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Christian Milz schrieb uns am 13.04.2021
Thema: Jörn Münkner: Am Puls der Texte
Michael Maar analysiert in „Die Schlange im Wolfspelz“ die Wirkung großer Literatur

Stellenweise insbesondere auf den ersten Seiten brillant, enorm belesen gewiss, auch kompentent im Hinblick auf Stil und Sprache, schlägt Michael Maar indes mehr (z.T. bereits breit ausgetretene) Schneisen ins Unterholz "großer Literatur", als dass er deren "Geheimnisse", wie es im Untertitetl heißt, ausplaudert. Stil ist eben nicht alles, vielleicht nicht einmal die Hauptsache. Wer  wirklich an dem Geheimnis von Literatur interessiert ist, der wird in den knappen Anmerkungen Maars zu den einzelnen Autoren nicht fündig, er sucht das Konkrete, sprachlich Bestimmbare, auch das Autobiografische, für die entscheidenen mythologischen Tiefenstrukturen beispielsweise bei Fontane oder Büchner hat er keinen Blick. "Idiosynkrasien" sei Fontanes Lieblingswort, er koppele Substantive zu langen Wort-Waggons, sein Stechlin bestehe hauptsächlich aus Dialogen in denen immerzu gelacht statt gesagt werde, woran man noch den Journalisten erkenne (beim Kollegen Hemingway fielen der journalistischen Sparsamkeit wenigstens die Adjektive zum Opfer) und eine Schwäche für die Sentenz sei Fontanes Hauptmerkmal: Nein, mit selbigem hat Maar nichts am Hut, immer wieder dieser gleiche Ton, den man irgendwann nur noch schwer ertrage - gleichwohl vieles bei Fontane sei entzückend und mit dem Zeigestock: "Nichts gegen Fontane".
Aber wo ist bleiben die Geheimnisse? Der Autor hat sich darüber mit seinem Kollegen Spielhagen, der den gleichen Stoff der Effi Briest ebenfalls zu einem Roman verarbeitet hatte, brieflich ausgetauscht. U.a. die Zwillinge Bertha und Hertha sind ein Hinweis, der bis zum mythologisch dunklen Herthasee reicht mit seinen historischen Menschenopfern, die schon ganz am Anfang in der Bootsfahrt auf dem See des Biest'schen Anwesens antiizipiert werden und ein Musterbeispiel für die Verdichtung bei Fontane darstellen. Die Platanen (in Händels berühmtem Largo besungen), bzw. deren immaterielles Rauschen, werden am Ende zu Symbolen der Transzendenz. Ein mehr dem Stoff als der Form zuzurechnendes Geheimnis besteht in der fehlenden Hochzeitsreise der alten Briests, über mögliche Hintergründe in Hinblick auf den preußischen Staat und das Königshaus ist in der Literaturkritik schon intelligent spekuliert worden.
Ein weiteres Geheimnis großer Literatur betrifft Büchner und sein Woyzeck-Fragment, aus dem Maar ein paar Schnipsel zitiert: "Käfer summen wie gesprungene Glocken" und "Augen sind so schwarz, als schaue man in einen Ziehbrunnen". Maar fragt, ob Käfer wirklich wie gesprungene Glocken summen können? Sie könnten, Büchner habe genau hingehört. Hat er nicht vielmehr tiefer in große Literatur hineingelesen als Maar selbst? Beispielsweise in Macbeth mit dessen Assoziation der dunklen Hekate, des hornbeschwingten Käfers und der nächt'gen Schlummer- bzw. Todesglocke? Bei Büchner sind die Glocken gesprungen wie das Glas, in dessen Scherbe sich Marie spiegelt, nicht nur weil sie materiell arm ist, sondern moralisch arm wie Hamlets Mutter, eines Hamlet, der seine Mutter (nur) mit den Augen ersticht, während Woyzeck tatsächlich zusticht. Warum? im Woyzeck findet sich eine rhetorische Raffinesse, die ihresgleichen sucht und die es wohl wert gewesen wäre, in Maars Fundus von Stilschätzen aufgenommen zu werden. Marie stößt auf dem Höhepunkt ihrer Verzweiflung, die Bibel in der Hand (vgl. Hamlet, III,3) folgenden Satz aus: "Das Kind gibt mir einen Stich ins Herz". Metapher? Wörtlich zu verstehen? Beides? Daher die gesprungenen Todesglocken und die Spiegelscherbe. So geht Dichtung und in der Verdichtung liegen eben die Geheimnisse großer Literatur.
Einen hübschen Scherz hat sich übrigens der Computer gestattet, der das Register zusammenstellte. Unter "Fontane" hat er auch die "Fontäne" in der Schmuddelecke des Pikanten im letzten Kapitel subsumiert, dieser Seitenhieb auf das Oberflächliche  der Schlange im Wolfspelz muss sein.

