Keine guten News von GoodNews

Nick Hornbys neuer Roman "How to be good"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Katie, eine Ärztin, eröffnet David, einem zynischen, stets schlecht gelaunten Möchtegernschriftsteller, direkt nach einem Seitensprung am Telefon, dass sie sich von ihm trennen möchte. Dies ist der Auftakt für eine unerklärliche, komplette Wandlung ihres Mannes.

Nach "Fever Pitch", "High Fidelity" und "About a boy" erschien bei Kiepenheuer und Witsch nun der neue Roman des englischen "Kultautors" Nick Horby. "How to be good" lautet der programmatische Titel. Da ist man gespannt, wie man denn nun zum Gutmenschen wird.

Gleich zu Beginn überrascht Hornby den Leser: Er schildert die Geschichte aus der Perspektive einer Frau. Ungewöhnlich für Kenner seines bisherigen Œuvres, waren seine Protagonisten bisher doch immer männlich, liebten Fußball und Musik, waren in gewisser Weise ein Alter Ego des Autors (auch wenn es in "About a boy" ein kleiner Junge war). Nun gut, damit kann man leben.

Der gleiche Mann, der in der Lokalzeitung eine Kolumne als "der zornigste Mann von Holloway" schrieb, in der er seine Hasstiraden gegen alte Frauen, Ökolatschenträger, Softies, Esoterikanhänger und Obdachlose ausbreitete, scheint nach dieser Offenbarung und einer geheimnisvollen Behandlung seines chronischen Rückenleidens wie ausgewechselt. Er organisiert Nachbarschaftstreffen, vermittelt obdachlosen Jugendlichen ein Zuhause, besucht mit Katie das Theater, gibt Bettlern Unmengen von Geld und lässt schließlich sogar seinen Wunderheiler, einen abgedrehten Typen namens DJ GoodNews in die gemeinsame Wohnung einziehen. Es scheint, als habe GoodNews David neben der Behandlung auch noch eine Gehirnwäsche mitgeliefert.

Und genau diese Figur ist das Störende an "How to be good". War der Anfang noch eine gut geschriebene, typische Hornby-Geschichte, sarkastisch und selbstironisch, charmant und witzig, so wird das Buch mit dem Auftauchen von GoodNews zunehmend schwächer. Der moraltriefende Guru, der von der Erleuchtung faselt und Betten verabscheut, weil sie "so falsch sind", lässt keinen Raum für Hornbys Stärken, seine Beobachtungsgabe und seinen trockenen Humor. Die besten Szenen sind demnach auch die zwischen David und Katie. Köstlich die Episode, als David, früher eher dem kurzen Sex ohne großartigem Vorgeplänkel zugeneigt, nach seiner Wandlung nun plötzlich den zärtlichen, romantischen und ausdauernden Liebhaber gibt und Katie sich nach dem ganzen Hin und Her den alten David zurückwünscht. Schön auch die charmanten Anspielungen auf diverse Protagonisten aus dem Hornby-Mikrokosmos zwischen Championship Vinyl und Highbury und die diversen kleinen Geschichten und Beobachtungen am Rande.

Den Wechsel der Perspektive hat Nick Hornby gut gemeistert, auch wenn man sich des Gedankens nicht erwehren kann, dass er besser aus Davids Sicht erzählen sollte, mit seiner Figurenwahl hat er sich aber keinen Gefallen getan. Sicherlich, gute Einfälle und Szenen gibt es auch in "How to be good" zuhauf, aber das Buch reicht leider nicht an "High Fidelity" und "About a boy" heran.

Titelbild

Nick Hornby: How to be good. Roman.
Übersetzt aus dem Englischen von Clara Drechsler und Harald Hellmann.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2001.
336 Seiten, 20,40 EUR.
ISBN-10: 3462030272

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