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Prof. Dr. Wolfram Malte Fues schrieb uns am 02.08.2017
Thema: Bernd Nitzschke: Hat der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern heute noch eine Chance?
Moshe Zuckermann analysiert mit Marx und Freud die Geschichte eines Jahrhundertkonflikts – und sucht nach Wegen, die in die Zukunft weisen könnten

Sehr geehrter Herr Nitzschke

haben Sie grossen Dank für Ihre eingehende, kluge, informationsreiche und mutige Besprechung von Moshe Zuckermanns neuem Buch. Texte dieser Art werden (leider) immer notwendiger.

Mit freundlichen Grüssen

Wolfram Malte Fues
Prof. em. Dr. phil.

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Ron schrieb uns am 01.08.2017
Thema: Evi Zemanek: "Durch und durch poetologisch fokussierte Gedichte"
Katrin Jordan sucht Kohärenz und Kalkül in Goethes Sonetten

Goethe und Petrarca !

Sonett an die 19jährige Schönheit Minna Herzlieb

Mit Flammenschrift war innigst eingeschrieben
Petrarcas Brust vor allen andern Tagen
Karfreitag. Ebenso, ich darfs wohl sagen,
Ist mir Advent von Achtzehnhundertsieben.
Ich fing nicht an, ich fuhr nur fort zu lieben
Sie, die ich früh im Herzen schon getragen,
Dann wieder weislich aus dem Sinn geschlagen,
Der ich nun wieder bin ans Herz getrieben.
Petrarcas Liebe, die unendlich hohe,
War leider unbelohnt und gar zu traurig,
Ein Herzensweh, ein ewiger Karfreitag.
Doch stets erscheine, fort und fort, die frohe
Süß, unter Palmenjubel, wonneschaurig,
Der Herrin Ankunft mir, ein
ewiger Maitag.

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Redaktion literaturkritik.de schrieb uns am 30.07.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Simone Loleit: Durch Tiefenbohrungen zu den Ursprüngen
Ludger Honnefelder über zukunftsweisende Problemstellungen der mittelalterlichen Philosophie

Simone Loleit hat die Ausgaben inzwischen verglichen und Ihrer Rezension am Ende Informationen hinzugefügt, die die Vermutungen von Hans-Herbert Räkel mit einem Dank an ihn bestätigen.

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Stefan Diebitz schrieb uns am 29.07.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Simone Loleit: Durch Tiefenbohrungen zu den Ursprüngen
Ludger Honnefelder über zukunftsweisende Problemstellungen der mittelalterlichen Philosophie

Sehr geehrter Herr Räkel,
„ich habe das ‚neue‘ Buch nicht in der Hand gehabt,“, schreiben Sie zu Beginn Ihres Leserbriefes und fahren dann fort: „aber es sieht dem von 2008 aus der inzwischen verkauften Berlin University Press zum Verwechseln ähnlich.“ Finden Sie nicht selbst, daß ein derartiger Eindruck erst einmal überprüft werden sollte, bevor man sich öffentlich äußert? Sie möchten „doch wissen, worin sich die "1. Auflage 2017" nun von der allerersten von 2008 unterscheidet“: ein Gang zur nächsten Bibliothek, und schon könnten Sie sich selbst wie auch uns diese Frage beantworten. Immerhin könnte es ja sein, daß es wider Erwarten doch nicht dasselbe Buch
ist. Denn auch das, das einander „zum Verwechseln ähnlich“ sieht, kann ja verschiedenes sein, zumal dann, wenn man das Vergleichsobjekt nicht einmal in der Hand hatte.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Diebitz

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Hans-Herbert Räkel schrieb uns am 26.07.2017
Thema: Simone Loleit: Durch Tiefenbohrungen zu den Ursprüngen
Ludger Honnefelder über zukunftsweisende Problemstellungen der mittelalterlichen Philosophie

... ein Fall von wiederholter Buchstapelei – wenn ich mir diesen Neologismus erlauben darf?! Ich habe das “neue” Buch nicht in der Hand gehabt, aber es sieht dem von 2008 aus der inzwischen verkauften Berlin University Press zum Verwechseln ähnlich. Ich hatte es seinerzeit in der SZ vom 30.01.2009 rezensiert. Mein Untertitel, den die SZ-Redaktion vorsichtig gegen den dann gedruckten ausgetauscht hat, lautete: “Bücher machen oder Bücher schreiben? Auch in der Philosophie geht das eine nicht ohne das andere!” Das neue Buch straft diesen Satz zum zweitenmal Lügen ... Man möchte doch wissen, worin sich die "1. Auflage 2017" nun von der allerersten von 2008 unterscheidet (nicht jedenfalls im Titel, und die “Tiefenbohrungen” waren auch schon da), zumal das alte Buch noch leicht zu haben ist? Gründliche und hochkarätige Fachrezensionen gab es vorher in der FAZ vom 28.11.2008 von Ernst-Wolfgang Böckenförde, etwas später von Harald Kratochvila (2010) und erschöpfend von Klaus Grubmüller (2011). Ich hatte mir dagegen damals die unangenehme Aufgabe gestellt, zu sagen dass Honnefelders Buch ein Marketingprodukt ist, ohne damit die wissenschaftliche Qualität dieses Autors zu beschädigen – und hoffe, dass mir das gelungen ist. (Nachzulesen ist die Rezension jetzt im "Offenen Rezensionsforum" von literaturkritik.de.)

