Unaufgeregtes von der Front

Über Monika Dommanns Buch „Autoren und Apparate. Die Geschichte des Copyrights im Medienwandel“

Von Roman HalfmannRSS-Newsfeed neuer Artikel von Roman Halfmann

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Monika Dommann konzentriert sich in ihrem geschichtlichen Abriss des Copyrights auf zwei Entwicklungsstränge, nämlich den der Fotokopie und der Musikaufnahme – vor allem letzterer sei „in den letzten Jahren durch das File Sharing, spektakuläre Gerichtsprozesse und die Gründung von Piratenparteien in zahlreichen europäischen Ländern und den USA zu einer eigentlichen gesellschaftlichen Kampfzone avanciert.“

Doch geht es ihr zum Glück nicht um eine weitere Darstellung der gegenwärtigen Hektik, davon wird der Markt ohnehin überschwemmt; sie möchte stattdessen zeigen, dass diese Diskussionen im Grunde bereits längst geführt wurden, jedoch „heute weitgehend vergessen sind und unter anderen medialen Vorzeichen gleichsam nochmals wiederholt werden.“ Höchste Zeit also, sich auf die Geschichte zu besinnen und das Jahr 1710 ins Auge zu fassen, dem „Anfang des Autorrechts“, und von hier aus zu beschreiben, wie jedes neue Medium – sei es Fotokopie, Mikrofilm und so weiter – die eigentlich grundständige Idee des Copyright aufs Neue herausfordert: „Dabei zeigte sich immer deutlicher, dass das Copyright, das lange ausschließlich von einem engen Kreis von Interessenvertretern gestaltet wurde, zunehmend unter Kritik geriet. Dies war nicht zuletzt der Entwicklung neuer Medien geschuldet, die neue Gebrauchsweisen der Vervielfältigung mit sich brachten, welche schlussendlich die Rechtmäßigkeit der Copyrightnormen immer mehr in Frage stellten. Das Copyright musste also in den 1990er Jahren gar nicht mehr in eine durch Internet verursachte Krise geraten, denn in dieser befand es sich spätestens seit den 1960er Jahren.“

Dieses bereits Jahrzehnte währende und bereits die ersten Debatten prägende Ringen um das Copyright ist für Dommann gar ganz grundsätzlicher Natur: „Das Copyright ist immerzu gefährdet, weil es Eigentumsbeziehungen herstellt. Es bleibt umkämpft, weil es dem einen etwas zuspricht, was es den anderen vorenthält. Es wird als ungerecht erachtet, weil es ein Individuum gegenüber der Gemeinschaft bevorteilt und damit doch gerade ausgleichende Gerechtigkeit herstellen will.“ Dommanns eigene Position wird hier besonders deutlich, doch enthält sich die Untersuchung ansonsten jeder Wertung; stattdessen wird nachvollzogen und oftmals mit Verweis auf juristisch-spitzfindige Urteile eben dieses Ringen um ein Konstrukt dargelegt, welches als geistiges Eigentum firmierend von Beginn an zuhöchst fragil den unterschiedlichen, merkantil angetriebenen Interessengruppierungen gegenüberstand und sich dennoch in all den Stürmen weitgehend bewährte – bis heute: „Ob die Digitalisierung diesem Kräftemessen mit den Mitteln der Technik ein Ende zu setzen vermag, indem die einen sich des Besitzes zu bemächtigen vermögen, ist gegenwärtig nicht abzusehen. Die Wogen sind hoch, wir alle mittendrin, und wer behauptet, Übersicht und Kontrolle zu wahren, könnte noch eines Besseren belehrt werden.“

So ist hervorzuheben, dass es Dommann in unaufgeregter Manier letztlich darum zu tun ist, die Rede vom Paradigmenwechsel aufgrund der technischen Möglichkeiten zu relativieren: „In den Kinderjahren eines neuen Mediums wird die Erschaffung neuer Welten immer mitphantasiert“, schreibt sie angesichts der Begeisterung über Mikrofilme in den 1930er-Jahren, eine Begeisterung, „die ein halbes Jahrhundert später dem Internet zugeschrieben werden sollte.“ Diese Entwicklungsgeschichte einer sich stetig neu etablierenden Hysterie vollzieht das vorliegende Buch nach und bezieht sich hierbei bewusst auf die Fakten: das Literaturverzeichnis beläuft sich nicht grundlos auf 40 Seiten und bietet manche Anregung zum weiterführenden Studium eines höchst komplexen Diskurses, in den Monika Dommann auf ideale Art einführt.

Titelbild

Monika Dommann: Autoren und Apparate. Die Geschichte des Copyrights im Medienwandel.
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014.
432 Seiten, 24,99 EUR.
ISBN-13: 9783100153432

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