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Günther Rüther schrieb uns am 31.03.2021 als Antwort auf einen Leserbrief
Thema: Re: Günther Rüther: Leben in einem zerstörerischen Zeitalter
Heinrich Mann zum 150. Geburtstag

Heinrich Mann hatte bereits am 10. Oktober 1949 eine Passage mit der Batori fest eingeplant. Paul Wandel ließ zu diesem Zweck sogar das Reisegeld anweisen. Das Schiff fuhr ohne ihn. Er fühlte sich unpässlich. Dann zog er in Erwägung, mit dem Flugzeug über die Bundesrepublik in die DDR zu gelangen. Der Plan zerschlug sich. Mit der Batori wurde im April erneut geplant.
Die SED Funktionäre hatten ein großes politisches Interesse daran, zu behaupten, dass Heinrich Mann gerne in die DDR gekommen wäre. Sie hielten auch nach seinem Tod an dieser Annahme fest. Meines Erachtens handelt es sich dabei um eine Legende. Der Bonner Republik kam sie gelegen, weil es ihr Bild vom Kommunisten Heinrich Mann bestätigte. Nach meiner festen
Überzeugung hielten Walter Ulbricht, dieses „vertrackte Parteigehirn“ wie Heinrich Mann ihn nannte, und die Gründung der DDR ihn von der Reise ab. Sein Bruder Thomas notierte: „Will sich nicht ´verkaufen´ etc. Will also nicht reisen und möge bleiben.“ So wird es wohl gewesen sein. Heinrich Mann war ein Träumer, ein Idealist. Aber er war Realist genug, um zu wissen, was ihn in der DDR erwartete. Er war über die Vorgänge dort bestens informiert. In einer Diktatur wollte er seinen Lebensabend nicht verbringen, noch weniger wollte er ihr Aushängeschild sein und ihr zur Ehre gereichen.

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Klaus Müller-Salget schrieb uns am 09.03.2021
Thema: Günther Rüther: Leben in einem zerstörerischen Zeitalter
Heinrich Mann zum 150. Geburtstag

Dass Heinrich Mann das Angebot, in (Ost-)Berlin Präsident der Akademie der Künste zu werden, schließlich nicht angenommen habe, ist mir neu. Nach Behebung etlicher Pass-Probleme schrieb er am 28. Februar 1950 an Arnold Zweig: "Das polnische Schiff Batory soll am 28. April  in Gdynia ankommen." (Klaus Schröters Rowohlt-Monographie, S. 163). Dass er am 12. März gestorben ist, verhinderte die Reise. - Gibt es neuere Quellen, die dem widersprechen?

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Luise F. Pusch schrieb uns am 02.03.2021
Thema: Jens Flemming: Deutungsansprüche, Netzwerke, Animositäten
Axel Schildts nachgelassenes Werk „Medien-Intellektuelle in der Bundesrepublik“ beleuchtet umfassend intellektuelle Lebenswelten

Keine einzige Frau unter den Medien-Intellektuellen? Oder war der Autor blind für sie? Oder der Rezensent? What about Boveri? Dönhoff?
Jedenfalls hätte dies auffällige Fehlen doch immerhin erwähnt und problematisiert werden müssen.

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Frieder Sommer schrieb uns am 09.02.2021
Thema: Sascha Seiler: „Die Sprache ist für mich wie Trinkwasser“
Ein Gespräch mit dem Musiker und Autor Heinz Rudolf Kunze

