Leserbriefe zur Rezension

Ein Plädoyer für Besonnenheit und Mäßigung

Ron Leshems Essay „Feuer. Israel und der 7. Oktober“ bietet eine teils schwer erträgliche, insgesamt jedoch notwendige Lektüre

Von Rolf Löchel


Karl-Josef Müller schrieb uns am 19.10.2024
Thema: Rolf Löchel: Ein Plädoyer für Besonnenheit und Mäßigung

Unantastbar soll sie sein, die Würde des Menschen. Dass diese Würde nur zu oft verletzt wird, wer wollte das bestreiten.
Zu sagen, die Würde der Getöteten und Entführten vom 7. Oktober 2023 wurde verletzt, klingt angesichts dessen, was geschehen ist, beinahe wie eine Lüge. Doch ist es geboten und angemessen, die Gräuel, die den Opfern angetan wurden, in all ihren unausdenkbaren Einzelheiten sprachlich auszubreiten? Was ist dadurch gewonnen? Nichts ist gewonnen, denn wer Ohren und Augen hat zu hören und zu sehen weiß, dass diesen Menschen Unsägliches geschehen ist. Unsägliches eben, nämlich etwas, das man nicht aussprechen sollte, nicht, um es zu verschweigen, sondern um die Opfer nicht nochmals ihrer Würde zu entblößen vor aller Öffentlichkeit. Hier geht es nicht um Triggerwarnungen, sondern um so etwas wie Scham und Mitleid. Wir werden, ob wir wollen oder nicht, durch solcherart Darstellungen zu Voyeuren. Niemand hat die Opfer gefragt, ob sie damit einverstanden sind, in ihrem unsäglichen Leid - nochmals sei es so genannt - ans Licht einer wie auch immer gearteten Öffntlichkeit gezerrt zu werden.