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Matthias Knauer schrieb uns am 25.07.2017
Thema: Alexander Dorian Olier: Literarische Außenseiter
In seinem Debütroman „Hool“ erforscht Philipp Winkler die Hannoveraner Hooligan-Szene

Hallo Herr Olier,

erstmal meinen herzlichen Dank für den Mut, den Winkler'scher Roman Hoolzu besprechen. Das Schöne daran ist ja immer, dass Meinungen zu anderen Meinungen führen kann. Gerade ihr Fazit, dass es sich bei Hool um eine "Milieustudie" handelt, kann ich so nicht unterschreiben. Sicher, wir tauchen als Leserinnen und Leser in das Leben eine Hooligans ein. Aber mit dem Blick über den Tellerrand des Buches hinaus, sollte schnell aufgefallen sein, dass es DEN Hooligan nicht gibt. Dazu liefert der Roman auch zahlreiche Hinweise. Was in meinen Augen zentral in diesem Roman steht, ist die Tatsache, dass der Hooliganismus, der Wille, gerade zu die Sucht nach Gewalt, so elementar ist für den Protagonisten. Die Verteidung
der eigenen Stadt, der 'Ehre', wenn man so will, ich ja im Grunde die einzige Konstante in einem Leben voll Scheitern und Stillstand.
Einschlägige Literatur, wie beispielsweise Bill Burfords Geil auf Gewalt. Unter Hooligans, hat gezeigt, dass es sich bei Hooliganismus nicht zwingend um ein Phänomen handelt, dem Gescheiterte und Kaputte erliegen. Spannender wäre in meinen Augen, was den Protagonisten trotz der Einschläge, die sich ihm nähren (die schwere Verletzung eines Freundes, der Ausstieg eines anderen), an diesem Hooligan-Ding festhält.
Auch sprachlich kann ich nur bedingt schlecht finden, dass es umgangssprachliche Elemente gibt. Das angeführte Beispiel ist einem Dialog entnommen, wobei gerade dort Winkler Stärke zeigt, indem er diese Dialoge lokal gefärbt und lebensnah gestaltet.
Nichtsdestotrotz, habe ich den Artikel mit Freude gelesen, weil ich lange darauf gewartet habe, dass es endlich eine Rezension auf literaturkritik.de dazu gibt.
Mit freundlichem Gruß
M. Knauer

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Dr.Peter Fisch schrieb uns am 18.07.2017
Thema: Regina Roßbach: Subtil anstößig
Zu Jane Austens 200. Todestag packt Denis Scheck die Wut und erscheinen zwei neue Übersetzungen ihrer Romane

Sehr geehrte Frau Roßbach,
besten Dank für Ihre sehr informative Rezension. Ich stimme Ihnen auch in der
Hinsicht zu, dass Herr Scheck glaubt wohl,Urteile fällen zu können,denen nur mit Freude zuzustimmen ist. Interessant ist u.a. seine Meinung über Anna Seghers Roman "Das siebte Kreuz" (kürzlich geäußert in der "Welt"). Für diesen
selbsternannten Literaturpapst zählt Seghers` Roman keineswegs zur Weltliteratur, sei sprachlich arm und langweilig obendrein.

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Hubert Rehm schrieb uns am 17.07.2017
Thema: Sarah Nagel/ Jan-Luka Klindworth: Ein Treppenhaus als wissenschaftlicher Beweis?
Wie Michel Cymes versucht, die Gräueltaten der KZ-Ärzte zu erklären

Sehr geehrte Frau Nagel und Herr Klindworth,
endlich mal eine Kritik, die das Werk von Cymes nicht nur bejubelt! Leider ist auch Ihnen entgangen, daß "Hippokrates in der Hölle" von Sachfehlern nur so strotzt. Das gilt insbesondere für die Kapitel über Rascher. Ich habe darauf in einer eigenen Kritik im Laborjournal vom 28.04.2016  schon aufmerksam gemacht.

Mit freundlichem Gruß
Hubert Rehm

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Frank Goertz schrieb uns am 01.07.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Fabienne Quennet: Von dem, der die Mägen traf
Dem amerikanischen Schriftsteller Upton Sinclair zum 125. Geburtstag

Hallo,
die "Lanny Budd Reihe" wird selbst bei Wikipedia nicht korrekt angegeben, ich besitze alle 11 Bände und habe sie gelesen:
Hier die Reihenfolge:
1. Weltende
2. Zwischen zwei Welten
3. Drachenzähne
4. Weit ist das Tor
5. Agent des Präsidenten
6. Teufelsernte
7. Schicksal im Osten
8. Im Auftrag des Präsidenten
9. Die elfte Stunde
10. Oh Schäfer sprich
11. Lanny Budd kehrt zurück

Anzumerken ist noch, das insbesondere der erste Band auch im Scherz Verlag gekürzt erschienen ist, ich hoffe ich konnte Ihnen helfen?!
Mit freundlichen Grüßen,
Frank Goertz

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Nishalie schrieb uns am 29.06.2017
Thema: Erhard Jöst: Resolutheit und Verklemmung, Verlangen und Versagensangst
Bernhard Schlink erzählt „Sommerlügen“

In der "letzte Sommer" trifft das beschriebene Frauenbild Schlinks definitiv nicht zu, bzw. dass seine Liebesgeschichten nie gut ausgingen. Denn hier beschreibt er seine Frau als „rein“. Er schreibt ihr einen herzerweichenden Liebesbrief, er gibt ihr die Entscheidung über sein Leben in die Hand. Ich denke mehr Liebe geht nicht.