Vielen Dank für dieses Gespräch mit Heinz Rudolf Kunze. Das mit dem "Ich lasse mir nicht ins Trinkwasser spucken!" merke ich mir vor für meine nächste Diskussion zum Thema "Gendern, ja oder nein".
Und als kleine Information am Rande: Ich weiß nicht, wieviele Leser der "literaturkritik" noch fernsehen und dann ausgerechnet einen "Tatort"? Alle, die es nicht tun, haben Mitte Januar leider etwas versäumt.
In dem "Tatort" "Dies ist unser Haus" (Arbeitstitel: "Leiche im Keller")klingeln die Ermittler an einer Haustüre zum Zwecke der Befragung.
Die Tür öffnet sich und ein oller Krauterer erscheint. Nach dem ersten Schreck stutzt der Zuschauer, um dann einen
lauten Schrei auszustoßen: "Mein Gott, das ist ja der Kunze!!" Eine winzige Nebenrolle, für die er angeblich eine ganze Woche geübt haben soll.
Und alle Filmfans erinnern sich sicher noch an den Schrei, den sie ausstießen, als in "Spiel mir das Lied vom Tod" der Hut, der das Gesicht des Schauspielers verbarg, nach oben ging und die stahlblauen Augen sichtbar wurden: "My God, it's Fonda!!"
Nun haben wir mit Heinz Rudolf Kunze einen zweiten Weltstar, der wegen eines Aufschreis der Zuschauer in die Film- und Fernsehgeschichte eingehen wird!

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Frieder Sommer schrieb uns am 09.02.2021
Thema: literaturkritik v.08.02.

Jetzt habe ich als Jahrgang 1939 meine Zweitimpfung gegen den (das?) Virus glücklich hinter mich gebracht und da erreicht mich die neueste Ausgabe. Die ist ja mal eine echt heiße Nummer! Da fühle ich mich altersmäßig wieder auf der Stufe des Autorenquartetts, das ich mit Begeisterung gelesen habe. Weiter so!!
Was ich mir von der "literaturkritik" in nächster Zeit erwarte? Stellungnahmen zur Genderdebatte. Ich persönlich bin voll auf der Linie des Schriftstellers N. Pollatschek.

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Dr. Stefanie Leibetseder schrieb uns am 29.01.2021
Thema: Rüdiger Scholz: Das schöne Märchen einer Männerfreundschaft zweier Ausnahmemenschen
Sigrid Damm über Carl August und Goethe

Danke für diese Rezension! Ich schätze Frau Damm sehr, besonders für ihre Bücher über Cornelia Goethe und Lenz, aber mit diesem Buch, bin ich aus den vielen Gründen, die der Rezensent detailreich dargelegt hat, überhaupt nicht warm geworden. Ich glaube, man möchte hierzulande einfach nicht ein liebgewordenes Bild beschädigen...

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Prof. Dr. Günter Helmes schrieb uns am 28.01.2021
Thema: Rüdiger Scholz: Das schöne Märchen einer Männerfreundschaft zweier Ausnahmemenschen
Sigrid Damm über Carl August und Goethe

Für diese wissensgesättigte, ausgewogen urteilende und in weiteren Hinsichten fulminante Besprechung ein herzliches Dankeschön.

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Dr. Petra Dinse schrieb uns am 26.01.2021
Thema: Anne Kramer: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Arbeiterkind ins Professorenreich
Der Band „Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft“ gewährt ebenso seltene wie relevante Einblicke in einen wenig erforschten Karriereweg

Vielen Dank für den Artikel. Spannend wäre zu untersuchen, wie das Verhältnis in der damaligen DDR aussah. Ich komme auch aus einer Arbeiterfamilie, meine weitere Karriere scheiterte an der Nichtzugehörigkeit
zur SED, aber auch an
familiären Problemen. Jedenfalls ein sehr interessanter Untersuchungsgegenstand.

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Prof. Dr. Günter Helmes schrieb uns am 25.01.2021
Thema: Anne Kramer: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Arbeiterkind ins Professorenreich
Der Band „Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft“ gewährt ebenso seltene wie relevante Einblicke in einen wenig erforschten Karriereweg

