Wahrheit ist noch zumutbar

Rede am Grab der Ingeborg Bachmann (1986)

Von Marcel Reich-RanickiRSS-Newsfeed neuer Artikel von Marcel Reich-Ranicki

In Sachen Ingeborg Bachmann ist man sich heutzutage einig: Sie wird gerühmt, bewundert und verehrt. Für ihr Werk hat man einen schönen Platz gefunden, nämlich in der Schatzkammer der deutschen Poesie. Und wer weiss, ob nicht schon ein Denkmalssockel in Arbeit ist. Das alles geht mit rechten Dingen zu, denn wir verdanken Ingeborg Bachmann eine Anzahl wunderbarer Gedichte – und Österreich liebt seine grossen Dichter, zumal wenn sie nicht mehr leben.

Wer befürchtet, dass man die Autorin der „Gestundeten Zeit“ so rasch ins Museale entlassen oder gar mit einer Aureole umgeben möchte, der kann sich schwerlich der Frage enthalten, wie es mit dem Ansehen der Ingeborg Bachmann beschaffen wäre, wenn sie noch unter uns weilte. lch glaube, sie und ihre Heimat – sie würden sich gegenseitig viel Kummer bereiten.

Geschützter Bereich von literaturkritik.de