Germanistik, Politik und das generationsübergreifende Projekt „Vergangenheitsbewältigung“

Peter Schütts Diskussionsbeitrag für „Die Welt“ 1966

Von Sabine KolochRSS-Newsfeed neuer Artikel von Sabine Koloch

 

Inhalt

Wer? wann? was? und: warum?
Vor- und Nachspiele
Anhang: Thema Germanistentag 1966: Das WDR-Sendemanuskript „Germanen und Germanisten“ aus dem Jahr 1967
Anmerkungen

Wer? wann? was? und: warum?

In der Samstagausgabe der Hamburger Tageszeitung Die Welt vom 5. November 1966 erschien ein Votum für eine generalüberholte Germanistik, das allein schon aufgrund seines Titels Bewegung in Seite römisch zwei der Beilage „Das Forum der geistigen Welt“ zu bringen versprach: Für die Öffnung nach links.[1] Eine vorangestellte redaktionelle Notiz konturiert das Rahmenthema und stellt die Beiträger streng herkömmlich in der Reihenfolge ihrer Position auf der Karriereleiter vor, ein Vorgehen, das auch bei der Anordnung der akquirierten Artikel zum Tragen kam:

Auf dem Deutschen Germanistentag in München[2], der diesmal nur von etwa einem Drittel der Hochschulgermanisten besucht wurde, ging es um das Thema „Ist die deutsche Germanistik nationalsozialistisch?“ Eine Gruppe junger Frondeure[3] hatte damit gedroht, den Germanistenverband zu spalten, falls dort nicht endlich „die Vergangenheit bewältigt werde“.[4] Fachfremde Kräfte heizten die Atmosphäre von außen zusätzlich an. Bald wurde klar, daß es den Opponenten nicht nur um die Beseitigung chauvinistischer Relikte, sondern um eine grundsätzliche Reform des Universitätsfachs „Germanistik“ überhaupt ging. Dieses FORUM führt die Diskussionen in München fort. Es kommen zu Wort: die Ordinarien Prof. Benno v. Wiese (Bonn) und Prof. Hugo Kuhn (München)[5] und ‒ als Vertreter der jungen Frondeure ‒ der Hamburger Germanist Peter Schütt.[6]

Warum die Welt-Redaktion genau ihn zum Verfasser des Hauptartikels bestimmte, frage ich den heute 80-jährigen Peter Schütt[7].[8] Er sei im Hause des Hamburger germanistischen Mediävisten Ulrich Pretzel mit dem Welt-Redakteur Günter Zehm (* 1933) zusammengetroffen.[9] Nach einem der dort häufig stattfindenden Streitgespräche habe Zehm ihn damit beauftragt, einen die strittigen Tagungspunkte aufgreifenden Diskussionsbeitrag auszuarbeiten.[10] Nicht mehr gegenwärtig war Peter Schütt sein kurz zuvor veröffentlichter Tagungsbericht zum Deutschen Germanistentag 1966.[11]

Die griffige Formel „Für die Öffnung nach links“ lag bereits in der Luft,[12] als Peter Schütt, eben noch Hilfsassistent bei Walther Niekerken und jetzt schon wissenschaftlicher Assistent Karl Ludwig Schneiders[13], und dazu inmitten der Promotionsphase steckend, seinen Welt-Artikel mit dem Mut des Neuerers in Angriff nahm. Die „Standpunkte zum Selbstverständnis der Germanistik“, wie sie sich dem 27-jährigen Tagungsteilnehmer darstellten, teilte dieser in Lager ein: Konservative, Mitte, Minderheit. Die zur näheren Erläuterung der drei Lager herangezogenen Fallbeispiele stammen aus der Alt- und der Neuphilologie, aus der Sprach- und der Literaturwissenschaft und ausnahmslos aus der Welt der Männer. Ein Ergebnis von München, so der Verfasser, sei die klare Abkehr von der „vaterländischen Philologie“, nicht aber von einer „gründlichen Entmythologisierung und Entideologisierung“ des Faches. Um die Ursachen zu klären, die einer „nazifizierten Wissenschaft“ Vorschub geleistet hatten, regt er ein eigens für diese Aufgabe einzurichtendes Forschungsinstitut an. Es sei längst an der Zeit, Abschied zu nehmen vom unhinterfragten literarischen Kanon, von der thematischen und methodischen Abschottung nach links, vom Chauvinismus der germanistischen Sprachforschung. Der abwehrende Umgang mit marxistischer Literaturwissenschaft dient dem Verfasser als Beleg für den autokratischen Führungsstil des Deutschen Germanistenbandes: „Wer methodisch richtig liegt, entscheidet der um seine Exklusivität besorgte Fachverband“. Die Dominanz der Textimmanenz im Nachkriegsdeutschland habe zu einer methodischen Erstarrung ähnlich der im Deutschland 1933‒1945 geführt. Abschließend wird mit deutlichen Worten das Ordinariensystem kritisiert.

Für die Öffnung nach links

Von PETER SCHÜTT

Drei verschiedene Standpunkte zum Selbstverständnis der Germanistik wurden auf dem Münchner Kongreß vertreten. Die Konservativen anerkennen die Traditionen ihrer Disziplin trotz der Verirrungen im Dritten Reich als „verpflichtendes Erbe“ und verteidigen „die nationalen Aufgaben einer Wissenschaft vom Deutschen“. Während die akademischen Anwälte der „ungebrochenen Kontinuität“ seit 1960 mehr und mehr verstummen, hat die pädagogische Exekutive, bedrängt durch die Konkurrenz des Fachs „Gemeinschaftskunde“ und durch Presseangriffe, neuerdings eine bemerkenswerte Betriebsamkeit zur Erhaltung des „allgemein und überfachlich erzieherischen Auftrags des muttersprachlichen Unterrichts“ entfaltet. Die ebenso verbitterten wie vergeblichen Rückzugsgefechte der nach Bonn und in die Provinz vertriebenen „Berliner Schule“ in München haben jedoch gezeigt, daß die letzte Stunde der vaterländischen Philologie geschlagen hat.

Die Mitte ist der Ansicht, daß die „volkhafte Literaturwissenschaft“ einen Verrat am guten Geist der Germanistik bedeutet habe. Deshalb genüge es, daß man sich von den Perversionen des Pangermanismus, die nicht moralisch zu werten, sondern historisch zu deuten seien, distanziert, um zu einer „Neubesinnung“ auf Grund des Status ante quem zu finden. Ich meine, daß die Fachvertreter mit einer solchen Kompromißhaltung einer notwendigen Entscheidung für oder gegen die deutschkundliche Ideophilologie aus dem Weg gehen und die Chance zu einer gründlichen Entmythologisierung und Entideologisierung versäumen.

Einer Minderheit geht es vor allem um eine endliche Entnazifizierung der unter Hitler total nazifizierten Wissenschaft. Die Münchner Referate haben wie einige frühere Aufsätze gezeigt, daß man nahezu jeden Germanisten, der damals veröffentlicht hat, durch bloße Zitate der Lächerlichkeit preisgeben kann. Das befreiende Gelächter, in das selbst die Betroffenen, statt entsetzt zu sein, einstimmen, ist freilich schnell in Gefahr, als Alibi mißverstanden zu werden. Es läßt leicht vergessen, daß der Faschismus die Deutschkunde nicht wie ein Kabarettspuk überrumpelt hat, sondern von langer Hand und manchem erlauchten Handlanger vorbereitet worden ist: Die Ursachen zu ergründen, sollte Aufgabe eines eigenen Forschungsinstitutes sein.

Die Ersetzung von Intellekt durch Offenbarung, der Aufklärung durch Verkündung beginnt schon bei Herder, und die Grimms leiten bereits die verhängnisvolle Identifizierung von Sprache und Geist ein. Die Sakralisierung von Heimat, Volk, Vaterland und Muttersprache geht zu Lasten der Romantik. Herder als Muster sollte mit Lessing vertauscht werden, an die Stelle der Brüder Grimm sollten die Brüder Schlegel treten: Weltliteratur statt Stammeskunde, Kritizismus statt Sagenforschung.

Der Dichtung des „anderen Deutschland“, Seume, Heine, Börne, Weerth, Herwegh, Freiligrath, müßte endlich die angemessene Aufmerksamkeit zukommen. Der Kanon frommer Sänger und Künder könnte durch eine sorgfältige Beschäftigung mit der „Trivialliteratur“, der Historiographie und philosophischen Werken – auch Hegel, Marx und Feuerbach sind Autoren von Rang – erweitert werden. Eine Literaturgeschichte aus den Biographien einiger weniger Klassiker ist so sinnlos wie eine historische Darstellung des 19. Jahrhunderts aufgrund der Lebensläufe von Napoleon, Metternich und Bismarck.

Thematisch wie methodisch ist eine Öffnung nach links längst an der Zeit. Eine Diskussion mit der marxistischen Literaturwissenschaft ist überfällig. Selbst im Westen lebende Sozialisten wie Bloch, Lukács, Kantorowicz oder Mayer sind bisher zu keinem Germanistenforum geladen worden. Nicht nur Marxisten, auch Literaturkritiker und sogenannte Literaten bleiben als „Nichtwissenschaftler“ draußen: Wer methodisch richtig liegt, entscheidet der um seine Exklusivität besorgte Fachverband.

Eine Entdeutschung tut vor allem in der Altgermanistik not. Es gibt zahlreiche indo- und urgermanische Grammatiken, deren Formenbestand zu 99 Prozent erschlossen und deren System so erfunden ist wie eine Hegelsche Begriffsdichtung, aber es gibt kaum eine Deskription der Gegenwartssprache. Um Worte zu erklären, geht man zu den Göttern und zu den Müttern. Das etymologische Wörterbuch von Kluge und Götze, das jede Vokabel an ihrer mythologischen Herkunft aus dem Indoeuropäischen mißt – quellenkritisch vom selben Wert wie Freytags „Ahnen“ –, ist noch immer die Bibel jedes Philologen, heilig genug, um den Schwindel mit „Erbwortgut“ wie Scholle, Blut, Volk, Treue oder Seele mystisch zu verschleiern, „Fremdwörter“ wie Kultur und Rationalismus fehlen allerdings, während Volkwerdung und Ganzheitlichkeit als „echte Stämme“ ausführlich kommentiert werden.

Die chauvinistische Einteilung in Erb-, Lehn- und Fremdwörter gilt noch für jede Sprachlehre, eine sprachsoziologische Wortbetrachtung, wie sie in Frankreich und England längst üblich ist, hat sich hier nirgends durchgesetzt. Die Frage, woher ein Wort kommt – wenn nicht aus dem Gotischen, dann aus dem Bayerischen oder Schlesischen: der Deutsche Sprachatlas erforscht mit volkskundlichen Methoden die landschaftlich-stammesgebundene Verbreitung einzelner Idiome – , rangiert noch immer vor der Frage nach der kontextbedingten aktuellen Wortbedeutung. Statt die ungleich wichtigere lateinische Dichtung des Mittelalters zur Kenntnis zu nehmen, reitet man die mühsam zur Literaturgeschichte gebündelten 76 „Meister der deutschen Frühe“ endgültig zu Tode.

Die populärwissenschaftlichen Interpretationskompendien Bonner Provenienz haben zwar so etwas wie ein Wirtschaftswunder Literaturwissenschaft ermöglicht, sie haben aber auch zu einer nur im Dritten Reich ähnlich ausgeprägten methodischen Erstarrung geführt. Von der Unterprima bis ins Oberseminar werden Texte unter Absehung von allem „Außertextlichen“ wie Geschichte, Psychologie oder Soziologie über ein und denselben Leisten geschlagen.

