Was wäre, wenn Hermine mit Draco…

Literarische Gedankenexperimente, nicht ganz jugendfrei: Über das Phänomen Fanfiction am Beispiel von Harry Potter und den sogenannten „Dramiones“

Von Hannelore PiehlerRSS-Newsfeed neuer Artikel von Hannelore Piehler

Es begann Ende November 2022 mit einer WhatsApp-Nachricht einer Freundin: „Haaaaaannnnnneeeeelore, ich hab was!!!!!!!! Kennst du Manacled?“ Meine Antwort, leicht verwirrt: „Äh, nein?“ In Rekordtempo wurde ich aufgeklärt: großer Booktok-Hype, Fanfiction zu Harry Potter – aber „richtig, richtig düster“! Und es soll so gut sein wie „ACOMAF“ (A Court of Mist and Fury von Sarah J. Maas, für alle Nicht-Eingeweihten) und handele von einer Welt, in der Voldemort die Schlacht um Hogwarts gewonnen hat und Harry Potter tot ist. Kein Happy End also, sondern die Herrschaft des Dunklen Lords mit seinen Todessern, Versklavung der Muggel, ein Leben voller Gewalt und Verzweiflung. „Richtig düster“ eben. Das Gedankenexperiment der Geschichte: Wie würde so eine Welt aussehen? Was würde der Orden des Phönix, der nun im Untergrund aktiv ist und von Voldemorts Schergen als „Terrorgruppe“ verfolgt wird, tun, ohne Harry, ohne Dumbledore, ohne Hoffnung? Und mehr noch: Kann man in einem Kampf gegen jemanden, der keinerlei Rücksicht nimmt, wirklich mit „Expelliarmus“-Entwaffungszaubern bestehen? Oder muss man nicht irgendwann auch zu den Waffen des Feindes greifen, um zumindest den Hauch einer Chance zu haben? Anders ausgedrückt: Kann man einen Krieg wirklich moralisch mit einer weißen Weste gewinnen? Große Fragen von Krieg und Moral also, die in Manacled gestellt werden. Und höchst aktuelle dazu. Und das alles in einer simplen Fanfiction? Kann das funktionieren?

Über zwei Jahre und fast fünfzig gelesene Harry-Potter-Fanfictions später lautet mein Fazit: Diese Frage stellen, zeugt von einer gewissen Naivität. Wer glaubt, bei Fanfictions handele es sich lediglich um bessere Schüleraufsätze, wird rasch eines Besseren belehrt. Zahlreiche Autor:innen haben über die Jahre hinweg durch Fanfictions zum Schreiben gefunden. Ali Hazelwood zum Beispiel, die mit ihren humorvollen Liebesgeschichten im Wissenschaftsmilieu bekannt geworden ist, hat als „Ever-so-reylo unter anderem mit Star-Wars-Fictions begonnen, Olivie Blake (The Atlas-Reihe) mit Erzählungen rund um Harry Potter und E. L. James, die vor Jahren mit dem BDSM- und Erotikroman Fifty Shades of Grey einen weltweiten Verkaufserfolg feierte, schrieb die Geschichte bekanntermaßen ursprünglich als Fanfiction zu Stephenie Meyers Vampirsaga Twilight. Nun mag man Fifty Shades of Grey zwar nicht zu den Sternstunden der Literatur zählen, doch bleibt festzustellen, dass die Fanfiction-Communitys inzwischen nicht nur viel selbstbewusster auftreten als noch vor einigen Jahren, sondern auch das Erzählniveau der Geschichten selbst so heterogen ist wie die Themenvielfalt: Von auch in Struktur und Erzählaufbau komplexen Epen wie Manacled über leichtfüßige und spritzige Erzählungen mit Romcom-Qualitäten (absolutes Must-Read: Draco Malfoy and the Mortifying Ordeal of Being in Love) bis hin zu eher zähen Fingerübungen reicht das Spektrum, von 900-Seiten-Wälzern (wieder Manacled) bis hin zu sogenannten „One-Shots“ (in sich abgeschlossene Geschichten in nur einem Kapitel) oder sogar „Drabbles“ (pointierte Geschichten, die aus nur 100 Wörtern bestehen). Interessierten Leser:innen sei dabei geraten, zwar Empfehlungen zu Fanfictions weiterzugeben, jedoch keinesfalls „Verrisse“ zu veröffentlichen, um nicht gegen die Fanfiction-Etiquette zu verstoßen: Von Fans für Fans in der Freizeit und ohne jegliche finanzielle Interessen geschrieben (Fanfictions sind kostenlos über diverse Plattformen wie „Archive of Our Own“ zugänglich und dürfen zum Beispiel auch gar nicht monetarisiert werden, um nicht urheberrechtliche Probleme zu bekommen), ist es in der Community verpönt, im Internet Bewertungen für die Geschichten abzugeben. Anerkennung und Lob („Kudos“) sind dagegen gerne gesehen. Also Achtung: Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen will, sollte unbedingt die Community-Regeln kennen und beachten, um hier nicht in Fettnäpfchen zu treten.

