Schwermütigkeit trifft hintergründigen Humor

Detlef Kinsler widmet sich "Element of Crime"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Der Hannibal Verlag möchte mit seiner Reihe "Music Makers" laut eigener Aussage Musiker und Bands vorstellen, "die sich leicht der Klassifizierung widersetzen." Mit der Band Element of Crime ist dieses Kriterium zweifelsohne erfüllt worden. Zunächst als "Berufsmelancholiker" verkannt, kamen viele Rezensenten erst spät auf den hintergründigen Humor vieler "Elements"-Texte. Die Band um Sven Regener, Jakob Ilja, Paul Lukas, Jürgen Fabritius und Uwe Bauer nahmen ihr Debütalbum "Basically Sad" 1986 in nur fünf Tagen auf, von der Kritik wurden sie für dieses Album beinahe einhellig gelobt. Das zweite Album "Try to be Mensch" wurde gar in London aufgenommen und von John Cale, dem Ex-Mitglied der legendären Andy-Warhol-Band "The Velvet Underground", produziert. Ihre Musik war von einer melancholischen Lakonik, die Sounds eher spröde und die Texte bittersüß - und auf Englisch. Erst mit ihrem Album "Damals hinterm Mond" texteten Element of Crime komplett in deutscher Sprache, zuvor beinhaltete lediglich die Platte "The Ballad of Jimmy & Johnny" mit "Der Mann vom Gericht" einen deutschsprachigen Titel. Kritik und Publikum nahmen diese Wende eher gelassen und vielfach gar mit Wohlwollen auf. Die bislang letzte Studioaufnahme, "Romantik" aus dem Jahr 2001, erhielt nach Sven Regeners Romandebüt "Herr Lehmann" und dessen Plazierung auf der Spiegel-Bestsellerliste eine deutlich erhöhte Aufmerksamkeit. Zeitlos schöne Songs wie "Es regnet" oder "Fallende Blätter" zeigen Element of Crime auf dem Höhepunkt ihres Schaffens. In letzter Zeit ist es allerdings recht still geworden um die Band, Regener schreibt angeblich einen zweiten Roman, die Fans werden derweil mit zwei "Best of"-Alben vertröstet. Um so besser passt das Büchlein des Hannibal Verlages in diese Pause. Mit einer knappen, locker, aber nicht zu schnoddrig geschriebenen Biografie wird die Band und ihre Mitglieder kurz vorgestellt. Der Hauptteil des Buches liegt aber eindeutig auf der gründlich und ausführlich kommentierten Diskographie, die neben den 'technischen Daten' der Platten auch so manchen lesenswerten Kommentar beinhaltet. Auch fehlen Hinweise auf etwaige Solo-Aktivitäten oder Projekte der Musiker nicht. Alles in allem ist Kinslers Buch sicherlich einer der Höhepunkte der Reihe, informativ und nicht nur für Fans von Element of Crime empfehlenswert - außerdem verkürzt es die Wartezeit auf das nächste Album.

Titelbild

Detlef Kinsler: The Music Makers: Element of Crime.
Hannibal Verlag, München 2003.
168 Seiten, 10,50 EUR.
ISBN-10: 3854452217

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