Leserbriefe

Leserbrief-Archiv

Leserbriefe seit 2003

Wenn Sie einen Leserbrief zu einem unserer Artikel schreiben wollen, klicken Sie bitte unter diesem Artikel "Leserbrief schreiben" an. Leserbrief und Artikel werden dann miteinander verlinkt. Um einen Leserbrief zu schreiben, der sich nicht auf einen bestimmten Artikel bezieht, verwenden Sie bitte dieses Formular. Beides ist hier nur für angemeldete Mitarbeiter oder Online-Abonnenten möglich. Sie können Ihren Leserbrief aber auch an redaktion@literaturkritik.de schicken.


Werner Kantner schrieb uns am 13.09.2021
Thema: Suche die adäquateste Übersetzung von Dante Alighieri: Göttlichen Komödie

Guten Tag,
ich habe zwar eine alte Rezension gefunden, nur nicht eine Antwort auf meine Frage:
ich suche die gelungenste / die am nächsten dem Original kommende Übersetzung von Dante Alighieri: Göttlichen Komödie.
Ich habe eine sehr interessante (2013) Besprechung gelesen, die zum Beispiel den Übersetzer Hartmut Köhler lobt, aber im Wesentlichen nicht das beste Zeugnis ausstellt.
Hoffnungsvoll
Werner Kantner

Antwort schreiben

Dr. Bernd Dammann schrieb uns am 04.09.2021
Thema: Ralf Simon: Bürgerliches Schäferleben
Der Germanist Kurt Wölfel ist gestorben

Professor Wölfel gehörte zur Gruppe der sog. Stimbekhof-Rebellen, die im Jahr 1965 gegen die "Vergangenheitspolitik" des von Prof. Benno von Wiese (Bonn) geführten 'Deutschen Germanistenverbandes' Front machten und eine schonungslose Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des eigenen Faches auf dem Germanistentag 1966 in München forderten. Wölfel wurde zudem eine Hauptfigur in dem deutschen Campusroman "Follens Erbe" (1986) von Michael Zeller, den man als Schlüsselroman über die Verhältnisse in der Erlanger Germanistik zu jener Zeit lesen kann, als der Autor Zeller dort wirkte und sich auch habilitierte. Über welchen deutschen Germanistikprofessr lässt sich sonst noch sagen, er sei zum karikierten "Vorbild" einer Romanfigur in einem der wenigen deutschen Campusromane geworden.

Antwort schreiben

Hans-Peter Mieslinger schrieb uns am 25.08.2021
Thema: Blais-Rezension von Nora Eckert im Januar 21

Ja und voll einverstanden.  Der Roman ist der Erste Band einer 10 Bändigen Romanfolge,  die den Namen DURST ZU RECHT verdient.  Soifs - gibt es eine deutsche Pluralform für  DURST?  Ich habe mir nach der Entdeckung der Deutschen Ausgabe nunmehr "dürstend " die Mühe gemacht,  die Folgebände im Original zu "erlesen " inzwischen bei  Band 4 angekommen,  kann ich versichern,  dass der DURST nur größer geworden ist.
Im übrigen lohnt es sich,  die Rezension von Francois Bondy aus der ZEIT vom November 1967! nachzulesen.  (SCHWARZER WINTER,  UNE SAISON DE LA VIE D'EMMANUEL) ICH KANN NUR HOFFEN UND
WÜNSCHEN,  daß der Suhrkamp Verlag Kosten und Mühen nicht scheut,  die Folgebände weiter übersetzen zu können,  das stünde fürwahr in der PROUST'SCHEN TRADITION

Antwort schreiben

Lothar Struck schrieb uns am 08.06.2021
Thema: Peter Mohr: Von links nach rechts
Zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin Monika Maron (am 3. Juni) erscheint der Essayband „Was ist eigentlich los“

Merkwürdig, dass dieser Beitrag die Redaktions-Hürde genommen hat. Denn zum einen beschäftigt er sich überhaupt nicht mit den Essays von Maron. Stattdessen zitiert sich der Autor selber, in dem er Schnipsel aus seinem Text von vor zehn Jahren wiederholt. Und zum anderen wird Gesinnungsschelte betrieben – natürlich ohne jeglichen Beleg. Gab es in den Essays nicht die erhofften Bestätigungen? Ich frage mich "einigermaßen bestürzt": Was ist mit der fraglos verdienstvollen, bedeutenden Plattform literaturkritik.de los?