Das Phänomen ist dabei so neu nicht. So veröffentlichte Friedrich Schiller im 18. Jahrhundert Der Geisterseher als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitschrift, beendete den Roman jedoch nicht – zum Leidwesen der Leser:innen.  

Irgendwann war Schiller dessen müde und deswegen ist dieser Konspirations- dieser Verschwörungsroman [sic!] ein Fragment geblieben. Nun hat es einen Autor von Fantastik gegeben der Jahrhundertwende, das ist Hans Heinz Evers und der hat dann mit den Figuren Schillers die Geisterseher zu Ende geschrieben, 

zitiert Nico Rau in einem Deutschlandfunk-Artikel über „Das literarische Phänomen Fanfiction“ den Literaturwissenschaftler Rolf Füllmann.1 Andere gehen bis zur Ilias und Odyssee von Homer zurück, die immer wieder erzählt und verarbeitet wurden, führt ein MDR-Artikel von Thilo Sauer zum Thema aus. Auch hätten sich Autor:innen bald weitere Geschichten zu Sherlock Holmes ausgedacht, als Arthur Conan Doyle keine Geschichten rund um den Meisterdetektiv mehr schrieb. Doch sei dies alles keine Fanfiction, da es hier zum einen doch um Geld ging, zum anderen habe schlicht das gefehlt, was Fanfiction im Kern ausmacht: eine „emotionale Verbundenheit mit dem Originalwerk“2. Literaturwissenschaftlerin Maria Fleischhack verortet in Sauers Artikel die Anfänge letztlich in den 1960er- bzw. 1970er-Jahren – und zwar im Star Trek-Fandom. Der Weltraum der „Vereinigten Föderation der Planeten“ sei so groß, dass sich hier leicht weitere Geschichten ergänzen ließen. Hinzu komme „die serielle Struktur: Wenn die Enterprise-Crew in 50 Folgen einzelne Planeten erkundet, dann lassen sich leicht 20 weitere erfinden“.3  

Es bleibt die starke Motivation, die die Leser:innen damals wie heute antreibt, sich nicht mit dem Ende einer Geschichte zufriedenzugeben, frei nach Michael Endes Ankündigung am Schluss zahlreicher Kapitel in der Unendlichen Geschichte: „Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.“4 Dabei ruft speziell bei Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Reihe gerade die letztlich doch eher platte Schwarz-Weiß-Zeichnung der „Guten“ und der „Bösen“, die allein bei der Figur des Zaubertrankmeisters Severus Snape deutlich angekratzt wird, bei den Fans Widerspruch hervor. Während bei Rowling auch im Epilog des siebten Bands die Nachkommen der Slytherins denen der anderen „guten“ Häuser offenbar noch immer als Schulrivalen gegenüberstehen, loten Fanfictions nicht nur Möglichkeiten aus, wie das Leben beruflich oder privat nach der großen Schlacht um Hogwarts weitergehen könnte, sondern auch, welche psychischen Folgen der jahrelange Kampf für alle Beteiligten wohl hatte: Was macht der erwachsene Harry, wenn nach dem Sieg über Voldemort der Druck, der Auserwählte zu sein, von ihm abfällt? Kann sich Hermine später einfach von all den großen Erwartungen an die „klügste Hexe ihres Alters“ freimachen (in der Fanfiction Rosemary for Rememberance von „rubber_soul02“ versucht sie es beispielsweise, indem sie einen Buchladen eröffnet)? Und immer wieder und vor allem: Können sich Menschen ändern? Wie geht ein ehemaliger Mobber und Todesser wie Draco Malfoy mit seiner Schuld um – trotzig oder reuevoll? Werden er und seine Familie ins Zauberergefängnis Askaban geschickt oder gibt es Möglichkeiten für einen Neuanfang, für Rehabilitation? 

