972 spendete Biermann das Preisgeld, das er für den Fontane-Literatur-Preis erhalten hatte, Rechtsanwalt Horst Mahler. Als Biermann gefragt wurde, ob er es nicht bedauern würde, wenn dieses Geld in der RAF-Kasse landen würde, antwortete er auf hohem Ross sitzend „[…] aber Sie erwarten doch sicherlich nicht von mir, daß ich mich von der Roten Armee Fraktion distanziere? Ich will nicht in den Orden linker Hoher Priester aufgenommen werden, die der Baader-Meinhof-Gruppe ihren Segen vorenthalten. … Die Kommunisten in der Baader-Meinhof- Gruppe werfen ihr Leben in die Waagschale ...“
3. Auch dem heiligen „Comandante Che Guevara“. blieb es nicht erspart, vom „Schmieren- und Kitschaggressor“ Biermann (Wiglaf Droste in der Süddeutschen Zeitung vom 09.04.2005) besungen zu werden – und zwar gründlich auf diese Weise: „Und bist kein Bonze geworden / Kein hohes Tier, das nach Geld schielt / Und vom Schreibtisch aus den Held spielt. […] Jesus Christus mit der Knarre / – so führt Dein Bild uns zur Attacke.“ WOW!
4. Es dauerte einige Jahre – und Biermann blies wieder zur Attacke, diesmal für Bush & Blair – blieb selbst aber zuhause sitzen. Über die von ihm so genannten „Nationalpazifisten“ (dabei hat man den von Biermann beabsichtigten bösen Wortklang sofort im Ohr), die den Irakkrieg ablehnten, schrieb Biermann 2003 im SPIEGEL: „Die entpolitisierten Kids der Spaßgesellschaft finden Frieden irgendwie geiler als Krieg. Und obendrein bläst auch Gottes Bodenpersonal beider Konfessionen todesmutig in die Anti-Bush-Trompete.“

Jakob Moneta, zeitlebens ein Mann mit aufrechtem Gang, organisierte als IG-Metaller 1976 die Einladung zum Konzert in Köln, das zum Anlass der Ausbürgerung Biermanns aus der DDR wurde. Nach diesem Konzert nahm Moneta Biermann bei sich zuhause auf und lernte ihn so aus nächster Nähe kennen. Moneta „zerfreundete“ sich gründlich mit Biermann. Ein Jahr nachdem Biermann von Springer zum „Chef-Kulturkorrespondent“ erhoben ward, schrieb Moneta über diesen Dauer-Opportunisten in der Sozialistischen Zeitung, er wolle ihm „einen Spruch aus meiner jiddischen Muttersprache“ mitgeben: „Nicht gedacht soll seiner werden.“
Es hat nicht sollen sein. Oder hat die List der Vernunft am Ende doch noch gesiegt? Schließlich gedachte man Biermann, als er achtzig Jahre alt wurde, landauf, landab so, wie er es bezüglich seiner eigenen Person vorgemacht hat: mit Pauken & Trompeten. Dietmar Jacobsen hat das in seiner Besprechung der „Autobiographie“ Biermanns einfach nur nachgemacht.

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Klaus-Peter Möller schrieb uns am 29.11.2016
Thema: Klaus-Peter Möller: Zuchtmeister der Genauigkeit
Zur Briefausgabe von Adolph Menzel

Literaturhinweis:

Mit Zopf und Knebelbart. Adolph Menzels Albumblatt für Theodor Fontanes Tunnel-Album. In: Fontane-Blätter 102, 1996, S. 132-156

In diesem Aufsatz ist der Verfasser den offenen Fragen der hier einsehbaren Rezension weiter nachgegangen. Einige Details konnten dabei korrigiert oder präzisiert werden. An der grundsätzlichen Einschätzung der rezensierten Brief-Edition ändert sich aber nichts.

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Klaus Müller-Salget schrieb uns am 27.11.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

Wenn Herr Elsaghe in der Lage wäre, in Abläufen zu denken, wäre es sinnvoll, mit ihm zu diskutieren. So aber geb' ich's auf.

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Yahya Elsaghe schrieb uns am 27.11.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

