Romantik in der neuen Ausgabe von „Flandziu“
Besprochene Bücher / Literaturhinweise
Mit dem Titel Romantik: Ursprünge und Fortleben ist 2025 die neue Ausgabe der „Halbjahresblätter für Literatur der Moderne“ Flandziu (Jg. 16, Heft 1/2, Hamburg 2024) erschienen. Der Herausgeber Jürgen Klein hat die komplexe Ausgabe für literaturkritk.de so zusammengefasst:
Flandziu befasst sich mit dem europäischen Phänomen der literarischen Romantik, hier konzentriert auf Deutschland, England und Frankreich. Während die Romantik in Deutschland als Gegenbewegung zum Rationalismus des 18. Jahrhunderts auftritt, orientiert sie sich zunächst am französischen Sensualismus (Diderot), der Gefühlskultur Rousseaus und dem Freiheitsstreben der Französischen Revolution.
Die ersten theoretischen Grundlagen in Deutschland wurden jenseits der Ästhetiken von Baumgarten und des vorkritischen Kant durch die Rezeption des Deutschen Idealismus angeregt (Friedrich Schlegel, Novalis ). Die Romantik hatte bereits nach 1700 (The Spectator) einen Vorlauf in England. Ästhetisches Denken wurde in der Dichtung an Imagination und Natur festgemacht. In Frankreich hingegen entstand die literarische Romantik erst nach der klassizistischen Periode durch Über Deutschland, das einflussreiche Buch von Madame de Stael sowie durch Viktor Hugos Vorrede zu seinem Drama Cromwell.
Die revolutionären Tendenzen der Romantik verblassten im 19. Jahrhundert zu konservativen Ausblicken, besonders in Deutschland. Bis heute ist die Romantik nicht untergegangen: durch ihre Abweichung von der Klassik und die Trennung von Ethik und Ästhetik hat die dunkle Romantik (E. T. A Hoffmann, E. A. Poe, Gothic Novel) den Sprung zur Moderne vorbereitet.
Rüdiger Görner und Harro Zimmermann gehen den intellektuellen und ästhetischen Mustern der Jenenser Romantik bei Novalis und Friedrich Schlegel in aller Gründlichkeit nach. Hans Richard Brittnacher führt in das Wesen der romantischen Sirenen, der Nixen und Undinen ein, wohingegen Lothar Ehrlich an Arnims Halle und Jerusalem die Liebe in der Krisenzeit nach der Französischen Revolution betrachtet. Dabei spielt die Religion als Möglichkeit der inneren Läuterung des Individuums eine entscheidende Rolle. Lutz Flörke zeigt an E. T. A. Hoffmanns Der Goldene Topf, wie sich die Freiheit der Phantasie an den Ordnungsmenschen bricht, welche die Phantasie für gefährlich halten und auf ihrem Status quo beharren.
Wilhelm Hauffs „romantisches Leiden an einer unglücklichen Liebe“ wird von Johann-Günther König mit überraschendem Quellenmaterial dem Leser nicht nur lebendig und interessant, sondern auch überzeugend dargestellt. Sir Drummond Bone gelingt es in der Betrachtung der Cantos I und XVII von Byrons Don Juan, die einmalige Qualität dieser Dichtung einzufangen in der Synthese von Endlichkeit und Augenblick angesichts der Unerreichbarkeit der Vollendung. Ludwig Stockinger zeigt, wie August Wilhelm Schlegel in seinen Berliner Vorlesungen (1801-1804) die deutsche Vergessenheit der Ideen scharf kritisiert und diesen Mangel mit einer soziologischen Analyse der schlechten Qualitätszeit zeitgenössischer deutscher Literatur verbindet. Der „Verstandesaufklärung“, dem „Empirismus“ und der „Eudämonie“ setzt Schlegel das Streben nach dem Absoluten entgegen.
Reimar Zons schreibt die Romantik bis in die moderne Kunst von David Pflugi weiter, ohne dabei zu versäumen, die Entwicklung der Ästhetik seit Lessing aufmerksam in den Blick zu nehmen. Ähnlich wie Zons das Weiterleben der Romantik in der modernen Kunst nachweist, geschieht dies in den Beiträgen zur Musik von Urs Peter Schneider und Jens Malte Fischer. Beide zeigen, wie romantische Komponisten ins 20. Jahrhundert vorgreifen. Fischer zeigt, wie Jean Pauls Humor, das Lächeln über die Asymmetrie von irdischem und höherem Leben, Robert Schumann und Gustav Mahler beeindruckt haben. Es sind Begriffe wie „Ironie“, „Als Ob“, „Gebrochenheit“, die nicht mit dem 19. Jahrhundert enden, sondern das Nachleben der Romantik im 20 Jahrhundert erweisen.
Wie in jedem Flandziu haben die Kolumnisten Dominic Riedo, Nancy Hünger und Manfred Chobot dieses Doppelheft bereichert. Und auch Sujata Bhatt mit ihrem gerade jetzt aktuellen Gedicht Mozartstraße 18, Johann-Günter König mit seinem nachdenkenswerten Essay und last not least Andreas Rumler mit seinem spannungsreichen Gedicht Wolken über dem Rhein.
Anmerkung der Redaktion: Bücher von Mitarbeitern der Zeitschrift literaturkritik.de werden hier in der Regel nicht rezensiert, können jedoch gesondert vorgestellt werden.
|
||