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Hans T. Siepe schrieb uns am 27.06.2017
Thema: Stefan Cernohuby: Skurrile Reisen entscheiden über die Zukunft der Erde
Stefano Benni hält der Welt einen immer noch aktuellen Spiegel vor

Wenn man schon einen Roman rezensiert, der bereits vor 32 Jahren erstmals in deutscher Übersetzung erschienen ist (Piper 1985), dann 5 Jahre später erneut aufgelegt wurde (Piper 1990, Taschenbuch), dann bei Wagenbach erstmals 2002 erschien und jetzt 2017 im gleichen Verlag erneut aufgelegt wird, kann man erwarten: dass 1. darauf hingewiesen wird (und nicht das Buch wie eine Neuerscheinung vorgestellt wird); dass 2. auch die Benni-Rezeption in den deutschsprachigen Ländern, in der Literaturkritik und der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit diesem Roman wenigstens ansatzweise gespiegelt wird.
So aber hat diese Literaturkritik, bei der schon der einleitende Abschnitt belanglos ist, etwas von subjektiver Beliebigkeit - man greife sich mal ein Buch ohne
Beachtung der Hintergründe - und bleibt jenseits einer kritischen Auseinandersetzung ("kein einfach zu lesendes Buch", "macht jede Menge Spaß", "benötigt viel Aufmerksamkeit vom Leser", "vermag es jedenfalls noch heute, Leser zu beschäftigen") - was soll's?

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Norbert Schnitzler schrieb uns am 27.06.2017
Thema: Rolf Löchel: Ein Gefüge praktischer Ethik und zu erkämpfender Rechte
Andi Zeisler verteidigt den „echten Feminismus“ gegen den „Marktfeminismus“

Sehr geehrter Herr Löchel,

Ihre kenntnisreiche Kritik endet mit:
Wie wäre es, wenn alle, die von Prostitution betroffen sind, über sie mitreden würden und sollten? Das wären nämlich überhaupt ausnahmslos alle, die in einer Gesellschaft leben, in der es Prostitution gibt. Zudem können auch Menschen, die von einem bestimmten Thema nicht betroffen sind, durchaus kluge und hilfreiche Dinge zu ihm beitragen.

Was meinen Sie mit "in der es Prostitution gibt"? Die gibt es bekanntlich fast überall, ob sie nun erlaubt oder verboten ist. Wenn es sie eventuell in Klöstern nicht gibt, ist das dann eine nicht betroffene Gesellschaft, oder muss man den Gesellschaftsbegriff dann auf die Gesellschaft,
in der es Klöster gibt, ausdehnen?

Oder mit einem anderen Zugang: Wäre man in einer Gesellschaft, in der es keine Prostitution gäbe, nicht auch davon betroffen, dass es keine gibt, so wie man in einer Gesellschaft, in der es keine Buchrezensionen gäbe, diese auch vermissen würde?

Mit freundlichen Grüßen
Norbert Schnitzler

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Chris schrieb uns am 15.06.2017
Thema: Hermann Bohlen: Ein ganz Gefährlicher
Das Whizzkid Uwe Nettelbeck ist tot, aber seine "Republik" lebt

Offensichtlich öffentlich unbemerkt ist Uwe Nettelbeck nun seine Frau Petra gefolgt:

http://faust-news.blogspot.dk/2017/05/petra-nettelbeck-rip.html

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Ulrich Klappstein schrieb uns am 06.06.2017
Thema: Johannes Groschupf: Ein Plädoyer für die fließende Schrift
In „Wer nicht schreibt, bleibt dumm“ erörtern Maria-Anna Schulze Brüning und Stephan Clauss nachdrücklich den Wert der Handschrift

Als ehemaliger (Deutsch-)Lehrer muss ich rückblickend sagen, dass auch ich oft beschämt war von den Schreibleistungen der im Buch angesprochenen "schreibrückbildungsresistenten" Gruppe von vorwiegend guten bis sehr guten Schülern und Schülerinnen! Auch in der Lehrerausbildung an den Seminaren und Universitäten wird nicht (mehr?)auf ein pädagogisch vorbildliches Schreiben der zukünftigen Lehrer/innen geachtet. Wozu auch, könnte man ironisch hinzufügen:
Ist doch - neben Smarphone und Computertastaturgebrauch - eine zunehmende Ausstattung der Klassen- und Fachräume mit sog. "elektronischen" Wandtafeln gewünscht. Leider verleitet das aus technischen Gründen nur sehr "verpixelt" erscheinende
Schriftbild dann zur "Krakelei" und läßt keine Schönschrift mehr zu.
Schreiben ist Bestandteil fast aller Schulfächer, warum nicht dieser Kulturtechnik mehr Zeitanteile zubilligen? Und zwar im "normalen" Unterricht, nicht nur in Kursen mit Schülern/Schülerinnen, die als "besonders begabt"eingestuft werden.