Es wäre wohl doch klüger gewesen, das einmal gegebene Versprechen zu halten und tatsächlich „auf weitere Bemerkungen“ zu verzichten. Denn inwiefern genau werden die zitierten „Überlegungen“ zu der „ganzen Zeit“ triftiger und schlauer, wenn man den „wieder einmal“ so überaus bezeichnender-, sprich natürlich: unredlicherweise ausgeklammerten Text mitliest?
Vor allem aber: Es kann hier nicht darum gehen, was Frisch wollte und wie er es in dieser oder jener Bühnenfassung umsetzte — denn er hat es in der Tagespresse und anderwärts ja eigens zu Protokoll gegeben —; sondern es ging um die Ängste und Phantasien, die das sechste Bild trotz dieses Protokolls freizusetzen
vermag, und sei es auch unterhalb der Bewusstseinsschwelle. Nur so lässt sich die Regelmäßigkeit erklären, mit der die Rezipienten der Vorstellung erlagen, dass „die Barblin sich diesem widerlichen Stinker von Soldaten hingibt“ (Zuckmayer). In die stattliche Reihe solcher Fehllesungen gehören nun salva venia auch KMSs „Überlegungen“; mögen sie ihrem Urheber jetzt begreiflicherweise noch so peinlich geworden sein und mag er deshalb noch so verzweifelt versuchen, sie zu verharmlosen und ihre Wiedergabe als „unseriös“ oder „wahrheitswidrig“ zu diffamieren. Deshalb also noch einmal mit etwas erhöhter Belegdichte:
Frischs Versuch, „den Soldaten […] als Vergewaltiger zu kennzeichnen“, konnte KMS „nicht recht überzeugen“. („Die Auslassung in eckigen Klammern ist“ vermutlich „wieder einmal bezeichnend.“) In KMSs Worten „nimmt“ der Soldat die Frau oder das Mädchen einfach. Sie ist oder er macht sie sich „gefügig“, nachdem er sie mit seiner „Männlichkeit“ beeindruckt hat. Das eine „muß man zumindest annehmen“, und das andere „soll offenbar“ „[a]ngedeutet werden“; womit KMS nun also doch wieder, wie so oft und so gerne, auf die Absichten seines Autors rekurriert, über die er so erstaunlich gut Bescheid weiß — intentional fallacy hin oder her. Und dann hat „der Vorgang in der Kammer“ auch noch „den Charakter einer Trotzreaktion“ zu bekommen. Die Frau wechselt somit vom receiving end eines Sexualobjekts und -opfers auf die Position einer Agentin, und agiere sie auch nur aus Trotz. Doch damit leider längst nicht genug. Der Soldat soll sage und schreibe — seat belts! — „der Nutznießer“ eines sexuellen „Begehren[s]“ sein — sic! —, das Andri in Barblin „entfacht“ habe, „ohne es zu befriedigen“.
Aber dennoch will KMS nunmehr die Vergewaltigung „keineswegs“ geleugnet haben. Entweder, hoffentlich, ist das einfach nur eine fadenscheinige und scheinheilige Schutzbehauptung, die selbstverständlich um gar nichts glaubwürdiger wird dadurch, dass sie KMS immer wieder aufs Neue aufstellt. Oder aber, sehr viel schlimmer noch, der Tatbestand der Vergewaltigung schließt in KMSs Sprachgebrauch und Vorstellungswelt durchaus nicht aus — wenn er nicht nahelegt —, dass der Täter mit seiner Tat ein Begehren des Opfers bedient hat. Si tacuisses!

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Klaus Müller-Salget schrieb uns am 25.11.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

Die Auslassung in eckigen Klammern ist wieder einmal bezeichnend: Da steht: "Andri ein langes Selbstgespräch führt, auch noch eine Auseinandersetzung mit seinem Vater hat". Ich leugne keineswegs die Vergewaltigung, frage mich nur, wie man das darauf Folgende verstehen soll.
Wenn ich recht sehe, lag für Frisch das Problem darin, dass Andri sich auch noch von Barblin verraten wähnen sollte, dass also für ihn die Möglichkeit bestehen sollte, Barblin habe freiwillig mit Peider geschlafen. Deshalb durfte für ihn der Tatbestand Vergewaltigung nicht eindeutig sein. Das führt zur Problematik von Bild 6. Für den Zuschauer klarer geworden wäre der Fall, wenn nach der Verriegelung der Kammertür die Szene abgebrochen und erst mit
dem Schluss wiederaufgenommen worden wäre. Da es ja Vorfassungen im Archiv gibt, müsste man einmal nachsehen, ob es da Alternativen gibt.

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Yahya Elsaghe schrieb uns am 14.11.2016
Thema: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

KMSs „Überlegungen zur Problematik der Barblin-Peider-Andri-Szene“ wurden zuletzt nicht mehr „zitiert“, sondern paraphrasiert. Eine Paraphrase kann selbstverständlich „wahrheitswidrig“ oder auch bloß bona fide falsch sein. Deshalb noch einmal KMS im Original:
„Wenn dann die Kammertür von innen verriegelt wird […] und es während der ganzen Zeit still bleibt in der Kammer, dann muß man zumindest annehmen, daß es Peider gelungen ist, sich das Mädchen gefügig zu machen.“ Oder: „Angedeutet werden soll offenbar, daß der protzig selbstbewußte Peider das Mädchen wider Willen beeindruckt mit seiner primitiven ‚Männlichkeit‘, die dem
selbstzweiflerischen Andri fehlt.“ Oder: „Von hierher bekommt der Vorgang in der Kammer den Charakter einer Trotzreaktion […].“ Ist es „wahrheitswidrig“, das alles so zu paraphrasieren: Barblin hat kein Vergewaltigungsopfer zu sein?
Im Übrigen haben wir KMS ausdrücklich attestiert, dass er sich mit alledem durchaus nicht einfach in „üble[r]“, sondern schlicht in männlicher Gesellschaft befindet. Derselben Vorstellung, dass das Opfer ‚es‘ eben wollte, sind keine Geringeren als Friedrich Torberg oder Carl Zuckmayer aufgesessen.

