Lars, der E-Sportprofi?
Folge 20 „Gamingfieber“ der Hörspielreihe „Kira Kolumna“ zeigt eindrücklich die Herausforderungen großen beruflichen Ehrgeizes
Von Elena Hoch
Lars ist völlig aus dem Häuschen: Er wurde von einem Scout zu einem Casting eingeladen und könnte schon bald E-Sportprofi werden – sein absoluter Lebenstraum! Für diesen legt sich der sonst eher entspannte Gaming-Fan ordentlich ins Zeug. Jede freie Minute verbringt er am Laptop, um zu trainieren, in der Hoffnung, aus seinem Hobby eine lukrative Karriere machen zu können. Kira und Nele unterstützen ihren Freund zunächst tatkräftig. Doch je mehr Lars unter Druck gerät, desto gestresster und gereizter wird er. Schließlich trifft er sogar die Entscheidung, die Schule abzubrechen, um mehr Zeit für seine Karriere zu haben. Kira und Nele beginnen, sich ernsthafte Sorgen zu machen: Wie viel Einsatz für den Traumberuf ist wirklich gerechtfertigt?
Gamingfieber ist bereits die 20. Folge der 2021 gestarteten Hörspielreihe Kira Kolumna des Labels Kiddinx. Die Folge ist am 17. April 2025 erschienen und dauert etwa eine Stunde. Es ist also eine der längeren Folgen der Reihe – und jede Minute wert. Die Rezensentin würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass sie eine der besten Folgen der Reihe ist.
Und das, obwohl die Folge nicht mit Konflikten geizt. Lars’ Ehrgeiz führt zu Spannungen mit Kira, Nele und seiner Mutter, bis hin zu hitzigen Auseinandersetzungen. Gerade zum Ende hin wird es sehr emotional. „Die [Folge] muss ich erstmal verdauen!“, schreibt Nutzerin BrigitteBlocksberg im Forum Hörspiel Paradies. Fast hätte sie die Folge nach der ersten Hälfte ausgemacht – und das, obwohl sie sie „sehr gut“ fand. Die Folge sei „sehr real und man kann sich gut hinein versetzen“.Das Drehbuch von Anne Gröter ist dabei ebenso zu loben wie die stimmliche Leistung der Synchronsprecher:innen.
Auch andere Nutzer:innen heben zurecht die hohe Authentizität der Folge hervor. Gamingfieber zeigt auf realistische Weise, dass man für Träume viel investieren muss – und gleichzeitig auch die eigenen körperlichen wie mentalen Grenzen erkennen sollte. Lars’ Verhalten verdeutlicht die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn Leidenschaft und Ehrgeiz außer Kontrolle geraten: Schlafmangel, vernachlässigte Schule, kaum soziale Kontakte und Frischluft. Gleichzeitig stellt die Folge gesellschaftliche Vorurteile infrage. So bemerkt Lars: „Wenn ich mich aufs Abi vorbereiten würde und wochenlang dafür lernen würde, würde niemand was sagen, aber weil es ja ‚nur‘ Gaming ist, kriegen alle die Krise und machen sich Sorgen.“ Dem kann Kira, der gegenüber er dies äußert, nur schwer widersprechen und auch als Hörer:in fühlt man sich zumindest zu einem gewissen Grad ertappt. Immer wieder kommt indirekt die Frage auf: Ist Gaming wirklich ein Sport und Grundlage für eine echte Karriere?
Das Thema Gaming wird in der Folge aus vielen verschiedenen Perspektiven behandelt. Es wird nicht einfach stereotypisch dargestellt, nach dem Motto: „Vergiss dein Hobby, mach Abi und lerne einen ordentlichen Beruf.“ Die Sorgen von Lars’ Umfeld – insbesondere von der Eltern-Generation – sind nachvollziehbar und beruhen zwar zum Teil auf Unwissenheit, nicht aber auf einer grundlegenden Intoleranz gegenüber seiner Leidenschaft.
Obwohl die Folge viel Erklärarbeit zum Thema Gaming leistet, wirkt dies durchweg natürlich. Das ist eine Stärke, die Kira Kolumna insgesamt auszeichnet: Technisches Wissen, Social Media und andere moderne Aspekte werden organisch in die Handlung eingebunden. Natürlich gibt es gelegentlich kurze Erklärungen, doch diese wirken nicht unangenehm oder aufgesetzt.
Gerade bei Hörspielen für Kinder passiert es oft, dass Informationen zu offensichtlich oder zu simpel vermittelt werden, wodurch Dialoge unglaubwürdig wirken. Bei Kira Kolumna ist das anders. Die Erläuterungen fügen sich in den allermeisten Fällen harmonisch in die Gespräche ein: Kira und Nele fragen zum Beispiel, wie der Scout auf Lars aufmerksam geworden ist, und Lars erklärt ebenso ungeduldig wie kurz angebunden, dass dies über seinen Score geschehen sei. Was ein Score genau ist und wie er zustande kommt, wird nicht noch einmal extra erklärt – obwohl Kira und Nele das offensichtlich nicht so recht zu wissen scheinen. Diese ‚Wissenslücke‘ stört jedoch nicht. Im Gegenteil: Sie macht das Gespräch authentisch. Lars hat verständlicherweise keine Lust auf eine Erklärstunde; er möchte einfach, dass seine Freundinnen sich für ihn freuen, dass er eine so tolle Chance bekommen hat. Und vermutlich wissen viele Hörer:innen, insbesondere jüngere, ohnehin, wie ein Score beim Gaming entsteht, sodass Lars’ Ungeduld doppelt nachvollziehbar ist.
Akustisch ist die Folge wie immer großartig umgesetzt: Jede Szene klingt lebendig und authentisch. Auch die Sprecher:innen überzeugen auf ganzer Linie und verleihen den Figuren Tiefe und Persönlichkeit. Seit Folge 1 glänzt Kira Kolumna durch hohe Qualität – und auch in Folge 20 zeigt sich erneut, dass hier auf jedes Detail geachtet wird.
Alles in allem überzeugt Gamingfieber also mit einer gelungenen Mischung aus Spannung, Authentizität und Emotionalität. Die Folge zeigt realistisch, welche Herausforderungen großer Ehrgeiz und der Traum einer Karriere im E-Sport mit sich bringen, ohne die Perspektiven von Freund:innen und Familie zu vernachlässigen. Gleichzeitig gelingt es, das Thema Gaming differenziert zu betrachten und trotzdem auf natürliche Weise in die Handlung einzubinden, sodass die Folge lehrreich ist, ohne belehrend zu wirken. Sowohl inhaltlich als auch akustisch bietet Folge 20 ein rundum gelungenes Hörerlebnis, das sowohl junge als auch ältere Hörer:innen fesselt – und einmal mehr beweist, warum Kira Kolumna derzeit zu den qualitativ hochwertigsten Hörspielreihen für Kinder zählt.
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