Herzlichen Dank für das Buch, herzlichen Dank für die Besprechung. - Mein Vater musste mit 13 Jahren die Schule verlassen und eine Lehre als Betriebselektriker antreten, später arbeitete er sich zum technischen Angestellten hoch und wurde sogar Bürgermeister meines ca. 900 Seelen zählenden Heimatdorfes. Das zog selbstverständlich jede Menge Benimmregeln für mich und meine Schwester nach sich. Meine Mutter konnte nach der Hauptschule immerhin ein Jahr lang die Handelsschule besuchen und sogar zur Chefsekretärin aufsteigen. Universität war für meine Eltern ein exotischer Ort, Bücher waren eine kaum zu rechtfertigende Ausgabe und überhaupt entbehrlich. Der Besuch des Gymnasiums - ich war der erste in der erweiterten Familie, dem das ermöglicht wurde - war vor allem für meinen Vater Wunschtraum und Bedrohung zugleich --- muss man mehr (auswendig) wissen als das, was in Herders Volkslexikon steht, führte das nicht zu "Opposition mit drei P" (wie er zu sagen pflegte)? Als ich 1973 mein Studium an der damaligen Gesamthochschule Siegen begann, hatte ich keine Vorstellung davon, dass diese Einrichtung von 'richtigen' Universitäten nur müde belächelt wurde. Vor allen Dozenten hatte ich hohen Respekt, hielt mich für glücklich, ausgerechnet auf diese 'Ausnahmeintellektuellen' gestoßen zu sein und ging insbesondere davon aus, dass es sich um einen allein dem Wissen, dem besseren Argument und der Leistungsbereitschaft verpflichteten Ort handele. In die Mensa traute ich mich die ersten Semester nicht aus Angst, dort etwas falsch machen zu können. Dank aufgeschlossener Dozenten und Dozentinnen - allen voran mein späterer Doktorvater Helmut Kreuzer - gelang es langsam, Fuß zu fassen, immer freilich in dem Gefühl, dass diese, insbesondere jene mit bildungsbürgerlichem Hintergrund und Habitus, aus einer anderen, milde die Hand reichenden Welt stammten. Wie sollte das gehen, in diese Welt hineinzuwachsen und gleichzeitig nicht die Brücken zur Herkunft niederzureißen? Wollte ich überhaupt 'zum Betrieb', zum bald erkannten „Haifischbecken“ (H. Kreuzer) gehören? ...

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Jürgen Lodemann schrieb uns am 06.01.2021
Thema: Sascha Mangliers: Sternenfeuer der Nebensächlichkeiten
In seinem Roman „Mars an Erde“ erzählt Jürgen Lodemann die Geschichte eines Astronauten und kreist um das Wesentliche wie der Mars um die Sonne

Selten eine so begrifflose Rezension gelesen - z.B. über die literarischen Zitate, mit deren Hilfe sich nach anderthalb Jahren im Weltraum der Literaturliebhaber Frank Brandt aus dem erdähnlichen Untergang einer Mars-Zivilisation hinausretten muss, und retten muss vor dem Zugriff eines politischen Magazins - Null Empfinden für dessen extreme Stresssituation, für die Macht solcher harten Polit-Interviews im Anschluss an absolute Nachrichtensperre, Null Versuche, die Gründe für "um Jahre gealtert" zu denken, die Gründe auch für eben diese Liter.-Zitate zu erkennen, die seien "gekünstelt, deplatziert, erzwungen" - Schiller, Büchner, Heine, Levi, alles total sinnlos, auch Whistleblower XY und Pressefreiheit "leider keinerlei Kurzweil", alles Poltische sowieso und die Fakten vollkommen langweilig, etwa dass zwei der vier Raumfahrer "Schwarze" sind, sowas hat er lieber gar nicht erst wahrgenommen, im Grund das Ganze nicht, nicht mal annähernd - nur weiter so mit solcher Literatur-"Kritik" - toll, die Vernichtung des Lebens durchs Leben, sie ist diesem Gemüt kein Thema. Seuchen, Klima-Desaster gleichfalls - nein, ER trägt sein Whyskey-Glas nach den Gängen durch die enthüllte Unterwelt des Mars ohne jedes Zittern, bravo! da grüßt begeistert der Autor J L

Anbei erste Echos zum Marsbuch:

Noch selten habe ich einen eindringlicheren Roman gelesen. Seltsamerweise hatte ich kaum je den Eindruck, es mit Science Fiction zu tun zu haben, vielmehr schafft es der Autor, drängende Wirklichkeit zu vermitteln, die so real daherkommt, dass es einen schüttelt, weil sie die Zukunft des blauen Planeten spiegelt. … Literatur, die einschlägt. Rechnen Sie mit einem Lesekrater. Das geht jetzt einfach alle an. / Jolanda Fäh, daswortzumbuch.ch


… ein einzigartiges Interview. Am Ende mit Blicken auf Unheimliches. Konkret ins Innere des Mars, in „Blindschächte“ … endet mit denkwürdigen Spiegelblicken auf den Planeten Erde, mit kosmischen Visionen, mit Vorstößen in das ewige Rätsel intelligenten Vorhandenseins … irrsinnig spannend! / R. Backhaus, TABOU Karlsruhe