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Dr. Jörg Ewertowski schrieb uns am 13.11.2016
Thema: Gertrud Nunner-Winkler: Was genau ist Kindeswohl?
Ian McEwan porträtiert die Einsamkeit der Familienrichterin

Liebe Frau Nunner-Winkler,

danke für Ihre Rezension und den Hinweis auf den Vorschlag des Soziologen Bude! Ich würde das gerne im Kontext nachlesen. Können Sie mir die Quelle nennen?

Ich kann Ihren Vorbehalt am Ende nachvollziehen, frage mich aber, ob es noch um etwas anders als um Sprachgewalt geht. Die Erzählung kann Individuelles darstellen, ohne es am Fall von Gesetzmäßigkeiten zu machen - und dennoch enthält es eine Bedeutung, die über das Einzelne hinausgeht.

Mit freundlichem Gruß,

Jörg Ewertowski

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Klaus Müller-Salget schrieb uns am 11.11.2016 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Yahya Elsaghe, Melanie Rohner, Franziska Schößler: Unbequeme Fragen an einen Nationalschriftsteller
Replik auf Klaus Müller-Salgets Rezension „Max Frisch zwischen Dekonstruktion, Denunziation und postkolonialer Zurichtung“

Da meine Überlegungen zur Problematik der Barblin-Peider-Andri-Szene weiterhin wahrheitswidrig 'zitiert' werden, verzichte ich auf weitere Bemerkungen. Was Frisch zeigen wollte, ist klar. Es fragt sich aber, ob ihm das auch überzeugend darzustellen gelungen ist. - Dass Herr Elsaghe versucht, mich in eine üble Gesellschaft einzureihen, richtet sich selbst.
Klaus Müller-Salget

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Peter Schmidt schrieb uns am 31.10.2016
Thema: Björn Bertrams: Ein Buch zu viel
David Foenkinos liefert einen rundum misslungenen Roman über Charlotte Salomon und heimst damit Preise in Frankreich ein

Eine Kritik zu viel

Björn Bertrams liefert eine ziemlich misslungene Literaturkritik über den Roman von David Foenkinos
und heimst damit hoffentlich nicht irgendwelche Kritikerpreise ein


Von Peter Schmidt

1

Ich kannte Charlotte Salomon nicht.
Von David Foenkinos hatte ich schon gehört, aber noch nichts gelesen.
Der Name Björn Bertrams sagte mir dagegen überhaupt nichts.

Foenkinos hat mir Charlotte – ihre Lebensgeschichte, ihr Werk – näher gebracht.
Dafür bin ich ihm sehr dankbar.
Selten hat mich ein Buch so berührt und nachhaltig beschäftigt.

2

Auf die Kritik von Bertrams bin ich
zufällig gestoßen. Unglücklicherweise.
Diese stellt nämlich einen völlig unangebrachten Versuch dar, Foenkinos zu diskreditieren.
Und meine Dankbarkeit in ein Licht zu rücken, in das sie nicht gehört.

Für viele seiner Aussagen habe ich keinerlei Verständnis.
Dafür, dass Foenkinos sich am Werk Charlottes vergreife, sehe ich nicht den geringsten Anhaltspunkt.
Es scheint eher, dass der Kritiker ganz andersliegende Probleme mit dem Autor hat.
Mit dem umsatzstarken Autor seichter Liebesromane. Mit der besonderen Erzählweise.

Auch ich hatte anfangs Schwierigkeiten mit dieser Erzählform.
Besonders mit dem recht einfachen Vokabular.
Aber je weiter ich las, desto mehr verstand ich.
Dass diese Art zu schreiben sehr wohl zum inhaltlichen Gegenstand passt.
Und viel Zeit zum Nachdenken und für eigene Reflexionen bietet.
Dass der Zeilenstil eine dem Sujet angemessene Eindringlichkeit von hoher Intensität erzeugt.
Und das Stilmittel „Typografische Leere“ sich im vorliegenden Fall als hervorragend geeignet erweist.

Keine Tiefendimension? Einfallsarmut? Schlichtheit a la Comic? Reduktion der Vermittlungskanäle?
Die Beziehung zu Alfred Wolfsohn eine seichte, belächelbare Jugendliebe? Harmlose Poesiealbumsprüche?
Hallo???
Bertrams’ Auslassungen sind die unwillkürliche Dokumentation eines Kritikerscheiterns auf ganzer Linie.