Eine Vielfalt konkurrierender Methoden und Meinungen ist freilich nur über eine Demokratisierung der fachwissenschaftlichen Hierarchie möglich. Wie eh und je orientiert man sich an wenigen „Autoritäten“. Sie entscheiden als Ordinarien über Examina, Promotionen und Habilitationen auch der Andersdenkenden und verfügen als Herausgeber der Fachzeitschriften, der wissenschaftlichen Reihen und der Sammelpublikationen über die Veröffentlichung nahezu jeder Arbeit. Jeder, der etwas werden will, muß um ihre Gunst buhlen und fördert den Geist der Heuchelei und Unredlichkeit, der unter den Vorwärtsdrängenden notwendig den Ton angibt.[14]

Bei der Redaktion trafen zahlreiche Zuschriften ein. Davon fanden sieben Eingang auf Seite 9 („Aus Briefen an die Redaktion“) der Mittwoch/Donnerstag-Ausgabe der Welt vom 16./17. November 1966, dieses Mal geordnet nach Textlänge. Im Rahmen des vorliegenden Beitrages kann dieser Textfundus nur punktuell ausgeschöpft werden:

Ist die deutsche Germanistik nationalistisch?    Aivars Petritis, cand. phil., Köln-Weidenpesch

„Für die Öffnung nach links“                                 Jörn Krüger, Hamburg

Ein neuer Nationalismus                                       Dr. M. H. Kaulhausen, Universitätslektorin i. R.
                                                                                   Göttingen

Vergangenheit oft ‚komisch‘                                 Dr. Armin Mohler, München

Junge Frondeure                                                     Dr. Edelgard Kindt, Oberstudienrätin, Hamburg

Kind seiner Zeit                                                       Werner Klose, Oberstudienrat, St. Peter

Übers Ziel hinaus                                                    Dr. Walter Jacobi, Oberstudiendirektor des
                                                                                   Oldenburg-Kollegs, Delmenhorst

Peter Schütts Herangehensweise, die Referenten (alle männlich) und Diskutant/innen auf dem Deutschen Germanistentag nach ihrer politischen Ausrichtung zusammenzufassen sowie Fachgemeinschaft und Gesamtverband ohne Rücksicht auf Position und Ansehen an den Idealen der Vernunft, der Aufklärung, eines demokratisch verfassten Staates (mit z. B. seinem Recht auf Selbst- und Mitbestimmung, auf Freizügigkeit, Meinungsfreiheit, Lehr- und Wissenschaftsfreiheit) und einer pluralistischen Gesellschaft zu messen, zeigt seine weltanschaulich-politische Nähe zu Paul-Gerhard Völker (1937‒2011), der in Reaktion auf den Germanistentag anlässlich einer SDS-Veranstaltungsreihe an der Universität München am 19. Dezember 1966 die provokativ respektlose Frage in den Raum stellte: „Wie reaktionär ist die Germanistik?“.[15] Völkers einstiger Doktorvater, der germanistische Mediävist Hugo Kuhn[16], warnte mit Blick auf Schütts Diskussionsbetrag, der ihm offenbar von der Redaktion vor dem Druck zur Einsichtnahme zugesandt worden war, in seinem Artikel für die Welt vor der „Durchsetzung einer politischen Linie des Faches“. Politische Bekenntnisse nachzuholen habe er nicht nötig. Im Gegensatz zu Kuhn konnten und wollten Schütt und Völker sich Wissenschaft nicht ohne politische Positionierung derer, die sie betreiben, vorstellen,[17] schon gar nicht in Anbetracht der „blinden Apologie eines faschistischen Staates“, wie Völker die politische Haltung der NS-Germanistik in seinem Aufsatz Die inhumane Praxis einer bürgerlichen Wissenschaft. Zur Methodengeschichte der Germanistik  auf den Begriff brachte.[18] Ihr Verständnis von Aufklärung beinhaltete die Offenlegung von Werten und politischen Einstellungen (der Begriff „Transparenz“ besaß 1966 noch nicht die heutigen Bedeutungsnuancen „Durchschaubarkeit“, „Ehrlichkeit“). Daher pochten sie, die beide den Münchner Germanistentag aufmerksam verfolgt hatten,[19] auf eine hierzu aufdeckende Diskussion. Für den gleichen Sachverhalt wählte der Kommunikationswissenschaftler Wolfgang R. Langenbucher in seinem Tagungsbericht die Formulierung „redliche Erhellungsversuche“.[20]

Die Forderung eben der Germanistengeneration, der Schütt und Völker angehörten, bringt Rudolf Goldschmit in seiner Tagungsbesprechung für die Süddeutsche Zeitung vom 24.10.1966 präzise und eindeutig zum Ausdruck: „So ging es den jüngeren Diskussionsrednern auf dieser Tagung nicht darum, einzelne Gelehrte anzuprangern, sondern um die – wie es einmal hieß – ‚Selbstreinigung‘ der Germanistik. Um die Frage also, wie weit auch heute noch, unbewußt vielleicht, Methoden und Problemstellungen nationalistischer Provenienz gängig seien. Mehr noch als in einzelnen Referaten verfocht die junge Germanistengeneration diese ihre Sache in den Diskussionen – durch Beifall, deutliches Scharren und energische Erwiderungen“.[21]

Auf Goldschmits Tagungsbericht explizit bezugnehmend, umschiffte Kuhn in seinem Diskussionsbeitrag für die Welt die Frage nach dem Selbstverständnis der Germanistik[22], indem er sie so ausdeutete, als könne es dabei nur um das Wissenschaftsverständnis des Faches gehen: „Die Germanisten werden aufgefordert, ihr Selbstverständnis zu ‚reinigen‘ (Süddeutsche Zeitung vom 24.10.1966). […] Ist Germanistik keine Wissenschaft? Muss sie nicht auf dieser Basis ihr Selbstverständnis suchen?“.[23] Benno von Wiese[24] hinwiederum tauschte an gleicher Stelle die Frage nach dem Selbstverständnis der Germanistik durch die nach dem Selbstverständnis der Deutschen aus: „Es dürfte schwer sein, zu einem neuen deutschen Selbstverständnis zu gelangen, das maßvoll und realistisch bleibt. Aber gerade dazu könnte eine Wissenschaft wie die Germanistik beitragen“.[25] Ich werte das beschriebene Abgleiten von der Frage nach dem Selbstverständnis der Germanistik[26] als manipulatives Ausweich- bzw. Ablenkungsmanöver, verbunden mit dem Wunsch nach Selbstschutz, nach Deutungshoheit und nach Machterhalt in den Varianten „Erhalt der eigene Macht“, „Erhalt der Macht der Kollegen“, „Erhalt der Macht aller, denen die in Rede stehenden Verantwortungsträger ihren Erfolg zu verdanken haben“. In keiner der oben aufgelisteten Zuschriften wird dieses absichtsvolle „am Thema vorbeireden“ des Münchner und des Bonner Ordinarius aufgedeckt, geschweige denn als unsachlicher, unlauterer Auseinandersetzungsstil gerügt ‒ oder war etwa allen Beteiligten klar, dass es sich um einen Machtkampf handelte, bei dem die Regeln der Politik gelten? Eine Ausnahme bildete Edelgard Kindt, die in ihrer Welt-Zuschrift Kritik an der manipulativen Beeinflussung durch die Feuilletonredaktion übte:

Junge Frondeure

Es ist dankenswert, daß Sie zur Problematik des Münchener Germanistentages in Ihrem Forum die verschiedenen Richtungen zu Worte kommen lassen. Doch im ersten Satz Ihres Vorspanns wird mit der Wendung „Auf dem Deutschen Germanistentag in München, der diesmal nur von etwa einem Drittel der Hochschul-Germanisten besucht wurde…“ eine gewisse Herabsetzung des Wertes der Veranstaltung in bezug auf das Ergebnis ausgesprochen.

Das Anliegen der von Ihnen als „Gruppe junger Frondeure“ bezeichneten jüngeren Wissenschaftler ist ein wissenschaftlich-legitimes. Warum müssen Sie die Position dieser Gruppe von vornherein abwerten durch die Bemerkung: „Fachfremde Kräfte heizten die Atmosphäre von außen zusätzlich an“? Wäre es Ihnen darum zu tun, jene „fachfremden Kräfte“ sachlich herauszustellen, wäre es besser gewesen, mitzuteilen, wo und in welcher Form diese „Anheizung“ geschehen ist. So läuft die Einleitung auf Stimmungsmache hinaus.

Als zwei Jahre später SDS-Aktivisten, unter ihnen Peter Schütt und Rudi Dutschke[27], Benno von Wiese im Bonner Audimax zu seiner Karriere in der Zeit des Nationalsozialismus befragen wollten, entzog sich dieser angeblich der öffentlichen Debatte. In seiner Autobiografie Ich erzähle mein Leben. Erinnerungen wies Benno von Wiese Kritik an seiner Person unter Zuhilfenahme von Militärsprache („Vernichtungsfeldzug“) und von ehrenrührigen Anschuldigungen („sparte nicht mit Verleumdungen und Beschimpfungen“) weit von sich: „Dennoch erfolgten massive Angriffe gegen mich, die aber von außerhalb kamen. Das begann bereits während meiner Abwesenheit in den USA. Als im Wintersemester 1967/68 der sogenannte ‚dies‘ stattfand, an dem an der [Bonner] Universität Vorlesungen für Jedermann gehalten werden, hatten die rebellierenden Studenten einen ‚antidies‘ aufgemacht, der in den Gängen und in den Wandelhallen der Universität stattfand. Dort war im Gefolge von Rudi Dutschke ein gewisser Peter Schütt erschienen, der einen Vernichtungsfeldzug gegen mich zu führen suchte. Er sparte nicht mit Verleumdungen und Beschimpfungen.“ Auf die Redewendung „im Gefolge von Rudi Dutschke“ des 1987 verstorbenen Autobiografen anspielend, widmete Schütt „Benno und seinen Gefolgsleuten“ in seiner literarischen Darstellung des eigenen Lebens einen längeren Passus (eine detaillierte Prüfung aller Angaben in dem Zitat muss weiterführenden Forschungen vorbehalten bleiben):

Auch wenn ich als Urheber des Spruches mit den 1000 Jahren ausfalle, will ich nicht in Abrede stellen, daß im akademischen Lehrbetrieb jener Jahre immer noch zahlreiche alte Nazis am Werk waren, am meisten vermutlich in meinem eigenen Fach, der Germanistik. Einer davon war der ebenso allmächtige wie allgegenwärtige Germanistenpapst Benno von Wiese. In einem Beitrag für das Feuilleton der Tageszeitung Die Welt und in einem umfangreichen Essay, der zuerst 1967[28] von Karlheinz Deschner in einem Sammelband unter dem Titel Wer lehrt an deutschen Universitäten? veröffentlicht wurde, habe ich die tiefbraune Vergangenheit des Großen Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Germanisten[29] öffentlich gemacht. Ich habe damit eine breite Diskussion über die Verstrickung der deutschen Germanistik in den Faschismus ausgelöst, die schließlich zum Rücktritt ihres Chefs führte.[30] Ich beteiligte mich an mehreren studentischen Teach-ins gegen Benno und seine Gefolgsleute. Der spektakulärste Auftritt fand in Bonn anläßlich des dies academicus zur Begrüßung der neuen Studenten statt, eines Zeremoniells, das ich fünf Jahre früher selbst miterlebt hatte. Zusammen mit Hannes Heer, der sich inzwischen vom Linkskatholiken zum SDS-Agitator emporgearbeitet hatte, und mit Studentenführer Rudi Dutschke wollten wir Benno von Wiese „stellen“, doch der von uns Heimgesuchte verweigerte sich jeder Diskussion und rief statt dessen die Polizei herbei, um den großen Hörsaal räumen zu lassen.[31]

