Schlafende Hunde soll man nicht wecken

Lilo Beils Roman „Die schlafenden Hunde“ garantiert unterhaltsame Krimispannung und einen zeit- und lokalhistorisch interessanten Blick hinter die brüchige Idylle einer Dorffassade

Von Barbara TumfartRSS-Newsfeed neuer Artikel von Barbara Tumfart

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Lilo Beil (alias Liselotte Seiferling), Lehrerin und Mutter dreier erwachsener Töchter, lebt heute mit ihrem Mann im Vorderen Odenwald und begann ihre literarische Laufbahn erst 1997 mit dem Erzählband „Maikäfersommer und andere Geschichten aus Pfalz und Kurpfalz“. 2007 startete sie die Kriminalserie rund um Friedrich Gontard, den sympathischen Kommissar aus gutbürgerlichem Haus, mit dem Roman „Gottes Mühlen“, dem bereits 2008 „Das Licht unterm Scheffel“ folgte. Spielten die ersten beiden Krimis in den 50er- und 60er-Jahren, so begleiten wir im dritten Band der Serie den mittlerweile zum Chef der Ludwigshafener Kriminalpolizei aufgestiegenen Gontard in das Deutschland der späten 70er-Jahre.

Mit seiner um einige Jahre jüngeren Frau Anna und der sechsjährigen Tochter Lilli lebt der Kommissar in Hohenkirch, einem kleinen verträumten Ort im Odenwald. Die vermeintliche Dorfidylle wird allerdings jäh gestört, als Madelaine, das junge französische Au-pair-Mädchen der Familie Gontard brutal erstochen im Wald aufgefunden wird. Gontard, im Grunde nicht zuständig für den Mord an dem jungen Mädchen, beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Seine intensiven Nachforschungen führen ihn auch zu Madelaines Familie nach Nordfrankreich, wo er nach und nach einem dunklen Familiengeheimnis auf die Spur kommt. Nach einem weiteren Mord an einer älteren Dorfbewohnerin stößt Gontard mit seinen Recherchen an so manche Mauer des Schweigens innerhalb der Dorfgemeinschaft und weckt Misstrauen und Unruhe wegen seines ungewöhnlichen Interesses an der Vergangenheit der Dorfbewohner. Denn die Hintergründe für die Morde reichen bis zum Zweiten Weltkrieg zurück und offenbaren eine grausame, aber damals alltägliche Realität hinter der idyllischen Dorffassade.

Rasant und temporeich vermengt die Autorin Zeit- und Lokalkolorit und erteilt dem gespannten Leser eine gehörige Portion an Geschichtsunterricht über das ambivalente Verhältnis der über lange Zeit hinweg verfeindeten Nachbarländer Frankreich und Deutschland. Beil schafft es, mit ausgesprochen sympathischen und vielschichtig angelegten Charakteren einen kurzweiligen Krimiplot zu entwerfen, der ohne blutrünstige Effekte und übertriebende Brutalität auskommt.

Titelbild

Lilo Beil: Die schlafenden Hunde.
Conte-Verlag, Saarbrücken 2009.
188 Seiten, 9,90 EUR.
ISBN-13: 9783936950878

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