Ich könnte (und würde) andere Punkte nennen, allerdings nur im Sinne konstruktiver Kritik.
Ich hätte zum Beispiel gern ein Personenverzeichnis. Mit Kurzbiografien.
Oder einen grafischen Stammbaum von Charlottes Familie, vielleicht auch eine Zeittafel.
Auf jeden Fall aber einen Quellennachweis.
Hinweise darauf, was belegbar, was Fiktion ist.
Gab es jenen Polizisten in Nizza, der Charlotte laufen ließ?
Wie ist der aktuelle Stand der Brunner-Forschung?
Aber schließlich hindert mich ja niemand daran, selber diesen Fragen nachzugehen.

3

Bertrams hatte sich bereits intensiv mit Charlotte auseinandergesetzt und war deshalb im Vorteil.
Ich hingegen kannte Charlotte noch gar nicht und war deswegen im Vorteil.
Wie das heutige Literaturgeschäft funktioniert, interessiert mich bestenfalls am Rande.
Wer wem welchen Preis zuteilwerden lässt.
Welche möglicherweise sachfremden Motive dabei eine Rolle spielen.

Am Ende entscheidet immer der Leser. Glücklicherweise.
Übrigens hat die Lektüre meine Aufmerksamkeit zwar auch auf Foenkinos gelenkt, aber viel mehr auf

Charlotte Salomon

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Paul M. Backert schrieb uns am 27.10.2016
Thema: Dieter Lamping: Verdient unverdient
Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Kurz zur Schlussbemerkung von Dieter Lampings Artikel Verdient Unverdient, die literarische Periferie Stockholms betreffend. Allem Anschein nach wäre Mainz diesbezüglich eher der Nabel der literarischen Welt. Ich mache den Vorschlag, einen alternativen Preis zum Nobelpreis ins Leben zu rufen unter dem Namen Literarischer Nabel (der Welt) Preis, unter der Leitung von Herrn Dieter Lamping. Was gegen Stockholm als literarischer Periferie spräche, ist die Tatsache, dass Schweden (oder Island) pro Capita regelmässig wesentlich mehr bedeutende Literaten hervorbringt als der deutsche Sprachraum.
Paul M. Backert. Norwegen

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Christian Milz schrieb uns am 26.10.2016
Thema: Dieter Lamping: „Distant Reading“, aus der Nähe betrachtet
Zu Franco Morettis überschätzter Aufsatzsammlung

Was ist das für eine "Wissenschaft", die solche Böcke schießt? Bei Büchner geht man noch einen Schritt weiter und stellt sekundäre Texte (zeitgenössische Gutachten usw.) geradezu axiomatisch vor den primären Text. Weder Philologie noch Distant Reading, geschweige denn Dekonstruktion (Müller-Sievers) schützen hier vor kapitalem Unsinn (vgl. "Schluss mit dem Mordkomplex", Andreas Beck in ZfdPh 4/2012). Die Literaturwissenschaft (die bewusste Literaturrezeption übrigens desgleichen) ist offenkundig extrem ideologieanfällig, die Scheu vor den kollektiven Leichen im Keller inbegriffen. Das Seelische lässt sich aber weder rein theoretisch-akademisch noch mit der konventionellen Wissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts bewältigen. Zweifellos ist das ein gravierendes Problem. Interessant aber, wie leicht sich intellektuelle Schaumschlägerei stattdessen breitmachen kann und wie schwer es hierzulande etwas fundiertere Ansätze haben, die indes mit Materialismus und Intellektualismus inkompatibel sind. Die Literaturproduktion, insbesondere im Bereich des (außerdeutschen) Drehbuchschreibens, schert sich freilich keinen Deut um "Literaturwissenschaft", funktioniert aber. Was da funktioniert und warum, sollte man mal untersuchen.

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michael roloff schrieb uns am 17.10.2016
Thema: Dieter Lamping: Verdient unverdient
Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan

It would be interesting to hear what peter handke’s take is on dylan winning a prize he himself used to prize, a dylan whom he heard so beautifully faintly in the san francisco chapter of LANGSAME HEIMKEHR. For myself, especially the Dylan of the sixties , signifies a truly magical and  surprising reconfiguration of a variety of American, welsh, and troubadour traditions, indeed modern and ancient, and thus quite rare. I know a little bit about making a slimmed down selection of song lyrics into a book from doing so with the talented song lyricists jerry leiber, who happened to die of envy when the name dylnds came up in conversation, and the fact that the special lens of lyric on page without music i imagine also limits the inclusion e.g of a lot of lyrics that only come alive when sung or accompanied by music

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Franz Sz. Horváth schrieb uns am 17.10.2016
Thema: Dieter Lamping: Verdient unverdient
Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Hallo Herr Lamping,

darf man erfahren, warum Ihrer Meinung nach der Nobelpreis an Herta Müller kritikwürdig ist?

