Widersacher Hitlers oder wankelmütiger Versager?

Zwei sehr unterschiedliche Bücher über Papst Pius XII.

Von Benno KirschRSS-Newsfeed neuer Artikel von Benno Kirsch

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Seitdem Rolf Hochhuth 1963 sein Bühnenstück „Der Stellvertreter“ herausbrachte, steht das öffentliche Urteil über Papst Pius XII. fest: Er war der Papst, der im Angesicht der Judenvernichtung durch die Nazis geschwiegen hat und dadurch zum Komplizen Adolf Hitlers wurde. Anstatt die NS-Verbrechen öffentlich zu verurteilen, kümmerte er sich lieber um die vatikanischen Geldgeschäfte.

Aus einem unerfindlichen Grund beschäftigen sich seitdem die Historiker und die Öffentlichkeit mit dem „Schweigen des Papstes“, ganz so, als hätte Hochhuth seinerzeit eine wissenschaftliche Arbeit vorgelegt und keine erdichtete Geschichte, die zugegebenermaßen mit einem dokumentarischen touch versehen worden war. Ist auch der Vorwurf, dass der Papst ein Kriegsgewinnler gewesen sei, schon länger nicht mehr erhoben worden, so hat sich der Ton in den letzten Jahren vor allem durch John Cornwell („Hitler’s Pope“, 1999) und Daniel Goldhagen („A Moral Reckoning: The Role of the Catholic Church in the Holocaust and Its Unfulfilled Duty of Repair“, 2003) erneut verschärft. Diese beiden Autoren haben durch ihre Suggestionen eine neue Dimension in die Angelegenheit gebracht. So nannte Hochhuth selbst 2007 im „Spiegel“ Pius XII. einen „einen satanischen Feigling“ und „genuin schlechten Menschen“.

Doch wissenschaftlich gesehen ist keiner der drei genannten Autoren auf dem neuesten Stand, denn inzwischen hat der Vatikan sein Archiv geöffnet und Forschern Zugang zu den Akten bis 1939, dem Beginn des Pontifikat Pius XII. ermöglicht. Unter anderem haben Michael Hesemann und Klaus Kühlwein Einsicht genommen und fast zeitgleich ihre populärwissenschaftlichen Bücher über den umstrittenen Papst vorgelegt.

Michael Hesemanns Apologie

In seinem Buch schlägt Hesemann einen deutlich apologetischen Ton an. Bereits der Titel „Der Papst, der Hitler trotzte“ zeigt die Richtung an; Hesemann bezieht sich immer wieder auf die von Hochhuth, Goldhagen und Cornwell erhobenen Vorwürfe. Und es gelingt ihm, diese Autoren des unseriösen Umgangs mit historischen Quellen zu überführen. In der Regel haben sie es nämlich unterlassen, die Originalquellen zu studieren, darüber hinaus zitieren sie unvollständig und lassen weg, was nicht zu ihrem vorgefertigten Urteil über Pius XII. passt. Die Lektüre der Hesemann’schen Darstellung macht deutlich, dass sich die Kritiker von anderen Motiven leiten ließen als der Suche nach der historischen Wahrheit. Vermutlich nicht von ungefähr ist unter ihnen kein studierter Historiker: Hochhuth ist Schriftsteller (gelernter Buchhändler), Goldhagen ein Politologe und Cornwell ein Theologe.

Hesemann gibt einen sehr flüssig geschriebenen Bericht über die wesentlichen Daten von Eugenio Pacellis Geburt 1876 in eine dem Papsttum verbundene römische Familie bis zu seinem Tod 1958 in Castel Gandolfo. Pacelli kränkelte zeit seines Lebens, war zugleich aber auch äußerst arbeitssam, was ihm in Verbindung mit seiner Intelligenz und Fremdsprachenbegabung gleichsam für den Dienst in der Kurie prädestinierte. In seiner Funktion als Sachbearbeiter, Nuntius, Kardinalstaatssekretär und schließlich Bischof von Rom musste er sich als Diener mehrerer Päpste mit zahlreichen Krisen der Welt- und Kirchenpolitik befassen: Pius X. sah sich als Gefangener im Vatikan, Benedikt XV. versuchte während des Ersten Weltkriegs vergeblich, zwischen den Gegnern zu vermitteln und Pius XI. sah sich durch die ,modernen Religionen‘ des Nationalsozialismus und Kommunismus herausgefordert. Und als Nachfolger des Letztgenannten musste Pacelli selbst im direkten Kampf mit Hitler bestehen und die Kirche durch den Zweiten Weltkrieg führen.

