Sonntag, 10.5., bis Donnerstag, 21.5.

Ein Blick über den Tellerrand. Der ARD-„Weltspiegel“ berichtet: Das Immunsystem der indigenen Völker ist anfälliger für das Virus als unseres. Die Menschen dort kämpfen mit wildem Knoblauch gegen die Seuche. In Brasilien werden Tote in Massengräbern beerdigt; pro Krankenhaus gibt es meistens nur ein Beatmungsgerät. Für die Straßenverkäufer in Mexiko bedeutet das „Stay home“ der finanzielle Ruin.
Auch viele Menschen in den afrikanischen Armutsvierteln leben von der Hand in den Mund. Sie stellen sich tagsüber an die Straße, verkaufen irgendetwas oder warten auf einen Job. Es gibt keine Versicherungen oder einen Staat, der einspringt. Was sollen sie im strikten Lockdown, der Massen-Quarantäne, die jetzt in vielen Städten herrscht, machen? Sie hocken mit ihrer zehnköpfigen Familie in ihrer Hütte, die genau einen Raum hat. Es besteht nicht nur die Furcht vor einer Verarmung, sondern eine ungeheure Angst, dass sich das Virus unter den katastrophalen hygienischen Bedingungen epidemisch ausbreitet. Zudem sind viele Kinder und Erwachsene mangel- und unterernährt und haben kein intaktes Immunsystem…

Über 300.000 Corona-Tote weltweit. Im Vergleich zu den Ländern der Dritten Welt haben wir Luxusprobleme. In Deutschland gibt es aktuell 11.000 Infizierte. Die Idee, eine „Herdenimmunität“ als Lösung der Corona-Krise zu erzeugen, wurde längst fallengelassen; dafür müssten 60 bis 70 Prozent der Deutschen die Infektion durchgemacht haben, also rund 50 Millionen Menschen! „Viel zu gefährlich“, sagt die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie und schlägt stattdessen Massentests und Maskenpflicht vor, bis ein Impfstoff auf dem Markt ist.

Am 21. Mai ist Vatertag. Väter machten während des Shutdowns eine ganz neue Erfahrung: Statt des Jobs wurden Kinder zum größten Stressfaktor! Laut einer Umfrage fühlten sich im April und Mai 42 Prozent der befragten Männer mit Nachwuchs unter 18 Jahren unter Druck. Tja, Kindererziehung ist anstrengend – das wissen Mütter schon lange. Für sie hat sich durch Corona nicht viel geändert: Sie tragen weiterhin die Hauptlast  in der Familie. Was besonders Männern zu schaffen macht: der Kontrollverlust, der mit den Einschränkungen einhergeht.

Ideales Ausflugswetter, an den bayerischen Seen herrscht Hochbetrieb. Biergärten und Cafe´s sind geöffnet. Ein Glaserl Spritz mit Blick auf den Starnberger See? Oder doch lieber ein alkoholfreies Weißbier mit Bergkulisse? Vor dem Genuss steht die Registrierung: Name und Telefonnummer angeben, damit etwaige Infektionsketten zurückverfolgt werden können, Mindestabstand. Die Wirte rechnen nicht mit dem großen Geschäft. Nach Corona ist vor Corona.

Aus Eva Strasser: Splitter aus der Quarantäne. Ein Corona-Tagebuch. Sonderausgabe literaturkritik.de. Verlag LiteraturWissenschaft.de, Marburg 2020