Die Hummel ist ja nicht von mir ...

Helmut Krausser liest seine "Schmerznovelle"

Von Daniel BeskosRSS-Newsfeed neuer Artikel von Daniel Beskos

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Im Jahre 2001 hat Helmut Krausser mit "Schmerznovelle" sicherlich eines seiner bisher besten Bücher vorgelegt und entsprechend positiv ist das Buch überall besprochen worden, auch in der April-Ausgabe 2001 von literaturkritik.de (vgl. http://www.literaturkritik.de/txt/2001-04/2001-04-0030.html).

Im Hörverlag ist 2002 das Hörbuch dazu erschienen. Helmut Krausser liest auf 4 CDs den ungekürzten Text, das ergibt 255 kurzweilige Minuten. Bei vielen Hörbüchern, bei denen die Autoren selbst vorlesen, ist es sicher der Fall, dass dadurch der Text eine zusätzliche Dimension erhält, sich möglicherweise auch neue Interpretationen und Blickwinkel auftun. Krausser liest eindringlich, und es hätte sich wahrscheinlich kein passenderer Sprecher für diesen Text finden lassen. Dennoch wird beim Hören klar, dass die intensive Stimmung, die sich einstellt, schon im Text selbst angelegt ist, Krausser kann sie lediglich noch einmal eins zu eins übermitteln. Er schafft es, die schwierig angelegte Konstellation zwischen dem Protagonisten und der geteilten Persönlichkeit der Johanna Palm bzw. des Ralf Palm ohne Verständnisabstriche auszubreiten.

Es ist Krausser auch gelungen, die Entwicklung des Psychiaters und Erzählers vom distanzierten Wissenschaftler zum Teilnehmenden und schließlich hin zum Opfer des Falls für den Hörer anschaulich zu machen. Schwierig hierbei ist sicherlich die Wahrung der Distanz, die er sich auch in seinem Tagebuch "Dezember" vorgenommen hatte: "Die Geschichte ist unerotisch und muss auch so erzählt werden. Ohne sich den Vorwurf fehlender Sinnlichkeit einzufangen." Die emotionale Einbindung des Protagonisten nimmt also stetig zu, doch Krausser bleibt kalt, er liest beinahe schon steril, auf jeden Fall aber analytisch. Dadurch stellt er mit seiner Stimme einen angenehmen Kontrast gegenüber dem Inhalt und der Handlung dar, und lässt der Geschichte genügend Platz, für sich selbst zu sprechen und auf ihre Qualität aufmerksam zu machen.

Mag dieses Hörbuch also vielleicht etwas karg wirken, ohne Mehrwert gegenüber der Buchversion, so stellt es doch - und vielleicht ist das für viele Interessierte ein guter Grund - eine mögliche Alternative dar.

Titelbild

Helmut Krausser: Schmerznovelle. 4 CD.
Der Hörverlag, München 2002.
225 min., 25,90 EUR.
ISBN-10: 3895849839

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