Um es kurz zu machen: Die Antworten darauf sind so vielfältig und einfallsreich wie das magische Personal in Newt Scamanders fiktivem Standardwerk Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Sie reichen dabei von Traumaverarbeitung in Psychotherapien über Rückzug in die Muggelwelt bis hin zu Resozialisierungsprogrammen für ehemalige Todesser. Beliebt sind nicht zuletzt Szenarien, in denen Draco gar nicht der reinblütige Böse ist, sondern (in Fanfictions, deren Handlung noch zu Hogwarts-Zeiten angesiedelt ist) beispielsweise im Untergrund für den Orden des Phönix arbeitet, und sei es nur, um taktisch eine spätere Begnadigung für sich und seine Familie herauszuschlagen. Gerade hier zeigt sich eine große Stärke der Fanfictions, die einzelne Hauptfiguren bis hin zu vernachlässigten Nebenfiguren oftmals weitaus tiefer ausloten, als es in den „Originalen“ der Fall ist. Natürlich schießen manche Geschichten auch weit über das Ziel hinaus, wenn sie sich fast lustvoll in irritierend sadistischen Gewaltfantasien verlieren. Natürlich gibt es langweilige Plots voller Klischees – und doch eben auch diese wunderbar klugen Geschichten mit Anspielungen und liebevollen Details, die in der Community oftmals schon wieder einen eigenen „Kanon“ bilden. Metareflexion und intertextuelle Bezüge sind hierbei keine Seltenheit. Es lohnt sich wirklich, wie auch bei den Unmengen an neuen Young- oder New-Adult-Romanen, die einzelnen Perlen aus der Masse an Veröffentlichung herauszufischen. Social Media kann dabei helfen, wenn Fans die einzelnen Geschichten nicht nur thematisch kategorisieren und gängige Tropes benennen von „Enemies to Lovers“ über „Fake Dating“ bis „Slow Burn“ oder „He falls first“, sondern vor allem ihre Lieblings-Fictions feiern.  

In vielen Harry-Potter-Erzählungen sind dabei Krieg, Gewalt und Traumata präsent, doch das eigentliche Thema – nicht nur von Manacled, sondern auch von zahlreichen anderen Fanfictions – ist die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Hermine Granger und Draco Malfoy. Eine Tatsache, die unbedarfte Harry-Potter-Leser:innen zunächst einmal verblüffen dürfte: Ausgerechnet der fiese, arrogante Malfoy, dem Hermine im dritten Band Der Gefangene von Askaban aus vollem Herzen eine reinhaut, soll ihr Herz erobern? Der Todesser und Unsympath? Und, nicht zu vergessen: Was ist mit Ron?

Glaubt man den zahllosen Fans, die Draco und Hermine „shippen“ (das heißt, Liebesbeziehungen – Relationships – zwischen ihnen favorisieren), so passt der zwar loyale und mitunter etwas begriffsstutzige Ron, den Autorin Joanne K. Rowling in ihrer Reihe für Hermine auserkoren hat, letztendlich so ganz und gar nicht zur klugen, belesenen Hermine. Draco Malfoy, ehrgeizig und intelligent – ganz Slytherin eben –, dagegen wäre das perfekte Match. Ein Bad Boy, sicherlich. Aber doch einer, der eine zweite Chance verdient – und von Hermine in zahlreichen Fanfiction-Varianten auch bekommt. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die sogenannten „Dramiones“ (Geschichten um Draco und Hermine – englisch „Hermione“ – als Paar) einen sehr großen Teil der Fanfictions zur Welt des berühmten Zauberschülers bilden. Einen großen Teil, aber nicht ausschließlich. Denn „geshippt“ wird beispielsweise auch „Drarry“ (Draco und Harry), „Panville“ (die Slytherin-Schülerin Pansy Parkinson und Neville Longbottom), Starwolf (Sirius Black und Werwolf Remus Lupin) sowie „Snamione“ (Snape und Hermine – ja, ernsthaft: auch das gibt es!). 

