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literaturkritik.de » Nr. 6, Juni 2021 » Deutschsprachige Literatur

Im Zwielicht: Sabine Haupts Roman „Lichtschaden. Zement“ arbeitet mit scharfen Kontrasten

Lichtschaden. Zement, der neue Roman von Sabine Haupt, verbindet eine Liebesgeschichte mit philosophischen, psychiatrischen, ökologischen, historischen und politischen Perspektiven. Bei der Begegnung der 50jährigen Hotelmanagerin Hella mit dem 38jährigen ehemaligen Priester Raffaele treffen sehr verschiedene Welten aufeinander: Während Hella pragmatisch rationale Einstellungen vertritt und in einem Erbstreit mit ihrer deutschen Verwandtschaft bricht, gelingt es dem in der Schweiz geborenen Italiener Raffaele nicht, sich von seiner traumatischen Familiengeschichte zu lösen. Obwohl Raffaele inzwischen als Magazinverwalter in einem Zementwerk arbeitet und großen Erfolg bei Frauen hat, bleibt der katholische Kontext weiterhin ein zentraler Bezug.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine außergewöhnliche emotionale Nähe, die sie schließlich auch zu Verbündeten im Kampf gegen die kriminellen und menschenverachtenden Machenschaften der Sand- und Zementlobby werden lässt. Die Handlung wird wechselweise aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei auch Raffaeles schizophrener Bruder Angelo mit sehr speziellen Phantasien zu Wort kommt: Er hält sich für einen unter der Erde lebenden Dämon. Schauplatz der Handlung ist das Schweizer Oberwallis, ergänzt durch aktuelle und historische Abstecher nach Hessen, Norditalien und Oberösterreich.

Eine Besonderheit des Romans ist seine motivische und thematische Dichte. Die verschiedenen Oppositionen und Kontroversen zwischen Geist und Materie, Licht und Dunkel, Vernunft und Wahnsinn, materieller Gier und sexueller Begierde werden auf verschiedenen sprachlichen und gedanklichen Klaviaturen durchgespielt und immer wieder neu kombiniert und perspektiviert.

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Titelbild

Sabine Haupt: Lichtschaden. Zement. Roman.
verlag die brotsuppe, Biel/Bienne 2021.
320 Seiten , 33,00 EUR.
ISBN-13: 9783038670360

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Stand: 26.05.2021 - 19:50:03
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