Von der Poesie der Bilder

Der literarische Kalender 2009 erzählt nebenbei "Geschichten vom Kino"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Jedes Jahr hat man aufs Neue das Problem, einen Kalender zu erwerben, der einem das von Prokrastination geplagte Leben disziplinieren und erleichtern soll. Doch kaum in der Buchhandlung seines Vertrauens angekommen, steht man ratlos vor der schieren Flut an Jahres-, Wochen- und Tagesplanern, die seit Herbst die Regale belagern. Unzählige Themenkalender liegen neben nüchternen, schmucklosen Gebrauchsgegenständen und schließlich greift man als Geistesmensch zu einem Literaturkalender - man möchte schließlich auch etwas Vernünftiges nebenbei lesen, wenn man schon Ordnung in seinen Tag bringen muss.

Mit dem diesjährigen "Literarischen Kalender 2009" des S. Fischer Verlages hat man dann sogar noch ein besonders interessantes Stück erwischt. Jährlich wechseln die Themen, waren in den vergangenen Jahren der Wein oder die Poesie des Schreibens das jeweilige Motto, so steht der Kalender dieses Mal unter dem Schwerpunkt "Lichtspiele. Geschichten vom Kino". Und die Faszination des Kinos scheint nicht nur in den zahlreichen abgedruckten Fotos auf, die den Band illustrieren, sondern auch und gerade in den Texten, die jede Woche begleiten. So erzählen Filmemacher wie Ingmar Bergman, Martin Scorsese, Wim Wenders oder Alfred Hitchcock von magischen Momenten und kühnen Ideen bei ihrer Arbeit, Schriftsteller wie Alfred Döblin, Peter Handke, Franz Kafka, Thomas Mann, Virginia Woolf oder Robert Walser vom Zauber der Bilder in den Lichtspielhäusern. Auch Lyrik fehlt nicht, Robert Gernhardts "Ode an James Dean" findet sich ebenso wie Thomas Braschs "Buster Keaton"-Gedicht oder Alfred Kerrs "Sieg des Lichtspiels". Nur bei ganz wenigen Texten hat man den Eindruck, dass der Verlag einfach eine günstige Zweitverwertung der eigenen Texte betreiben wollte, so bleibt unklar, was etwa Julia Francks zweiter "Streuselschnecke"-Ausschnitt mit dem Film zu tun hat.

Immer wieder unterliegt man aber selbst der Faszination des Films, liest mit Begeisterung die Texte und verliert dabei den rechts daneben mahnenden Kalender - der übrigens ausreichend Platz für Termine und Notizen bietet - auch schon mal aus den Augen. Ob der "Literarische Kalender 2009" dann doch so ein gutes Mittel gegen prokrastinöse Züge ist, kann da schon mal bezweifelt werden.


Titelbild

Literarischer Kalender 2009. Lichtspiele. Geschichten vom Kino.
S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2008.
144 Seiten, 10,00 EUR.
ISBN-13: 9783109909023

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