Die Tücken des eigenen Textes

Florian Illies recht trockene "Anleitung zum Unschuldigsein"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Florian Illies, Prototyp der von ihm ins Leben gerufenen "Generation Golf" und Redakteur bei der F. A. Z., landete mit seinem zweiten Buch "Anleitung zum Unschuldigsein" einen weiteren Erfolg. Auf eine ebenso witzige wie (selbst-)ironische Art beschreibt er die Tücken des Alltags und der Political correctness ebenso wie die Wesenheiten des Deutschen an sich. Ob Probleme bei der Mülltrennung, Rosenverkäufer in Kneipen, deutsche Touristen im Ausland oder die gar nicht so einfache Gestaltung eines freien Tages - all diese Dinge sind bereits dazu geeignet, darüber nachzugrübeln und beinahe unweigerlich ein schlechtes Gewissen zu entwickeln. Doch glücklicherweise liefert Illies auch Anleitungen und Übungen mit, "ohne Gewissensbisse durchs Leben zu gehen.".

Nun ist sein zweites Buch auch als Hörbuch beim HörVerlag erschienen. Eine gute Sache, so möchte man denken, doch so köstlich und unterhaltend die einzelnen Geschichten auch sind - so etwa das grandiose Kapitel "Heute bleibe ich einen Tag zuhause" - der Vortrag ist es beileibe nicht. Der Autor liest selbst, dies ist oft eine Bereicherung und leider zu oft ein Nachteil für die Produktion, wie auch hier. Illies liest monoton; dröge und beinahe desinteressiert wirkt sein Vortrag. Mit auffällig vielen Versprechern stolpert er geradezu durch seinen eigenen Text.

Dass er aber auch anders kann, zeigt er gleich zu Beginn der CD, wenn er die Hinweise der Veranstalterin, wie man nach der Lesung das Haus zu verlassen hat, parodiert und im Verlaufe des Abends als einen running gag immer wieder lakonisch einstreut. Dies ist zweifelsohne einer der Höhepunkte, für einen kurzen Augenblick gerätt er beinahe in die Nähe des "großen Erziehers" seiner Generation Harald Schmidt. Nur ist das aber etwas wenig für knapp anderthalb Stunden Vortrag. Überhaupt ist die Lesung erstaunlich kurz, nur kleine Teile der "Anleitung zum Unschuldigsein" werden überhaupt vorgestellt: gerade einmal acht Kapitel, und das auch nur in knappen Auszügen. Angesichts der Qualität des Vortrags ist das aber ganz gut so, auch wenn man sich im Laufe der Zeit einigermaßen daran gewöhnt. Letztlich, Herr Illies, bleibt nur eines:

Übung: Wir stellen uns in der Stadt zur Haupteinkaufszeit auf den Marktplatz, stellen den mitgebrachten Recorder an und lesen fehlerfrei und mit etwas Ausdruck ein Kapitel unseres Buches laut vor.

Titelbild

Florian Illies: Anleitung zum Unschuldigsein. 2 CD.
Der Hörverlag, München 2002.
15,50 EUR.
ISBN-10: 3895847232

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