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (3)Antwort schreiben

Karl-Josef Müller schrieb uns am 07.06.2021 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Peter Mohr: Von links nach rechts
Zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin Monika Maron (am 3. Juni) erscheint der Essayband „Was ist eigentlich los“

Gerne schließe ich mich den Kritikpunkten von Herrn Helmes an.

"In den letzten Jahren hat sich Monika Maron, die ein Jahr vor der Wende aus der DDR in den Westen übergesiedelt war, politisch mehr und mehr auf den rechten Rand zubewegt und allerlei krude Gedanken über Ängste und Sorgen „besorgter Bürger“ zu Papier gebracht." Belege fehlanzeige, der Autor setzt voraus, dass seine Leser wissen, wovon er spricht.
Es folgt ein biographischer Abriss über die Dichterin, der uns nichts Neues mitteilt - und überhaupt und gar nicht auf das doch eigentlich zu rezensierende Buch eingeht, das ich nicht kenne und über das ich deshalb gerne etwas erfahren hätte.
Und dann der Abschluss, ein Urteil, das quasi
bereits vor der Beweisaufnahme, also einer reflektierten Auseinandersetzung mit dem zu besprechenden Bandes, festzustehen scheint - denn warum sonst begründet der Autor sein Urteil nicht?
"Am Ende bleibt die spannende Frage: Was hat zur ideologischen 180-Grad-Wende bei Monika Maron geführt? Was hat sie in die Arme der Neuen Rechten getrieben und sie zu eine der lautstärksten Spalterinnen in unserer Gesellschaft werden lassen? Und – analog zum Titel ihres Essaybandes – fragt man sich einigermaßen bestürzt: Was ist mit der fraglos verdienstvollen, bedeutenden Schriftstellerin Monika Maron los?" Was ist hier mit dem Rezensenten und der Redaktion los gewesen?

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (3)Antwort schreiben

Günter Helmes schrieb uns am 01.06.2021
Thema: Peter Mohr: Von links nach rechts
Zum 80. Geburtstag der Schriftstellerin Monika Maron (am 3. Juni) erscheint der Essayband „Was ist eigentlich los“

Habe ich etwas überlesen? Oder gibt es in dieser Besprechung tatsächlich nur zwei, eigentlich nur einen einzigen Satz zu dem zur Rede stehenden, 192 Seiten umfassenden Buch? Und: Ist man gleich eine "Spalterin", wenn man andere Ansichten vertritt als die öffentlich mehrheitlich geäußerten? Lebt eine Demokratie nicht vom Widerspruch, er mag unbequem sein oder auch nicht immer 'sattelfest'? Sind wir unserem Selbstverständnis nach nicht eine pluralistische Gesellschaft? Was soll denn diese sog. "Spalterin" eigentlich spalten? Mein Dafürhalten: Wohlfeile Etiketten und 'totschlägerige' Pauschalisierungen mit dem Ziel der Stigmatisierung ersetzen nicht die argumentative Auseinandersetzung.

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (3)Antwort schreiben

Frieder Sommer schrieb uns am 18.05.2021
Thema: Redaktion literaturkritik.de: Ein Friedensvertrag für Israel und Palästina in dem Roman „Quill of the Dove“ von Ian Thomas Shaw – übersetzt von Heide Fruth-Sachs

Lieber Thomas Anz,
ganz herzlichen Dank für den Vorabdruck des Vertrags, diesen Lichtblick in schrecklichen Zeiten!
Es ist so "einfach", man muß es nur wollen!