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Karin Schaack schrieb uns am 05.06.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Walter Delabar: Untergangsgeschichten
Hans-Jürgen Schmelzer schreibt mit „Meines Vaters Felder. Biografie einer Landwirtsfamilie“ seine Familiengeschichte

Ich habe das Buch mit Interesse aus folgendem Grund gelesen :meine Mutter war in den zwanziger Jahren Hauslehrerin in Tucheband bei Norbert Schmelzer. Vieles hat sie haargenau so geschildert wie Hans Jürgen Schmelzer. Frau Käthe Schmelzer konnte sie zur damaligen Zeit jedoch als junges Mädchen noch nicht so beurteilen, jedoch zum Beispiel Baron von der Goltz. Ich kenne sehr viele Namen und Ereignisse aus ihren Erzählungen.
Karin Schaack,
Eichenstrasse2
12435. Berlin,
The 0305324244

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Dr. Klaus H. Lauterbach schrieb uns am 01.06.2017
Thema: Redaktion literaturkritik.de: Über die von Stefan Abel und Nicole Eichenberger besorgte Edition von Jos von Pfullendorf „Das Buch mit den farbigen Tuchblättern der Beatrix von Inzigkofen“

Liebe Redaktion
              ich benutze das Leserbriefformular nur, um Sie auf eine
weitere und ausführliche Rezension der Edition des "Buches mit den farbigen Tuchblättern" hinzuweisen, nämlich in der 'Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins'(ZFG), 162, 2014, S. 529-535.
Ich weiß, es hat ein Geschmäckle, wenn sich der Autor selbst annonciert,
aber ..., lesen Sie selbst.

              Mit freundlichen Grüßen />                            Klaus H. Lauterbach

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Christian Milz schrieb uns am 25.05.2017
Thema: Matthias Friedrich: Erkenne dich selbst!
In ihrem zweiten Roman „Fürsorge“ lässt Anke Stelling eine Cartesianerin und eine Phänomenologin gegeneinander antreten

Diese Rezension rückt den Roman erstaunlicher- wie unverständlicherweise in die Nähe eines Intellektualismus (Cartesianerin, Phänomenologin) der ihm absolut fremd ist. Die Autorin hält es viel mehr entschieden, wie Matthias Friedrich ja auch richtig festhält, mit Körperteilen und Körperfunktionen. Aber nicht, weil es ihr um die Reflexion des Verhältnisses von Sprache und Körper geht (wie man das in solchen Fällen gerne hindreht, wenn man heiße Luft zu irgend etwas verdichten will) , sondern um Feuchtgebiete einer tabuisierten Konstellation auszukosten. Um zu reflektieren, fehlt dem Text jeglicher Zugang zum Seelischen ... weibliche Inzestphantasien einmal ausgenommen, die sich in diesem Fall und kongruent zur Story perfekt mit denen pubertierender Jünglinge decken.

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Karin Schwippert schrieb uns am 23.05.2017
Thema: Wieland Schwanebeck: Armes England
Graham Swift zelebriert einen trostlosen „Festtag“

Sehr geehrter Herr Schwanebeck,
alles nur Downton Abbey??? Mitnichten. Selbst wenn die klassische Kombi ´Dienstmädchen - junger Herr´ hier bemüht wird, geht es doch nur am Rande um Klassenunterschiede. Sondern eher um einen erwachenden/wachen Geist, der (hier besser:die) genauestens beobachtet, einschätzt und einordnet - und (wie ein/e Autor/in) dabei Optionen für Motive, Handlungen und ihrer Konsequenzen etc. durchspielt. Eine faszinierende Novelle (kein Roman, in diesem Punkt gebe ich Ihne  recht).
Herzliche Grüße
K.S.

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Udo Houben schrieb uns am 12.05.2017
Thema: Sabine Haupt: Die Achsen der Poesie
Gerhard Meisters Gedichte verweigern den „hohen Ton“

Hallo, liebe Frau Haupt,
mit leisem Spott und doch Humor haben Sie die skurilen Texte von Gerhard Meisters gelesen und mir vorgestellt. Eigentlich
wissen Sie ja auch nicht, welche poetische Kriterien es gibt.
Mit den Nichtkriterien schreiben Sie eine surrealen Text, ergo einen Nichttext. "Ich sehe, was du nicht siehst!" Geschreddet ist das Wortgstöhn und es leuchtet als Mondlicht im Dichterschatten. Die Sonne verzichtet auf seinen Schatten und geht ohne ihn unter. Deshalb müssen Sie nicht traurig sein und "Gottverdammt!" fluchen. "Überhaupt wandelt das Wortlose in eimen guten Gedicht umher" (Klopstock).
Es fliegt, ist astrologisch und neurologisch - Sie finden es,
ganz bestimmt!
Viele nette
Grüße,
Udo Houben, Krefeld

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Hans Zimmermann schrieb uns am 26.04.2017
Thema: Michael Pilz: Eine erdichtete Biographie?
Martin A. Klaus legt eine in vielerlei Hinsicht fragwürdige Lebensbeschreibung des Schriftstellers Ludwig Thoma vor

Ein wirklich ärgerliches Buch, dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Eine kleine Anmerkung vielleicht: Das Eiserne Kreuz "prangt" in der Tat niemals, auch nicht während seiner nationalistisch angepaßten Zeit 1914-1918, auf der Titelseite des Simplicissimus (wie Klaus S. 184 behauptet). Aber auch in den "Kriegsflugblättern des Simplicissimus" erscheint es tatsächlich nur ein einziges Mal im Titel (Nr. 2 vom 12.8.1914 datiert). Im Übrigen: danke für die notwendige Rezension! HZ

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Karsten von Harling schrieb uns am 26.04.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Lutz Hagestedt: Unmoralisch
Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen" im Taschenbuch

