Reale und echte Gefühle

Ingrid Vendrell Ferran untersucht „Emotionen“ als „Gefühle in der realistischen Phänomenologie“

Von Alexandra PontzenRSS-Newsfeed neuer Artikel von Alexandra Pontzen

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ingrid Vendrell Ferran betrachtet in ihrer von Hilge Landweer betreuten Dissertation Emotionen als eine Art „philosophischer Radnarbe“ (Ronald de Soussa), „von der aus man leicht zu verschiedenen klassischen Themen der Philosophie gelangen kann“. Sie konstatiert die Prädominanz der analytischen Philosophie in der philosophischen Emotionsforschung und wendet sich deswegen einer bisher ignorierten Gruppe zu, den Vertretern der so genannten realistischen respektive ontologischen Phänomenologie des frühen 20. Jahrhunderts um Alexander Pfänder und Edmund Husserl: Else Voigtländer, Willy Haas, Moritz Geiger, Max Scheeler, Edith Stein, Gerda Walther, Aurel Kolnai, José Ortega y Gasset hätten, ohne als Gruppe organisiert gewesen zu sein, in ihren an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert entstandenen Arbeiten „fast alle Kontroversen, Themen und Argumente der heutigen Debatte“ vorweggenommen, die die Verfasserin ins Zentrum ihrer Arbeit stellt: die Verbindung von Emotionen und Werten, die Frage nach dem Ausdruck von Emotionen, ihrer Leiblichkeit und Intentionalität sowie die Analyse zentraler Emotionen wie Ressentiment, Ekel, Scham, Reue, Hochmut, Demut, Liebe und Hass.

Gemeinsam ist den realistischen Phänomenologen das Verfahren der „eidetischen Reduktion“, das heißt der Weg, sich der Erfahrung von Phänomenen unmittelbar und aus der Perspektive des Erlebenden zu nähern. Zudem gehen sie, in der Tradition des Gründungsvaters der realistischen Phänomenologie als „deskriptiver Psychologie“, Franz Brentano, davon aus, dass psychische Akte immer intentional seien: im Unterschied zu physischen Phänomenen seien sie immer auf etwas ‚gerichtet‘, das heißt immer Bewusstsein von etwas. Zudem, so Brentano, ermöglichen Emotionen Aufschluss über Werte (und nicht über Normen). Die Verfasserin destilliert als allen Autoren implizit gemeinsame Grundthese über das Wesen der Emotionen, dass diese „per se intentionale Akte sind, die sich auf Werte richten und gleichzeitig leiblich gefühlt werden“. Intentionalität und Leiblichkeit stellten somit aus frühphänomenologischer Sicht die Wesensmerkmale der Emotionen dar, und Fendrell Verran folgt in ihrer Darstellung dieser Schwerpunktsetzung: Die These emotionaler Intentionalität sorgt für Anschlussfähigkeit an die derzeit populären kognitivistischen Ansätze der Emotionsforschung; deren von Vendrell konstatiertes Defizit im Hinblick auf Emotion als qualitative Erfahrung des Subjekts verspricht der Aspekt der Leiblichkeit auszugleichen, so dass die Arbeit von ihrer Anlage, ihrer forschungshistorischen und systematischen Situierung und nicht zuletzt ihrer Präsentation her verspricht, indem sie historisch informiert, auf systematische Bezüge hinzuweisen, Traditionen und Vorläufer des Aktuellen vorzustellen und im dialogisch kommentierenden Verhältnis beider mit zentralen Streitfragen der (nicht nur philosophischen) Emotionsforschung bekanntzumachen.

Vendrell rekonstruiert den Kontext (Theorien des Fühlens wie James und Langes sensualistische Theorie; Wundts Konzept der Emotion als dimensionalem Erlebnis; Brentanos Verständnis der Gefühle als intentionale Akte) und die Grundzüge der frühphänomenologischen Emotionstheorie und hebt wiederholt die Bedeutung Franz Brentanos hervor, der dem heute vorherrschenden kognitivistischen Ansatz der Emotionsforschung den Weg gebahnt habe und dessen initiale Leistung hinter den in den 1960er-Jahren breit rezipierten Arbeiten Anthony Kennys übersehen zu werden drohe. Von der starken Wirkung Brentanos auf die aktuelle angelsächsische Philosophie zeugt indes der Umstand, dass die Frage, ob psychische Phänomene auf physikalische Vorkommnisse reduzierbar sind, dort unter der Bezeichnung „Brentano’s problem“ verhandelt wird.