Marie-Hed Kaulhausen wurde beim Abfassen ihrer einer Schmährede gleichenden Welt-Zuschrift vom Vorurteil regiert. Peter Schütt verbinde mit den Nationalsozialisten „dieselbe fast haßerfüllte Intoleranz gegen alle Andersdenkenden, derselbe Fanatismus in der Durchsetzung eigener Anschauungen, dieselbe rechthaberische Überheblichkeit und Arroganz, dieselbe Ehrfurchts- und Traditionslosigkeit vor überkommenen, weltweiten Werten ‒ und dieselbe Unchristlichkeit.“ Aussagen zu seiner religiösen, politischen und sozialen Einstellung ziehen sich wie ein roter Faden durch Schütts Autobiografie Von Basbeck am Moor über Moskau nach Mekka. Stationen einer Lebensreise. Wichtig hier die selbstbeschreibende Feststellung: „Zwischen dem Katholizismus und dem Kommunismus habe ich in meinen jungen Jahren keinen Widerspruch gesehen. […] Die Kirche war für den rechten Weg zu Gott zuständig, die Partei für den linken Weg zu einer gerechteren Gesellschaft auf Erden.“[32] Ein gläubiger Christ war auch Rudi Dutschke. Freitag vor Ostern 1963 notierte dieser in sein Tagebuch: „Christus zeigt allen Menschen einen Weg zum Selbst. Diese Gewinnung der inneren Freiheit ist für mich allerdings nicht zu trennen von der Gewinnung eines Höchstmaßes an äußerer Freiheit, die gleichermaßen und vielleicht noch mehr erkämpft sein will.“[33]

In keiner der veröffentlichten Welt-Zuschriften wird auch nur mit einem Wort Schütts Vorschlag erwähnt, ein Forschungsinstitut zu gründen, dem die Aufgabe zufiele, Licht in das Dunkel der Frage zu bringen, warum „der Faschismus die Deutschkunde nicht wie ein Kabarettspuk überrumpelt hat, sondern von langer Hand und manchem erlauchten Handlanger vorbereitet worden ist“.[34] Die Idee war nicht neu, Schütt erreichte aber eine breite Öffentlichkeit. Für das Mainzer Treffen des Stimbekhof-Kreises 1965 hatte dieser informelle Zusammenschluss den Programmpunkt „Errichtung einer Arbeitsstelle zur kritischen Erforschung der Geschichte der Germanistik und ihrer Nachbarwissenschaften“ an die erste Stelle gesetzt.[35] Auch auf dem Germanistentag der Vereinigung der deutschen Hochschulgermanisten in Stuttgart 1972 war die Einrichtung einer Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik ein Bestandteil der Tagesordnung.[36] Auf der aktuellen Website der Marbacher Arbeitsstelle wird die zwölfjährige NS-Diktatur und ihr Fortwirken zumindest erwähnt: „1972 fand der von Eberhard Lämmert und Walter Müller-Seidel initiierte Aufruf des Deutschen Germanistenverbands im Deutschen Literaturarchiv Gehör, der Erforschung der Fachgeschichte besonders im Hinblick auf die Jahre 1933 bis 1945, aber auch in der Nachwirkung jener Jahre eine dokumentarische und institutionelle Basis zu geben.“[37] Trotz oder wegen dieser Arbeitsstelle ist das Projekt „Vergangenheitsbewältigung“ in der Germanistik erst in Ansätzen realisiert. Aus der Sicht der Germanistik nährt das Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland (2007, 3. Aufl. 2015) überzogene, um nicht zu sagen naive Vorstellungen und Erwartungen.[38] Eine wegweisende Funktion bei der Erforschung der Vor- und Nachkriegsgermanistik übernimmt dagegen das 1994‒2002 von der DFG geförderte Internationale Germanistenlexikon 1800‒1950 (2003),[39] auch weil die Redaktion die Kartei des früheren Berlin Document Center als Informationsquelle heranziehen konnte.[40]

Ein zweiter Punkt, der in den Welt-Zuschriften keine Beachtung fand, ist Schütts ebenso zutreffende wie einfühlsame Kritik an den Universitäten in ihren überkommenen Strukturen,[41] und den unwürdigen Verhältnissen, die sich daraus für den wissenschaftlichen Nachwuchs ergeben. Einzig Benno von Wiese streifte in seinem Diskussionsbeitrag dieses gravierende, dringliche Problem, vermied aber wohl aus taktischen Gründen, von „Demokratisierung“ zu sprechen[42]: „Die jüngeren Generationen lassen sich nichts mehr vormachen, auch keine angeblichen ‚ewigen‘ Werte mehr, und das ist gut so. Sie wollen nicht glauben, sie wollen prüfen. So wird sich denn auch an Universitäten und Schulen und zumal im Fach Germanistik ein weitgehender Abbau einer inzwischen steril gewordenen Tradition durchsetzen, bis in das Organisatorische hinein.“ Die überfällige Demokratisierung der Hochschulen entwickelte sich in den 1960er-Jahren zu einem zentralen Kritikpunkt des SDS, der Studierendenbewegung und linker Hochschullehrer/innen:

Hochschule in der Demokratie. Denkschrift des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes zur Hochschulreform, Frankfurt am Main: SDS, Bundesvorstand [1961].

Hochschule in der Demokratie. Denkschrift des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, durchges. Neuauflage von 1961, Frankfurt am Main: Verlag Neue Kritik 1965.

Wolfgang Nitsch, Uta Gerhardt, Claus Offe, Ulrich K. Preuß, Heinz Großmann, Peter Müller: Hochschule in der Demokratie. Kritische Beiträge zur Erbschaft und Reform der deutschen Universität, Neuwied, Berlin: Luchterhand 1965.

Jürgen Habermas: Universität in der Demokratie ‒ Demokratisierung der Universität, in: Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 21, 1967, S. 416‒433; Wiederabdruck in: Universität und Demokratie. Universitätstage 1967. Veröffentlichung einer Vortragsreihe der Freien Universität Berlin am 19. und 20. Januar 1967, Berlin: De Gruyter 1967, S. 67‒79, sowie in: Jürgen Habermas, Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main 1969, S. 108‒133 (3. Aufl. 1970; Sonderausgabe mit einer Nachbemerkung von Alexander Kluge 2008).

Stephan Leibfried (Hrsg.): Wider die Untertanenfabrik. Handbuch zur Demokratisierung der Hochschule (Stimmen zur Zeit; 6), Köln: Pahl-Rugenstein 1967 (5. Aufl. 1970).

Aktionsgemeinschaft Demokratische Universität (Hrsg.): Demokratische Universität. Kritische Arbeitskreise in München, München: ADU [ca. 1968].

Hochschule und Demokratie [in beiden Teilen Deutschlands] [Bayerischer Studententag 1967] (Schriftenreihe der Studentenschaft; 3), München: Studentenschaft des Freistaates Bayern 1968.

Stephan Leibfried: Die angepaßte Universität. Zur Situation der Hochschulen in der Bundesrepublik und den USA, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1968 (3. Aufl. 1969).[43]

1967 meldete sich in der Januar-Ausgabe des Sprachdienst unter dem Namenszeichen „ap“ H. Appel zur Welt-Themenseite „Ist die deutsche Germanistik nationalsozialistisch?“ zu Wort.[44] Wieder wurde Peter Schütt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt:

[…] PETER SCHÜTT schreibt:

„Thematisch wie methodisch ist eine Öffnung nach links längst an der Zeit. Eine Diskussion mit der marxistischen Literaturwissenschaft ist überfällig. Selbst im Westen lebende Sozialisten wie Bloch, Lukács[45], Kantorowicz oder Mayer sind bisher zu keinem Germanistenforum eingeladen worden. Nicht nur Marxisten, auch Literaturkritiker und sogenannte Literaten bleiben als ‚Nichtwissenschaftler‘ draußen: Wer methodisch richtig liegt, entscheidet der um seine Exklusivität besorgte Fachverband.“

Es ist Herrn SCHÜTT entgangen, daß man sich bei uns sehr eingehend mit der marxistischen Literaturwissenschaft auseinandersetzt.

PETER SCHÜTT spricht davon, daß eine „Entdeutschung“ vor allem in der Altgermanistik not tue. Und dann fällt er über das Etymologische Wörterbuch von KLUGE und GÖTZE her (bis zu MITZKA ist er noch nicht vorgedrungen), „das jede Vokabel an ihrer mythologischen Herkunft aus dem Indoeuropäischen mißt ‒ quellenkritisch vom selben Wert wie Freytags ‚Ahnen‘“. Ein Kritiker meint dazu [Jörn Krüger in einer Zuschrift an die Welt], daß SCHÜTT wohl noch den Kluge aus der Nazizeit verwende. SCHÜTT schreibt weiter:

„Die chauvinistische Einteilung in Erb-, Lehn- und Fremdwörter gilt noch für jede Sprachlehre, eine sprachsoziologische Wortbetrachtung, wie sie in Frankreich und England längst üblich ist, hat sich [hier] nirgends durchgesetzt.“

Es wird Herrn PETER SCHÜTT dringend empfohlen, sich auch einmal um die Arbeit des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim zu kümmern. Da bemühen sich nämlich junge Germanisten sehr ernsthaft um die sprachsoziologische Wortbetrachtung. Die Erforschung der Gegenwartssprache steht im Mittelpunkt der Institutsarbeit.[46]

So erhellend Appels Fehlerkorrekturen noch heute sind, so sehr verdecken sie die Grundzüge von Schütts Argumentation. Zudem wird dessen Äußerung zur marxistischen Literaturwissenschaft aus dem Kontext gerissen. Denn nicht auf die Community zielte diese, sondern auf den Germanistenverband und dessen Weigerung, namhafte Vertreter dieser Forschungsrichtung als Referenten einzuladen.