Meisterhaft zeichnet Jürgen Lodemann das veritable Schreckensszenario eines einst der Erde ähnlichen und durch seine Bewohner zerstörten Lebensortes. Und zieht Parallelen. / Chilli-freiburg.de

Das liest sich spannend, zieht einen an, lässt einen – nachdenklich geworden – diesen Roman immer wieder aus der Hand legen, um das Gelesene zu verdauen: Keine leichte Kost, aber inhaltlich und sprachlich stark! / literaturcafe.de

Der Mann, dessen 900-Seiten-Nibelungen-Roman "Siegfried und Krimhild" mir nach wie vor in bester Erinnerung ist, lässt hier den deutschen Raumfahrer Frank Brandt für die Dauer eines Denver-Berlin-Linienflugs von Reportern befragen. Brandt ist Rückkehrer von einer mysteriösen, weil nach großem TamTam plötzlich mit vollständiger Nachrichtensperre belegten Mars-Reise. Die Journalisten erlangen nur mit Mühe das Vertrauen des Astronauten, der vor US-Geheimdiensten flieht ... berichtet dann nicht nur von einer russischen Raumfähre mit gleichem Ziel, sondern auch, dass es auf dem Mars vor Äonen eine hoch entwickelte Zivilisation gab. Deren Reste zerfallen bei der ersten Berührung zu Staub. Tief unter der Oberfläche des Mars jedoch haben sich lesbare Spuren erhalten … Dass Ausbeutung und Block-Denken fatale Folgen haben – gern auch mal in einer so unterhaltenden Form wie hier. / Karsten Zimalla, Westzeit.de

„Glück auf“ aus dem finsteren Kosmos? Ein Zukunftsszenario. Ab der Mitte des Buches wird es immer spannender, da zeigt sich mehr und mehr, dass der Mars eine katastrophale Vorgeschichte hat, in der sich das aktuelle Schicksal der Menschheit spiegelt, als rücksichtsloser Konsum eines ganzen Planeten. Die Mars-Lebewesen hatten sich, um überleben zu können, in immer tiefere Kraterschächte eines erloschenen Riesenvulkans zurückgezogen (was den erzählenden Astronauten ausdrücklich an die Untertage-Schachtwelt des Ruhrgebiets erinnert). Die Marswesen nutzten immer perfektere Überlebenstechnologien, waren aber unfähig, die Ressourcen gesellschaftlich so zu organisieren, dass sie nicht doch in einer Versteinerung allen Lebens endeten … Goethes Bergwerksgruß „Glück auf“ am Ende … lässt die aktuelle Bewältigung der Corona-Krise wie einen Testlauf wirken zu weit gefährlicheren Entwicklungen. / Jens Dirksen, Funke-Mediengruppe, Essen (WAZ, NRZ etc.)

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Christophe Fricker schrieb uns am 09.12.2020
Thema: Georg Patzer: Sandelholz aus Java und arabischer Weihrauch in China
Valerie Hansen erzählt lebendig und anschaulich vom „Jahr 1000. Als die Globalisierung begann“

Vielen Dank für die spannende und einleuchtende Rezension. Der Fairness halber sollte nur noch betont werden: Wenn es ein "locker geschriebenes Buch" ist, dann ist es nicht (nur) die Autorin, die "so leicht fasslich und lebendig" schreibt, sondern vor allem Anna Leube und Wolf Heinrich Leube, die das Buch übersetzt haben. Jedes einzelne Wort stammt von diesen beiden!

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Alissa Theiß schrieb uns am 10.11.2020
Thema: Stefanie Steible: Licht und Schatten kolonialer Forschungsreisen
Christopher Kloeble erzählt in „Das Museum der Welt“ von einer deutschen Himalaya-Expedition und indischer Geschichte

Nur ganz kurz: die Brüder heißen Schlagintweit, nicht Schlingensief!

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Michael Braun schrieb uns am 09.11.2020
Thema: Jan Süselbeck: Ride my Chevrolet
Abschiedsgedanken nach fünf Jahren Kanada

DER LESERBRIEF IST NUR FÜR REDAKTION UND AUTOR BESTIMMT

Selten habe ich einen so anschaulichen, umsichtigen und eindringlichen Beitrag in literaturkritik.de so wie den von Jan Süselbeck. Ganz wunderbar sind die Impressionen der Landschaft. Chapeau! So etwas möchte man auch von anderen Mitarbeitern mit Auslandserfahrung lesen.