Brentano hat schon 1874 Emotionen als eine „besondere Art intentionaler Bewusstseinsakte, die mit Vorstellungen, Urteilen, Annahmen usw. verbunden auftreten, und die einem bestimmten psychischen Inhalt sittlichen Wert oder Unwert zuschreiben“ verstanden; zu individuieren seien sie deshalb nicht aufgrund unterschiedlichen qualitativen Fühlens, sondern wegen ihrer kognitiven Leistungen. Gleichwohl unterscheide sich Brentanos Position von streng kognitivistischen Auffassungen, wie sie heute etwa die amerikanischen Philosophen Martha Nussbaum oder Robert C. Solomon vertreten, die Emotionen auf (Wert-)Urteile reduzieren, so dass sie eine bloß „geliehene Intentionalität“ hätten. Demgegenüber postuliere Brentano, dass Emotionen eine Intentionalität sui generis besäßen, die sich durch die Besonderheit ihrer Objekte – der Werte – auszeichne.

Dieser ethische Bezug der Emotionen sei eine in der Moderne neue, Brentano eigene Leistung, insofern nicht Normen im Kantschen Sinne, sondern Werte den Referenzpunkt darstellen. (Das wird dann bei Max Scheler zu einem Verständnis von Scham als eben nicht sozial-konstruiertem Gefühl führen, das Scheler von allen psychoanalytischen und normbezogenen Scham-Theoretikern [Elias, Sartre, Landweer] trennt). Dass dies nicht unproblematisch ist, stellt die Verfasserin ebenso dar wie die Gefahr der Überintellektualisierung, die Ausgrenzung von solchen Empfindungen, denen das Moment der Intentionalität fehlt (wie schon Husserl kritisierte), und die Ausblendung der Leiblichkeit von Emotionen in Brentanos Theorie (wie auch bei seinen modernen Nachfolgern). Unter Leiblichkeit versteht Vendrell, beeinflusst von der Neuen Phänomenologie Hermann Schmitz’ und Hilge Landweers, den „Modus, in dem eine Emotion am Leib gefühlt wird“, also nicht körperliche Phänomene oder Begleiterscheinungen (etwa Zittern, Schwitzen) oder den spezifisch körperlichen Ausdruck einer Emotion (etwa mimische Ausdrucksformen), sondern ‚leibliche Betroffenheit‘, die sich an einer weder über die eigenen Sinne noch über äußere Medien vermittelten Erfahrung des Subjekts von seinem Körper orientiert, wie es etwa bei der Bewegungsintention des Fortrennens oder dem Eindruck von Enge in der Brust der Fall ist.

Anders als bei Brentano ist bei den Frühphänomenologen das Psychische nicht deckungsgleich mit dem Bewusstsein, und man kann in ihrer Vorstellung einer „untererlebten psychischen Realität“, zu der auch die Emotionen zu rechnen wären, eine Nähe zur Theorie des Unbewussten ausmachen, wie ja überhaupt das Interesse der Frühphänomenologen zeitlich mit dem Aufstieg der Psychoanalyse und der wachsenden Bedeutung der Psychologie koinzidiert (wenn es inhaltlich auch starke Abgrenzungen gegeben hat). Doch macht Vendrell plausibel, inwiefern aus frühphänomenologischer Sicht und im Unterschied zu Sigmund Freuds Annahme die untererlebte Realität potentiell erlebbar und von grundsätzlich gleicher Art wie die erlebte ist. In ihrer Hauptthese, dass es für die psychische Realität ohne Bedeutung sei, ob sie erlebt wird oder nicht, nähmen die Frühphänomenologen vorweg, was heute etwa Ronald de Sousa proklamiere: „emotions are essentially mental without being essentially conscious.“

Das Verfahren, ausgehend von aktuellen Kontroversen zentrale Themen im Lichte frühphänomenologischer Positionen zu beleuchten und in Vermittlung historischer und gegenwärtiger Theorien eigene Positionen zu konturieren, regt zur Lektüre an, ist informativ und macht die einzelnen Kapitel auch außerhalb innerphilosophischer Diskussionen unmittelbar anschlussfähig.