Lieber Cornelius Gladewitz,
15 Jahre nach Ihnen las ich das ergreifende Buch, die 'Rezension' von Herrn Hagstedt, mit der ich, wie Sie, nichts anfangen konnte, und dann Ihre wunderbare Einschätzung, die genau meine Empfindungen trifft, für die ich Ihnen danke.
Die folgenden fast zwei Jahrzehnte nach Erscheinen des genialen Buches ELEMENTARTEILCHEN haben doch auf düstere, erschreckende Weise die Thesen Houellebecqs bestätigt, welch gigantische Probleme die Menschheit mit sich selbst zunehmend hat.
Der Idee des Romans, der Notwendigkeit einer genetischen Klonung einer kompetenten menschlichen Spezies vor vollständiger Zerstörung allen Lebens auf unserem Planeten, gegenüber, wirkt der 'Glaube an das Gute' im heutigen Menschen nur noch
notorischen Optimisten mit grossen Scheuklappen als hilfreich.
Doch: wo sind die 'Aufrührer' in unserer menschlichen Realität, die in der Lage sind, uns vom Abgrund zurückzuführen?
So verbleibt uns im Moment nur, jeder mit seinem 'Code', in seinem Leben 'das Beste' ( so wir das Glück haben, es für uns zu erahnen ) anzustreben.

Nochmals Dank für Ihre Gedanken.

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Alban Nikolai Herbst schrieb uns am 18.04.2017
Thema: Norbert Mecklenburg: Aberglaube und Apokalyptik als Kunstgewerbe
Feridun Zaimoglu ist mit seinem Luther-Roman „Evangelio“ gescheitert

Ohne das Buch gelesen, also Zitate und Argumentation mit eigenen Eindrücken überprüft zu haben: Meine Hochachtung für diesen kampfbereiten und kämpferischen Text - in dem es eben um mehr, weitaus mehr geht als um die Besprechung eines Romans. Darum darf ich dies schreiben.
ANH

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Michelle Hacker schrieb uns am 18.04.2017
Thema: Kristina Habermann: Ein Zwillingsgelübde bis über alle Grenzen
Dirk Kurbjuweits Novelle "Zweier ohne"

Sehr geehrte Kristina Habermann

Ich habe kürzlich ihren Artikel zur Novelle “Zweier ohne“ von Dirk Kurbjuweit gelesen und kann Ihnen leider nicht zustimmen.
Ich gehe zur Zeit in die zehnte Klasse einer Gesamtschule, und habe das Buch vor Kurzem im Unterricht gelesen.

Zuerst war ich dem Buch nicht abgeneigt, der Klappentext klang interressant, und ich lese insgesamt sehr gerne Geschichten über Freundschaften. Doch leider muss ich sagen, dass das Buch mir überhaupt nicht gefallen hat.

Vielleicht kommt es Erwachsenen so vor, dass die Hauptprotagonisten Jugendsprache verwenden und auch Gedanken haben, die jeder Jugendliche wohl haben könnte, doch ich selbst als Jugendliche kann sagen, dass dem nun wirklich
nicht so ist. Johanns Gedanken kann man zum Teil noch nachvollziehen, und Veras Handlungen auch, aber Ludwig wird dargestellt, als wäre er schon fast psychisch krank. Natürlich machen Jugendliche Mutproben, vielleicht fahren manche auch mit dem Fahrrad über die Autobahn dafür, aber sich neben eine Leiche zu setzen, und auch noch Witze über sie zu machen während man sich ein Leben für sie ausdenkt, das erscheint mir und vielen Anderen aus meiner Klasse einfach nur krank. Auch die Charaktere und Gedanken der Protagonisten werden nicht verständlich dargestellt, niemals habe ich bisher ein Buch gelesen, in welchem ich mich so wenig in die Gedanken und Handlungen der Hauptprotagonisten reinversetzen konnte, die zum Teil einfach nur unüberlegt und absolut unlogisch erscheinen. Die Handlung an sich ist durcheinander, immer wenn grade wieder etwas Ruhe ins Geschehen einkehrt, passiert plötzlich etwas Neues, was aber kaum zum restlichen Zusammenhang passt.

Ich muss also sagen, dass mir diese Novelle wirklich nicht gefällt, und ich sie auch Niemandem zum lesen weiterempfehlen würde. Ich kann ihre Meinung zu diesem angeblichen Meisterwerk in keinster Weise teilen, allerdings ist das vielleicht auch Ansichtssache. Doch auch wenn ich kein nicht gerne Dramen lese, muss ich sagen, dass ich das Drama “Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller sehr viel lieber gelesen habe, auch, wenn mir das Lesen nicht sehr leicht von der Hand gegangen ist. Dort sind die Handlungen wenigstens noch nachvollziehbar.

Danke, dass sie sich die Zeit genommen haben, meinen Text bis zum Ende hin durchzulesen.

Mit freundlichen Gruß
Michelle Hacker

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Jan Süselbeck schrieb uns am 28.02.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Jan Süselbeck: Chinoiserien und Sarotti-Mohren
Fanny Esterházys „Bildbiographie“ Arno Schmidts erinnert an die Virulenz deutscher Kolonialphantasien für dessen Leben und Werk

Lieber Friedhelm,

vielen Dank für die Erinnerung! In dem Band steht schließlich auch ein Beitrag von mir selbst drin (und zwar über Theweleits hier diskutiertes Buch)!

Da meine Bibliothek bis auf Weiteres in Deutschland eingelagert bleibt, habe ich diese Kyora/Schwagmeier-Publikation allerdings hier in Kanada gerade nicht mehr greifbar. Dazu müsste ich die Fernleihe der Taylor Family Digital Library bemühen. Ein Beitrag im Bargfelder Boten müsste die bisherige Forschungsgeschichte selbstverständlich vollständig berücksichtigen.