Das Urteil der Zeitgenossen, die 1958 um den Papst trauerten, kann Hesemann bestätigen: Pius XII. war in seiner Einschätzung der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Nach der Lektüre des Buches fragt man sich sogar, wer besser als Pius XII. geeignet gewesen sein könnte, Hitler entgegenzutreten. Bereits als Nuntius in München und Berlin (1917-1932) hatte Pacelli ausreichend Gelegenheit, den nationalsozialistischen Wahnsinn kennenzulernen. Als Hitler in Deutschland die Diktatur etablierte, sicherte er mit dem Reichskonkordat für die katholische Kirche eine den Umständen entsprechend günstige Verhandlungsposition für die kommende Auseinandersetzung mit einem brutalen, verschlagenen und rücksichtslosen Regime und rettete für die deutschen Katholiken, was er konnte – was wenig genug war. Öffentlich und nicht öffentlich protestierte er im Namen des Heiligen Stuhls gegen die wiederholten Verletzungen des Konkordats, gegen die Verfolgung der katholischen Kirche in Deutschland und später auch gegen die NS-Rassenlehre, in der die Juden zu Menschen zweiter Klasse gemacht wurden, und nicht zuletzt gegen den Überfall der Wehrmacht auf Polen.

Dass die fortwährenden Interventionen des Vatikans für die Ohren eines Lesers des Jahres 2009 so eigenartig verklausuliert und wenig dramatisch klingen, kann man Pius XII. nicht anlasten. Die Zeitgenossen wussten ganz genau, was er sagte. Sie waren in der Lage, zwischen den Zeilen zu lesen und verstanden sich gut auf das „uneigentliche Sprechen“, wie Hesemann zeigt. Desgleichen die Nazis, die sehr gut verstanden, dass Pius XII. ihnen nicht wohlgesonnen war und dies auch noch öffentlich kundtat. Sie fühlten sich zu Recht angegriffen. 1943 war Hitler über Pius XII. so verärgert, dass er sogar Pläne schmiedete, ihn festnehmen und internieren zu lassen. Auch die freie Presse – vor allem in England und den USA – zeigte mit ihren Kommentaren zu den Reden des Papstes und seiner diplomatischen Aktivitäten, dass sie erkannt hatte, dass der Papst ein Gegner der totalitären Diktaturen war. Für jeden Journalisten war außerdem klar, dass Pius XII. ein Freund der Juden war. Wenn beispielsweise die Genfer Zeitung „La Tribune“ am 18. September 1942 einen Artikel „Papst Pius XII. protestiert gegen die Verfolgung der Juden in Frankreich“ brachte (den Hesemann dokumentiert), dann klingt das nicht so, als habe die Redaktion eine Sensation verkünden wollen. Allem Anschein nach waren derartige Meldungen keines besonderen Aufsehens wert.

Das Bild, das Hesemann von Pius XII. zeichnet, unterscheidet sich dramatisch von dem, das die kirchenkritische Publizistik darbietet. Nun könnte man annehmen, dass Hesemann irrt. Und ja: Hesemann hat sein Buch ganz eindeutig in apologetischer Absicht geschrieben. Doch seine Darstellung ist von wenigen Ausnahmen abgesehen (über die Verbindung von Pius XII. zu den Verschwörern des 20. Juli 1944 hätte man gerne etwas mehr und aus den Originalquellen erfahren) überzeugend. Immer wieder geht Hesemann auf die Verfälschungen des eingangs erwähnten Trios ein und widerlegt sie. Dass er dabei aber selbst nur selten seine Quellen nennt, ist schade, weil schließlich auch ein Laie manchmal gerne ad fontes gehen würde, um sich ein genaueres Bild von dem Sachverhalt zu machen. Aber dieser Mangel ist eben der populärwissenschaftlichen Anlage des Buches geschuldet, der durch ein solides Literaturverzeichnis, das ein guter Ausgangspunkt für weitere Recherchen ist, wieder wettgemacht wird.

