Volker Mergenthaler beleuchtet in „Garderobenwechsel“ zahlreiche Abdrucke von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Das Fräulein von Scuderi“

Besprochene Bücher / Literaturhinweise

In gut fünf Jahrzehnten nach seiner ersten Veröffentlichung im Herbst 1819 im Taschenbuch für das Jahr 1820. Der Liebe und Freundschaft gewidmet ist Das Fräulein von Scuderi in unterschiedlichen Medienformaten 17 weitere Male abgedruckt worden: in einem Unterhaltungsblatt, einem Lieferungswerk, in Erzählanthologien und Werkausgaben und schließlich auch monografisch. Die Forschung zu E.T.A. Hoffmanns Erzählung trägt diesem Sachverhalt kaum Rechnung, verweist gelegentlich noch auf die ersten Abdrucke, bezieht sich aber wie selbstverständlich auf moderne Werkausgaben. Das Fräulein von Scuderi gelangt so als gleichsam abstrakter, vom jeweiligen Erscheinungsort und -bild unabhängiger Text in den Blick.

Die vorliegende, aus dem Teilprojekt „Optische Auftritte: mise en page in Journal- versus Buchliteratur“ der DFG-Forschergruppe 2288 „Journalliteratur“ hervorgegangene Studie von Volker Mergenthaler sucht die zahlreichen Abdrucke des Fräuleins von Scuderi hingegen als materiale Objekte ernst zu nehmen. Jede dieser Veröffentlichungen gibt der Erzählung ein spezifisches Gepräge, mit dem sie sich auf dem jeweiligen literarischen Markt in Szene setzt und der zeitgenössischen Rezeption Lektüreangebote macht. Das Fräulein von Scuderi setzt sich zu diesem Sachverhalt ins Verhältnis, lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums um auf die Funktionsweisen und semantischen Implikationen der unterschiedlichen Medienformate und schlägt aus den jeweiligen Auftritten ungeahntes ästhetisches Kapital.

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Titelbild

Volker Mergenthaler: Garderobenwechsel. „Das Fräulein von Scuderi“ in Taschenbuch, Lieferungswerk und Journal (1819-1871).
Pfennig-Magazin zur Journalliteratur, Heft 2.
Wehrhahn Verlag, Hannover 2018.
76 Seiten, 16,00 EUR.
ISBN-13: 9783865256430

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