Therapie dringend erwünscht

Sabine Scholz merkwürdiger Erstling "Studienzeit mit Pannen"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Die 14 Kapitel des Büchleins sollen vor über zehn Jahren geschrieben worden sein und nun "die nötige Reife" besitzen. Die nötige Reife, um publiziert zu werden? Machen denn Jahre des Wartens eine Geschichte besser oder gar zu einem Kleinod deutscher Literatur?

Die Ich-Erzählerin, eine gescheiterte Philosophiestudentin, sitzt auf ihrem Sperrmüll-Sofa, schaut im Fernsehen "Herzblatt", ihre Lieblingssendung, und zieht eine Bilanz ihres Lebens: Ihre Lebensabschnittsgefährten sind seltsame Typen, ihr Elternhaus ist zerüttet, ihr Vater ein ziemlicher Kotzbrocken. Mit dem Chemiestudenten, ihrem Freund, den sie aber doch nicht wirklich liebt, ist sie in eine gemeinsame Wohnung gezogen, hat aber gleich ein Verhältnis mit dem Nachbarn begonnen. Der ist ein Typ "wie aus dem Modemagazin entsprungen". Mit ihm fährt sie auch in Urlaub und ärgert sich über seine "immer gravierender werdenden" Potenzstörungen; bald wendet sie sich anderen Männern zu und verdient sich ein paar Mark mit Prostitution. Ihr Freundeskreis ist schwer neurotisch, eine Freundin hat ein Verhältnis mit einem älteren Mann - reich, aber Alkoholiker -, andere wollen sie zur Religion bekehren oder sind verwirrte ehemalige Baghwan-Jünger.

Wirr wie die Beziehungen der Figuren ist das gesamte Buch, planlos zusammengestellte Episoden aus einen ziemlich kaputten Leben, das Ganze noch in einem profanen Stil. "Abends kam Erich. Er war 12 Jahre älter und sehr behaart" - schön, aber "Humor pur", wie uns die Verlagswerbung weismachen will? Nicht nur eine Studienzeit, sondern auch ein Buch mit Pannen, das mal wieder zeigt, dass gut gemeint und gut gemacht offenbar doch unüberbrückbare Gegensätze sind.

Titelbild

Sabine Scholz: Studienzeit mit Pannen.
Verlag Max-Stirner-Archiv, Leipzig 2001.
107 Seiten, 7,70 EUR.
ISBN-10: 3933287324

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