Harald in Oblivion

Sibylle Lewitscharoff verzaubert mit dem Märchen vom höflichen Harald

Von Anne Hahn

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Es war einmal ein kleiner Junge in Zwirnegg, den seine Mutter vor der Zeit ins Leben hinausstieß. "Lass dich hier erst wieder blicken, wenn du ein Held geworden bist. Und vergiss nicht: zu einem Helden gehört eine Braut. Hübsch muss sie sein, sonst kommt sie mir nicht über die Schwelle. Nun aber los, verschwinde!" Die Mutter baute sich böse in der Haustür auf, eine Hand in die Hüfte gestemmt und blickte Harald drohend hinterher. Dem verwirrten Burschen blieb nicht anderes übrig, als sich zu trollen und den wundersamsten Abenteuern entgegen zu stolpern.

Diese Abenteuer hat Sibylle Lewitscharoff aufs schönste ausgemalt: Mit einer trockenen, an die spröden Dialoge aus Alicens' Wunderland erinnernden Sprache und eigenen, fantastischen Illustrationen. Schwerelose Schnörkel zaubern knorrige Schurken, bucklige Ratten und häßliche Kröten. Eine dieser Kröten heißt Hedwig und ist halb Mensch, halb Frosch. Harald soll sie heiraten und ist darüber wenig erfreut. Konnte er sich doch gerade von einem zusammengeklebten Jungen aus Papier mit Hilfe der Tränen eines Rehs, dem er traurige Geschichten vom Seeräubersohn Filibuster erzählt hat, in einen kleinen Menschen zurückverwandeln. Dabei ist ihm Kapitän Drago, der ihn sicher durch die große Gardine geleitet hatte, ganz und gar abhanden gekommen und die drei Sidonies, auf die er aufpassen sollte, hat er auch verloren... Und dann gelangt er ausgerechnet nach Oblivion, dem Land der weißen Flecken, das entstand, weil jemand beim Beschreiben der Landschaft die Lust verlor. "Deshalb liegt Oblivion halbfertig da und wir haben unsere liebe Not damit", sagt Filibuster.

Für die Aufklärung all dieser Wirrnisse empfiehlt es sich, dieses Buch an Freunde, Omas, Neffen und Tanten zu verschenken und sich am besten gleich gegenseitig daraus vorzulesen. Der Genuß ist garantiert!

Titelbild

Sibylle Lewitscharoff: Der Höfliche Harald.
Berlin Verlag, Berlin 1999.
179 Seiten, 15,20 EUR.
ISBN-10: 3827003490

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