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Roger Paulin: August Wilhelm Schlegel. Biografie
Ludwig Harig - Sprachspieler und Erzähler des 20. Jahrhunderts
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Roger Paulin: August Wilhelm Schlegel. Biografie

Lesung und Gespräch mit dem Autor

Universitätsbibliothek Marburg (Ausstellungsraum des Neubaus) am 29.5.2018 um 18 Uhr

Mit Roger Paulins Biographie liegt erstmals eine umfassende Würdigung des Romantikers August Wilhelm Schlegel vor. Versiert und kurzweilig zeichnet der renommierte Romantik-Kenner Paulin das abwechslungsreiche Leben eines vielseitig talentierten Kosmopoliten der Kunst und Poesie nach: Schlegel war Dichter, Übersetzer aus zahlreichen Sprachen, Literaturkritiker und Wissenschaftler in einem im Umbruch zur Moderne begriffenen Europa. Von den Niederlanden über England, Frankreich, Italien bis Russland und Schweden reichen die Stationen von Schlegels Leben. Paulins Biographie eröffnet faszinierende Einblicke in Leben und Werk eines Universalpoeten und bietet zugleich ein Panorama der Epoche zwischen Französischer Revolution und Vormärz.

Prof. Roger Paulin war nach Stationen u.a. in Heidelberg, Birmingham, Bristol und Manchester von 1989 bis 2005 Schröder Professor in German an der University of Cambridge und ist Fellow des Trinity College. Er ist u.a. Träger des Preises der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie des Bundesverdienstkreuzes. Neben vielen Studien u.a. zu Goethezeit und Romantik hat er zahlreiche Monographien vorgelegt, so zu Ludwig Tieck und zur deutschsprachigen Shakespeare-Rezeption vor 1914. Die Schlegel-Monographie erschien 2016 in englischer Sprache und 2017 in deutscher Übersetzung.

Begleitend zur Ausstellung „Aufbruch ins romantische Universum: August Wilhelm Schlegel“ finden am 29.5.2018 um 18.00 Uhr im Ausstellungsraum des Neubaus der Universitätsbibliothek Marburg Lesung und Gespräch mit Roger Paulin statt. Die Studierenden Bianca Müller und Josua Lenz lesen Auszüge aus der Biographie, der Autor steht für ein Gespräch zur Verfügung. Es schließt sich ein kleiner Umtrunk an.

Einführung und Moderation:
Prof. Dr. Jochen Strobel (Institut für Neuere deutsche Literatur, FB 09)

Verantwortlich: Claudia Bamberg, 17.05.2018

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Ludwig Harig - Sprachspieler und Erzähler des 20. Jahrhunderts

Zwei Filme von Karl Prümm und Herbert Stang

Vorführung in Marburg am 23. Mai 2018 um 18 Uhr im Kammerfilmkunsttheater (Palette) - in Anwesenheit der beiden Filmemacher - Eintritt frei!

Der 1927 in Sulzbach/Saar geborene Autor Ludwig Harig ist dort am 5. Mai 2018 nach langer  Krankheit gestorben. Die seit langem geplante Vorführung der beiden Filme, die seinem Werk gewidmet sind, ist somit unversehens zu einer  Gedenkveranstaltung geworden. Ludwig Harig zählt zu den herausragenden literarischen Vertretern seiner Generation, die so klangvolle Namen wie Günter Grass, Martin Walser, Siegfried Lenz und Hans Magnus Enzensberger aufzuweisen hat. Ludwig Harig ist mit Marburg in besonderer Weise verbunden. 1982 wurde er mit dem Marburger Literaturpreis ausgezeichnet. 2002 durchstreifte er das Marburger Land, um dort die Orte wieder zu finden, an denen Otto Ubbelohde in seinen berühmten Illustrationen die Grimmschen Märchen lokalisiert hatte. In einem kleinen Buch Da fielen auf einmal die Sterne vom Himmel  hat Harig im gleichen Jahr die Impressionen dieser „Märchenreise im Jugendstil“, die originalen Märchentexte und Ubbelohdes Bilder mit den eigenen Märchenreflexionen kunstvoll verwoben.

Der erste Film ist ein Porträt. Die Entwicklung des Autors wird nachgezeichnet – von den experimentellen Anfängen in den 1950er Jahren bis hin zu den autobiographischen Romanen nach 1984, mit denen Harig ein großes Publikum erreichte und die das vergangene Jahrhundert erzählerisch umfassen. Eindrücklich wird der Prozess des Schreibens dokumentiert. Harig führt seine spezifischen Schreibtechniken vor. Augenblickseinfälle, Fundstücke und Zitate collagiert er im Stil der klassischen Moderne zu einer neuen Einheit, zu einem durchrhythmisierten Sprachspiel. Der Form der Collage folgt auch der Film. Durch die Verwendung zahlreicher Ausschnitte aus Fernsehsendungen entsteht eine lebendige Chronik dieses ungewöhnlichen Autors.

Der zweite Film konzentriert sich ganz auf Weh dem, der aus der Reihe tanzt, auf den zweiten, 1990 erschienenen und gerade neu aufgelegten Roman seiner autobiografischen Trilogie, der ein einzigartiges Erinnerungsdokument darstellt. Schonungslos bekennt Harig, der Trommler bei der Hitlerjugend und Zögling einer NS-Eliteschule war,  ein gläubiger und fanatischer Nazi gewesen zu sein, selbst bis in die letzten Kriegstage hinein. Die Stationen der Verführung und der Selbstradikalisierung werden genau erzählt wie auch die Befreiung von der wahnhaften Ideologie - ein hochaktuelles Thema angesichts der immer lauter werdenden populistischen Forderungen, doch endlich Schluss zu machen mit dem „Schuldkult“ und eine „Wende in der Erinnerungspolitik“ zu vollziehen. Mit weitgehend unveröffentlichten Fotografien wird die Atmosphäre der kleinen Industriestadt Sulzbach in den 1930er Jahren eingefangen, die Familiengeschichte der Harigs rekonstruiert, der Zusammenhang von Erinnern und Erzählen beleuchtet.

Prof. Dr. Karl Prümm (Buch und Regie) war bis 2010 Prof. für Medienwissenschaft, an der Philipps-Universität, ist zugleich auch Literaturwissenschaftler und Historiker. Er ist der Begründer des Marburger Kamerapreises.

Herbert Stang (Kamera, Ton und Schnitt) wirkte 36 Jahre als Realschullehrer in Sulzbach. Er hat zahlreiche Videodokumentationen und Videofilme gedreht u.a. „Georg Büchner Lenz“.

Verantwortlich: Redaktion literaturkritik.de, 16.05.2018

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