Herbie! Herbie! Herbie! – „100 Seiten“ über unser aller Mit-„Mensch“ Herbert Grönemeyer
Besprochene Bücher / LiteraturhinweiseUdo Lindenberg und Marius Müller-Westernhagen schlagen sich zwar immer noch ganz wacker, doch der Kampf um den deutschen Popthron ist schon seit ein paar Jahren entschieden. Spätestens seit seinem 2002 erschienenen Album Mensch, das mit über drei Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Platten überhaupt zählt, dürfte wohl niemand mehr bestreiten, dass Herbert Grönemeyer das größte musikalische Idol der Deutschen ist.
Höchste Zeit also, dass sich die „100 Seiten“-Reihe des Reclam-Verlags, die unter anderem Porträts der größten popkulturellen Idole im Programm hat, des Phänomens Grönemeyer annimmt. Wieland Schwanebeck resümiert in neun kurzweiligen Kapiteln die Karriere des Sängers und Komponisten, der zwar etliche große Lieder geschrieben hat, aber trotzdem nicht mit der deutschsprachigen ,Liedermacher‘-Tradition zu verwechseln ist, und geht dabei sowohl auf die wichtigsten Abschnitte seines Werdegangs als auch auf die wichtigsten Themen ein, die die Auseinandersetzung mit dem ebenso verehrten wie umstrittenen Sänger bis heute prägen.
Beleuchtet werden Grönemeyers Anfänge am Theater, seine eher zufällig zustande gekommene Filmlaufbahn, die gefloppten frühen Platten, die dem Durchbruch mit 4630 Bochum (1984) vorausgingen, die allmähliche Verfeinerung der musikalischen Ausdrucksmittel sowie die Entwicklung von Malocher-Poesie im Frühwerk hin zu Grönemeyers typischer Bildsprache auf reiferen Alben wie Bleibt alles anders (1998) und Schiffsverkehr (2011).
Daneben geht es im Buch mit viel Humor auch um das, was Grönemeyer seinen Fans so unverwechselbar und seinen Kritikern so schwer erträglich macht, wie etwa seine geradezu bundespräsidialen Einlassungen zur Lage der Nation, seine demonstrative Verschwiegenheit in Interviews und seine Konzertdramaturgie. Ein mit „Lob der Unverständlichkeit“ überschriebenes Kapitel geht anhand zahlreicher Beispiele der Frage nach, welche kollektiven Verhörer Grönemeyers Nuschelgesang bei seinem Publikum hinterlassen hat – nicht nur die Hymne „Bochum“ ist immer wieder fantasievoll fehlgedeutet worden, auch in jüngeren Werken wird schon mal „der Glanz meiner Reifen“ und nicht, wie vorgesehen, „der Grad meiner Reife“ beschworen.
Wie es sich für die „100 Seiten“-Reihe gehört, versammelt das Buch zahlreiche Infografiken und Statistiken rund um Grönemeyers Werk, die auch für Fans noch die ein oder andere Entdeckung bereithalten. Oder hätten Sie gewusst, wie oft in Grönemeyers Liedern das Herz besungen wird, oder wie viele verschiedene Wunden der „Männer“-Körper in seinem Schaffen so davonträgt?
Anmerkung der Redaktion: literaturkritik.de rezensiert grundsätzlich nicht die Bücher von regelmäßigen Mitarbeiter*innen der Zeitschrift, Angehörigen der eigenen Universität oder aus dem Verlag LiteraturWissenschaft.de. Diese Bücher können hier jedoch gesondert vorgestellt werden.
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