Mit dem Anspruch, den bestehenden literarischen Kanon und die darin transportierten Werte zu hinterfragen und unter diesen Vorzeichen Autoren auszuwechseln, führt Schütt weiter, was Versäumte Lektionen. Versuch eines Lesebuchs (1965) und gleichartige Unternehmungen begonnen hatten.[47] In der Nachfolge von Peter Schütt und einer ganzen Reihe anderer den eingespielten Kanon nicht länger kritiklos Abknickenden[48] stehen Walter Raitz und Erhard Schütz mit ihrer Aufsatzsammlung Der alte Kanon neu. Zur Revision des literarischen Kanons in Wissenschaft und Unterricht, erschienen im Westdeutschen Verlag, Opladen, in der Reihe Lesen.[49] Über die Zielsetzung dieser 1975 begonnenen Reihe heißt es auf dem Bucheinband: „Unter dem Titel LESEN erscheinen in unregelmäßiger Folge Hefte zu aktuellen Fragen kritischer Literatur- und Medienwissenschaft. Sie enthalten theoretische Versuche, Analysen, didaktische Modelle, Kritik und Informationen zu jeweils einem Themenbereich. LESEN versucht, kritische Theoriebildung und politisch-pädagogische Praxis miteinander zu verbinden. Es steht als Forum für Projekt- und Erfahrungsberichte offen, welche die Möglichkeiten und Widerstände emanzipatorischer Praxis in Schule und Hochschule aufzeigen.“ Unter dem Einfluss der Kritischen Theorie verhalf Helmut Lethen einer „kritischen Literaturwissenschaft“ (kritisch = ideologiekritisch, herrschaftskritisch), für ihn ein Synonym für „linke Germanistik“[50], 1970/71 zum Durchbruch.[51][52] 1973 eröffnete der Athenäum-Fischer-Taschenbuchverlag die Reihe Kritische Literaturwissenschaft. 1979 zog der Suhrkamp-Verlag nach und gründete die Hefte für kritische Literaturwissenschaft, bestückt allein, als wäre es kein Widerspruch in sich, mit Arbeiten von Christa und Peter Bürger.[53] Die Online-Zeitschrift Undercurrents. Forum für linke Literaturwissenschaft (Berlin: Florian Kappeler c/o Buchladen Schwarze Risse 2012‒)[54] knüpft an Marie Luise Gansbergs Programmatik einer „Literaturgeschichtsschreibung in praktisch-kritischer, d. h. emanzipativer Absicht“ an,[55] wenn sie „nach dem Verhältnis von Literatur, Literaturwissenschaft und emanzipatorischen Bewegungen“ fragt und gleichzeitig „für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen im wissenschaftlichen Betrieb“ kämpft.[56] Das Engagement von Undercurrents zeigt die ungebrochene Aktualität von Peter Schütts Transparentmachung von Missständen, die 1966 an den Universitäten herrschten.

Vor- und Nachspiele

Noch unter meiner Herausgabetätigkeit im Rahmen des Projektes „1968 in der deutschen Literaturwissenschaft“ hatte der Soziologe und Zeitzeuge Bernd Dammann (* 1944) in sein von mir teilweise redigiertes Manuskript zur studentischen Protestbewegung in der Germanistik einen Textteil zu Peter Schütt eingefügt.[57] Interessant fand ich schon damals die kurzgefasste Wiedergabe des in der Welt abgedruckten Leserbriefes Junger Frondeur? von Karl Heinz Borck: „Er [Peter Schütt] wurde daraufhin von […] Karl Heinz Borck […] in dessen Leserbrief Junger Frondeur? in der Tageszeitung DIE WELT im Januar 1967 öffentlich gemaßregelt. Professor Borck verbat sich derartige ungebetene öffentliche Einmischungsversuche in die inneren Angelegenheiten des Germanistenverbandes und wies zugleich als neuer Vorsitzender des DGV derartige fachspezifische Reformforderungen barsch zurück. Die Erörterung derartiger Fragen dürfe man getrost den dafür zuständigen Germanistikprofessoren selbst überlassen“.[58] Die nicht mit Beweisen untermauerte Schlussfolgerung Dammanns, es sei Peter Schütt gewesen, der die „inhaltliche Grundlage“ lieferte, „in deren Bezugsrahmen die aufbegehrenden Germanistikstudent(inn)en in den kommenden Jahren ihre Reformforderungen artikulierten“,[59] wird in Zweifel ziehen, wer Schütts Artikel Für die Öffnung nach links inhaltsanalytisch ausgewertet und wer die komplexen Vorgänge der 1960er-Jahre und die Fülle des Materials zu den Debatten und Diskursen, Modernisierungs- und Reformprogrammen, Parolen und Flugblattaktionen, autonomen Gruppen und Projekten, Störungen, Streiks, Besetzungen und Polizeimaßnahmen innerhalb der Germanistik dieses Jahrzehnts auch nur einigermaßen überblickt. Damit die Forschung zukünftig auf methodisch gesicherte, sachlich und begrifflich wohlerwogene[60] Aussagen über Peter Schütt zurückgreifen kann, möchte ich eine Dissertation anregen, die von seiner politischen und literarischen Tätigkeit in ihrer wechselseitigen Beziehung handelt. Neben Literatur- und Theaterwissenschaft sind auch die Bewegungs- und die Protestforschung aufgefordert, die Arbeiten des Germanisten, Aktivisten, Schriftstellers[61], Mitglied des DKP-Vorstandes, Journalisten, Literaturvermittlers und religiösen Brückenbauers Peter Schütt gründlich und stichhaltig aufzuarbeiten.[62] Der umfangreiche Vorlass des Schriftstellers befindet sich in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. Die auf den 6.9.2017 datierte Aufstellung aller dorthin abgegebenen Materialien befindet sich in meinem Besitz. Weiterhin liegen mir computerschriftlich vor: „Über Peter Schütt. Sekundärliteratur“, „Peter Schütt Werkverzeichnis“, „Literatur im Waschhaus. Programm für Oktober 2019“.

Ohne die umsichtige Germanistin und Zeitzeugin Eva D. Becker, geboren 1934 in Bremen, wäre vielleicht bis heute kein Kontakt zwischen Peter Schütt und mir zustande gekommen. Becker war es, die mir 2018 ‒ unaufgefordert ‒ Zeitungsartikel zukommen ließ, die sich sämtlich mit den legendären Germanistentagen 1966/68 befassen. An den Rand von Schütts Diskussionsbeitrag für die Welt schrieb sie: „Hochzeit in Hamburg 1968“. Die Eheschließung von Peter Schütt und Agnes Hüfner[63] wurde für Ende Dezember 1968 anberaumt. Hüfner war 1967/68 Beckers erste und einzige Kollegin an der Universität des Saarlandes.[64] Zur Feier eingeladen war eigentlich nur Becker. Diese verbrachte Weihnachten bei ihrer Mutter Gerda[65] in Bremen, zusammen mit ihrer langjährigen Vertrauten, der Germanistin Marie Luise Gansberg (1933‒2003), auch diese eine Rebellin, eine bis 2018 verdrängte und vergessen gemachte.[66] Als die Hochzeit vor der Tür stand, nahm Becker Gansberg kurzentschlossen nach Hamburg mit. In seinem Projektbeitrag In eigener Sache lässt Peter Schütt uns daran teilnehmen, worüber auf seiner Hochzeit diskutiert wurde.

Anhang: Thema Germanistentag 1966: Das WDR-Sendemanuskript „Germanen und Germanisten“ aus dem Jahr 1967

Es würde den Rahmen des vorliegenden Beitrages sprengen, die Medienresonanz auf den Deutschen Germanistentag 1966 anhand einer Vollständigkeit beanspruchenden Titelliste auffächern zu wollen. Ich möchte aber eine Rarität in den Blick rücken, die mir der Projektbeiträger Christoph Kapp als PDF[67] zugänglich machte: ein maschinenschriftliches Sendemanuskript zum Münchner Germanistentag, betitelt „GERMANEN UND GERMANISTEN. Nationalismus in der Germanistik – Ausschnitte vom Germanistentag 1966 mit Kommentaren und Diskussionen“.[68] Der Sendebeitrag wurde am 7.1.1967 auf WRD 3 in der Reihe „Kulturelles Wort“ um 20 Uhr ausgestrahlt. Redakteur am Mikrofon war Gerhard Reitschert (* 1925). Der promovierte Germanist[69] konnte Karl Otto Conrady (* 1926) und Walter Boehlich (1921‒2006) als Studiogäste gewinnen. Über die Grundidee der zweistündigen Radiosendung informiert der Einleitungsteil:

Um es jedoch positiv zu formulieren: die Absicht, die dieser Sendung zugrunde liegt, ist denkbar einfach: die Dinge, die auf dem Germanistentag verhandelt wurden, gehen uns alle an. Wir alle sprechen tagaus, tagein; wir sprechen deutsch, und zwar in der Regel so, wie wir es auf der Schule gelernt haben und nicht von ungefähr spielt der Deutsch-Unterricht an unseren Schulen eine überragende Rolle. Den meisten von uns ist auch der Umgang mit Literatur nicht gänzlich fremd, und bei vielen wirken die Anleitungen, die sie auch für die literarische Lektüre von der höheren Schule oder der Universität bekommen haben, ihr ganzes Leben lang nach. D.h. wir alle haben mittelbar oder unmittelbar teil an dem, was Germanisten zu ihrer Wissenschaft und zu ihrem Beruf gemacht haben: den Umgang mit der Sprache und die Auseinandersetzung mit der Literatur. Dazu kommt ein zweites Argument: Nationalismus in der Germanistik ‒ das verweist auf politische Implikationen und ‒ über das Medium von Sprache und Literatur ‒ auf Fragen, mit denen wir uns alle immer und immer wieder konfrontiert sehen. Auch Wissenschaft spielt sich ja nicht im luftleeren Raum ab und schon gar nicht eine Disziplin, die es mit dem geschriebenen und gesprochenen Wort zu tun hat. Im Gegenteil: daß man mit der Deutung von Sprache und mit der Interpretation von Literatur Politik machen kann, ist zwar nicht jedermann bewußt, auch manchem Germanisten nicht, doch man hat es ‒ wie die folgenden Beiträge zeigen ‒ getan und tut es selbstverständlich bewußt oder unbewußt auch heute. Wenn sich daher die Germanistik mit ihrer Geschichte auseinandersetzt, definiert sie zugleich auch ihr Verhältnis zur heutigen Gesellschaft, und es kann der Gesellschaft, meine ich, durchaus nicht gleichgültig sein, welchen Ort und welchen Rang sich gerade diese Disziplin und gerade wegen ihrer Geschichte in ihr zumißt.

Diese Thesen bedürfen der Konkretisierung. Diese Sendung wird den Versuch dazu machen, und zwar mit Ausschnitten aus den beiden Vorträgen, die Professor Karl Otto Conrady aus Kiel über ‚Deutsche Literaturwissenschaft und Drittes Reich‘ und Professor Eberhard Lämmert von der Freien Universität Berlin über ‚Germanistik ‒ eine deutsche Wissenschaft‘ in München gehalten haben. Sie setzten die dominierenden Akzente zum Thema ‚Nationalismus in der Germanistik‘. Auf Ausschnitte aus den Referaten von Professor Walter Killy ‚Zur Geschichte des deutschen Lesebuches‘ und von Professor Peter von Polenz über ‚Sprachpurismus und Nationalsozialismus ‒ die Fremdwortfrage gestern und heute‘, die ebenfalls in diesen Themenbereich gehört hätten, mußte verzichtet werden, um dafür auf die Hauptgedanken der zuerst genannten beiden Themen ausführlicher eingehen zu können.

Dies wird durch Ausschnitte aus einem Gespräch geschehen, das ich über diesen Münchner Kongreß mit Professor Karl Otto Conrady und dem Publizisten Walter Boehlich geführt habe und das ich als Diskussion leider nicht bezeichnen kann.

[…] In München waren die dezidiertesten Kritiker der Position von Lämmert und Conrady Professor Hugo Kuhn und Professor Benno von Wiese. Sie oder doch einer von ihnen hätten deshalb eigentlich auch mit am Mikrophon sitzen müssen. Leider kam von beiden Herren ein abschlägiger Bescheid, wobei kein Hehl daraus gemacht wurde, daß der Grund für die Absage ausschließlich im Thema dieser Sendung zu suchen sei. Selbstverständlich muß es jedermann freistehen, darüber zu befinden, mit wem und über was er diskutieren möchte oder nicht. Dennoch: Vor dem Hintergrund des in München mit allem Nachdruck ausgesprochenen Argwohns, die Germanistik solle womöglich auf billige Weise zum Prügelknaben der Öffentlichkeit gemacht werden, läßt dieses kategorische Nein zur öffentlichen Diskussion, wie mir scheint, seinerseits nicht auf ein ungebrochenes Verhältnis zu eben dieser Öffentlichkeit schließen.[70]

Zu der betreffenden Sendung gibt es laut Harald Loewenich vom Westdeutschen Rundfunk, D+A-Recherche, keinen Nachweis in der Audio-Datenbank. Die Sendungen des WDR-Hörfunks seien in früheren Jahren nur sehr selektiv archiviert worden. Umso wichtiger ist das Sendemanuskript, das mit Erlaubnis der Autorenstiftung Frankfurt am Main eingesehen werden darf.