Herzlich,
Jan

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Friedhelm Rathjen schrieb uns am 28.02.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Jan Süselbeck: Chinoiserien und Sarotti-Mohren
Fanny Esterházys „Bildbiographie“ Arno Schmidts erinnert an die Virulenz deutscher Kolonialphantasien für dessen Leben und Werk

Mit dem Thema befaßt haben sich unter anderem mehrere Beiträger des Bandes "Pocahontas revisited: Kulturwissenschaftliche Ansichten eines Motivkomplexes", den Sabine Kyora und Uwe Schwagmeier 2005 bei Aisthesis herausgegeben haben. Hier wäre namentlich auf Axel Dunkers Beiträg über "Kolonialismus und Geschlecht in Arno Schmidts Erzählung 'Seelandschaft mit Pocahontas'" hinzuweisen.

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Jan Süselbeck schrieb uns am 28.02.2017 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Jan Süselbeck: Chinoiserien und Sarotti-Mohren
Fanny Esterházys „Bildbiographie“ Arno Schmidts erinnert an die Virulenz deutscher Kolonialphantasien für dessen Leben und Werk

Lieber Friedhelm,

herzlichen Dank für die ehrenvolle Einladung, einmal wieder einen Aufsatz im Bargfelder Boten zu veröffentlichen. Vorerst möchte ich Deine Kritik gerne größtenteils unkommentiert so stehen lassen, weil ich glaube, dass man meinen Beitrag auch differenzierter lesen kann als Du es getan hast.

Nur soviel: Dass Albrecht und Theweleit meinen, Schmidt dekonstruiere in seinen Texten kolonialistisches Denken, ist mir durchaus bekannt. Ich habe beide Beispiele ja auch nur ganz neutral als solche für Publikationen genannt, die sich bisher überhaupt mit dem Thema beschäftigt haben. Dass Du insbesondere Albrechts Interpretation schon einmal in der KONKRET scharf kritisiert hast, ist nicht vergessen. Darauf
habe ich in dieser Zeitschrift bereits gebührend hingewiesen und meine Erwähnung oben abermals verlinkt.

Über eine Liste weiterer Beiträge, die sich kritischer mit dem Thema beschäftigt haben und die mir möglicherweise entgangen sind, würde ich mich freuen. Ein ausführlicherer und hoffentlich nicht nur mit "Nebelkerzen" hantierender Beitrag von mir zu Schmidts teils abstruser Selbstdarstellung nach 1945, den man im Kontext meines obigen Artikels und auch des soeben bei literaturkritik.de veröffentlichten Beitrags von Markus Joch über Gottfried Benn lesen kann, wird, wie Du als Weimarer Tagungsteilnehmer im Schmidt-Jubiläumsjahr 2014 ja weißt, bald in dem von Hans-Edwin Friedrich herausgegebenen Sammelband bei Wallstein erscheinen.

Herzlich,
Jan

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Friedhelm Rathjen schrieb uns am 28.02.2017
Thema: Jan Süselbeck: Chinoiserien und Sarotti-Mohren
Fanny Esterházys „Bildbiographie“ Arno Schmidts erinnert an die Virulenz deutscher Kolonialphantasien für dessen Leben und Werk

Lieber Jan,

es ist immer recht, aber auch ein bißchen billig, hurtig zusammengestoppelte Andeutungen in den Ring zu werfen und dann, wenn's konkreter werden müßte, mit dem Hinweis abzubrechen, die eigentliche Forschung hierzu bleibe "ein Desiderat". Ich möchte Dich, gern aber auch andere Interessenten einladen, diesem "Desiderat" abzuhelfen und etwas Fundiertes zum Thema zu schreiben. Als Plattform stelle ich gern den "Bargfelder Boten" zur Verfügung, das Zentralorgan jener Schmidt-Forschung, von der das wohlfeile Gerücht geht, sie interessiere sich für derlei Themen nicht.

Allerdings drucken wir nur Beiträge, die einigermaßen schlüssig argumentieren und Belege bringen, statt
nur mit Verdächtigungen zu hantieren und Nebelkerzen zu zünden. Ebenfalls ungern gesehen sind bei uns die Tendenzen zur Sippenhaftung, denen Du in Deinem Text anheimfällst, und das gleich doppelt. Einmal nimmst Du Arno Schmidt in Sippenhaftung für das, was sein Vater (den er bekanntlich tief verabscheute) vor und nach seiner Geburt an üblen Dingen trieb. Zum anderen nimmst Du die gesamte Schmidt-Szene in Sippenhaftung für die wenigen ihrer Mitglieder, die auf kritische Töne mit Abwehr reagieren. Wohl deshalb verschweigst Du am Ende Deines Textes, daß es innerhalb dieser Szene schon etliche Arbeiten zum Thema gegeben hat, und führst lieber Arbeiten von namhaften Außenstehenden (Monika Albrecht und Klaus Theweleit) an. Das Aberwitzige daran ist, daß gerade diese beiden in ihren einschlägigen Publikationen Positionen vertreten, die Deiner These, Schmidt sei von kolonialen Vorstellungen infiltriert, diametral widersprechen. Albrecht und Theweleit meinen vielmehr, in Schmidt jemand entdeckt zu haben, der solche Vorstellungen dekonstruiert. Daß dem leider nicht so ist und diese Argumentationen auf Fehlschlüssen und Mißverständnissen beruhen, ist hinlänglich herausgearbeitet worden, allerdings leider von Protagonisten jener Schmidt-Szene, die Dir zu "positivistisch ausgerichtet" ist.