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Prof. Dr. Günter Helmes schrieb uns am 20.10.2020
Thema: Dirk Kaesler: Sperrt die blauen Bände nicht in den Schrank, sondern stellt sie ins Netz!
Mit Max Webers Vorlesungen über „Praktische Nationalökonomie“ wurde seine Gesamtausgabe abgeschlossen. Ein Rückblick auf das virtuelle Weber-Happening 2020 und meine eigene Rezensionsarbeit

DANKE!

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Karl-Josef Müller schrieb uns am 16.10.2020
Thema: Verena Brunschweiger: Wie penetranter Pronatalismus ein gutes Buch erodieren kann
In ihrem Werk „Sexismus“ zeigt Susan Arndt die Omnipräsenz dieser Diskriminierungsform auf

In Deutschland wird niemand gezwungen, Kinder in die Welt zu setzen. In ganz Europa und überhaupt in demokratischen Ländern ist es wohl ebenso. Wer einem Satz  wie dem folgenden widerspricht, kann nach Meinung der Rezensentin dennoch nur auf der falschen Seite stehen:

„Oder indem man die Zwangsmutterschaft ganz explizit als solche enttarnt und sich ihr verweigert, denn schließlich ist das Gebären der patriarchale Imperativ schlechthin.“
Eine apodiktische Aussage, hinter der sich eine unumstößliche Wahrheit kaum verbergen kann.
Was die Autorin der Rezension dem zu besprechenden Buch vorwirft, ist - horribile dictu – dass dort von einer vierfachen Mutterschaft  die Rede
ist:    


„Aber gerade das ist die allergrößte Schwäche dieses Buchs, das sonst so viel Wichtiges und Richtiges beinhaltet, denn die Autorin schwelgt auf eine Art und Weise in ihrer eigenen vierfachen(!) Mutterschaft, die einem die Lektüre profund und wieder und wieder verleidet: ‚Noch nie hatte ich etwas Schöneres erlebt. Diese Magie der ersten Begegnung durfte ich vier Mal erleben, und es waren die glücklichsten Momente meines Lebens. […] Einerseits ist meine Mutterschaft das Schönste, was mir im Leben passiert ist.‘ Das hat in einem Buch, das sich wissenschaftlich gibt, nichts verloren – das ist reinste pronatalistische Propaganda, die man überhaupt nicht sollte lesen müssen.“
Schweres Geschütz gegenüber einer Frau, die vier Kinder in die Welt gesetzt hat. Für die Autorin der Rezension erweckt dies Gefühle nah am Ekel.
Weiter geht‘s im absolutistischen Ton der Rezensentin, die – wissenschaftlich fundiert und daher unumstößlich – weiß, worum es geht, zum Beispiel um die „provozierender Selbstverständlichkeit“ mit der „sich Eltern nicht nur alle Privilegien nehmen, sondern immer noch mehr fordern“.

„Arndt beklagt: ‚Fehlendes Verständnis für meine Mutterschaft von Frauen* gehört zu meinem täglichen Brot‘ – ja, vielleicht weil es kinderfreien und kinderlosen Frauen reicht, ständig diskriminiert zu werden, nur weil sie nicht den ausgelatschtesten aller Pfade trampeln und sich reproduzieren? Weil sie es satthaben, mit welch provozierender Selbstverständlichkeit sich Eltern nicht nur alle Privilegien nehmen, sondern immer noch mehr fordern?
In einer Zeit, in welcher eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht ist, weil sich eine exponentiell wachsende Bevölkerung das Recht herausnimmt, nichtmenschliche Tiere so zu verdrängen, dass künftig noch viel mehr und ganz andere Viren von diesen auf uns überspringen werden, kann man die nonchalante Anmaßung von Menschen mit Kindern nicht mehr unterstützen. Vor allem dann nicht, wenn das replacement level bereits um zwei überschritten wurde.“
Entschuldigung, wir haben zwei Kinder in die Welt gesetzt, tut uns leid, sie sind auch ganz unglücklich, Opfer unserer pronatalistischen Haltung, äh, Propaganda, geworden zu sein. Und ja, wir bekennen, wir hätten gerne Enkel, hat sich leider, ach nein: Gott sei Dank, noch nicht ergeben.

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