Klaus Kühlweins Motivsuche

Auch Klaus Kühlweins Titel ist programmatisch. Der Sozialpädagoge und Theologe baut sein Buch, das nicht so gut komponiert und geschrieben ist wie das von Hesemann, auf die bekannte, jedoch sachlich falsche Behauptung vom „Schweigen des Papstes“ auf. Das zweite Manko ist, dass Kühlwein keine genau Vorstellung von dem zu haben scheint, was er „Holocaust“ nennt. Denn anders als im Untertitel angekündigt, geht es ihm keinesfalls um Pius XII. und die Vernichtung des europäischen Judentums, sondern lediglich um einen Ausschnitt dieses monströsen Vorgangs: der Deportation von rund eintausend Juden aus Rom am 18. Oktober 1943, die – wie Susan Zuccotti demagogisch formulierte – „unter den Fenstern des Papstes“ stattgefunden hat.

Die ersten beiden Kapitel von Kühlweins Buch behandeln die Vorgänge rund um das genannte Ereignis vom 18. Oktober 1943, es folgen drei biografische Abschnitte über Pacellis Zeit als Nuntius in Deutschland, eins über die als Kardinalstaatssekretär in Rom und eins über die als Papst Pius XII. Das letzte Kapitel ist den Handlungsmöglichkeiten des Papstes gegenüber Hitler während des Holocausts gewidmet.

Für Kühlwein steht das Urteil fest: In den beiden Tagen, die der Deportation der Juden vorausgingen, hat Pius XII. nichts getan, um sie vor ihrem Schicksal zu bewahren. Er war ein ängstlicher Zauderer, der um jeden Preis eine direkte Konfrontation mit Hitler vermeiden wollte. Das ist die historische Wahrheit, und alles andere sind Legenden, schreibt er. „Sie haben alle Entlastungsfunktion im Blick auf das Verhalten des Papstes und kirchlicher Behörden. […] Das wichtigste und stärkste Gerücht stilisiert Pius XII. zum Retter der römischen Juden während jener unheilvollen Razzia.“

Doch der 18. Oktober 1943 war, meint Kühlwein, auch ein Wendepunkt im Verhalten von Pius XII. „Die Judenrazzia in seiner Bischofsstadt samt der Deportation der Menschen vor seinen Augen wurde für ihn zu einer Art Damaskuserlebnis. Vom Saulus zu Paulus musste sich Eugenio Pacelli nicht direkt wandeln, denn er war nie ein Judenverächter oder nur ein kaltherziger Diplomat gewesen, den das Schicksal der Juden wenig interessierte. Aber er wandelte sich in seinem eigenen Urteil über die Zwangslage, in der er sich gefangen sah.“ Genau diese These ist es, mit der sich Kühlwein selbst Fesseln anlegt, die seinen Text so ärgerlich machen. Denn nun ist er gezwungen, Belege für dieses Damaskuserlebnis, das keins war, zu finden. Und damit tut er Pius XII. fast zwangsläufig Unrecht, weil er nun dessen Biografie seiner These anpassen muss.

Was Kühlwein in den biografischen Kapiteln an Fakten über Pacelli zusammenträgt, ist bekannt. Das ist kein Nachteil. Was allerdings den Leser abwechselnd ratlos und verärgert zurücklässt, sind seine Wertungen, Formulierungen und Auslassungen. Immer wieder kommt Kühlwein auf Ereignisse zu sprechen, die schon zuvor verzerrt dargestellt worden waren, um Pius XII. beispielsweise als Antisemiten denunzieren zu können. So schildert auch Kühlwein die Besetzung der Münchner Nuntiatur 1919 durch Revolutionssoldaten. Kühlwein weiß, dass Cornwells frühere Anschuldigungen auf einer tendenziösen, gar verfälschenden Übersetzung eines Berichts des Nuntius an die Kurie beruhte und dass dieser Bericht zwar von Pacelli unterzeichnet, aber von seinem Mitarbeiter Monsignore Schioppa verfasst worden war. Kühlwein kritisiert Cornwell und ergänzt, dass sich Pacelli an keiner Stelle antisemitisch äußerte. Doch mitten in diese Ausführungen baut er folgenden Satz ein: „Allerdings war solch fatale Denkungsart überall anzutreffen – gerade auch in theologischen und kirchlichen Kreisen. Pacelli kannte entsprechende Auffassungen und Thesen sehr genau. In die Kontroverse mischte er sich aber nicht ein.“ Was bezweckt Kühlwein damit? Will er damit andeuten, dass Pacelli lediglich keine Beweise für seinen Antisemitismus hinterlassen hat? Und warum zitiert er auf derselben Seite völlig zusammenhanglos aus Hitlers „Mein Kampf“?