Mir scheint es gerade bei einem so sensiblen Thema wie dem Umgang mit rassistischen und ähnlichen Stereotypen unangemessen, sich selbst von Ressentiments leiten zu lassen und die Forschung einzuteilen in diejenigen, die immer recht haben, egal was sie sagen, und die anderen, die lediglich als Fußabtreter der eigenen Überheblichkeit dienen und ansonsten keiner Aufmerksamkeit wert sind.

Aber die Einladung, etwas für den "Bargfelder Boten" (https://etk-muenchen.de/search/SeriesDetails.aspx?SeriesID=03428036) zu schreiben, steht!

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Barbara Mahlmann-Bauer schrieb uns am 28.02.2017
Thema: Thomas Anz: Luther, der Papst und andere Religionsgeschichten
Zur Februar-Ausgabe 2017 von literaturkritik.de – mit Anmerkungen zur jüngsten Germanistik-Schelte im „Spiegel“

Ich gehöre zu den Professoren, die, wie Doerry rügte, in den Medien (von einigen Ausnahmen abgesehen) nicht präsent sind, um zu grossen Fragen der Zeit Stellung zu nehmen.  An einer Apologie, wie gut wir doch unsere Lehre und Forschung machen, wie viel Anerkennung wir verdienen, wie fit die Studierenden sind, die wir in Scharen an die Schulen und Redaktionen entlassen, bin ich in meiner Antwort nicht interessiert.
Wäre Doerrys Germanistik-Schelte und die Reaktionen von Fachvertretern, die er ausgelöst hat, nicht ein willkommener Anlass, über die Perspektiven und Aufgaben des Fachs nachzudenken, in dem vor allem Deutsch-LehrerInnen ausgebildet werden?
Dies ist der wichtigste Auftrag an uns Literaturwissenschaftler und
Sprachwissenschaftler. Auch wenn Doerry feststellt, dass nur noch 61% der Absolventen im Fach Germanistik an deutschen Hochschulen in die Gymnasien streben, wird die Gesellschaft künftig auf Unterricht in deutscher Sprache und deutschsprachiger Kultur/Literatur nicht verzichten können, damit sich junge Leute auf dem Arbeitsmarkt bewerben und damit sie als Stimmbürger ihre Meinungen in die Kommunikations- und Mediengesellschaft effizient einbringen können.
Kenntnisse der Texte von Gryphius, Lessing, Schiller, Kleist, Gotthelf, Droste-Hülshoff, Heine, Thomas Mann, Robert Musil, Primo Levi, Imre Kertész oder Ruth Klüger sind identitätsbildend: Sie helfen Studierenden, sich mit ihrem Lebensstil und Wertebewusstsein in die europäische Kulturgeschichte einzuordnen und ihre Position zum auf Gegenwart fixierten Literaturbetrieb zu erarbeiten. Sie ermöglichen es ihnen, mit Angehörigen aussereuropäischer Kulturen, die ihre Heimat und Familien im Stich liessen, um Gewalt und Ausbeutung zu entgehen, verständnisvoll über ihre Verlusterfahrungen zu diskutieren und Freiheit, Gerechtigkeit und Autonomie als Werte eloquent zu verteidigen.
Ja: Verhandlungen über literarische Texte im Deutschunterricht bilden auch Brücken zu KlassenkameradInnen aus anderen Kulturen. Lektüren von Lessings Nathan der Weise, Cordelia Edvardsons Gebranntes Kind sucht das Feuer oder Ruth Klügers Weiterleben schärfen das Bewusstsein Traumatisierter, dass auch in der deutschen Vergangenheit Überlebende politischer und rassischer Verfolgung und Extermination ihre schmerzlichen Erinnerungen in Ego-Dokumenten zu bewältigen versuchten.
Seit 25 Jahren habe ich in Deutschland (Uni München, Uni Marburg) und in Bern mit Studierenden Erinnerungsbücher über den Holocaust gelesen. Ich beobachte, wie sensibel gegenwärtig 20-30jährige diese Texte literaturwissenschaftlich und mit zeitgeschichtlichem Wissen interpretieren. Knapp 60 Studierende besuchten meine Vorlesung im HS 2016 zu diesem Thema. Ihre Interpretationen von Paul Celans Gedichten, George Taboris Theater, von Erinnerungsberichten Primo Levis, Ruth Klügers, Cordelia Edvardsons, Imre Kertész, G.-A. Goldschmidts und Aharon Appelfeld, die sie mir in ihren Klausuren vorlegten, haben ein überdurchschnittliches Niveau, was das Ausdrucksvermögen, ethische Reflexion und die ästhetische Wertungskompetenz belangt. Den Studierenden ist besonders seit dem Tod der meisten Zeitzeugen bewusst, dass literarische Zeugnisse einzigartige Stützen im Kampf gegen historische Ignoranz und politische Selbstgerechtigkeit sind. Sie werden dies später im Deutschunterricht und an bildungspolitischen Schaltstellen an Jüngere weitergeben.
Da werden Secondos türkischer, albanischer, syrischer etc. Asylanten/Flüchtlinge im Klassenzimmer sitzen, die im Deutsch- und Geschichtsunterricht mit Deutschlands Vergangenheit konfrontiert werden und begreifen müssen, wieso Antisemitismus hierzulande ‚gar nicht geht’ und antisemitische Äußerungen strafrechtlich geahndet werden. Ihnen eröffnen Lehrer und Lehrerinnen den Zugang zu einer Vergangenheit, in der 12 Jahre lang Juden, Kommunisten, Sinti und Roma und andere Nicht-Angepasste diskriminiert, verfolgt und getötet wurden und viele Deutsche ins Exil gingen und über ihre Erfahrungen schrieben. Diese Rückblicke gibt jungen Leuten, die oder deren Eltern aus ihrer Heimat geflohen sind, Gelegenheit, ihre schmerzlichen Erfahrungen mit denen der von den Nationalsozialisten verjagten und ermordeten Menschen zu vergleichen. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie der Literaturunterricht, wenn er interkulturelle Lesekompetenzen vermittelt und den interreligiösen Dialog fördert, zur Durcharbeitung von Verlusterfahrungen in der ersten und zweiten Generation von Flüchtlingen und Asylanten beitragen könnte.

