Alles wird gut im Zaubergarten

Nina Ruges zweites Kinderbuch: Esoterik und Fred Feuerstein

Von Hannelore PiehlerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Hannelore Piehler

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ein Mädchen mit einem Kaninchen erlebt Wundersames, das ist nichts Neues. "Lucy im Zaubergarten" heißt die aktuelle Version dieses klassischen Kinderbuch-Motivs. Autorin ist Nina Ruge, die mit "Mira May und das Zauberhandy" 2001 ihr Debüt vorgelegt hat. Also nach Geert Müller-Gerbes und Madonna nur ein weiterer Promi, der sich als Kinderbuch-Autor versucht? In der Regel ist das Fazit ja ernüchternd: Ein bekannter Name allein reicht nun einmal nicht, da ist schon auch Talent nötig.

Immerhin muss zugestanden werden: So ganz ohne ist Nina Ruges zweites Kinderbuch nicht. Leider aber auch nicht so ganz gelungen. Die Idee der Geschichte ist durchaus sympathisch. Nach dem Umzug aufs Land entdeckt Lucy, dass sie mit den Pflanzen im Garten sprechen kann. Mehr noch: Schwarzmagier aus dem alten Kloster nebenan und moderige Gnarze im Erdinneren planen eine fiese Intrige gegen die Menschen, die Lucy mit Hilfe ihres Hasis, der Pflanzen und dem "Wipfelgott" verhindern soll. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Zu allem Überfluss muss sich Lucy auch noch mit ihrer nervigen Schwester Rebecca rumärgern. Und nicht zuletzt taucht ein ziemlich netter Junge, wie Lucy findet, in der Nachbarschaft auf ...

Die Beschreibung der ersten Liebe und der Rivalität zwischen den beiden Schwestern gehört zu den Stärken des Buches, das voller phantastischer Einfälle steckt. Doch genau bei der Ideenfülle hakt es: Weniger ist mitunter einfach mehr. Nina Ruge schafft es leider nicht, die unterschiedlichen Details und Handlungsstränge zu einem überzeugenden Plot zusammenzufügen. Vielmehr bietet sie eine sehr eigenwillige Mixtur aus ein bisschen Harry Potter, etwas Esoterik (ein Hoch den Kristallen), Pflanzenkunde (sogar mit Register), ein bisschen Fantasy, ein bisschen "Der Name der Rose" (was die schrulligen Mönche betrifft) und ein bisschen Fred Feuerstein. Am Ende fragt sich der Leser allerdings nur ratlos, wieso Lucy überhaupt als helfende Hand notwendig war, wenn der Pflanzen-Wipfelgott ohnehin im entscheidenden Moment für das Happy End sorgen muss.

Das alles wäre noch verzeihlich, würde Autorin Ruge sich nicht auch sprachlich völlig verzetteln. Dass sie Lucy und ihre Altersgenossen eine saloppe Teenie-Sprache verpasst, ist ja in Ordnung, auch wenn die dauernden Ausrufezeichen, die "JAAAAAs!!!!!" und "Juchhuuuuuuuuuuuuhs!!!!" schnell nerven. Dass aber auch Mönche bzw. Magier von biblischem Alter cool talken und "Yipppiiiie!" schreien, ist dann endgültig zuviel. Von schiefen Bildern (Sturmböen, die die Muskeln spielen lassen) ganz zu schweigen. Spätestens hier hätte ein Lektor eingreifen müssen.

Schade also, das hätte eine richtig schöne Geschichte werden können. Doch ist Nina Ruge ja bekanntlich Optimistin. "Alles wird gut" flötet in "Lucy im Zaubergarten" sogar der schüttere Rhododendron. Und vielleicht gilt das ja auch für das nächste Kinderbuch der "Leute heute"-Moderatorin.

Titelbild

Nina Ruge: Lucy im Zaubergarten.
Wilhelm Heyne Verlag, München 2003.
350 Seiten, 10,00 EUR.
ISBN-10: 3453871278

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