Antwort schreiben

David Wunderer schrieb uns am 18.05.2021
Thema: Jan Süselbeck: Nächstenliebe für Nazis?
Thomas Wagners Darstellung der seltsamen Freundschaft zwischen Erich Fried und dem Neonazi Michael Kühnen ruft nach einer Relektüre des einzigen Romans des linken Dichters – „Ein Soldat und ein Mädchen“

Ich werde die Sache sehr wahrscheinlich nicht tiefgreifender untersuchen.

Notierte mir aber (alles mit Ausrufezeichen versehen):
-"Recherche." Auch für "uns"?
- Anarchistischer Humanitärer Akt (angelehnt an "Land and Freedom" von Ken Loach, in dem die armen gefangengenommenen jungen Faschos erst einmal etwas zu essen bekommen).
- Ich bin ein Mensch, der mit jedem Menschen reden können will. Und ich sehe mich als intellektuell und charakterlich genug gefestigt an, um in dieser Frage unsanktioniert (moralisch kritisch) agieren zu dürfen. Es muss bitte nicht jeder es so halten wie Wiglaf Droste der (aus dem Gedächtnis zitiert) nicht mir Rechtsradikalen redete, weil die ihm nichts zu sagen haben. Ich will nicht in ähnlicher Weise (ich meine nicht Wagners Werk, das ist wohl differenziert genug) in meiner Existenz oder Person bedroht, "gecancelt" oder moralisch verurteilt (ohne weiteres) werden.


mit freundlichen Grüßen, David Wunderer

Antwort schreiben

Christian Milz schrieb uns am 13.04.2021
Thema: Jörn Münkner: Am Puls der Texte
Michael Maar analysiert in „Die Schlange im Wolfspelz“ die Wirkung großer Literatur

Stellenweise insbesondere auf den ersten Seiten brillant, enorm belesen gewiss, auch kompentent im Hinblick auf Stil und Sprache, schlägt Michael Maar indes mehr (z.T. bereits breit ausgetretene) Schneisen ins Unterholz "großer Literatur", als dass er deren "Geheimnisse", wie es im Untertitetl heißt, ausplaudert. Stil ist eben nicht alles, vielleicht nicht einmal die Hauptsache. Wer  wirklich an dem Geheimnis von Literatur interessiert ist, der wird in den knappen Anmerkungen Maars zu den einzelnen Autoren nicht fündig, er sucht das Konkrete, sprachlich Bestimmbare, auch das Autobiografische, für die entscheidenen mythologischen Tiefenstrukturen beispielsweise bei Fontane oder Büchner hat er keinen Blick. "Idiosynkrasien" sei Fontanes Lieblingswort, er koppele Substantive zu langen Wort-Waggons, sein Stechlin bestehe hauptsächlich aus Dialogen in denen immerzu gelacht statt gesagt werde, woran man noch den Journalisten erkenne (beim Kollegen Hemingway fielen der journalistischen Sparsamkeit wenigstens die Adjektive zum Opfer) und eine Schwäche für die Sentenz sei Fontanes Hauptmerkmal: Nein, mit selbigem hat Maar nichts am Hut, immer wieder dieser gleiche Ton, den man irgendwann nur noch schwer ertrage - gleichwohl vieles bei Fontane sei entzückend und mit dem Zeigestock: "Nichts gegen Fontane".
Aber wo ist bleiben die Geheimnisse? Der Autor hat sich darüber mit seinem Kollegen Spielhagen, der den gleichen Stoff der Effi Briest ebenfalls zu einem Roman verarbeitet hatte, brieflich ausgetauscht. U.a. die Zwillinge Bertha und Hertha sind ein Hinweis, der bis zum mythologisch dunklen Herthasee reicht mit seinen historischen Menschenopfern, die schon ganz am Anfang in der Bootsfahrt auf dem See des Biest'schen Anwesens antiizipiert werden und ein Musterbeispiel für die Verdichtung bei Fontane darstellen. Die Platanen (in Händels berühmtem Largo besungen), bzw. deren immaterielles Rauschen, werden am Ende zu Symbolen der Transzendenz. Ein mehr dem Stoff als der Form zuzurechnendes Geheimnis besteht in der fehlenden Hochzeitsreise der alten Briests, über mögliche Hintergründe in Hinblick auf den preußischen Staat und das Königshaus ist in der Literaturkritik schon intelligent spekuliert worden.
Ein weiteres Geheimnis großer Literatur betrifft Büchner und sein Woyzeck-Fragment, aus dem Maar ein paar Schnipsel zitiert: "Käfer summen wie gesprungene Glocken" und "Augen sind so schwarz, als schaue man in einen Ziehbrunnen". Maar fragt, ob Käfer wirklich wie gesprungene Glocken summen können? Sie könnten, Büchner habe genau hingehört. Hat er nicht vielmehr tiefer in große Literatur hineingelesen als Maar selbst? Beispielsweise in Macbeth mit dessen Assoziation der dunklen Hekate, des hornbeschwingten Käfers und der nächt'gen Schlummer- bzw. Todesglocke? Bei Büchner sind die Glocken gesprungen wie das Glas, in dessen Scherbe sich Marie spiegelt, nicht nur weil sie materiell arm ist, sondern moralisch arm wie Hamlets Mutter, eines Hamlet, der seine Mutter (nur) mit den Augen ersticht, während Woyzeck tatsächlich zusticht. Warum? im Woyzeck findet sich eine rhetorische Raffinesse, die ihresgleichen sucht und die es wohl wert gewesen wäre, in Maars Fundus von Stilschätzen aufgenommen zu werden. Marie stößt auf dem Höhepunkt ihrer Verzweiflung, die Bibel in der Hand (vgl. Hamlet, III,3) folgenden Satz aus: "Das Kind gibt mir einen Stich ins Herz". Metapher? Wörtlich zu verstehen? Beides? Daher die gesprungenen Todesglocken und die Spiegelscherbe. So geht Dichtung und in der Verdichtung liegen eben die Geheimnisse großer Literatur.
Einen hübschen Scherz hat sich übrigens der Computer gestattet, der das Register zusammenstellte. Unter "Fontane" hat er auch die "Fontäne" in der Schmuddelecke des Pikanten im letzten Kapitel subsumiert, dieser Seitenhieb auf das Oberflächliche  der Schlange im Wolfspelz muss sein.