MfG

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Lothar Struck schrieb uns am 16.10.2016
Thema: Dieter Lamping: Verdient unverdient
Der Literaturnobelpreis für Bob Dylan

Kurz nach der Bekanntgabe des Nobelpreises gab es auf der nobelprize.org-Webseite noch ein Interview in englisch mit Sara Danius. Auf vorsichtig kritische Fragen verglich sie Dylan mit Homer und Sappho und nahm tatsächlich Bezug auf "Blonde on Blonde" von 1966. Das ist also jetzt 50 Jahre her. Wobei: Von einer Honorierung für ein unmittelbares Werk ist der Literaturnobelpreis längst abgekommen. Er hat sich zur Lebenswerkauszeichnung gewandelt.

Vielleicht darf man den Preis nicht mehr so ernst nehmen. Der Autor nennt einige Beispiele für scheinbare oder tatsächliche Fehlentscheidungen. Dabei fallen mir noch andere Namen ein, die aus fast rein politischen Motiven ausgezeichnet wurden (Solschenyzin und Böll zum Beispiel). Und wenn man
sich über Wikipedia die Riege der Preisträger der letzten 50 Jahre anschaut, ist man erstaunt, wieviele Preisträger längst vergessen sind. Der literarische Kanon geht andere Wege; der Nobelpreis ist nur ein Steinchen im Mosaik. Aber vielleicht gibt es diesen Preis gerade wegen dieser Vergessenen und Fo und Dylan wurden nur zur Auflockerung gewählt.

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Irene Weber schrieb uns am 15.09.2016
Thema: Björn Bertrams: Ein Buch zu viel
David Foenkinos liefert einen rundum misslungenen Roman über Charlotte Salomon und heimst damit Preise in Frankreich ein

Björn Bertrams ist uneingeschränkt zuzustimmen. Dieses Buch ist langweilig und strotzt vor aufgeblasenen Banalitäten. Nur weil es von einem erschütternden Schicksal handelt, muss ein Buch noch lange nicht gut sein. Dieses ist überflüssig!

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Clemens Meyer schrieb uns am 09.09.2016
Thema: Jörg Auberg: New Yorker Jeremiaden
John Dos Passos’ Roman „Manhattan Transfer“ liegt in einer Neuübersetzung vor

Lieber Jörg Auberg,

in der Unverschämtheit meines narzisstischen Exhibitionismus' habe ich nicht nur sieben Mal (!) das Wort Ich auf einer (!) Seite meiner persönlichen (!), in der Ich-Perspektive geschriebenen Dos Passos Betrachtung benutzt, sondern auch folgende Namen genannt in meinem ... wie nannten Sie es?... narzisstischen Exhibitionismus: Hemingway, Fitzgerald, Thomas Wolfe, E.E.Cummings, Getrude Stein, Joyce, Faulkner, Uwe Johnson. Und, inklusive der Überschrift, vier Mal den Namen Dos Passos plus einer Variation, nämlich: der große DOS.
Und das war er. Groß. Zumindest in Manhattan Transfer und der Trilogie U.S.A
Da kommen Sie leider mehr als 80 Jahre zu spät. Auch wenn Sie am Ende beleidigend werden.
Intellektuelle Dürftigkeit erkennen ich hingegen in Ihrem Artikel. Aber das stört mich nicht. Denn es geht hier nur um Dos Passos, wie in meinem Nachwort. Und der kann und muss sich auch nicht mehr wehren gegen einen Herrn Auberg auf Literaturkritik.de
Mit besten Grüßen, Ihr narzisstischer Exhibitionist,  Clemens Meyer

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Erasmus Schöfer schrieb uns am 05.09.2016
Thema: Klaus Hammer: Eine wirklich bemerkenswerte Frau
„Notre Dame de Dada“ – Eva Weissweiler hat die Lebensgeschichte von Luise Straus-Ernst, der ersten Frau von Max Ernst, verfasst

Eine ungewöhnlich eingehende und aufschlussreiche Rezension des Buches von Eva Weisweiler! Die Anteilnahme der Autorin am Schicksal ihrer ermordeten Kollegin ist spürbar, aber auch die gut recherchierte Genauigkeit ihrer Untersuchung zeigt der Rezensent und weckt so die Neugier auf die ungewöhnliche Lebensgeschichte der Luise Ernst, bei sicher nicht nur weiblichen Leserinnen.
Erasmus Schöfer

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Thomas Weiler schrieb uns am 05.09.2016
Thema: Bozena Anna Badura: Rafałs Flucht von irgendwann durch damals bis jetzt und zurück
Marcin Szczygielski erinnert in seinem Jugendbuch „Flügel aus Papier“ an das Getto von Warschau