Für Literaturwissenschaftler wird besonders das Kapitel über „fiktionale Emotionen“ von Interesse sein. Diese liefern aus streng kognitivistischer Sicht, der zufolge Emotionen Urteile sind oder Urteile zur kognitiven Grundlage haben, das „paradox of fictional emotion“, insofern hier Urteile für Nichtexistenz (des eben nur fiktiven Gegenstands) mit Urteilen über Emotion, welche die Existenz ihrer Auslöser implizieren, konfligieren, denn: Wie kann „man eine Emotion über etwas haben […], von dessen Nichtexistenz man weiß“?

Vendrell referiert die Lösungsansätze, die die Analytische Philosophie angeboten hat, von Radfords „Irrationalismus“ (fiktionale Emotionen sind irrational, weil sie inkonsistente Urteile beinhalten und unterscheiden sich von rationalen: sind weniger intensiv, weniger andauernd, nicht ausschließlich, sondern koexistieren mit anderen) über den „Faktualismus“ von Peter Lamarque in der Linie des Radford Kritikers Michael Weston (das Objekt der Emotion ist eine ‚Vision of life‘, die in der Fiktion lediglich darstellend aufgerufen wird) bis zu Kendell Waltons „Fiktionalismus“ des Make believe: Walton unterscheidet die Urteile, auf denen seiner Ansicht nach Emotionen gründen, in solche erster und solche zweiter Ordnung: Emotionen des realen Lebens gründen auf Urteilen erster, fiktionale auf solchen zweiter Ordnung: So sei das Urteil über die Fiktivität etwa eines Films oder Buchs erster Ordnung, Urteile über das fiktive Geschehen selbst zweiter Ordnung oder ‚make believe‘. Damit seien entsprechende Emotionen aber eben keine realen Emotionen, „sondern eine affektive Erfahrung, die den realen Emotionen ähnelt“: Quasi- oder „make believe“-Emotionen mit geringer (oder keiner) motivationaler Kraft.

Auch Kevin Mulligans Konzept der „unechten Gefühle“ (2006) umfasst „Phantasiegefühle“, die seiner Ansicht nach im Unterschied zu Scheingefühlen wie Halluzinationen „dem Wollen unterworfen sind und die als ästhetische oder soziale entstehen“ und die er „als-Ob-Emotionen“ und „Quasi-Gefühle“ nennt: „Phantasiegefühle erleben heisst nicht vorstellen, dass man Gefühle erlebt. Wer sich vorstellt, dass er Gefühle erlebt, hat eine Meinung oder eine Phantasiemeinung […]. ‚Furcht‘ im Kino ist keine Furcht, sondern Als-Ob-Furcht, was nicht ausschließt, dass man dabei echte Gefühlsempfindungen, und zwar genau die Empfindungen wie bei der Furcht, erlebt.“ (Mulligan)

Dass Mulligan gleichwohl schließt, Phantasiegefühle seien keine echten Gefühle, also deren Realität bestreitet, wird von Vendrell unter Hinweis auf die „von uns bestimmten Voraussetzungen der Realität“ gekontert: So bringt sie unter Hinweis darauf, dass Emotionen nicht immer Urteile als kognitive Basis hätten, sondern ebenso auf Wahrnehmungen, Erinnerungen, Vorstellungen gründen könnten, das „paradox of fictional emotions“ zum Verschwinden; sie verweist darauf, dass fiktionale Emotionen gegen ihre Ausschaltung Widerstand leisten, der indes situationsbedingter (und deswegen auch zeitlich begrenzter) sei als bei anderen Emotionen und betont das leibliche Fühlen und die geringe Modifizierbarkeit der fiktionalen Emotionen, die gleichermaßen real und „bis zu einem gewissen Grad dem Wollen unterworfen“ seien. Zudem veranlassten sie Urteile, motivierten Handlungen und last but not least richteten sie sich auf ein Objekt.

