Leserbriefe zur Rezension

Im intellektuellen Sinkflug

Die feministische Pionierin Alice Schwarzer versucht in „feminismus pur. 99 worte“ zumindest alphabetisch korrekt zu erklären, dass sie immer recht hat

Von Nora Eckert


Prof. Dr. Rüdiger Scholz schrieb uns am 23.06.2026
Thema: Nora Eckert: Im intellektuellen Sinkflug

Nora Eckerts Ansicht, „Schwarzers Feminismus“ sei als alleinseligmachende[.] Wahrheit“ „längst Geschichte“, „die Anschlussfähigkeit in weiten Teilen verlorengegangen“, versucht, Schwarzer und ihre Publizistik als überlebtes Greisentum zu anzuschwärzen und damit loszuwerden. Eckert vermisst an Schwarzer „Selbstzweifel“ und eine „selbstkritische Haltung“, damit Schwarzer sich selbst erledigt. Ausgerechnet den Macho Wolf Biermann als Zeugen gegen Schwarzer zu zitieren, der behauptete, Frauen besser nach ihrem Hintern als nach ihrem Gesicht zu unterscheiden, passt dazu.
     Entlarvend für die Rezensentin ist ihre These, Prostitution sei „selbstbestimmte Sexarbeit“. Um die Prostitution als ehrbares Gewerbe zu deklarieren, werden gleich drei Zeuginnen genannt. Die Gewalt gegen Frauen in der Prostitution, das Hauptthema Schwarzers, wird einfach weggelassen und mit den zitierten Büchern umgedeutet in die an sich heile Welt der Sexarbeiterinnen. Wer verkennt hier die Wirklichkeit?
     Eckert begreift die Aktualität der Themen, Aktionen und Meinungen von Alice Schwarzer und „Emma“ nicht. Eckerts Kritik von Schwarzers Haltung zum problemlosen Wechsel des Geschlechts im Personalausweis lässt Schwarzers Kritik an den sozialen Folgen fort: So können Männer in Frauenhäuser eindringen und ihre geflüchteten Ehefrauen attackieren.  Gegen Schwarzer wird dann ausgerechnet das Buch eines Mannes zitiert.
   Eckerts Rezension ist keine faire Kritik, sondern der Versuch, Schwarzer zu diffamieren. Mit ihrer Rezension ergreift Eckert Partei nicht nur gegen Schwarzer, sondern generell gegen die Interessen der Frauen.
                   Rüdiger Scholz