Sehr geehrte Frau Badura,
herzlichen Dank für Ihre Rezension der deutschen Übersetzung von Marcin Szczygielskis Roman "Arka czasu" (dt.: Flügel aus Papier) und für die Nennung des Übersetzers. Erlauben Sie mir folgende Anmerkungen:
- "Działka" wurde mit "Bezirk" übersetzt, um den Sprachgebrauch vom "Jüdischen Wohnbezirk" aufzugreifen, wie das Ghetto in der Naziterminologie hieß.
- Zum Cover: Das polnische Original erschien bereits 2013 im Verlag Stentor, illustriert von Daniel de Latour und mit einem gänzlich anderen Cover. Da der Sauerländer-Verlag diese Illustrationen nicht übernehmen wollte, hat er Marcin Szczygielski, der ja von Haus aus Grafiker ist, um einen eigenen
Cover-Vorschlag gebeten. Das Cover geht also auf eine Illustration des polnischen Autors zurück und sagt nichts über deutsche VerlegerInnen oder deutschen LeserInnen aus. 2015 erschien "Arka czasu" dann mit einer abgewandelten Version des "deutschen" Covers im Verlag Latarnik. Rafałs Freunde sind zu sehen, und er hält die polnische Ausgabe von Wells' "Zeitmaschine" im Arm. Auf dem Sauerländer-Cover liest Rafał merkwürdigerweise Wells auf Deutsch.

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Niko Potnik schrieb uns am 01.09.2016
Thema: Sandra Friehlinghaus: Der unsichtbare Sinn des Romans
Robert Gwisdeks erster Roman „Der unsichtbare Apfel“ verwirrt seine Leser mit Kreisen und Dreiecken

Es fällt mir schwer eine so undurchdachte Ansicht dieses wunderbaren Buches wahrnehmen zu müssen. Ihnen fehlt es meiner Ansicht nach an gewissem Weitblick den dieses Buch auszustrahlen vermag. Es enthält grundphilosofische Aspekte, in denen man versinkt um zu lernen, was das Leben einen zu lehren aufgibt. Ich hoffe inständig, das sie diese Buch sich ein weiteres mal zu dem ihren machen und versuchen zu verstehen was es ihnen sagen möchte. Kurz und knapp. Es tut mir leid mit so kleingestrickten Dreiecken eines Kreises verstrickt zu sein.
Dies soll kein Vorwurf an ihrer Kritik sein.
Eher ein Gefühl das mir beim Lesen ihrer Kritik durch mein Mark fuhr.

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Sabine Lukeit schrieb uns am 31.08.2016
Thema: Franz Siepe: Katholische Kassandra
Gabriele Kuby rebelliert gegen „Die globale sexuelle Revolution“

Ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre ausführliche und gute Kritik.
Ich denke, dass ich das Buch "Die globale sexuelle Revolution" von Gabriele Kuby nicht lesen.
Ich habe vor kurzem eine kleine Broschüre von Gabriele Kuby "Gender" (eine neue Ideologie zerstört die Familie) in die Hand gedrückt bekommen, mit dem Hinweis es doch bitte zu lesen. Da ich weiß, was "Gender" bedeutet. Ich bin eine kritische Leserin und finde mich auch für diese zeit aufgeklärt, zumal ich in einem Elternhaus groß wurde, das recht tolerant gegenüber anderen Menschen ist.
Nun zu diesem kleinen Büchlein, das bei mir eine sehr schockierende Wirkung hatte. Ich war zu tiefst erschrocken, finde dieses Werk
erschreckend. Es ist kurzsichtig, stigmatisierend, diffamierend gegenüber anderen Menschengruppen.
Denn, niemand kann etwas dafür, so auf die Welt gekommen zu sein.
Eigentlich sollten wir aufgeklärter sein, in einer säkularen Welt leben. Es zeigt sich aber immer wieder, das dies nicht so ist.
Ja und diese Schrift hat mir gereicht, das ich nicht weiteres von Frau Gabriele Kuby lesen werde und kann.
Ich kann noch selbst denken, muss mich nicht lenken lassen. Zum Glück kann ich lesen und denken, dass ich mir so etwas nicht mehr einnehmen muss.

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Michael Aspöck schrieb uns am 30.08.2016
Thema: Walter Delabar: Reisen nach Absurdistan
Linus Reichlin zeigt in „Der Assistent der Sterne“, wie man keinen Plot konstruiert

Trotz des zeitablaufes sehe ich mich gehalten die kritik von herrn delabar als ärgerlich zurückzuweisen, da hier wohl aufgrund unzureichender beschäftigung zu philosophischen fragen in bezug zu erkenntnissen aus der teilchenphysik dieser aspekt als albernheit zu unrecht herabgewürdigt und verkannt wird, damit auch der bezug der romanprotagonisten hierzu, denn ich lese die romane insoweit durchaus nicht quasi als art haltloser aussernatürlicher science fiktion und dies zeigt sich gerade bei der hauptfigur jensen.

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W. Strowik schrieb uns am 21.08.2016
Thema: Ludger Lütkehaus: Und Schopenhauer weinte
Zu Irvon D. Yaloms Roman "Die Schopenhauer-Kur"

Ich habe "Die Schopenhauer-Kur" vor Jahren gelesen, und diese Kur hat mir sehr gefallen. Und doch muss ich den Kritikpunkten des Autors teils recht geben.

Das Buch liest sich (für mich) wunderbar, es geht viel therapeutische Weisheit des Psychoanalytikers Yalom mit ein. Da klingt der Verriss von Herrn Lütkehaus zunächst ziemlich her(t)zlos.