Nicht nur erschaffen sich die Leser:innen durch Fanfictions damit quantitativ mehr Geschichten aus ihrem geliebten Roman- (oder auch Film-)Kosmos. Sondern sie schreiben die Geschichte(n) einfach um, frei nach dem Motto: „Was wäre, wenn …“ Dabei liefert zum einen die Unzufriedenheit mit manchen Beziehungen (wie bei Hermine und Ron) Stoff für Neuinterpretationen, zum anderen weitere Gedankenspiele, die längst zu festen Subgenres geführt haben: Manacled zählt beispielsweise mit Voldemorts Sieg und dem andauernden Kampf gegen den Orden des Phönix auch zu den Dark Wartime-Fanfictions oder „Alternativen Universen“ (AU). Wie bei den „Shippings“ sind hier der Fantasie der Fans keine Grenzen gesetzt. Beispiele für „Dramiones“: Draco und Hermine werden mit einem Zeitumkehrer in die Vergangenheit katapultiert und finden sich in einem Jane-Austen-Setting wieder (Love and Other Historical Accidents), sie treffen sich unverhofft in der Muggel-Welt (Meet your Match, Remain Nameless), sind Co-Workers, wahlweise als Professoren in Hogwarts (Things We Say in the Dark) oder als Journalisten, die zu Harry Potters Verschwinden recherchieren (Soft As It Began), oder aber sie machen nach der gewonnenen Schlacht in Hogwarts in einem „achten Jahr“ gemeinsam den Schulabschluss (The Eagleʼs Nest). Mal versauert Hermine als Mitarbeiterin des Zaubereiministeriums in einem Bürojob und kämpft gegen die Mühlen der Bürokratie, mal kandidiert sie als erste muggelstämmige Hexe als Zaubereiministerin und nicht selten schickt sie sich als Wissenschaftlerin an, gleich die ganze Zaubererwelt zu heilen – oder doch zumindest die Werwölfe (Draco Malfoy and the Mortifying Ordeal of Being in Love). Dabei folgen die Geschichten mehr oder weniger dem „Kanon“ der Harry-Potter-Romane. Manche Fanfiction-Autor:innen finden lediglich eine kleine Wegmarke, an der sie anders als Rowling „abbiegen“ – und die möglichen Folgen dieses literarischen Experiments dann konsequent durchspielen.

Fanfiction, das heißt aber auch Diversität und Empowerment. Es emanzipieren sich die Nebenfiguren, wenn Ginny Weasley in etlichen „Dramiones“ als coole, schlagfertige Powerfrau und Quidditch-Profispielerin auftritt, aber auch generell die weiblichen Charaktere, wenn die traditionellen Geschlechterrollen in den „reinblütigen Familien“ durchbrochen werden und z. B. Pansy Parkinson zur feministischen Stilikone, die Karriere macht, umgeschrieben wird. „Manche Fans akzeptieren das Schicksal der Charaktere nicht, empfinden Nebenfiguren als vernachlässigt […]“, schreibt Nico Rau.5 Und im Blog „Sleeping Eurydice“ wird Fanfiction als kreatives Ventil“ bezeichnet, „das Autoren dazu ermutigt, mit Erzählstrukturen, Charakterbögen und thematischen Erkundungen zu experimentieren“.6

Wie das Beispiel der ursprünglich als Fanfiction-Geschichte begonnenen Fifty Shades of Grey beweist, wird jedoch nicht nur mit Erzählstrukturen und Charakteren experimentiert, sondern auch mit Erotik. Denn auch wenn Fanfictions auf Jugendbüchern wie der Harry-Potter-Reihe basieren, sind sie selbst in der Regel alles andere als jugendfrei. Gerade die „Dramiones“ enthalten intensive und freizügige Sexszenen, Triggerwarnungen inklusive. Autorin Joanne K. Rowling hätte es sich sicherlich nicht träumen lassen, dass die leeren Klassenzimmer und dunklen Ecken in den ehrwürdigen Gemäuern von Hogwarts von den Abschlussschülerinnen und -schülern in den Fantasien der Fans nicht nur für Zaubersprüche, sondern auch für Blowjobs genutzt werden. Neben der offenkundigen Sexualisierung der Geschichten fällt dabei die Diversität der Paarungen auf, wenn die Slytherins Pansy Parkinson und Theodore Nott – in den Büchern beide eher kleine Nebenrollen ausfüllend – mit Ginny Weasley beziehungsweise Harry Potter selbst homosexuelle Liebesbeziehungen eingehen. Auch das aber ist so neu nicht, regten doch bereits Enterprise-Captain James T. Kirk und sein erster Offizier Spock einst die homoerotischen Fantasien der Rezeptient:innen an. Die sogenannten Slash-Storys, d. h. Liebesgeschichten zwischen gleichgeschlechtliche Figuren, werden übrigens inzwischen auch wissenschaftlich untersucht. Ein entsprechender Sammelband In Texten wildern. Slash oder die Erotisierung fiktiver Stoffe durch Fangemeinden, herausgegeben von Anne Eßer, erscheint im März. 