Antwort schreiben

Günther Rüther schrieb uns am 31.03.2021 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Günther Rüther: Leben in einem zerstörerischen Zeitalter
Heinrich Mann zum 150. Geburtstag

Heinrich Mann hatte bereits am 10. Oktober 1949 eine Passage mit der Batori fest eingeplant. Paul Wandel ließ zu diesem Zweck sogar das Reisegeld anweisen. Das Schiff fuhr ohne ihn. Er fühlte sich unpässlich. Dann zog er in Erwägung, mit dem Flugzeug über die Bundesrepublik in die DDR zu gelangen. Der Plan zerschlug sich. Mit der Batori wurde im April erneut geplant.
Die SED Funktionäre hatten ein großes politisches Interesse daran, zu behaupten, dass Heinrich Mann gerne in die DDR gekommen wäre. Sie hielten auch nach seinem Tod an dieser Annahme fest. Meines Erachtens handelt es sich dabei um eine Legende. Der Bonner Republik kam sie gelegen, weil es ihr Bild vom Kommunisten Heinrich Mann bestätigte. Nach meiner festen
Überzeugung hielten Walter Ulbricht, dieses „vertrackte Parteigehirn“ wie Heinrich Mann ihn nannte, und die Gründung der DDR ihn von der Reise ab. Sein Bruder Thomas notierte: „Will sich nicht ´verkaufen´ etc. Will also nicht reisen und möge bleiben.“ So wird es wohl gewesen sein. Heinrich Mann war ein Träumer, ein Idealist. Aber er war Realist genug, um zu wissen, was ihn in der DDR erwartete. Er war über die Vorgänge dort bestens informiert. In einer Diktatur wollte er seinen Lebensabend nicht verbringen, noch weniger wollte er ihr Aushängeschild sein und ihr zur Ehre gereichen.

Leserbriefe zu diesem Thema anzeigen (2)Antwort schreiben