Dass Kühlwein durch derartige Montagen Stimmung gegen Pius XII. und die Kirche zu machen versucht, fällt nicht nur an dieser Stelle unangenehm auf. Die Darstellung des Pogroms vom 9. November 1938 in Deutschland ergänzt er um den Hinweis, dass am 9. November das Weihefest der Erzbasilika San Giovanni in Laterano sei und dass an diesem Tag die Messe „Terribilis“ gefeiert werde. Na und? Auch für den 23. Oktober 1943, dem Tag, an dem die aus Rom verschleppten Juden in Auschwitz vergast wurden, hat der Theologe Kühlwein die Information über das an diesem Tag anstehende Kirchenfest parat: das des heiligen Erzengel Raphael. Was will er aber damit sagen? Da es sich um ganz verschiedene Dinge handelt, muss man annehmen, dass Kühlwein eine bestimmte Absicht verfolgt.

Was Kühlwein hier betreibt, hat Methode. Die historische Forschung ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass von den Unterstellungen Hochhuths, Goldhagens und Cornwells wenig übrig geblieben ist. Das muss auch Kühlwein anerkennen. Doch man merkt seinem Text an, dass sich die Fakten nicht so recht zu seiner These fügen wollen, dass er am liebsten ein anderes Buch geschrieben hätte. Deshalb wirkt sein Text wie das widerwillige Zugeständnis, dass man Pius XII. in der Vergangenheit Unrecht getan habe. Man bekommt den Eindruck, dass Kühlwein nicht wahrhaben will, dass Pius XII. eben nicht „geschwiegen“ hat. Und so oszilliert das Buch zwischen demagogischer Montage und anbiederndem Wohlwollen, bei dem der Autor nicht nur zu peinlich schwülstigen Formulierungen greift („Der Schrei dieser Frevel hallte nicht nur im Himmel wieder, er drang auch an Pius’ Ohr.“), sondern auch vor einem gnadenlos kitschigen Schluss nicht zurückschreckt: Er zitiert Psalm 130 auf Latein und schickt ein „Eugenio Pacelli – Requiescat in pace“ hinterher.

Auch inhaltlich endet das Buch – gelinde gesagt – enttäuschend. Das letzte Kapitel soll augenscheinlich belegen, dass Pius XII. über die Judenvernichtung Bscheid wusste und dass er schwieg. Beziehungsweise dass er sich nicht so deutlich ausdrückte, wie man das heute von einem Protest erwarten würde. Kühlweins Vorwurf: „Doch Pius kleidete seine Kritik in wohlgesetzte Worte. Er nannte [in seiner Weihnachtsansprache 1942] nicht Ross und Reiter. Er erwähnte nur das Faktum einer Rassenvernichtung, die im Gange sei. Mehr sagte er dazu nicht – keine nähere Anspielung, keine Verwendung des Wortes ‚Jude‘ oder nur ‚Nichtarier‘“. Kühlwein ergeht sich dann in weitschweifigen Überlegungen zu Güterabwägung und Gewissenskonflikt, die insgesamt keinen rechten Sinn ergeben. „Pius XII. schien sich den Zwängen seiner Güterabwägung nicht entziehen zu können – trotz der Bedenken, die ihn plagten.“ Was der Autor damit sagen will, hat sich dem Rezensenten nicht erschlossen. Geht es darum, dass man bei einer Entscheidung die Folgen bedenken sollte? Das wäre sehr richtig, aber auch sehr banal.