Aber auch Verlage haben die Zeichen der Zeit erkannt: So erscheinen in diesem Jahr gleich mehrere Bücher, die auf die Fanfiction-Szene zurückgehen. Brigitte Knightley beispielsweise präsentiert mit The Irresistible Urge to Fall for Your Enemy zwar eine neue Geschichte, doch die Autorin von Draco Malfoy and the Mortifying Ordeal of Being in Love kündigte an, nicht nur ihre Lieblings-Tropes einzuarbeiten, sondern auch verschlüsselte Anspielungen an „Dramiones“. Es ist also zu erwarten, dass sich darin Assassine Osric mit Heilerin Aurienne ebenso witzige Wortduelle liefert wie Auror Draco Malfoy mit der Forscherin Hermine (Achtung: es sind zwei Bände geplant!). Manacled-Autorin SenLinYu schließlich bringt ihre Erzählung über die desillusionierte und kriegsmüde Heilerin Hermine nun in einer entsprechend überarbeiteten, von allen Hogwarts-Bezügen getilgten Form als Buch heraus. Alchemised wird Ende September zeitgleich in der englischen und deutschen Ausgabe (letztere im Forever Verlag by Ullstein) erscheinen. Denn auch das haben die Verlage gelernt: Fanfiction-Leser:innen warten in der Regel nicht auf deutsche Übersetzungen (die es aber durchaus gibt), sondern lesen im Zweifelsfall doch lieber gleich das Original.  

Apropos: Manacled, das war tatsächlich mehr als „nur“ eine Fanfiction. Es war ein abgründiger „Harry Potter für Erwachsene“, mit einem Schluss, der sich anfühlte, als würde einem das Leser:innenherz von einem Basiliskenzahn durchbohrt. Die Fanfiction Manacled gibt es inzwischen jedoch nicht mehr: Ende 2024 wurde sie von den entsprechenden Plattformen gelöscht. SenLinYu, mit fast 100. 000 Followern bei Instagram, deren Online-Geschichten von anderen Fans bereits in 23 Sprachen übersetzt wurden, dürfte mit ihrem Verlags-Debüt eine ausreichende Fanbase als Autorin mitbringen, um ihre Story, die nun in einer von Krieg zerrissenen Welt voller Alchemie spielt, auch ohne Potter-Bezug zu einem Erfolg zu machen. Und wer weiß, vielleicht gibt es bei folgenden Geschichten dann auch bald Fanfictions zu ihren Originalen. Sie wäre nicht die erste Fanfiction-Autorin mit einer solchen Erfolgsgeschichte. 

 

Anmerkungen

1 https://www.deutschlandfunk.de/das-literarische-phaenomen-fanfiction-100.html  

2 https://www.mdr.de/kultur/buchmesse/grundwissen-fan-fiction-100.html 

3 Vgl. die Ausführungen zum Ursprung der Fanfiction: https://www.mdr.de/kultur/buchmesse/grundwissen-fan-fiction-100.html  

4 Michael Ende: Die unendliche Geschichte. 4. Auflage. München: dtv 1990, S. 261. 

5 https://www.deutschlandfunk.de/das-literarische-phaenomen-fanfiction-100.html 

6 At its core, fanfiction is a creative outlet that encourages writers to experiment with narrative structures, character arcs, and thematic explorations. By building upon established worlds and characters, fanfiction authors can push the boundaries of storytelling in ways that original works might not allow.“ https://sleepingeurydice.wordpress.com/2024/10/17/essay-fanfiction-and-its-impact-on-literature/