Anmerkungen

[1] Peter Schütt: Für die Öffnung nach links, in: Die Welt 21, Nr. 259, 5.11.1966, Beilage „Forum der geistigen Welt“ S. II.

[2] Benno von Wiese, Rudolf Henß (Hrsg.): Nationalismus in Germanistik und Dichtung. Dokumentation des Germanistentages in München vom 17. bis 22. Oktober 1966, Berlin 1967. Die für den Druck ausgearbeiteten Referate der „jungen Frondeure“ wurden auf Initiative von Walter Boehlich zusätzlich als Taschenbuch vertrieben: Germanistik – eine deutsche Wissenschaft. Beiträge von Eberhard Lämmert, Walther Killy, Karl Otto Conrady und Peter v. Polenz, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1967. ‒ Der geschichtsträchtige Kongress aus der Sicht eines Beteiligten: Karl Otto Conrady (* 1926): Miterlebte Germanistik. Ein Rückblick auf die Zeit vor und nach dem Münchner Germanistentag von 1966, in: Diskussion Deutsch 19, 1988, 100, S. 126–143. Die Sicht eines Unbeteiligten: Ralf Klausnitzer (* 1967): Endpunkte und Neuanfänge. Das Jahr 1966, in: Thomas Anz (Hrsg.), Handbuch Literaturwissenschaft, Bd. 3: Institutionen und Praxisfelder, Stuttgart, Weimar 2007, S. 141‒147, hier S. 141: „Die 1964 zaghaft und zögerlich begonnene Diskussion über die Rolle der Germanistik in der NS-Zeit machte der Münchener Germanistentag 1966 medienwirksam öffentlich […].“. Vgl. dagegen Roger Paulin: Antizipierend, aber ZEITgemäß. Rudolf Walter Leonhardts Sündenfall der deutschen Germanistik (1959). Eine Relektüre, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1144&ausgabe=51 (11.8.2018).

[3] Peter Schütt ließ mich am 27.10.2019 wissen: „Die Bezeichnung ‚Frondeur‘ stammt von Karl Heinz Borck. Er war Offizier und hatte im Krieg seinen linken Arm verloren. Als Erzkonservativer war er der Gegenspieler von Ulrich Pretzel, dem Altgermanisten, der mich zuerst als Assistent eingestellt hatte. Ich war öfter mit Borck aneinandergeraten und darum bekam ich von ihm den Spitznamen ‚Junger Frondeur‘ ‒ ein Rückgriff auf die militaristische Tradition. Ich hatte über ihn gelästert: Er stolpert immer noch auf der ick-ich-Linie herum. Das war sein Lieblings-und Dissertationsthema, da verstand er keinen Spaß.“ Vgl. zu Karl Heinz Borck, geboren 1923 in Riga (Lettland): Bastian Filaretow: Lexikon deutschbaltischer Wissenschaftler. Ein biographisch-bibliographisches Handbuch, Köln: Verlag Wissenschaft und Politik 1994, S. 41‒42, darin S. 41: „Werdegang: Wehrdienst und Kriegsteilnahme 1942, als Schwerkriegsbeschädigter entlassen 1944, Studium der Deutschen Philologie, der Mittleren und Neueren Geschichte sowie der Kunstgeschichte 1944/45 bzw. 1947‒1950 (RU Posen, U Münster), Promotion 1951 (U Münster; J. Trier, H. Grundmann), WissAss U Münster 1951‒1960 […], o. Prof. U Hamburg 1962 […]. Mitglied: 1. Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes und der Vereinigung der deutschen Hochschulgermanisten 1966‒1968, Vorsitzender der Kommission für Germanistische Forschungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft 1972‒1975“.

[4] Als Stichwortgeber wirkte nicht zuletzt Theodor W. Adorno: Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit [1959], in: ders., Eingriffe. Neun kritische Modelle, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1963, S. 125‒146.

[5] Benno von Wiese: Der Tag Null ‒ eine Illusion, Hugo Kuhn: Gegen die Politisierung einer Wissenschaft.

[6] Unsignierte redaktionelle Vorbemerkung zur Themenseite „Ist die deutsche Germanistik nationalistisch?“, in: Die Welt 21, Nr. 259, 5.11.1966, Beilage „Forum der geistigen Welt“ S. II. Brigitte Mehrens zitierte die betreffende Themenseite bereits 1968 in ihrer Dissertation: Rudolf Hildebrand als Germanist. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Philologie, Diss. Stanford 1968, S. 5, Anm. 19.

[7] Dorothea Dornhof, Frank Wecker: Die Literatur der Bundesrepublik in der Geschichte der DDR-Germanistik, in: Zeitschrift für Germanistik 10, 1989, Nr. 3, S. 336‒352, hier S. 346. Walther Kummerow, Christian Walter: Schütt, Peter, in: Wilhelm Kühlmann (Hrsg.), Killy Literaturlexikon. Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraumes, Bd. 10, 2., vollst. überarb. Aufl. Berlin, Boston/MA: De Gruyter 2011, S. 612‒613. Vgl. auch den Eintrag „Peter Schütt“ in: Munzinger Online/Personen. Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000016473.

[8] Peter Schütt wurde Ende 1967 an der Universität Hamburg promoviert. Vgl. Peter Schütt: Die Dramen des Andreas Gryphius. Sprache und Stil (Geistes- und sozialwissenschaftliche Dissertationen; 11), Hamburg: Lüdke 1971. Am 4./5.10.2019 teilte Peter Schütt mir schriftlich mit: „Sie haben Recht. Meine Disputation fand Ende Januar 1967 statt, also rechtzeitig vor dem Sturm. Aber gedruckt wurde meine Doktorarbeit erst 1971. Dazwischen drohte mir von der Universitätsleitung der Entzug meines Doktortitels, aber nachdem ich von Bundespräsident Heinemann von allen Sündenstrafen freigesprochen worden war, stand der Veröffentlichung nichts mehr im Wege. Ich wurde sogar von der Universitätsleitung dazu aufgefordert. ‒ Die ausführlichste Rezension ist übrigens in polnischer Sprache erschienen. Verfasser war Prof. Dr. Marian Szyrocki, Leiter des Deutschen Seminars in Wrocław. Er hob darin Gryphius’ Rolle als Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen hervor. Im Herbst 1966 hatte Szyrocki auf Einladung des Literaturwissenschaftlichen Seminars in Hamburg einen Vortrag über Opitz und Gryphius als Vermittler zwischen beiden Völkern gehalten. ‒ Für meine weitere Entwicklung war besonders das Trauerspiel Katharina von Georgien mit seiner weiblichen Hauptfigur interessant. Ihr Gegenspieler ist der persische Schah Abbas, der ‚Chomeini des 17. Jahrhunderts‘, der versucht, Katharina in seinen Harem nach Isfahan zu locken. Das war damals ein höchst aktueller und politischer Stoff. Meine begleitenden Studien haben mein ‚morgenländisches Auge‘ weiter geöffnet und mein Interesse an orientalischer Kultur beflügelt.“

[9] Dem Projetbeiträger Kai Köhler verdanke ich aufschlussreiche Hinweise zu Günter Zehm: „Zehm ist ja nur mit viel Wohlwollen als Konservativer zu bezeichnen, er rutscht dann später ins Umfeld der Jungen Freiheit. Und eben dieser Zehm druckt einen Leserbrief des Schweizers Armin Mohler ab, der 1942 über die Grenze nach Deutschland ging, um für die Waffen-SS zu kämpfen. Später agiert Mohler im Übergangsfeld zwischen Rechtskonservatismus und Neofaschismus (u. a. Geschäftsführer der Carl Friedrich von Siemens Stiftung). Was tun diese Leute in dieser Lage und warum tun sie es?“

[10] Peter Schütt: In eigener Sache, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1250&ausgabe=51 (8.11.2019).

[11] Peter Schütt: Streit um das Erbe der Brüder Grimm. Germanisten überprüfen die Methoden ihrer Disziplin ‒ Tagung des Fachverbandes in München, in: Die Welt 21, Nr. 251, 27.10.1966, S. 9. Vgl. hierzu in der Welt die Feedbacks von Ludwig Voit (2.12.1966) und Hannelore Hoffmann (6.1.1967).

[12] Ich möchte exemplarisch einen Artikel des deutschen Schriftstellers Rudolf Krämer-Badoni (1913‒1989), ab 1963 Mitarbeiter der Welt, herausgreifen, worin dieser Äußerungen von drei Gesprächspartnern verarbeitet. „Schließlich haben wir es in der Bundesrepublik mit den Leuten zu tun, die die europäische Mode der ‚Öffnung nach links‘ mitmachen möchten. Sie werden krank vor Angst, den Anschluß an den allgemeinen Trend zu verpassen. Besonders witzig wirkt dieser Drang, wenn er bei christlichen Sozialisten, diesen verwaschensten aller Denker, auftaucht. Sie glauben einen neuen Antrieb dadurch erhalten zu haben, daß ja selbst die Kurie eine Art Öffnung nach links vollzogen habe.“ Utopien am Werk. Brief eines Deutschen über Deutschland, in: Wort und Wahrheit. Monatsschrift für Religion und Kultur 17, 1962, S. 627‒630, hier S. 629.

[13] Noch als Student gründete Karl Ludwig Schneider (1919‒1981), der sich auch als Lyriker exponierte, die renommierte Hamburger akademische Rundschau (Hamburg: Hansischer Gildenverlag, 1-3, 1946/47‒1948/50, H. 1‒12). Vgl. Bernd M. Kraske: Die mutige „Akademische“. Erinnerung an eine nicht alltägliche Zeitschrift, in: Die Zeit Online 13.6.1986, URL: https://www.zeit.de/1986/25/die-mutige-akademische.

[14] Schütt: Für die Öffnung nach links (wie Anm. 1). Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. ‒ Eine thesenhafte Kurzfassung dieses Diskussionsbeitrages erstellte Jost Hermand: Geschichte der Germanistik, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1994, S. 145. Marcus Gärtner erwähnt in seiner an der FU Berlin entstandenen Dissertation Kontinuität und Wandel in der neueren deutschen Literaturwissenschaft nach 1945 (Bielefeld: Aisthesis-Verlag 1997, S. 285, Anm. 12) Wolfgang Isers „Infragestellung der Nationalphilologien als letzter Konsequenz der geforderten ‚Entdeutschung‘ (SCHÜTT 1966) der Germanistik“. Wolfgang Iser: Literaturwissenschaft in Konstanz, in: Hans Robert Jauß, Herbert Nesselhauf (Hrsg.), Gebremste Reform. Ein Kapitel deutscher Hochschulgeschichte. Universität Konstanz 1966‒1976, Konstanz: Universitätsverlag 1977, S. 181‒200.

[15] Sabine Koloch: Ein wissenschaftsgeschichtliches Webprojekt zur 68er-Zeit. Ziele, Verlauf, Erfahrungen, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1145&ausgabe=51 (5.9.2018).

