Das Wesen der Technik

Alfred Nordmann liefert mit "Technikphilosophie zur Einführung" einen wichtigen Beitrag zur ethisch-politischen Reflexion einer Debatte

Von Pia-Johanna Schweizer

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Wir sind von Technik umgeben: Vom morgendlichen Klang des Weckers über die stundenlange Arbeit am PC bis hin zur Nachtlektüre bei elektrischem Licht begleitet uns Technik durch den Alltag. Kein Wunder also, dass Technik nicht nur die Reflexion der Ingenieurwissenschaften, sondern auch der Sozial- und Geisteswissenschaften angestoßen hat. Die Frage nach dem adäquaten gesellschaftlichen Umgang mit Technik ruft vor allem Techniksoziologen, aber eben auch Technikphilosophen auf den Plan. So auch Alfred Nordmann, der sich der hehren Aufgabe gestellt hat, eine Einführung in das Themengebiet der Technikphilosophie zu geben. Damit hat er sich kein leichtes Ziel gesetzt, schließen sich doch Technik und Philosophie zumindest im Alltagsverständnis weitgehend aus. Alfred Nordmann ist sich dieser Problematik wohl bewusst. So konstatiert er im Einführungskapitel, dass die Technik nicht zu den Kerngebieten des philosophischen Diskurses zählt, vielmehr ziehen sich technikphilosophische Betrachtungen quasi als Randnotizen durch die Geschichte philosophischen Argumentierens.

Nordmann macht aus dieser Not eine Tugend, indem er dem Mangel an Tradition der Technikphilosophie "Geschichten" gegenüberstellt, die von der philosophischen Problematisierung der Technik zeugen. So gesellt sich "Der Berliner Schlüssel" zur "Krebsmaus" und "Der 'Bracht'" zur "Kamera". Auf den ersten Blick verwirrt diese anekdotische Hinführung zum Thema, wo der Leser doch ein 'Who is Who' der Technikphilosophie oder zumindest einen historischen Abriss des Themas erwartet hätte. Auf den zweiten Blick wird zumindest Nordmanns Intention deutlich: der Aufbau des Buches folgt den "Fragen nach dem Wesen der Technik, nach Technik als Lebensform, nach Technisierungsprozessen und schließlich nach technischer Rationalität". Diesen Fragen geht Nordmann nach, indem er die Argumentationslinien bekannter und zum Teil weniger bekannter Philosophen anreißt. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Nordmann zuletzt ebenso das Desiderat einer ethisch-politischen Reflexion von Technik anspricht. Damit gelingt es Alfred Nordmann, interessante und durchaus relevante Fragen der Technikphilosophie aufzuwerfen.

Was der Leser einer Einführung in die Technikphilosophie aber vergeblich sucht, sind Antworten auf eben diese Fragen. Vielmehr stellt Nordmann Versatzstücke philosophischer Debatten nebeneinander, ohne dabei eine eigene Einschätzung zu erkennen zu geben. Hier wäre eine kritische Reflexion und Stellungnahme - in für ein Einführungswerk gebotener Kürze - wünschenswert gewesen. So fragt es sich zudem nach der "Praxistauglichkeit" dieses Einführungswerkes. Beim interessierten Laien und fachfremden Wissenschaftler wird Alfred Nordmanns "Technikphilosophie zur Einführung" wohl mehr Fragen aufwerfen als beantworten. Einen wichtigen Beitrag zur technikphilosophischen Debatte leistet Nordmann jedoch allzumal - und seine Einführung sei somit allen Interessierten dieses Themengebiets empfohlen.


Titelbild

Alfred Nordmann: Technikphilosophie zur Einführung.
Junius Verlag, Hamburg 2008.
183 Seiten, 13,90 EUR.
ISBN-13: 9783885066576

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