Über Bücher sprechen
Volker Ladenthins und Werner Zilligs Dialog über „Die Zukunft des Buches“ verschenkt Potential
Von Michael Duszat
Bücher, die sich mit dem Buch als Medium beschäftigen, gibt es umso mehr, je weniger selbstverständlich dieses Medium wird. Auch Die Zukunft des Buches geht von der Beobachtung aus, dass vieles fraglich geworden ist, was lange selbstverständlich war: dass etwa das Wissen einer Zivilisation in Büchern vermittelt, erweitert und aufbewahrt wird oder dass das Schreiben und Lesen von Büchern besondere Arten des Denkens hervorgebracht und damit die moderne Welt geprägt hat. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen, umfangreichen Lesebiographien gehen die beiden Autoren – beides Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen im Ruhestand – der Frage nach, was in Zukunft mit dem Buch als Medium passieren könnte.
Dabei wählen sie die Form des Dialogs: Die dreißig Kapitel sind bewusst nicht „aufs Systematisieren aus“, sondern wollen „mit dem Umkreisen, Aufgreifen, dem Zustimmen und dem Ablehnen einen wilden Ritt durch die Welt des Buches“ machen. Obwohl ein solcher Ansatz seinen Reiz hat, zeigen sich in Die Zukunft des Buches auch schnell seine Nachteile.
Zunächst ist der Dialog tatsächlich ziemlich „wild“. In den einzelnen Kapiteln werden immer gleich mehrere Fragen aufgeworfen und verschiedene Aspekte aus vorigen Kapiteln noch einmal aufgegriffen. Das ist mal mehr und mal weniger ausführlich, und oft geht der rote Faden im Hin und Her verloren. Erschwerend kommt hinzu, dass es immer wieder Ausschweifungen gibt oder zumindest Aspekte verhandelt werden, deren konkreter Bezug zum Thema Buch nicht ausreichend geklärt wird, wie zum Beispiel ein Dutzend Seiten zur Frage der Übersetzung von literarischen Texten.
Was den Dialog darüber hinaus eher anstrengend zu lesen macht, ist, dass die Argumente der beiden Autoren oft nicht klar voneinander zu unterscheiden sind. Man vergisst leicht wieder, wer jetzt eigentlich welche Position zu welchem Aspekt hatte, und wie das mit einer anderen Position zusammenhängt. Als Folge findet man sich als Leser – trotz eines Registers und einiger interner Querverweise – kaum zurecht.
Freilich finden sich auch in einem unsystematischen Streifzug interessante Gedanken über Vergangenheit und Zukunft des Buches („Jede Notiz will Buch werden“), und das Fachwissen, die Erfahrung und die Leidenschaft der beiden Autoren sind auf jeder Seite spürbar. Streitgespräche darüber, was eigentlich Schrift ist und ob elektronische Bücher überhaupt Bücher oder sogar bessere Bücher sind, hätten aber durchaus mehr Potential, den Gegenstand interessant zu machen. Dazu hätte es jedoch mehr Zuspitzung, Kontrastierung und letztlich auch Systematisierung des Dialogs bedurft.
Was außerdem noch auffällt, ist die Sorglosigkeit, mit der die Autoren ihr Buch als Buch selbst behandeln. Die Zukunft des Buches enthält nämlich relativ viele Inkonsistenzen und Fehler. Zum Beispiel werden manche Quellen für Zitate nachgewiesen, viele aber nicht; manche Kapitel haben viele Fußnoten (deren Zählung seltsamerweise auf jeder Seite neu beginnt), andere jedoch gar keine; und hier und da gibt es auch Formatierungsfehler (oder zumindest Fälle, in denen man sich über Formatierungen wundert). Dazu kommen immer wieder kleinere Fehler wie fehlende oder doppelte Wörter und falsche Endungen oder Artikel, aber auch ein paar richtige Brocken: Einmal wird aus dem Buchtitel aus Versehen „Zunft des Buches“; ein anderes Mal rutscht ein Fußnotentext in den Haupttext.
Solche Mängel signalisieren in der Masse, dass das Buch möglicherweise nicht einfach nur bewusst unsystematisch bleibt, sondern tatsächlich nicht ganz zu Ende geschrieben wurde. Immerhin betonen die Autoren selbst, dass in einem einmal gedruckten Buch Gedanken fester stehen bleiben als zum Beispiel in einem Blog. Weniger manipulierbar sei das gedruckte Buch dadurch gegen ständige Eingriffe, denn einmal Veröffentlichtes lasse sich nicht mehr so schnell auslöschen. Richtig und bedenkenswert – doch der Preis für diese relative Stabilität des geschriebenen Wortes ist ein zuverlässiges Lektorat und Korrektorat. Sonst bleiben natürlich gerade in einem gedruckten Buch auch alle Fehler erhalten.
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