[16] Burghart Wachinger: Hugo Kuhn und die Münchener Akademiekommission für Deutsche Literatur des Mittelalters, in: Eckart Conrad Lutz (Hrsg.), Das Mittelalter und die Germanisten. Zur neueren Methodengeschichte der Germanischen Philologie (Scrinium Friburgense; 11), Freiburg/Schweiz: Universitätsverlag 1998, S. 33‒48.

[17] Auf ganz andere Aspekte des Politischen legte Walter Boehlich in seinem Germanistentagbericht das Schwergewicht: „Dennoch sind die Entscheidungen, die die Germanistik treffen muß, nicht nur scientifische, sondern auch eminent politische. […] Dem Kongreß dieses Thema zu geben, schon das war eine politische Entscheidung. Nein, München darf kein Ende gewesen sein, es muß ein Anfang gewesen sein, der Anfang einer ständigen Auseinandersetzung mit dem, was hinter uns liegt, was aber längst noch nicht überwunden ist. Die Geschichte der Germanistik, nicht länger als simple Wissenschaftsgeschichte, sondern endlich einmal auch als politische Geschichte verstanden, wird das Fach auf seinem neuen Wege begleiten müssen. Wer die bewegenden Schlußworte von Frau Wilkinson sich zu Herzen genommen hat, wird diese Meinung teilen.“ Walter Boehlich: Der deutsche Germanistentag. Aufforderung, das Kind mit dem Bade auszuschütten, in: Die Zeit 21, 1966, Nr. 44, 28.10.1966, S. 10. Die von Boehlich angedachte Wissenschaftsgeschichte als politische Geschichte löste zeitnah und exemplarisch Franz Greß (* 1941) ein: Germanistik und Politik. Kritische Beiträge zur Geschichte einer nationalen Wissenschaft (Problemata; 8), Stuttgart-Bad-Cannstatt: Frommann-Holzboog 1971 (aus dem Inhalt: „Einleitung“, „Deutsche Germanistik im 19. Jahrhundert“, „Wilhelm Scherer“, „Auf dem Weg zur Deutschkunde“, „Rudolf Hildebrand“, „Zeitschrift für den deutschen Unterricht und Deutscher Germanisten-Verband“, „August Sauer und Josef Nadler“, „Zusammenfassung“). Siehe für die Schweiz Julian Schütt: Germanistik und Politik. Schweizer Literaturwissenschaft in der Zeit des Nationalsozialismus, Zürich: Chronos-Verlag 1996.

[18] Paul-Gerhard Völker: Die inhumane Praxis einer bürgerlichen Wissenschaft. Zur Methodengeschichte der Germanistik, in: Das Argument 10, 1968, Nr. 49 [Themenheft „Kritik der bürgerlichen Germanistik (Wissenschaft als Politik II)“ (3. Aufl. 1970)], S. 431‒454, hier S. 434.

[19] Sabine Koloch: Die Assistenten-Flugblatt-Gruppe und die Deutschen Germanistentage, in: dies., Die Assistenten-Flugblatt-Gruppe ‒ Aktionsfelder, Orte, Kommunikationskanäle, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1134&ausgabe=51 (7.7.2018), S. 24‒27.

[20] Wolfgang R. Langenbucher: Die Germanistik und der halbe Weg zurück. Vom deutschen Germanistentag in München, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 18, Nr. 248, 25.10.1966, S. 24. Der neu gewählte Verbandspräsident Karl Heinz Borck ließ eine geharnischte Replik folgen: Nur eine ehrende Phrase, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 18, Nr. 258, 5.11.1966, S. 14.

[21] Rudolf Goldschmit: Eine Wissenschaft übt Selbstkritik. Zur Jahrestagung des Deutschen Germanisten-Verbandes in München, in: Süddeutsche Zeitung 22, Nr. 254, 24.10.1966, S. 12.

[22] Auf die Unterschiede zwischen „Identität“, „Selbstverständnis“ und „Selbstreflexion“ kann hier nicht eingegangen werden. Zur Auffassung, Wissenschaftsgeschichte sei eine Form „historischer Selbstreflexion“ vgl. Eberhard Lämmert: Wissenschaftsgeschichte und Forschungsplanung, in: Walter Müller-Seidel (Hrsg.), Historizität in Sprach- und Literaturwissenschaft. Vorträge und Berichte der Stuttgarter Germanistentagung 1972, München: Fink 1974, S. 663–685, hier S. 669, und Rainer Kolk: Wissenschaftsgeschichte2, in: Jan-Dirk Müller (Hrsg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte, Bd. 3, Berlin, New York/NY: De Gruyter 2003, S. 857‒859, hier S. 858. Zum Selbstverständnis der Germanistik vgl. Rainer Rosenberg: Das Selbstverständnis der Literaturwissenschaft. Zur Geschichte der deutschen Germanistik 1900–1933, in: Weimarer Beiträge 32, 1986, 357–385. Norbert Oellers (Hrsg.): Germanistik und Deutschunterricht im Zeitalter der Technologie. Selbstbestimmung und Anpassung. Vorträge des Germanistentages, Berlin 1987, Bd. 1: Das Selbstverständnis der Germanistik. Aktuelle Diskussionen, Tübingen: Niemeyer 1988.

[23] Hugo Kuhn: Gegen die Politisierung einer Wissenschaft, in: Die Welt 21, Nr. 259, 5.11.1966, Beilage „Forum der geistigen Welt“ S. II. ‒ Vgl. Hildegard Brenner (Hrsg.): alternative. Zeitschrift für Literatur/Theorie. Gesamtverzeichnis 1963 bis 1982, Berlin: Alternative Verlag 1983, S. 5: „[Heft] 55 Germanistik ‒ Reform oder Politisierung? Mit Beiträgen von Martin Berg, Walter Fähnders, Klaus Hartung, Heinz Dieter Kittsteiner, Marlis Krüger, Klaus Laermann, Helmut Lethen, Martin Rector. Aus der Debatte der Germanisten-Vollversammlung, TU Berlin. Redaktion und Mitarbeiter: Thesen zur Germanistik.“

[24] Gerhard Lauer: Benno von Wiese (1903–1987), in: Christoph König, Hans-Harald Müller, Werner Röcke (Hrsg.), Wissenschaftsgeschichte der Germanistik in Porträts. Eine Veröffentlichung der Arbeitsstelle für die Erforschung der Geschichte der Germanistik im Deutschen Literaturarchiv Marbach am Neckar, Berlin, New York/NY: De Gruyter 2000, S. 221–227.

[25] Benno von Wiese: Der Tag Null ‒ eine Illusion, in: Die Welt 21, Nr. 259, 5.11.1966, Beilage „Forum der geistigen Welt“ S. II. Die Kritik an diesem Selbstverständnis der Germanistik, von Walter Boehlich (wie Anm. 17) in die Worte „Deutschwissenschaft als Organ des deutschen Selbstverständnisses“ gefasst, ist Thema des Projektbeitrages von Jürgen Babendreier: Deutsche Nachkriegsgermanistik ohne Nullpunkt. Ein Sündenfall wird rezensiert, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1225&ausgabe=51 (22.9.2019).

[26] Eine verwandte Fragestellung wurde 2017 von mir formuliert: „Verschärfend tritt hinzu, dass im Zeitalter von Multimedia und von Web-Kulturen die Frage immer vordringlicher wird, welche zukunftsweisenden Stärken die Literaturwissenschaft im Vergleich zu den rasant aufstrebenden Disziplinen Medien- und Kommunikationswissenschaft in die Waagschale werfen kann und wie sich das Fach in den Printmedien und im Internet gegenüber der eigenen Fachgemeinschaft und in der breiten Öffentlichkeit präsentieren will (mein Vorschlag: nichtelitär, integrativ, dialog- und kritikfähig, nutzer/innenorientiert, sensibel, klarsichtig, verantwortungsbewusst, visionär und engagiert).“ Sabine Koloch: Wissenschaft, Geschlecht, Gender, Terminologiearbeit ‒ Die deutsche Literaturwissenschaft, München: Epodium 2017, S. 55.

[27] Seine Erinnerungen an Rudi Dutschke veröffentlichte Peter Schütt in der Freundschaftsgabe: Peter Bernhardi (Hrsg.): Rudi Dutschke, Frankfurt am Main: Verlag der Arbeitsgemeinschaft TROTZ ALLEM 1987, S. 14‒18. Eine Neuauflage dieser in maschinenschriftlichem Satz gedruckten Sammelschrift erschien 2015 zum 75. Geburtstag des 1979 verstorbenen führenden Studentenaktivisten.

[28] Richtig ist: 1968. Vgl. Peter Schütt: Benno v. Wiese, Porträt eines Doyens, in: Karlheinz Deschner (Hrsg.), Wer lehrt an deutschen Universitäten, Wiesbaden: Limes-Verlag 1968, S. 143‒170. In den 1990er-Jahren entstand an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg die erste Dissertation über den überzeugten Nationalsozialisten Benno von Wiese (die Druckfassung erschien mit erheblicher Verzögerung): Klaus-Dieter Rossade: „Dem Zeitgeist erlegen“. Benno von Wiese und der Nationalsozialismus (Studien zur Wissenschafts- und Universitätsgeschichte; 9), Heidelberg: Synchron, Wissenschaftsverlag der Autoren 2007. Vgl. Benno von Wiese: Bemerkungen zur „unbewältigten Vergangenheit“, in: Die Zeit Online 25.12.1964, URL: https://www.zeit.de/1964/52/bemerkungen-zur-unbewaeltigten-vergangenheit, darin: „Es ist nicht zu leugnen, daß die Generation von Intellektuellen, die in den Jahren des NS-Regimes mit einer öffentlichen Laufbahn begann, dem Einfluß eines verhängnisvollen Zeitgeistes mehr oder weniger, wenn auch in sehr verschiedenen Ausmaßen, erlegen ist.“

[29] Benno von Wiese wurde auf der Tagung des Deutschen Germanistenverbandes in Essen 19.‒24.10.1964 für zwei Jahre zum 1. Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes und der Vereinigung der deutschen Hochschulgermanisten gewählt.

[30] Bei dem angeblichen Rücktritt vom Vorstand des Deutschen Germanistenverbandes muss es sich um eine fehlerhafte Erinnerung handeln. Schütt selbst schreibt 1966 in seinem Tagungsbericht für die Welt unter der Zwischenüberschrift „Umstrittene Autoritäten“: „Benno von Wiese, der Vorsitzende des Verbandes ‒ da er auf eine weitere Kandidatur verzichtete, wurde er in der Neuwahl von Karl Heinz Borck, Hamburg, einem der Frondeure, abgelöst ‒ hatte sich in seiner Eröffnungsrede unmißverständlich zu den Traditionen der deutschen Germanistik bekannt ‒ eben den Traditionen, die Eberhard Lämmert und Karl Otto Conrady anschließend unter ideologiekritischen Aspekten von der Frühromantik bis zu ihrer großen Stunde im Dritten Reich verfolgten.“ Schütt: Streit um das Erbe der Brüder Grimm (wie Anm. 11). Zur Fehleranfälligkeit von Gedächtnisdaten vgl. Johannes Fried: Der Schleier der Erinnerung. Grundzüge einer historischen Memorik, München: Beck 2004.