Doch auch wenn ich das Buch öfters verschenke und weiterempfehle: Dass vieles in dem Roman etwas konstruiert wirkt, kann ich nicht bestreiten.

Es ist doch etwas viel Harmonie in der Geschichte. Die therapeutische Botschaft von Irvin D. Yalom ist sehr dominant und lässt das Werk stellenweise etwas märchenhaft erscheinen.

Aber muss denn ein Märchen
wirklich durch und durch literarisch überzeugen? Oder lebt es nicht auch etwas von den Klischees? Von der Kraft der Bilder?

Vielleicht muss man Yalom zugestehen, dass er in erster Linie Therapeut ist. Man kann spüren, wie begeistert er von seinem Beruf ist, wie er dem Leser an Herz legt, sich emotional zu öffnen. Diese Botschaft ist (vom literarischen Standpunkt) doch etwas zu offensichtlich.

Wer sich aber für therapeutische Fragen interessiert und über die erwähnten Schwächen hinwegsehen kann, wird hier wie von einem Märchen verzaubert. So war es jedenfalls bei mir.

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Kerstin Lück schrieb uns am 18.08.2016
Thema: Dietmar Jacobsen: Die Idylle trügt
Mit „Unterleuten“ gelingt Juli Zeh ein großer Gesellschaftsroman, der als Schauplatz nicht mehr benötigt als ein winziges Dörfchen im Brandenburgischen

Im Roman muss es so blutig enden, weil ich als Leserin ja begreifen soll, dass die meisten vorgestellten Strategien nicht hilfreich sind. Schon gar nicht, wenn sie als Erfolgsrezept in Ratgeberformat daherkommen und erfolgheischen wirken, wie der erdachte Manfred Storz. Eine Alternative quasi als bonustrack habe ich in meinem Blog http://literarische-mediation.de/mediation-roman-unterleuten-juli-zeh-2015/ gestaltet. Es könnte zukünftig auch anders gehen. Wie sagt Kron: Wenn neue Leute nach Unterleuten kommen, die "klüger waren als der Vogeschützer, der versucht hatte, das alte Spiel mitzuspielen, statt ein neues zu erfinden. Leute wie Juli Zeh, die auf dem Land lebt und dort mit den Dörflern auskommt.

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Marta schrieb uns am 17.08.2016
Thema: Ute Eisinger: Deutscher Fleiß am Waterberg
Kolonialisten und Hereros in "Deutsch-Südwest" aus der Perspektive Else Sonnenbergs

Ich muss mich schon fragen, ob Frau Eisinger das Buch überhaupt gelesen hat. Es gibt weder ein deutsches Altenheim in Windhoek, noch gab es einen General Lüderitz, der irgendeine Bucht erobert haben soll. Auch ein Satz wie "Else Sonnenberg, die 1905, während die Hereros von General Trotha auf den Todesmarsch in die Omaheke-Wüste getrieben wurden, schon wieder daheim in ihrem Dorf bei Braunschweig saß, wo sie ihr Jahr in Afrika niederschrieb" ist mehr als unangemessen. Bekanntlich hat Frau Sonnenberg, deren Mann auch keine Farm besaß, sondern einen Kaufladen am Waterberg, am 14. Januar 1904 als Augenzeugin beobachten müssen, wie ihr frisch angetrauter Ehemann von einem ihrer Angestellten mit einem schweren Hammer im Bett schlafend brutal erschlagen wurde. Nur die Flucht ins Missionshaus hat ihrem Säugling Werner und ihr selbst das Leben gerettet. Anschließend wurde sie unter Erduldung von Misshandlungen wochenlang in Gefangenschaft der Herero deren Kriegszüge mitverfolgen. Es ist daher nur verständlich, dass Frau Sonnenberg traumatisiert war. Auch die Aussage, die Sonnenbergs als Händler "nutzten die Unbekümmertheit aus, mit der die Eingeborenen, deren Kultur Vertragsabschlüsse, preußischen Pflichtgehorsam und Schuldscheine nicht beinhaltete" ihre Geschäfte tätigen, ist absurd und stellt die Herero in übler Weise als Dummchen hin, die nicht wüßten, mit Geld umzugehen. Tatsächlich war den Herero das Prinzip von Kauf und Bezahlen sehr wohl bekannt. Auch die Aussage, General Trotha hätte den Genozid an den Herero befohlen, ist historisch grob falsch, völlig egal ob es nun ein Genozid war oder nicht. Ebenso falsch ist die Behauptung, "auf Grund anderer nachweislicher Fälle von Sadismus gegen Gefangene wurde Trotha später aus dem Dienst gezogen" - davon ist nichts bekannt. Es ist unklar, von welchen Fällen von Sadismus die Autorin hier spricht. Trotha wurde mit dem Orden Pour-le-Merite ausgezeichnet und ist in allen Ehren aus Altersgründen in den Ruhestand verabschiedet und nicht "aus dem Dienst gezogen" worden. Auch wenn es einem nicht gefällt, sollte man doch irgendwie noch an den Fakten bleiben. Der Irrwitz gipfelt dann noch in dem Satz "1915 musste Deutsch-Südwestafrika offiziell zurückgegeben werden". An wen wurde Südwestafrika angeblich "zurückgegeben"? Fakt ist, dass Südwestafrika 1915 von Unionstruppen aus Südafrika besetzt und später quasi annektiert wurde, was zur Einführung der Apartheid dortselbst geführt hat. Rezensionen lese ich gerne, aber irgendetwas muss daran wenigstens stimmen. Hier ist dies nicht der Fall.

