Kommerz-Blüten

Adam Green und sein eher halbgares "magazine"

Von André SchwarzRSS-Newsfeed neuer Artikel von André Schwarz

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Es ist schon ein merkwürdiger Mechanismus. Da hört man eine obskure amerikanische Band namens The Moldy Peaches, die Lieder wie "Who`s got the crack?" oder "Downloading porn with Davo" schrammeln und findet das Ganze auch noch charmant. Wenig später kommt man auf Umwegen an eine CD eines der Bandmitglieder, die ebenfalls durch eine rotzfreche, nonchalante und vor allem raue Machart auffällt. Plötzlich findet man besagten Adam Green auch in den Plattenkritiken, die zweite CD gefällt durch etwas weniger LoFi-Gehabe und eine deutlich gestiegene Qualität. Das darauf besuchte Konzert ist nur mäßig besucht, aber recht nett. Kurze Zeit später ist der Name Adam Green in aller Munde, das Feuilleton feiert ihn als den kommenden Star. Seine dritte CD findet reißenden Absatz, dabei ist sie nicht mehr als eine Aneinanderreihung von netten Tralala-Melodien, und eine Single-Auskopplung daraus läuft auf MTV rauf und runter. Und was passiert? Man wendet sich ab.

Nicht weil schon wieder einer seiner Helden der ach so bösen Kommerzialisierung zum Opfer gefallen ist, nein, weil es mal wieder geschafft wurde, einen brauchbaren, aber bei weitem nicht überragenden Songwriter auf einen Sockel zu stellen, der zu hoch für ihn ist. Das Ganze wird nun noch dadurch übertroffen, dass er auch noch als Jack Kerouac seiner Generation entdeckt werden muss, seine zuvor nur in Fanzines erschienenen Texte und Songfragmente erschienen jüngst bei Suhrkamp. Etwas verwundert reibt man sich da schon die Augen, ausgerechnet Suhrkamp? Man hat fast den Eindruck, der Verlag versucht um jeden Preis, sich ein junges, hippes Publikum zu erschließen. Ihren Höhepunkt findet die Anpreisung, wenn im Klappentext erwähnt wird, dass seine Urgroßmutter keine geringere als Felice Bauer ist, die einstige Geliebte Kafkas. Und der Schwippschwager Greens hat bestimmt schon mal den Müll von Bob Dylan durchstöbert, oder? Man fragt sich schon, was der Verlag mit solchen Ankündigungen bezweckt.

Übersetzt hat das "magazine" Thomas Meinecke, einer der Heroen der Pop-Autoren, und - das muss auch mal gesagt werden - er hat seine Arbeit erwartungsgemäß hervorragend gemacht. Die Ausgabe ist zweisprachig, vorne findet sich das amerikanische Original, hinten die Übertragung. Doch die beste Übersetzungskunst reißen die Texte nicht aus ihrer Mittelmäßigkeit heraus. Das Langgedicht "The Flowers Of Capitalism" ist einer der guten Texte in dieser Sammlung, zuweilen klug und nachdenklich, zuweilen lapidar: "Desert Storm, I summon you tonight from the archives of MTV news / May you reappear in Yankee stadium this evening / dressed in Armani with royalty checks in your pocket / Snorting oriental goodies in the lavatory / Protesting the journalistic amnesia that dazzles the western world". Ein wenig klingt hier von der Schnoddrigkeit Dylans oder der richtungsweisenden Kraft der Beat-Dichter schon durch, doch Green erweckt zumeist den Eindruck, durch gezielt eingesetzte four-letter-words einfach ein bisschen die prüden Amerikaner schockieren zu wollen, ohne aber einen Aufbruch zu neuen Ufern zu propagieren. In "The Civilian" nummeriert er seine spontanen Gedanken einfach mal durch: "8. How far can I bend my love (and know she`ll kiss me back) / 9. I want to tear up other organisms (hairy plastic) / 10. I need to put this piece of shit behind the monkey statue / [...] / 13. Information is a smelly brown creation / 14. Red bricks drop from your vagina / 15. Carolina (she´s from Texas) / Her lips taste like sunk ships / (her breasts taste like breakfast) / 16. She could suck me trough the payphone". So weit, so nichtssagend.

Dass er eingängige und zuweilen auch recht gute Songs schreiben kann, hat Adam Green hinlänglich bewiesen, aber zum Dichter fehlt ihm trotz ansprechender Ansätze noch eine Menge. Da liest man doch lieber die Autoren, die mit ihm im gleichen Atemzug genannt werden oder die weiter hinten von Seiten des Verlags beworbenen Herren Meinecke, Goetz und Neumeister, davon hat man eindeutig mehr.


Titelbild

Adam Green: magazine. Zweisprachige Ausgabe (englisch/deutsch).
Übersetzt aus dem Englischen von Thomas Meinecke.
Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 2005.
122 Seiten, 7,50 EUR.
ISBN-10: 3518124056

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Leserbriefe

christian heerdt: eloquent in szene gesetzt, haben sie sich, herr schwarz, jedoch wenig stichhaltig. man muss folgendes "buch", eine textesammlung von adam green, unter dem gesichtspunkt der intention des autors betrachten. zitat green "Es ...





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