[31] Peter Schütt: Von Basbeck am Moor über Moskau nach Mekka. Stationen einer Lebensreise, Asendorf: Mut-Verlag 2009, S. 121f. ‒ Die Sammlung von Autorenporträts der Literaturwissenschaftlerin Ursula Reinhold (* 1938; 1973‒1991 wissenschaftliche Mitarbeiterin und ab 1979 Forschungsgruppenleiterin am Zentralinstitut für Literaturgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR) liefert interessante Detailinformationen zu Hans Magnus Enzensberger, Peter Schütt, Uwe Timm, Martin Walser, Dieter Wellershoff u.a.m. Seit 1969 traf sich Reinhold sporadisch mit Peter Schütt zum Gespräch (vgl. Ursula Reinhold: Interview mit Peter Schütt, in: Weimarer Beiträge 18, 1972, 2, S. 43–67). Sie stellt den Schriftsteller zusammen mit seiner Autobiografie vor. Ursula Reinhold: „Erlesene“ Zeitgenossenschaft. Begegnungen mit Autoren und Büchern, E-Buch Göttingen: HeRaS Verlag 2014, S. 109‒138 (Druckausgabe Berlin: Trafo-Verlag 2010), URL: https://literaturkritik.de/public/Reinhold-Schuett.pdf (auszugsweise Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Ursula Reinhold und Rainer Schulz, HeRaS Verlag).

[32] Ebd., S. 83.

[33] Tobias Sarx: Reform, Revolution oder Stillstand? Die 68er-Bewegung an den Evangelisch-Theologischen Fakultäten Marburg, Bochum und der Kirchlichen Hochschule Berlin, Stuttgart: Kohlhammer 2018, S. 18.

[34] Nicht Ursachenanalyse, sondern die Funktionsweise der germanistischen Literaturwissenschaft in Zeiten nationalsozialistischer Diktatur bildet die Ausgangsfrage des Sammelbandes: Literaturwissenschaft und Nationalsozialismus. Hrsg. von Holger Dainat und Lutz Danneberg, Tübingen: Niemeyer 2003. Vgl. auch Holger Dainat: Germanistische Literaturwissenschaft, in: Frank-Rutger Hausmann (Hrsg.), Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933‒1945 (Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien; 53), München: Oldenbourg 2002, S. 63–86.

[35] Petra Boden: Probleme mit der Praxis. Hochschulgermanistik zwischen Wissenschaft, Bildung/Erziehung und Politik, in: Rainer Rosenberg, Inge Münz-Koenen, Petra Boden (Hrsg.), Der Geist der Unruhe. 1968 im Vergleich. Wissenschaft ‒ Literatur ‒ Medien, Berlin: Akademie Verlag 2000, S. 181‒225, hier S. 190.

[36] Jörg Schönert: „Stuttgart 72“ – zu einem historischen Germanistentag in Verantwortung von Walter Müller-Seidel, URL: http://fheh.org/wp-content/uploads/2016/07/stuttgart1972.pdf (2012), S. 3.

[37] URL: https://www.dla-marbach.de/forschung/arbeitsstelle-fuer-die-erforschung-der-geschichte-der-germanistik/ (aufgerufen am 6.10.2019). Aus dieser Arbeitsstelle gingen 1991 die Mitteilungen des Marbacher Arbeitskreises für Geschichte der Germanistik (1991‒2002; Fortsetzung unter dem Titel Geschichte der Germanistik. Mitteilungen) und 2001 die Schriftenreihe Marbacher Wissenschaftsgeschichte hervor. Vgl. auch die Schriftenreihen: Texte zur Wissenschaftsgeschichte der Germanistik (Tübingen: Niemeyer 1973‒1980), Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte (Göttingen: Wallstein 1986‒), Berliner Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte (Frankfurt am Main: Peter Lang 1998‒2006, Fortsetzung unter dem Titel Berliner Beiträge zur Wissens- und Wissenschaftsgeschichte 2010‒), Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte der Freien Universität Berlin (Göttingen: V & R Unipress 2008‒2015), Beiträge zur Geschichte der Germanistik (Stuttgart: S. Hirzel Verlag 2011‒).

[38] Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945, Bielefeld: Transcript-Verlag 2007. ‒ Soweit ich es überblicke, fehlt eine Auseinandersetzung mit den psychischen Folgen von Kriegstraumatisierungen. Vor allem der Zweite Weltkrieg wirkte sich generell nicht nur auf die Kriegsteilnehmer/innen traumatisierend aus. Für Traumatisierte kann es schwer bis unmöglich sein, Verdrängtes oder Abgespaltenes in ihr Selbstbild zu integrieren. Was von außen wie Flucht und Verleugnung aussieht, kann unter einem inneren Zwang geschehen. Nimmt die germanistische Biografieforschung diese Art der (Kriegs-)Schädigung zur Kenntnis? Vgl. Günter H. Seidler, Harald J. Freyberger, Heide Glaesmer, Silke Brigitta Gahleitner (Hrsg.): Handbuch der Psychotraumatologie, 3., vollst. überarb. u. erw. Aufl. Stuttgart: Klett-Cotta 2019.

[39] Christoph König (Hrsg.), Internationales Germanistenlexikon 1800‒1950, 3 Bde., Berlin, New York/NY: De Gruyter 2003. Vgl. Michael Buddrus: „War es möglich, ohne eigenes Zutun Mitglied der NSDAP zu werden?“. Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin für das „Internationale Germanistenlexikon 1800‒1950“, in: Geschichte der Germanistik. Mitteilungen 23/24, 2003, S. 21‒26.

[40] Methodisch herausragend: Jens Thiel: Gab es eine „nationalsozialistische“ Akademikergeneration? Hochschullehrerlaufbahnen und generationelle Prägungen in Deutschland und Österreich 1933/1938 bis 1945, in: Zeitgeschichte 35, 2008, 4, S. 230‒256. ‒ Eine sträflich vernachlässigte Forschungslücke bearbeitend: Inge Hansen-Schaberg, Hiltrud Häntzschel (Hrsg.): Alma Maters Töchter im Exil. Zur Vertreibung von Wissenschaftlerinnen und Akademikerinnen in der NS-Zeit (Frauen und Exil; 6). München: Edition Text + Kritik 2011. Vgl. auch Elisabeth Grabenweger: Germanistik in Wien. Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897‒1933) (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte; 85), Berlin, Boston/MA: De Gruyter 2016. ‒ Fachgeschichte an der Grenze zur „Skandalgeschichte mit männlicher Hauptperson“: Helmut König, Wolfgang Kuhlmann, Klaus Schwabe (Hrsg.): Vertuschte Vergangenheit. Der Fall Schwerte und die NS-Vergangenheit der deutschen Hochschulen, München: Beck 1997. Vgl. auch Bernd Dammann, Wilhelm Schernus, Jörg Schönert: Der verschwiegene Kronzeuge. Franz Koch, Schneider/Schwerte und die NS-Vergangenheit in der Germanistik nach 1945 (geplant Stuttgart: S. Hirzel Verlag 2020), darin Kapitel 1 („Der politisch-administrative Umgang mit der NS-Vergangenheit in der Nachkriegszeit. Ergebnisse und Befunde der Zeitgeschichtsschreibung“) und Kapitel 5 („Die langen Schatten der NS-Vergangenheit in der Germanistik 1945“). Freundliche Auskunft Jörg Schönert, Verfasser der genannten Kapitel.

[41] Danach können die Ordinarien alle Entscheidungen alleine treffen.

[42] Vgl. dagegen die Beratungsergebnisse des Vorstands des Deutschen Germanistenverbandes 1969: „Es bestand und besteht Übereinstimmung darin, daß sich die großen Kongresse seit längerem nicht nur in der Germanistik in der Krise befinden. Neue Formen sind zu durchdenken, ehe zu neuen Tagungen eingeladen werden kann. Das sollte 1971 möglich sein. Das Jahr 1970 ist durch die Veranstaltungen des Internationalen Germanistenverbandes in Princeton beansprucht. In solchen Jahren ‒ 1955 in Rom, 1960 in Kopenhagen und 1965 in Amsterdam ‒ haben ohnehin Tagungen unseres Verbandes nicht stattgefunden. Einstweilen sind kleinere Zusammenkünfte mit begrenzten Themenstellungen vorgesehen. Das betrifft zugleich die Tätigkeit der Landesverbände. Ein Stück sinnvoller Demokratisierung, so formulierte es Herr Borck in seinem Bericht, würde hier nicht nur Mitbestimmung, sondern mehr noch Mitverantwortung bedeuten. Daneben sollen Arbeitsgruppen mit bestimmtem Auftrag gebildet werden, sofern es nicht schon geschehen ist. Die in Berlin gebildete Kommission zur Erörterung der Sprachbarrieren ist eine solche Gruppe.“ W[alter] M[üller-Seidel]: Beratungen des Vorstands, in: Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes 16, 1969, 3 (September), S. 3.

[43] Als Grundlage für die Titelliste wurde der Projektbeitrag von Julian Klüttmann herangezogen: Die Leserzuschrift Mißbrauch mit dem Andenken der Weißen Rose des Ehepaares Völker in der Süddeutschen Zeitung vom 16. März 1965 und die Erwiderung des Rektors der Ludwig-Maximilians-Universität München, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1130&ausgabe=51 (6.7.2018), darin: Zitierte und weiterführende Primär- und Sekundärliteratur in chronologischer Abfolge“ (S. 19‒32).

[44] Lutz Kuntzsch von der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. teilte mir am 8.10.2019 schriftlich mit: „Der Familienname ist mit Sicherheit Appel, nur gab es da wohl zwei, H. Appel (GfdS) und Reinhard Appel (Journalist Bonn).“

[45] Lukács lebte 1966 in Ungarn.

[46] ap: Münchener Echo, in: Der Sprachdienst 11, 1967, H. 1, S. 2.

[47] Anonym: Lesebücher. Dunkles Geraune, in: Der Spiegel 19, 1965, Nr. 47, 17.11.1965, S. 144, 147. Vgl. auch Peter Schütt (Hrsg.): Linkes Lesebuch (Kleine rote Reihe; 7), Dortmund: Weltkreis-Verlags-GmbH 1970. Mit Gedichten von Arnfried Astel, Josef Büscher, Agnes Hüfner, Kurt Küther, Uwe Timm, Peter Maiwald u.a.m.

[48] Beispielsweise referierte Marie Luise Gansberg 1966 auf der vom Münchner SDS veranstalteten sozialwissenschaftlichen Vortragsreihe zum Thema: „Deutsche Exilliteratur ‒ ein tabuisierter Tatbestand“. Vgl. auch Marie Luise Gansberg: Massenemigration deutscher Schriftsteller 1933‒47, in: Beiträge zu den Fortbildungskursen des Goethe-Instituts für ausländische Deutschlehrer an Schulen und Hochschulen 2, 1966, S. 24‒29. Siehe auch Karl Otto Conrady: Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft. Mit Beiträgen von Horst Rüdiger und Peter Szondi und Textbeispielen zur Geschichte der deutschen Philologie, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1966.

[49] Insgesamt sind in der Reihe sechs Bände erschienen: Karl W. Bauer, Jochen Vogt (Hrsg.): Kinder, Bücher, Massenmedien (Lesen; 1), 1975; Walter Raitz, Erhard Schütz (Hrsg.): Der alte Kanon neu. Zur Revision des literarischen Kanons in Wissenschaft und Unterricht (Lesen; 2), 1976; Walter Raitz (Hrsg.): Deutscher Bauernkrieg. Historische Analysen und Studien zur Rezeption (Lesen; 3), 1976; Raoul Hübner, Erhard Schütz (Hrsg.): Literatur als Praxis? Aktualität und Tradition operativen Schreibens (Lesen; 4), 1976; Hannes Krauss, Jochen Vogt (Hrsg.): Didaktik Deutsch. Probleme, Positionen, Perspektiven (Lesen; 5), 1976; Werner Martin Lüdke (Hrsg.), Literatur und Studentenbewegung. Eine Zwischenbilanz (Lesen; 6), 1977.

