Die Komik, New York und der Sinn des Lebens

Ein Essay über die philosophische Seite Woody Allens

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

"Das ewige Nichts ist OK, wenn man dafür richtig angezogen ist". Ein Zitat aus Woody Allens Werk "My philosophy". Die Verbindung von Philosophie und Komik, eine bei Woody Allen oft anzutreffende Sache, sie möchte auch Vittorio Hösle dem Leser erläutern.

Hösle, Professor für Philosophie an der Universität Notre Dame, USA, versucht sich in seinem Woody-Allen-Essay an einer philosophischen Affektenlehre. Tatsächlich könnte diese Perspektive auf den Regisseur, Schauspieler und Autor äußerst aufschlussreich sein, doch Hösles Betrachtungen erweisen sich leider zu oft als einseitig und vereinfacht, als übertrieben akademisch und bisweilen weit hergeholt.

Im ersten Teil des Buches legt der Autor seine allgemeine Theorie des Komischen dar, er führt Schopenhauer und Freud an, erklärt die Funktion und die Ursachen von Komik. Alles in allem ist dieser Teil ein informativer und knapper Abriss über die unterschiedlichen Theorien des Lachens, hier und da illustriert durch geschickt gewählte Beispiele aus Allens Filmen.

Allen erzeugt Komik am liebsten durch das Nebeneinanderstellen von Trivialem und Erhabenem, beispielsweise im Aphorismus "Nicht nur gibt es keinen Gott, sondern versuche mal, an Wochenenden einen Klempner zu finden". Hösles Untersuchung von Allens Strategien und Techniken zur Erzeugung komischer Effekte neigt aber zu einer Aufzählung von Filmszenen, zu einer Art von name dropping, die den Autor zwar als profunden Kenner und Liebhaber der Werke Woody Allens ausweisen, doch für den Leser ermüdend und für die darzustellende Sache kontraproduktiv sind.

Die Ausführungen Hösles zur philosophischen Problematik in Allens Werk, dargelegt im dritten Kapitel, tendieren dazu, Allen und sein Œuvre für die eigenen moralischen Grundsätze zu vereinahmen, etwas merkwürdig erscheint vor allem die übertrieben starke Verbindung von Kunst und Theologie. Hösles Ausführungen über die Funktion der Religion in Allens Werk sind nur zum Teil nachvollziehbar: In Allens Film "Love and death" sei die Suche "nach Zeichen, die die Existenz Gottes beweisen sollen", ein Hauptthema. Durch die "religiöse Entäuschung" Boris Gruschenkos erhalte man "die Chance, sich mit ihm [Gott( zu identifizieren". Hier ist die Frage angebracht, ob etwas von Woodys Antipathie gegenüber dem Akademischen nicht doch berechtigt ist. "Können wir das Universum kennen? Mein Gott, es ist schon schwierig genug, sich in Chinatown zurechtzufinden", so Boris.

In seiner Schlussbetrachtung geht Vittorio Hösle noch einmal auf die antiken Traditionen ein, denen das Werk Allens verpflichtet ist, man denke nur an den Chor aus "Mighty Aphrodite", vergleicht seine Komödien mit denen Aristophanes' - Und er misst Woody Allen eine übertrieben starke Bedeutung für unsere Kultur zu: "man kann die These vertreten, dass Allen eine Fülle des Komischen wiedergewinnt, die seit mehr als zwei Jahrtausenden verlorengegangen war."

Ein missglückter Versuch also, die philosophische Sichtweise auf das Œuvre von Woody Allen anzuwenden. Voller Ungereimtheiten und Merkwürdigkeiten, bisweilen etwas trocken und ,spannungsarm'.

Titelbild

Vittorio Hösle: Woody Allen. Versuch über das Komische.
Verlag C. H. Beck, München 2001.
128 Seiten, 14,30 EUR.
ISBN-10: 3406472656

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