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Joseph McIntyre schrieb uns am 09.08.2016
Thema: Alina Timofte: Mehr Text als Kritik
Die Anglistin Rita Wöbcke legt die erste deutschsprachige Monographie über Chinua Achebe vor

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich habe gerade die Kritik (Alina Timofte: Mehr Text als Kritik) an Rita Wöbcke's "Chinua Achebe" gelesen. Ich kenne Frau Wöbcke als Kollegin und habe das Buch gelesen.
Ich finde das Buch inhaltlich gut; sie bietet dem Leser eine gute Einleitung zu den frühen Romanen Achebes. Das Buch könnte viel ausführlicher werden, aber das Ziel ist der normale Mensch, der sich für afrikanische Literatur bzw. Achebe interessiert.
Stilistisch könnte "Chinua Achebe" schon besser sein, dafür gibt es aber Lektoren, auch bei dem von Frau Timofte so gelobten Verlag "text+kritik". Die Rezension zielt auf Literaturkritiker; das ist das gute Recht der Rezensentin, aber dabei übersieht
sie das Ziel von Frau Wöbcke: den normalen Leser. Den ersten Satz des Buches als "einfallslos" zu beschreiben macht diese Spannung zwischen Literaturkritiker und dem 'normalen Leser' deutlich. Der erste Satz des Buches sagt uns wer Achebe ist und wie gut er ist; es ist eine einfache Tatsache!
Frau Timofte nimmt gerne die Verallgemeinerungen der Frau Wöbcke unter die Lupe, kritisiert Frau Wöbcke aber in sehr allgemeinen Tönen. Die Rezension bleibt dei dem Kapitel, das sich auf Achebes ersten Roman (Things fall apart) bezieht; andere Kapitel werden nicht erwähnt. Man darf sich fragen, ob Frau Timofte das ganze Buch gelesen hat.
Ein Detail noch: bei einer so negativen Rezension dürfte man erwarten, dass Frau Timofte weiss, dass Achebe's "There Was a Country: A Personal History of Biafra" kein Roman ist, sondern ein autobiographisches 'memoir'!
Mit freundlichen Grüßen
Joseph McIntyre

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Reiner Wadel schrieb uns am 09.08.2016
Thema: Jochen Vogt: (Fast) Alles über Krimis …
… in 10 einfachen Sätzen

"Wenn die Leiche erst mal tot ist, kann nicht mehr viel passieren", heißt es.
Und wenn die Leiche noch lebt?

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Leo Vogt schrieb uns am 26.07.2016
Thema: Jörn Münkner: Luther und Melanchthon in den Kochtopf geschaut
Leo Vogt schreibt eine kleine Geschichte des Essens zu Zeiten der Reformation

Zuerst mal vielen Dank für die tolle Kritik und ihre Mühe bei der Spurensuche. Hier noch 2 Anmerkungen:

Das "Ragout von 1000 Nachtigallen Zungen" ist auf einer Speisefolge zum Besuch des Deutschen Kaisers auf Schloss Neuenstein im 12. Jahrhundert aufgeführt. Das Original liegt dort im Archiv.

Die erste umfangreiche Beschreibung der Nahrungsmittel stammt vom arabischen Arzt Ibn Butlan und fügt die Kompelxion der Nahrungsmittel mit der Welt der Heilkunde im Tacuinum Sanitatis zusammen. Laut dem Vorwort meines Facsimiles wurde es bereit 1100 auf der Mainau ins Lateinische übersetzt. Die Werke von Hildegard von Bingen haben in der deutschen Übersetzung nahezu den gleichen Wortlaut. Aus meiner Sicht hat Hildegard dort
abgeschrieben und um die Grünkraft und den Anbau der Heilkräuter im Klostergarten ergänzt. Damit hat sie die Heilkunden in die Klöster geholt und damit das Wissen der Kräuterfrauen für uns bewahrt. Über viele Jahrhunderte waren diese Werke Grundlage der klösterlichen Ernährungs- und der Heilkunde.

Eine Erweiterung des Nahrungsangebotes gab es erst nach der Rückkehr von Christoph Kolumbus von der Entdeckung Amerikas. Die Verbreitung dieser Nahrungsmittel ist aber eine andre Geschichte.

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