Im Sinne ihrer Spezifika seien sie also unechte Emotionen (weil qualitativ als „hohl, schal und bloße Nachahmung erlebt“ und zudem von zum Teil gegensätzlichen Emotionen, die sich auf die Art der ästhetischen Präsentation beziehen, begleitet), grundsätzlich aber real.

Damit ist die Frage der fiktionalen Emotionen in den größeren Kontext der realen resp. „Scheinemotionen“ eingebettet, mit denen die Frühphänomenologen sich unter den Bezeichnungen „vorgestellte Gefühle“, „Gefühlsillusionen“, „Scheingefühle“, „Gefühlsphantasien“ sowie im Fall der Liebe „illusionäre oder phantastische Liebe“ und „Pseudoliebe“ auseinandergesetzt haben.

Vendrell überträgt die Echt-unecht-Unterscheidung auf den Bereich des Ästhetischen, der ansonsten auf die Differenz real – fiktiv zugespitzt wird. Wieweit man der bekennenden Phänomenologin hier als Literaturwissenschaftler folgen kann und mag, sei dahingestellt; anregend sind ihre Ausführungen auf jeden Fall und besonders dort, wo sie auf die Rolle der Imagination zu sprechen kommt: Als Produkte der Imagination könnten Emotionen kontrafaktische Imaginationen sein, die das Subjekt bewusst produziert, oder Illusionen beziehungsweise Halluzinationen, bei denen das Subjekt von der Irrealität seiner Imagination nichts weiß. Vendrell geht es um das Umschlagen einer initial kontrafaktischen Emotions-Imagination in eine illusionäre, deren Imagination nicht (mehr) bewusst und die leiblich erfahren wird. Letzteres setze, so Vendrells These, mit der sie sich von Peter Goldie (2005) abgrenzt, Einfühlung voraus: Es genüge nicht, sich eine Vorstellung von sich selbst als einem Liebenden zu machen, indem man die Perspektive eines Beobachters einnehme; erst eine „interne Perspektive“, das „Sich Hineinversetzen“, die „Einfühlung in eine eingebildete Figur seiner selbst“ erlaube es, „eine Scheinemotion leiblich zu empfinden“.

Auch die Kurzcharakteristika zu einzelnen Emotionen, mit denen das Buch schließt, bieten einen anregenden Einstieg, werden indes diejenigen, die sich bereits intensiver mit einer der behandelten Emotionen beschäftigt haben, etwas unbefriedigt lassen müssen – zu knapp und referierend sind die Kurzabrisse, zu sehr dominieren Schelers Positionen (was freilich auch mit der Materiallage zu tun hat). Auch geraten die Leitkriterien der Autorin hier zuweilen aus dem Blick und man erfährt etwa nichts über die „Leiblichkeit“ des Ressentiments.

Auch anderes könnte man kritisieren: Das Verfahren zum Plausiblen zu gelangen, indem man das Wenig-Plausible erst referiert und dann ausführlich widerlegt, bremst zuweilen Argumentationsgang und Lesefluss, vor allem dort, wo der Leser seine ‚naive‘ Erstmeinung, die ihm bis dato common sense zu sein schien, nach langen Ausführungen schließlich bestätigt sieht: „Eine Emotion ist […] echt oder unecht wegen einer Qualität in dem Moment des Erlebens, und verantwortlich für den qualitativen Unterschied ist die Beziehung der Emotion zu unserer momentanen emotional vorherrschenden Lage.“ oder kürzer: „Damit eine Emotion echt ist, muss sie kohärent zur momentan herrschenden emotionalen Grundverfassung des Subjekts sein“.

