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Autoren : Müller, Herta

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Herta Müller, geb. am 17.8.1953 in Nitzkydorf/Rumänien. Ihre Familie gehörte zur deutschen Minderheit in Rumänien. Der Vater hatte im Zweiten Weltkrieg in der Waffen-SS gedient, die Mutter war wie viele Rumäniendeutsche 1945 in die Sowjetunion deportiert und fünf Jahre in einem Arbeitslager in der heutigen Ukraine interniert worden.

Als Studentin der Germanistik und Rumänistik an der Universität von Timisoara stand Müller Mitte der 1970er Jahre der Aktionsgruppe Banat nahe, einem Kreis junger deutschsprachiger Autoren, die in Opposition zur Diktatur Ceausescus für Meinungsfreiheit eintraten. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik, wurde jedoch entlassen, als sie nicht mit der Geheimpolizei zusammenarbeiten und Spitzeldienste leisten wollte.

Ihr Debüt Niederungen erschien in der Originalfassung 1984 in Berlin (West), nachdem die rumänische Ausgabe zwei Jahre zuvor stark zensiert worden war. Weil sie Kritik am Regime geäußert hatte, wurde Müller in Rumänien mit einem Publikationsverbot belegt. Sie war immer wieder Verhören, Hausdurchsuchungen und Bedrohungen durch die Securitate ausgesetzt. 1987 verließ die Schriftstellerin Rumänien, seitdem lebt und arbeitet sie in Berlin.

1989 veröffentliche Müller den Prosaband Reisende auf einem Bein. Ihr erster Roman, Der Fuchs war damals schon der Jäger, erschien 1992, zwei Jahre später folgte der Roman Herztier und 1997 Heute wär ich mir lieber nicht begegnet, die alle das Leben unter der Schreckensherrschaft Ceausescus schildern. 2000 veröffentlichte sie den Gedichtband Im Haarknoten wohnt eine Dame, 2005 folgte mit Die blassen Herren mit den Mokkatassen ein weiteres Buch mit Gedicht- und Bildcollagen. 2003 erschien der Essayband Der König verneigt sich und tötet. Ihr letzter Roman, Atemschaukel (2009), war für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Herta Müller erhielt Lehraufträge in England, Amerika, Schweiz und Deutschland und ist seit 1995 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2009 wurde sie als zwölfte Frau und dreizehnte Deutsche mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt, da sie – wie es in der Begründung heißt – “mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet”.

In langen Gesprächen mit Angelika Klammer, die in dem Buch "Mein Vaterland war ein Apfelkern" (2014) dokumentiert sind, erzählt Herta Müller über ihr Leben von der Kindheit bis zur Verleihung des Nobelpreises.

Angaben nach Carl Hanser Verlag, aktualisiert im November 2014

Artikel über Müller in literaturkritik.de:

Hunderttausende Wörter als ein Bollwerk gegen jede Zensur.
Herta Müllers Band „Mein Vaterland war ein Apfelkern“ dokumentiert ein Gespräch mit Angelika Klammer
Von Johann Holzner
Ausgabe 12-2014

Immer dasselbe, immer anders.
Herta Müller hat 2009 den Literaturnobelpreis erhalten. In ihren kleinen Schriften legt nun sie ihre Poetologie offen
Von Walter Delabar
Ausgabe 02-2012

Zwischen Hermetik und Dokumentation.
Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller hat nach ihrem Roman „Atemschaukel“ einen autobiografischen Essay über ihre Erfahrungen mit dem rumänischen Geheimdienst, eine Poetikvorlesung und eine Neuauflage des Prosabandes „Niederungen“ publiziert
Von Jörg Schuster
Ausgabe 03-2011

Mit Herta Müller durch die „Hölle der Lebenden“.
Zur Neuauflage des Romans „Reisende auf einem Bein“
Von Natalia Blum-Barth
Ausgabe 12-2010

Die Wörter, die Dinge, die Angst und die Diktatur.
Herta Müllers Poetik-Vorlesungen bezeugen gerade als gesprochenes Wort Vergangenwart und Gegenheit
Von Bernd Blaschke
Ausgabe 09-2010

Pessimismus, Skeptizismus und Virtuosität.
Ein Gespräch Herta Müllers mit Renata Schmidtkunz als Buch und CD
Von Rolf Löchel
Ausgabe 06-2010

Eisnägel im Regen.
Über Herta Müllers Roman „Atemschaukel“
Von Peter Mohr
Ausgabe 10-2009

Mitteleuropäisch schauen lernen.
Über Herta Müllers autobiografischen Erzählband "Der König verneigt sich und tötet"
Von Ute Eisinger
Ausgabe 11-2003

Der Schatten in den Dingen.
Herta Müller beschreibt den Verlust der Selbstverständlichkeit
Von Torsten Gellner
Ausgabe 09-2000




Aktualisiert am 2014-11-12 08:24:59
 
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