Ein spannender Blick auf die Herstellungsbedingungen von illuminierten Büchern

Kunsthistorische Ansätze und vielfältige Beispiele im Tagungsband „Wege zum illuminierten Buch“

Von Cornelia ReinhardtRSS-Newsfeed neuer Artikel von Cornelia Reinhardt

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

Ein schön gestaltetes Buch, keine Frage – passend zum Thema „Wege zum illuminierten Buch“. Der Untertitel verrät, es geht um die „Herstellungsbedingen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit“. Die Herausgeberinnen, beide Kunsthistorikerinnen, befinden sich thematisch in einem interessanten Spannungsfeld: dem Übergang von der reinen handschriftlichen Produktion von Büchern zur Entwicklung des Buchdrucks – jeweils im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Illustratoren.

Das Buch sieht schön aus und wirkt aufgrund seiner Aufmachung sowie des recht dicken Papiers edel und hochwertig. Die zurückhaltende Gestaltung kommt natürlich dem bildlastigen Thema besonders entgegen; die Druckqualität der Bilder ist sehr gut. Das Onlineangebot hält Kurzinfos zu den Herausgeberinnen (hier als Autoren benannt) bereit. Außerdem ist das ganze Werk downloadbar (OpenAccess).

Eine Frage: Wieso tauchen die Namen der Herausgeberinnen nicht auf dem Cover auf? Weder vorn noch hinten bzw. im Rückentext. Erst im Innentitel stehen die Namen: Christine Beier und Evelyn Theresia Kubina. Sie haben, wie im Vorwort erwähnt, die Beiträge zum Großteil im Rahmen eines fachwissenschaftlichen Kolloquiums zum Titelthema zusammengetragen. Man merkt, dass die durchweg kundigen Beiträger hohe Kompetenzen im Bereich Buchillustration haben. Wünschenswert wäre jedoch eine kurze Zusammenstellung von Autorenviten gewesen – um dem Leser eine Handreichung zu bieten.

Grundsätzlich wirkt das Buch nicht als „Ganzes“. Die einzelnen Autoren bringen zwar fundiertes Wissen und interessante Analysen, jedoch stehen sie – typisch für einen Tagungsband –  untereinander sehr isoliert da. Das sehr kurze Vorwort wirkt an dieser Stelle lediglich obligatorisch und wenig verbindend. Dies ist vor allem insofern bemerkenswert, da die Beiträger mehrfach auf das Erstellen eines „Ganzen“ eingehen – durch die Zusammenarbeit von mehreren an der Buchproduktion beteiligten Akteuren. Außerdem fehlt eine Art Fazit bzw. ein Ausblick. Der Leser wird hier mit den harten Fakten allein gelassen. Ein Literaturverzeichnis am Ende wäre ebenfalls wünschenswert gewesen. Am Ende des Buches findet sich aber stattdessen Werbung für weitere Verlagstitel zum Thema.

Inhaltlich hält das Buch, was es auf dem Titel verspricht. Die Beiträger zeigen interessante Beispiele auf und geben Anregungen für die Herangehensweise an ähnliche Fälle. Es soll ein umfassender Blick auf die Herstellungsbedingungen für Buchmalerei gegeben werden. Hierzu wird in vielen europäischen Ländern nach Beispielen gesucht und immer wieder die Frage aufgeworfen, wie Text und Bild zusammenspielen und wer eigentlich jeweils hinter der Produktion der einzelnen Buchteile bzw. des ganzen Buches steckt. Vom Selbstverständnis der Buchillustratoren als Handwerker ist die Rede und von deren Mobilität, die das Fassen der einzelnen Personen erschwert. Aber auch von der Professionalisierung – z. B. in der bekannten Buchwerkstatt Diebold Laubers, die jede Menge Gesellen beschäftigte. Spannende Betrachtungen von juristischen und verwaltungsschriftlichen Texten bieten im Übrigen einen anderen Blickwinkel im ansonsten kunsthistorisch orientierten Buch.

Die ständige Frage nach den Akteuren zieht sich durch das ganze Buch. Sie führt aber andererseits auch zu der Frage: Wer waren die Rezipienten? Nutzerorientierung und dadurch bedingte verschiedene Herstellungsmethoden – z.B. Studienliteratur versus Prachtbände – bieten interessante Ansätze, werden jedoch nur vereinzelt betrachtet.

Fazit: Trotz seiner Schwächen – hauptsächlich konzeptioneller Art – ein fundiertes und interessantes Fachbuch mit anschaulichen Beispielen und guten Anregungen für die weitere Forschung.

Ein Beitrag aus der Mittelalter-Redaktion der Universität Marburg

Titelbild

Christine Beier / Evelyn Theresia Kubina (Hg.): Wege zum illuminierten Buch. Herstellungsbedingungen für Buchmalerei in Mittelalter und früher Neuzeit.
Böhlau Verlag, Wien 2014.
298 Seiten, 59,00 EUR.
ISBN-13: 9783205794912

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