Wie werden DeutschlehrerInnen in naher Zukunft den Dialog zwischen den Kulturen, Werte- und Religionsgemeinschaften im Literaturunterricht entfachen und steuern? Auf die Deutsch-LehrerInnen der nächsten 10-20 Jahre kommen neue, spannende Aufgaben zu. Mit Sprachkursen allein ist den jugendlichen MigrantInnen und AsylantInnen hier nicht gedient. Sie bringen ihre Erinnerungen an ermordete Angehörige, an Gewalt und Unterdrückung mit in eine Gesellschaft, von deren Geschichte und Kultur sie wenig oder nichts wissen. Genau dieses Wissen könnte ihnen aber nachhaltig bei der Durcharbeitung ihrer Verlusterfahrungen helfen: die Kenntnis von Texten, in denen Opfer früherer Diskriminierung und Gewalt sich mit der Bitte um Aufklärung an die Nachgeborenen wenden.
Das Curriculum des Literaturunterrichts im Fach Deutsch muss erweitert werden, damit Gryphius im Dreissigjährigen Krieg, Lessing und sein jüdischer Freund Mendelssohn und Heinrich Heines Hebräische Melodien mit Werken vergleichbarer Koryphäen aus afrikanischen, orientalischen und fernöstlichen Kulturen den Schülern und Schülerinnen näher gebracht werden können. Hilfsreich wäre es beispielsweise, künftigen Deutschlehrern das Erlernen einer aussereuropäischen Kultursprache und Kenntnisse nicht-christlicher Religionskulturen zur Wahlpflicht zu machen.
Damit neue Generationen von Deutsch-Lehrern Jugendlichen aus nicht-europäischen Ländern und mit Migrationshintergrund Werke deutschsprachiger Literatur auf Augenhöhe zusammen mit ausgewählten Texten der aussereuropäischen Weltliteratur nahebringen können, sind auch Anpassungen im Studienprogramm der Germanistik-Abteilungen nötig. Der SNF, ÖWF und die DFG müssten die Initiative ergreifen, im Auftrag der beteiligten Kultusminister und Kulturverantwortlichen Dozierende der Germanistik mit ihren Kollegen aus Religionswissenschaften und Islamwissenschaften zusammenzubringen, mit dem Ziel, neue interkulturell ausgerichtete Studienprogramme und Curricula für die Ausbildung von Deutschlehrern zu entwerfen. Einmal von den großen Förderinstitutionen und Drittmittelgeber angestoßen, sollten Diskussionen über die Erweiterung der Studienprogramme in Germanistik-Instituten, an Pädagogischen Hochschulen und beispielsweise im Deutschen Philologenverband geführt werden. Nur wenn das Anforderungsprofil von Deutschlehrern erweitert wird, werden sich jugendliche Asylanten und Migranten für das Fach Germanistik entscheiden. Sonst droht das Studium von Lessing, Goethe und Schiller oder das Glasperlenspiel mit Literaturtheorien und –moden unser Fach zum Orchideenfach zusammen zu schnurren, weil (um bei Doerrys Beispielen zu bleiben:) der Komponist Schiller und der tote Dichter Goethe Jüngeren nichts mehr zu sagen haben.

Prof. Dr. Barbara Mahlmann-Bauer
Institut für Germanistik
Länggass-Str. 49
3000 Bern 9

28. Februar 2017

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Prof. Dr. Gerhard Wagner schrieb uns am 20.02.2017
Thema: Dirk Kaesler: Die Weberei, sie höret nimmermehr auf
Endlich in der Gesamtausgabe erschienen: Max Webers letzte Fassung der „Protestantischen Ethik“ und seine Texte als Hochschulpolitiker und Wissenschaftsorganisator, dazu ein Sammelband von Essays zu Max Weber von M. Rainer Lepsius

Diese Rezension enthält eine Fehldarstellung. Der Titelei zufolge wurde MWG-Band I/13 in Zusammenharbeit mit Heide-Marie Lauterer und Anne Munding herausgegeben. Der Rezensent betont die Leistung von Frau Lauterer, während er Frau Munding nur einmal erwähnt. Das entspricht ebensowenig den Tatsachen wie die paritätische Nennung beider in der Titelei. Nach Vorarbeiten von Frau Lauterer hat Frau Munding 2009 den Band übernommen. Ihrer Sachkenntnis und ihrem Engagement ist das nunmehr gedruckte Resultat im Wesentlichen zu verdanken. Das sollten die Leserinnen und Leser der Fairness halber wissen.

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