Zurecht weist Vendrell darauf hin, dass der Streit um den körperlichen Ausdruck von Emotionen, genauer darüber, ob sie einen körperlichen Ausdruck sekundär hervorbringen oder selbst eine Folge der Wahrnehmung körperlicher Veränderungen sind, wie James und Lange meinten, wenn nicht gar mit ihrem Ausdruck identisch seien, einerseits von einer Körper-Seele-Dichotomie ausgehe und diese fortschreibe, und dass andererseits die Zweckhaftigkeitsunterstellung funktionalistischer Forschungsrichtungen Frage und Antworten präjudiziere, indem Ausdruck gar nicht unabhängig von ‚Funktion‘ gedacht werde und so auch der „Ursprung des emotionalen Ausdrucks auf einen Zweck zurück[ge]führt“ werde.

Die Phänomenologen und mit ihnen Vendrell gehen demgegenüber davon aus, der Ausdruck sei Symbol einer Emotion, verwenden aber – wie sie konzidiert – einen eigenen Symbolbegriff, der nicht Referenz meine, sondern „Mitgegebenheit“, die eine „Einheit von Emotion und körperlichem Ausdruck postuliere“, wie er schon in den Bezeichnungen „Wesenszusammenhang“ und „kosmischer Zusammenhang“ anklinge. Der Sprachgebrauch in vielen der historischen Zitate ist leider oft von nebulös-atmosphärischer Ahnungsdichte: Manches berührt den Leser eigentümlich und versetzt ihn in eine Stimmung intuitiver Affirmation, die freilich verfliegt, sobald man sie zu verbalisieren oder begrifflich zu konkretisieren sucht; das hinterlässt dann eine leicht gereizte Enttäuschung (die freilich nicht Ingrid Vendrell Ferran anzulasten ist), gerade weil die philosophische Auseinandersetzung, insonderheit die phänomenologische, mit Emotionen Aspekte in den Blick nimmt, die in den Arbeiten der Neurowissenschaftler fehlen.

Doch zurück zur Autorin: Indem sie am Terminus ‚Ausdruck‘ festhält, bleibt sie sprachlich letztlich ebenfalls dem von ihr kritisierten dualistischen Denken verhaftet, insofern ‚Ausdruck‘ ja sein Komplement und dessen Priorität impliziert. Dass eine gewisse Kontinuität der Terminologie nötig ist, allein schon, um sich auf laufende Debatten beziehen zu können, versteht sich. Die Kritik sei aber gestattet, da Vendrell sich auch methodisch auf Sprache als Erkenntnismedium bezieht, indem sie „von der Alltagserfahrung des Phänomens Emotion ausgehen“ will und „sprachliche Überlegungen“ für sehr aufschlussreich hält, „um bestimmte Aspekte der Gefühle herauszustellen“.

Das gelingt nicht immer: In der Fülle der alltagsweltlichen Beispiele überzeugen nicht alle gleichermaßen; und die Feststellung, „wenn ich Neid empfinde, erblasse ich, und mich erobert ein Gefühl der Leere“, mag man als subjektive Diagnose hinnehmen, nicht aber als normative, wie sie wohl gedacht ist. Der Rekurs auf das Redensartliche der körperlichen Signale verdeutlicht eher die Gefahr des Zirkelschlusses (Redensart beglaubigt Zusammenhang von körperlichem Ausdruck und Emotion; deren Wahrnehmung und Beschreibung werden vom Topos diktiert), als er zur Veranschaulichung des Gefühlten beitrüge.

Trotz allem ist die klar strukturierte Arbeit weitgehend allgemeinverständlich, wenn auch von philosophischer Argumentationslogik gekennzeichnet. Vermutlich fachspezifisches Vokabular wie „Wollungen“ oder der gelegentlich ängstlich um vielseitige Absicherung bemühte Stil lassen ahnen, dass das Buch ursprünglich eine Qualifikationsarbeit war.

Titelbild

Ingrid Vendrell Ferran: Die Emotionen. Gefühle in der realistischen Phänomenologie.
Akademie Verlag, Berlin 2008.
273 Seiten, 59,80 EUR.
ISBN-13: 9783050043876

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