[50] Die Bezeichnung „linke Germanistik“ lässt sich auch schon bei Hans Mayer (1907‒2001) nachweisen: Platon und die finsteren Zeiten. Über die Möglichkeiten einer Akademie im heutigen Deutschland (Anmerkungen zur Zeit; 10), Berlin: Akademie der Künste [1965], S. 82: „Ohne Werturteile zu implizieren, spreche ich von der Gruppe der Beamten und der Gruppe der Wilden, die beide ihre Ansprüche auf unsere Aufmerksamkeit erheben — gegen den ererbten professoralen Kanon der rechten oder linken Germanistik hegelscher Herkunft, welcher die Beamten entschlossen bevorzugt.“

[51] Helmut Lethen: Kritische Literaturwissenschaft, Trivialliteratur und Manipulationstheorie – Etappen der „linken Germanistik“ 1967–1970, in: Werner Girnus, Helmut Lethen, Friedrich Rothe, Von der kritischen zur historisch-materialistischen Literaturwissenschaft. Vier Aufsätze (Materialistische Wissenschaft; 2), Berlin: Oberbaumverlag 1971, S. 7‒29; 3. Aufl. [9.‒11. Tsd.] 1973. Der Aufsatz wird in dem Projektbeitrag von Helmut Lethen im Volltext zugänglich gemacht: Ein Schwellentext, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1243 (13.10.2019). Vgl. auch Jürgen Schröder: Berlin ‒ FU ‒ Rote Zelle Germanistik (Rotzeg): Erkämpft das Sozialistische Studium! (1970/71), URL: https://www.mao-projekt.de/BRD/BER/VDS/Berlin_VDS_Rotzeg_Erkaempft_das_Sozialistische_Studium.shtml (15.10.1917): „An der FU Berlin gibt die Rotzeg vermutlich in dieser Woche ihre Fachbereichszeitung Erkämpft das Sozialistische Studium! (vgl. 23.11.1970, 14.12.1970) heraus mit der Einladung zur ‚Vortragsreihe über Grundfragen der Literaturwissenschaft‘, deren 1. Vortrag zum Thema ‚Literaturwissenschaft, Trivialliteratur und Manipulationstheorie‘ von Helmut Lethen am 3.12.1970 stattfinden soll.“

[52] Zur „Reformdekade“ nach 1968 vgl. Silvio Vietta, Dirk Kemper (Hrsg.): Germanistik der siebziger Jahre. Zwischen Innovation und Ideologie, München: Fink 2000.

[53] Zur Geschichte des Taschenbuches vgl. Daniela Völker: Das Buch für die Massen: Taschenbücher und ihre Verlage (Innsbrucker Studien zu Literatur und Film der Gegenwart; 9), Marburg: Tectum-Verlag 2014.

[54] URL: https://undercurrentsforum.com/.

[55] Marie Luise Gansberg: Zu einigen populären Vorurteilen gegen materialistische Literaturwissenschaft, in: Marie Luise Gansberg, Paul Gerhard Völker, Methodenkritik der Germanistik. Materialistische Literaturtheorie und bürgerliche Praxis, 4., teilw. überarb. Aufl. Stuttgart: Metzler 1973, S. 7‒39, hier S. 8.

[56] URL: https://undercurrentsforum.com/index.php/undercurrents/about.

[57] Bereits am 27.3.2018 leitete ich die Zeitungsartikelsammlung zu den Deutschen Germanistentagen 1966/68 aus dem Besitz von Eva D. Becker in digitalisierter Form an Bernd Dammann weiter. Am 8.5.2018 verabschiedete sich Dammann vollkommen unerwartet aus der Zusammenarbeit mit mir, im Nachhinein aus meiner Sicht eine ungemein hilfreiche Entscheidung.

[58] Die ungenaue Angabe „Januar 1967“ erschwert das Auffinden des paraphrasierten Leserbriefes, der am 6.1.1967 erschien. Bernd Dammann: Die Studentenrevolte von ‘68 in der Germanistik. Wissenschaftskritik und Studienreformen im Zeichen eines kulturrevolutionären Wandels, URL: https://literaturkritik.de/die-studentenrevolte-68-germanistik-wissenschaftskritik-studienreformen-zeichen-eines-kulturrevolutionaeren-wandels,24691.html (5.7.2018).

[59] Ebd.

[60] Der von Dammann verwendete Ausdruck „Kulturrevolution“ stellt eine Lehnübersetzung aus dem Russischen dar und zielt auf eine sozialistische Kultur. Vgl. auch Gerd Koenen: Das rote Jahrzehnt. Unsere kleine deutsche Kulturrevolution 1967‒1977, Köln: Kiepenheuer & Witsch 2001.

[61] Peter Schütt gehörte an: 1966 bis 1968 der Gruppe 61, 1969 bis 1990 dem Werkkreis Literatur der Arbeitswelt, 1968 bis 1973 der Autorengruppe Hamburg linksliterarisch, 1973 bis 2001 dem Verband deutscher Schriftsteller (VS) in der IG Druck und Papier, gleichzeitig dem Literaturzentrum Hamburg. Hinzu kommen: Werkstättenarbeit seit 1967, 1967/68 Schule schreibender Arbeiter, seit 1969 Hamburger Werkstatt im Werkkreis sowie Literatur der Arbeitswelt, daraus wurde 1984 die Werkstatt schreibender Arbeitsloser, die bis heute fortbesteht (als Werkstatt im Waschhaus am Wesselyring).

[62] Das Schlagwort „Literarisierung des Straßenbildes“ entstammt Schütts Beitrag: Untergrund-Literatur: Agitation durch Aktion, in: Rolf-Ulrich Kaiser (Hrsg.), Protestfibel. Formen einer neuen Kultur, Bern, München, Wien: Scherz 1968, S. 112‒127, hier S. 124; vgl. hierzu Uwe Sonnenberg: Von Marx zum Maulwurf. Linker Buchhandel in Westdeutschland in den 1970er Jahren (Geschichte der Gegenwart; 11), Göttingen: Wallstein Verlag 2016, S. 124, Anm. 175, und Siegfried Detlef: 1968. Protest, Revolte, Gegenkultur, Ditzingen: Reclam 2018, S. 282, Anm. 115. Zu Schütts Bestandsaufnahme des Phänomens „Untergrund-Literatur“ siehe Walter Hollstein: Kunst im Untergrund, in: Frankfurter Hefte 24, 1969, 9, S. 673‒675, hier S. 674 (im gleichen Jahr herausgekommen: Walter Hollstein: Der Untergrund. Zur Soziologie jugendlicher Protestbewegungen, Neuwied, Berlin: Luchterhand). Zu Peter Schütts Theaterstück Kampnagel lehrt euch: Arbeiter wehrt euch! vgl. u.a. Klaus Kändler: Das Straßentheater stellt sich vor, in: Sinn und Form 23, 1971, S. 1366‒1371, hier S. 1368. R. Hinton Thomas, Keith Bullivant: Literature in Upheaval: West German Writers and the Challenge of the 1960s, Manchester: Manchester University Press 1974, S. 46. Hans Kaufmann [Hrsg.]: Positionen der DDR-Literaturwissenschaft. Auswahl aus den Weimarer Beiträgen, Bd. 2: 1971‒1973, Kronberg/Ts.: Scriptor-Verlag 1974, S. 124. Ulla Hahn: Literatur in der Aktion? Zur Entwicklung operativer Literaturformen in der Bundesrepublik, Wiesbaden: Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion 1978, S. 93. Politisches Volkstheater der Gegenwart. Aufsätze von Dieter Herms und Arno Paul, Berlin: Argument-Verlag 1981, S. 7 (vgl. auch Dieter Herms: Afro-America in the Poetry of Peter Schütt, in: Heinz D. Osterle (Hrsg.), Amerika! New Images in German Literature, New York/NY, Bern, Frankfurt am Main, Paris: Lang 1989, 277‒292). Barbara Büscher: Wirklichkeitstheater, Straßentheater, Freies Theater: Entstehung und Entwicklung freier Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland 1968-76 (Europäische Hochschulschriften. Reihe 30: Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften; 26), Frankfurt am Main, Bern, New York/NY, Paris: Lang 1987, S. 115, Anm. 16, 412. Dorothea Kraus: Straßentheater als politische Protestform, in: Martin Klimke, ‎Joachim Scharloth (Hrsg.), 1968. Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung, Stuttgart, Weimar: Metzler 2007, S. 89–100, hier S. 92.

[63] Agnes Hüfner: Brecht in Frankreich 1930‒1963. Verbreitung, Aufnahme, Wirkung (Germanistische Abhandlungen; 22), Stuttgart: Metzler 1968.

[64] Eva D. Becker in einem Brief an mich vom 27.9.2019: „Hüfner ging zur Düsseldorfer Volkszeitung und heiratete später Peter Maiwald, der für die FAZ arbeitete. In Saarbrücken waren wir beide im gerade eröffneten Republikanischen Club, Franz Josef Degenhardt spielte eine Rolle (Sänger und Jurist). Agnes H. sagte sich später von der KPD los, leider lebt sie nicht mehr.“

[65] Eva D. Becker verfasste eine Biografie ihrer Mutter: Gerda Becker ‒ 94 Jahre Erziehung. Die Person, die Institutionen, das Geheimnis, Norderstedt: Fischer 2003.

[66] Sabine Koloch: Marie Luise Gansberg: die Erfolgreiche, die Tabubrecherin, die Traumatisierte ‒ biografische Annäherungen an eine Achtundsechzigerin und eine Pionierin der „Feministischen Literaturwissenschaft“, URL: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1102&ausgabe=51 (20.6.2018).

[67] Quelle: Privatbesitz.

[68] Wer das Sendemanuskript anfertigte, ist völlig unklar. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass Walter Boehlich, in dessen Nachlass das Textdokument gelangte, dafür verantwortlich zeichnete. Allein schon aus Zeitgründen. Bibliographisch nachgewiesen ist das Maschinenskript in: Helmut Peitsch, Helen Thein (Hrsg.): Walter Boehlich, Kritiker, Berlin: Akademie Verlag 2011, S. 108, Anm. 21.

[69] Gerhard Reitschert: Theater und Dramaturgie in den theaterkritischen Schriften August Lewalds 1833‒1846. Untersuchung zur Geistes- und Gesellschaftsgeschichte des deutschen Theaters im 19. Jahrhundert, Diss. Göttingen 1956. In Ermangelung einer Bibliographie der Schriften von Gerhard Reitschert möchte ich exemplarisch auf drei seiner Zeitschriftenbeiträge hinweisen: Die neuen Mythen [Christa Wolf], in: Alternative 7, 1964, H. 35, S. 11‒13. Buschkrieg im Buchhandel, ebd., S. 28‒31. Das menschliche Leben und die christliche Diktatur, in: Vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik 7, 1968, S. 427‒429. Reitschert lernte 1968 Ulrike Meinhof kennen, als der WRD eine Sendung zu den Studentenunruhen ausstrahlte. 1972 trat Meinhof an ihn heran und lieh sich gelegentlich seinen Pkw. „In die Bank und durchgeladen“, in: Der Spiegel Online 31.1.1971, URL: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43019802.html.

[70] „GERMANEN UND GERMANISTEN. Nationalismus in der Germanistik – Ausschnitte vom Germanistentag 1966 mit Kommentaren und Diskussionen“, Sendemanuskript (58 Seiten), S. 3‒6.