Pop-Perlen ja, schwarzrot nein?

Hartmut El Kurdi versucht sich am Scherben-Klassiker "Keine Macht für Niemand"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ein kleines, unscheinbares Büchlein, schwarzrot eingeschlagen, hoher Preis, geringe Substanz. So könnte man in einem Satz das Buch "Schwarzrote Pop-Perlen. Keine Macht für Niemand" von Hartmut El Kurdi über "Ton Steine Scherben" charakterisieren.

El Kurdi stellt seine erste Begegnung mit der Musik der Berliner Band als "Frontalzusammenstoß" dar, er fand sie "leider scheiße", die Musiker seien "Nichtskönner und textliche Flachschippen". Seine Meinung sollte sich erst nach der Auflösung der "Scherben" ändern und nach dem Genuss der ersten Solo-Platte des Frontmannes der Gruppe, Rio Reiser.

Und so brüllt er seine These, warum er "Ton Steine Scherben" denn nun doch plötzlich leiden kann, dem Leser geradezu entgegen: "Der Irrtum. Ton Steine Scherben waren keine ,Politrock'-Band, und ,Keine Macht für Niemand' ist keine,Politrock'-Platte!"

Diese wenig überzeugende These versucht El Kurdi nun auf den verbliebenen Seiten durch einige gute, zumeist aber oberflächliche, nichtssagende und sich recht häufig widersprechende Argumente zu erhärten. Zwischendurch rudert er immer wieder zurück, man gewinnt den Eindruck, er traue seinen eigenen Aussagen selbst nicht ganz: er wolle doch gar nicht behaupten, "Ton Steine Scherben" sei eine "unpolitische Humtata-Kapelle" gewesen. Die Frage ist für ihn, ob die Band erfolgreich war, "weil sie eine politische Band waren oder hatten sie mit Songs politischen Inhalts Erfolg, [...] die wahrscheinlich einen noch viel höheren Grad an Popularität und Massenwirksamkeit erreicht hätten, wäre ihre Musik nicht lange Jahre von fast allen bundesdeutschen Medien boykottiert" worden. Und genau da liegt das Problem seiner Argumentation. Warum wurden die Scherben boykottiert? Weil sie Pop mit wenig politischem Inhalt spielten?

Sicherlich, so viel zur Versöhnung, waren die "Scherben" nicht nur die Anarcho-, Polit- oder Hausbesetzercombo, als die sie von den Medien bezeichnet wurden, aber eine reine Pop-Band, nein Danke.

Titelbild

Hartmut El Kurdi: Schwarzrote Pop-Perlen. Ton Steine Scherben. "Keine Macht für Niemand".
Wehrhahn Verlag, Hannover 2001.
64 Seiten, 12,30 EUR.
ISBN-10: 393232482X

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