Dass Kühlwein in diesem Zusammenhang auch den Erzbischof von Utrecht erwähnt, der gegen die Deportation der holländischen Juden öffentlich protestierte, mag angebracht sein. Allerdings versäumt er darauf hinzuweisen, dass dieser mit seinem öffentlichen Protest in Kauf nahm, dass nicht nur die Juden, sondern auch die „katholischen Nichtarier“ verschleppt wurden, was dann auch geschah, während die „evangelischen Nichtarier“ durch das Stillhalten ihrer Bischöfe gerettet wurden. Diese Information zu verschweigen ist unredlich.

Kühlweins Ausführungen laufen auf einen Epilog hinaus, der geradezu lächerlich anmutet. Hier unterbreitet er seinen Vorschlag, was der Papst angesichts der Deportation der römischen Juden hätte tun können: „Hätten sie doch geläutet – die Glocken von Rom! Hätten sie doch an jenem 18. Oktober 1943 um 14 Uhr geläutet! […] Hätte Pius XII. doch die Glocken Roms den ganzen Vormittag über läuten lassen […]. Wäre er doch selbst unter dem mahnenden Geläut aller Kirchen zum Bahnhof Tiburtina gefahren. Es wäre noch nicht zu spät gewesen.“ Glockenläuten gegen die Deportation der römischen Juden durch die Nazis? Kühlwein findet die Idee so gut, dass er sie für ausbaufähig hält: Wenn es nach ihm ginge, hätte man ruhig ein wenig öfter läuten lassen sollen. „Wäre es nicht ein prophetisches Zeichen gewesen, wenn die Glocken der Lateranbasilika schon am 9. November 1938 einen Tag lang geläutet hätten, als Synagogen geschändet und zerstört wurden?“ Tja, das wäre es sicherlich gewesen: ein „prophetisches Zeichen“, aber leider, leider kam es anders: „Die Glocken schwiegen.“ – Was soll man dazu noch sagen? Am besten ist es wohl – zu schweigen.

Ein großer Mann

Für Hesemann fällt das Urteil eindeutig aus: Pius XII. war ein großer Papst. Er führte die katholische Kirche so sicher wie möglich durch den Zweiten Weltkrieg. Dabei rettete er durch umsichtiges, kluges Reden und Handeln tausende von Menschenleben, von Juden wie von Katholiken. Kühlwein hingegen strickt seine wenig überzeugende Deutung um die bekannte These vom „Schweigen“ des Papstes, wodurch er sich schließlich in skurrilen Schlussfolgerungen verheddert. Er kommt zwar nicht umhin anzuerkennen, dass Pius XII. zu Unrecht einen so schlechten Ruf habe, aber das tut er nur widerwillig. Kein Wunder, denn seine These bräuchte eigentlich andere Belege, um überzeugend zu sein. Sein Buch leistet damit keinen Beitrag zu einer ernsthaften Debatte über Pius XII.

Es ist schon erstaunlich, wie zwei Autoren beim selben Gegenstand zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Es zeigt, dass Pius XII. immer noch eine umstrittene Figur ist. Nur warum? Die Fakten liegen auf dem Tisch. Vorurteile sind korrigiert, Missverständnisse beseitigt und Fehlinformationen widerlegt. Deshalb ist Hesemanns Buch für alle, die an der historischen Wahrheit interessiert sind, eine wichtige Quelle. Das wird jedoch Leute wie Kühlwein nicht davon abhalten, sich weiterhin gegen die neuen Erkenntnisse zu sträuben.

Titelbild

Michael Hesemann: Der Papst, der Hitler trotzte. Die Wahrheit über Pius XII.
Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2008.
255 Seiten, 19,90 EUR.
ISBN-13: 9783867440646

Weitere Informationen zum Buch

Titelbild

Klaus Kühlwein: Warum der Papst schwieg. Pius XII. und der Holocaust.
Patmos Verlag, Düsseldorf 2008.
246 Seiten, 19,90 EUR.
ISBN-13: 9783491725270

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